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Hans Hermann Henrix

Christus im Spiegel anderer Religionen

Forum  Christen und Juden; Bd. 12. LIT-Verlag, Berlin/Münster 2014. 184 Seiten. Rezension von Matthias Blum, Berlin.

Das Buch geht auf eine Vorlesung des Autors zurück, die dieser im Rahmen einer Gastprofessur im Sommersemester 2013 am Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Katholisch-Theologischen Fakultät der Paris-Lodron-Universität Salzburg gehalten hat (11).

Hans Hermann Henrix stellt einführend heraus, dass zwar zur Geschichte des Christentums eine hartnäckige Tradition der Abgrenzung, Abwertung oder Zurückweisung gegenüber anderen Religionen gehöre, dass diese Haltungen aber heute nicht mehr die bestimmende Grundierung in der Beziehung des Christentums zu den anderen Religionen bildeten (9). Ein Indiz für diese Veränderung sieht er in der Aufmerksamkeit dafür, „ob und wie in den anderen Religionen ein Interesse an Jesus Christus vorkommt bzw. begegnet“ (9). Die Annahme, dass die anderen Religionen christlichen Menschen „als Spiegel, als ‚Resonanzräume‘ für die Botschaft von Christus“ entgegenkommen und von ihnen als, wenn auch ihnen fremde, so doch als Orte der Begegnung mit Christus verstanden werden könnten (10 f.), ist für die weiteren Ausführungen grundlegend. „In den anderen Religionen kann es“, wie Henrix betont, „Raum geben für die Begegnung mit Christus“ (11). Diese ‚Begegnungs-Räume‘ beschreibt der Autor in sieben Kapiteln:

  1. „Von der Israeltheologie zur Theologie der Religionen. Eine Annäherung“;
  2. „Das Christentum im Spiegel des Judentums. Zum Kontext der Frage nach Christus im Spiegel des Judentums“;
  3. „Christus im Spiegel des Judentums“;
  4. „Christus im Spiegel des Islam“;
  5. „Christus im Spiegel des Hinduismus“;
  6. „Christus im Spiegel des Buddhismus“;
  7. „Christus im Spiegel anderer Religionen – Zum Wohnrecht der Anderen im christlichen Denken“.

Dem dritten Kapitel, „Christus im Spiegel des Judentums“, gehen entsprechend dem einzigartigen Verhältnis von Christentum und Judentum einschlägige Kontextualisierungen voraus. So stellt Henrix im ersten Kapitel die ‚komparative Theologie‘ als Antwort auf das Dilemma der unterschied lichen Grundmodelle der Theologie der Religionen – Exklusivismus, Inklusivismus, Pluralismus – heraus (31 ff.) und unterstreicht diese „Antwort“ nochmals rekapitulierend in seinen abschließenden Betrachtungen (171 ff.).

In Anlehnung an die komparative Theologie, sich kontextbezogen einzelnen Inhalten der anderen Religion zuzuwenden, geht es Henrix darum, in der Zuwendung zu den literarischen Zeugnissen anderer Religionen deren Grundgehalte und Identitätsaspekte zu vergegenwärtigen und so den Kontext der Frage nach Christus in dieser Tradition bereitzustellen. Damit könne dann, so Henrix, „die Ermittlung möglicher konstruktiv-positiver Resonanzen und ihrer Grenzen einsetzen“ (35).

Die Frage nach Christus im Spiegel des Judentums kontextualisiert Henrix, indem er zunächst auf jüdische Theologie(n) des Christentums und ihre Vorläufer in der Geschichte eingeht, bis hin zu der jüdischen Stellungnahme zu Christen und Christentum „Dabru emet“ aus dem Jahr 2000, in der er eine Verdichtung in der Bemühung um eine jüdische Theologie des Christentums erkennt (37 ff.; 53 ff.).

Im dritten Kapitel setzt sich Henrix zunächst mit aktuellen Forschungsansätzen zur Frühgeschichte des Christentums in seiner Beziehung zum Judentum auseinander und skizziert dafür folgende Stichworte: die „Phase der Leben-Jesu-Forschung“, das „Auseinandergehen der Wege von Judentum und Christentum“ sowie die „neue Perspektive auf Paulus“ (63 ff.). Denn diese Forschungsansätze wirkten auf das gegenwärtige jüdische Verständnis Jesu ein und bildeten einen impliziten Aspekt zum Thema ‚Christus im Spiegel des Judentums‘ (69).

Henrix nähert sich diesem Thema zunächst ebenfalls in historischer Perspektive mit Blick auf das rabbinische und mittelalterliche Judentum (69 ff.), bevor er die jüdische Annäherung an Jesus in der Gegenwart als einen „Lernort christlicher Theologie“ hervorhebt (73 ff.), ein breites Spektrum jüdischer Wortmeldungen zu Jesus aufzeigt (76 ff.) und sodann postuliert, dass jüdische Einwände zu Jesus Christus als inkarniertem Wort oder Sohn Gottes ebenfalls in diesem Kontext zu berücksichtigen seien (78 ff.). Letztlich erweise sich das Thema ‚Jesus Christus im Spiegel des Judentums‘ als theologische Einladung, „im Trennenden aufmerksamer die Nähe zu entdecken und den Unterschied im Nahen mit ‚ökumenischem Geist‘ zu akzeptieren und wertzuschätzen“ (86).

Bei der Erarbeitung der Christusrezeption im Islam hebt Henrix hervor, dass der Koran die einzige normative bzw. kanonische Schrift einer anderen Weltreligion sei, in der Jesus explizit vorkomme und eine Rolle spiele. Dementsprechend habe das christlich-islamische Gespräch eine singuläre Grundlage: „Für christliche wie für muslimische Gläubige ist ein Dialog über Jesus auf der Basis der jeweiligen Heiligen Schrift möglich“ (174). Und die Jesus- Aussagen des Korans seien als theologische, Jesus Christus betreffende Aussagen „externe, nichtchristliche christologische Aussagen“ (ebd.). Allerdings begegne darin aus christlicher Sicht ein fremder Jesus, insofern er aus der Sicht des Korans nicht ‚Sohn Gottes‘ sei (175). So kann Henrix auf die Doppelerfahrung verweisen, dass Jesus Christen und Muslime trenne und derselbe Jesus Christus Christen und Muslime miteinander verbinde.

Henrix schließt mit dem Fazit, dass sich die christliche Theologie der Präsenz Jesu Christi in anderen Religionen nicht entziehen dürfe:

„Sie hat sie zu würdigen. Und in der Fremdheit des in anderen Religionen vorkommenden Christus entdeckt sie Züge, Aspekte und Wirkungen dieses Christus, die ihr bei aller Fremdheit nahe, vertraut und kostbar sind“ (176).

Das Buch hat entsprechend seinem Konzept, die zugrunde liegenden Vorlesungen in einer zusammenfassenden Überarbeitung und Fortschreibung vorzulegen (12), einen betont informativen Charakter. Die lesenswerten Darstellungen bieten für die Wahrnehmung Christi im Spiegel anderer Religionen eine Fülle von Anregungen.

Matthias Blum, Berlin


Jahrgang 23 / Heft 3, S. 228−230.

 



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