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Redaktion (R. Goethert / E. Weidinger)

Die Akra (Zitadelle)

Ein archäologischer Rückblick auf Chanukka

Das erste Makkabäer-Buch (die biblische Quelle des Chanukka-Festes) berichtet, dass der Seleukiden-König Antiochos IV. Epiphanes nach seinem Sieg über Ägypten im Jahr 143 nach Jerusalem hinaufzog, die Stadt belagerte (1 Makk 1,20) und um die Davidstadt „eine hohe und feste Mauer mit mächtigen Türmen“ erbauen ließ, „damit sie ihnen als Burg [Zitadelle, griechisch: Akra] dienen konnte“ (1 Makk 1,33). Und weiter wird berichtet:

„Die heilige Stätte war entweiht. Ausländer hausten in der Burg, sie war ein Gasthaus für fremde Völker“ (1 Makk 3,45).

Auch der jüdische Historiker Flavius Josephus erzählt vom Bau der Akra:

„[...] und nachdem er [Antiochos IV.] die Stadtmauern niedergerissen hatte, erbaute er die Zitadelle in der Unterstadt; denn dieser Platz war hochgelegen und überragte den Tempel; deshalb befestigte er ihn mit hohen Mauern und mit Türmen und besetzte ihn mit einer makedonischen Garnison“ (Iudaike¯ Archaiologia / Antiquitates Iudaicae XII 252; Übers. C. M.).

Ein weiteres Mal erwähnt Flavius Josephus die Zitadelle im Zusammenhang mit der Reinigung und Wiedereinweihung (Chanukka) des von Heiden verunreinigten Tempels (ebd., XII, 316–326; vgl. den Beitrag von Chaim Noll, „Chanukka  – das Lichterfest“, S. 36 i. d. H.).

Bislang war unter Archäologen unklar, wo sich diese Burg befand. Laut einem Bericht der Israel Antiquity Authority (IAA) vom 3. November 2015 haben israelische Archäologen möglicherweise dieses „Rätsel der Frühgeschichte Jerusalems“ gelöst und die Lage der rund 2200 Jahre alten Zitadelle (Akra) ermittelt.

Foto: Assaf Peretz, Israel Antiquities Authority (IAA).                     

Bei Ausgrabungen unter einem Parkplatz nahe der Davidsstadt wurden die massiven Grundmauern eines Turms (4 m x 20 m) und ein vorgelagertes Glacis (eine steile Erdanschüttung zur Abwehr von Angreifern) entdeckt. Schleudern aus Blei, bronzene Pfeilspitzen und steinerne Kugeln deuten an, dass es an der Fundstelle Kämpfe gab. Da die Funde mit dem Dreizack, dem Symbol von Antiochos IV., bestempelt sind, kann die Stätte in seine Herrschaftszeit datiert werden.

„Diese sensationelle Entdeckung”, so die Archäologen Dr. Doron Ben-Ami, Yana Tchekhanovets and Salome Cohen, „ermöglichen zum ersten Mal eine Rekonstruktion dieses Stadtteils am Vorabend des Makkabäer-Aufstandes im Jahre 167 v. d. Z. [...] Die Festung (Akra) kontrollierte alle Zugänge zum Tempel und trennte ihn vom südlichen Teil der Stadt. Die im Grabungsareal vorgefundenen zahlreichen Münzen aus der Zeit Antiochus IV. und Antiochus V. sowie die große Anzahl von – aus der Ägäis importierten – Wein- Amphoren ermöglichen ebenfalls die chronologische Zuordnung der Zitadelle und belegen die nicht-jüdische Identität ihrer Einwohner.“

Mit der Entdeckung der Akra liefert die Archäologie erneut einen wissenschaftlichen Beleg für biblisch tradierte Zusammenhänge, in diesem Fall für den biblisch-historischen Hintergrund des Chanukka-Festes.

(Red.: Nach einem Bericht im Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 5. Nov. 2015).


Jahrgang 23 / 2016 Heft 1, S. 72 f.


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