Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Leseproben > Artikel ab Jg. 2001 > 1457  

Home
Leseproben
Artikel ab Jg. 2001
Rezensionen ab Jg. 2001

Inhalt Neue Folge
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version
Ulrich Dobhan

Teresa von Ávila – eine „Conversa“

Zur Bedeutung ihrer jüdischen Wurzeln

Noch vor 70 Jahren wäre es niemandem in den Sinn gekommen, über die jüdische Abstammung Teresas auch nur ein Wort zu verlieren, denn ihre Abstammung aus einer hochadligen altchristlichen Familie stand ohne jeden Zweifel fest. Heute gehört ihre jüdische Abstammung zum gesicherten Wissen über sie.

1. Teresa im Spiegel der barocken Hagiographie

Wer sich einmal die Mühe macht, die wichtigsten Teresa-Biographien, die seit ihrem Tod 1582 geschrieben worden sind, genauer zu betrachten, kann interessante Beobachtungen machen.1 Während es den ersten Biographen ein Anliegen ist, Teresa für die Seligsprechung „aufzubauen“2, wird sie schon bald in den Dienst der Ordensideologie gestellt, d. h. die Ordensleitung gebraucht Teresa zur Rechtfertigung ihrer eigenen Absichten und ihrer Sicht der Ordensgeschichte3, die, was wir heute sicher sagen können, weitgehend nicht mit denen der Madre Fundadora übereinstimmen. Ein weiterer Schritt in diesem Entstellungsprozess Teresas wird durch das 1807 erschienene dreibändige Werk von Manuel de Santo Tomás Traggia4 gemacht, der dem bisherigen bereits willkürlich anmutenden Teresa-Bild einen neuen Aspekt anfügt: Teresa als Patronin aller Spanier. Indem er an diese Vorstellung anknüpfte, machte Gabriel de Jesús aus Teresa die Heilige der Rasse5, Silverio de Santa Teresa gar die höchste Synthese der Rasse6, der „Hispanidad“.

Teresa von Avila.
Porträt eines unbekannten Malers
aus dem 17. Jh.
Im Besitz der Real Academía
de la Lengua, Madrid.

     Teresa von Avila

Eine Wende in diesem Prozess der Idealisierung brachte die dreibändige Teresa- Biographie7 von Efrén de la Madre de Dios8 – vor allem seit der Mitarbeit von Otger Steggink9 –, die 1996 in dritter Auflage erschien,10 auch wenn sie in manchem noch der traditionellen Historiographie verhaftet blieb.11 Eine weitere Aktualisierung im Bereich der Biographien über Teresa ist das Buch von Joseph Pérez.12

2. Die Entstehung des Converso-Problems13

Während des Mittelalters lebten die drei monotheistischen Religionen – Juden, Christen, Muslime – in Spanien relativ friedlich zusammen, was seit der Eroberung Toledos durch Alfons VI. im Jahre 1085 einen einzigartigen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch unter ihnen ermöglichte, wie beispielsweise durch die sogenannten „Übersetzerschulen“ von Toledo. Doch blieb es nicht dabei. 1282 und 1293 wurde den Juden erneut durch Gesetz verboten, Grund und Boden zu besitzen, wodurch sie von Ackerbau und Viehzucht als Erwerbsquelle ausgeschlossen waren.14 Ende des 14. Jahrhunderts führten verschiedene Faktoren (aufkommender Kapitalismus, Epidemien, soziale Gegensätze, das abendländische Schisma 1378–1417) insgesamt zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen,15 was sich vor allem auch auf die Situation der Juden auswirkte.16

Eine Folge dieser Entwicklung war, dass viele Juden auswanderten, was die von den Königen oft nur halbherzig gewährte Protektion auch nicht verhindern konnte. Ein mitunter gewaltsamer Bekehrungseifer der Christen führte zu Bekehrungen in großer Zahl, wobei die Neubekehrten in kirchliche Ämter geradezu hineindrängten (z. B. Kardinal Juan de Torquemada und sein Neffe Tomás de Torquemada, der erste Generalinquisitor) und oft zu den erbittertsten Feinden ihrer ehemaligen Glaubensbrüder wurden. Fast alle antijüdischen Schriften dieser Zeit stammen von konvertierten Juden.

So entstand das Problem der Conversos (Neuchristen). Wenn schon die Juden verhasst waren, so erst recht die Conversos, die nicht nur ihre traditionellen, gerade für die Oberschicht nützlichen Berufe wie Bankiers, Ärzte, Kaufleute, Stadtschreiber usw. ausübten, sondern nun auch kirchliche Ämter besetzten. Der Antijudaismus des Volkes hat also nicht in erster Linie religiöse Wurzeln, sondern war vor allem wirtschaftlich und sozial motiviert.17 Die Diskriminierung der Juden und der Conversos war somit nicht rassistisch begründet, sondern entsprang der sich unterlegen fühlenden Mehrheit der kleinen, oft ungebildeten Leute.18

Als die Katholischen Könige, Isabella I. von Kastilien und Ferdinand V. von Aragonien, 1475 den Thron bestiegen, glich die Situation im Land einem Bürgerkrieg: Auf der einen Seite die Altchristen, d. h. adlige oder auch nichtadlige Leute, in deren Adern aber auf jeden Fall kein jüdisches Blut floss – was immer wichtiger war als der höchste Adel19 –, und auf der anderen Seite die Juden bzw. die Neuchristen. Die „Reinheit des Blutes“ war schließlich das Einzige, was gerade die kleinen Leute den überlegenen Juden und Conversos voraushatten.

Um mit dieser Situation fertig zu werden, beschlossen die Monarchen, alle Juden aus Spanien zu vertreiben, was mit dem Dekret vom 31. März 1492 auch geschah.20

Wie viele Juden wurden vertrieben? Antonio Domínguez Ortíz spricht von 100 000 bei einer Gesamtbevölkerung von 6 Millionen.21 Joseph Pérez schreibt: „Die neusten, auf zuverlässigen Quellen basierenden Angaben sprechen – unter Berücksichtigung der Zurückgekommenen – von einer Gesamtzahl von 50 000.“22

3. Die Statuten für die „Reinheit des Blutes“

Eine Maßnahme zur Lösung des Converso-Problems war die Einführung besonderer Statuten, aufgrund derer die „Reinheit des Blutes“ (Limpieza de sangre) garantiert werden sollte.23 Sie wurden trotz des Protests Papst Nikolaus’ V. und der Erzbischöfe von Toledo zuerst 1449 von der Stadt Toledo eingeführt. Bald folgten verschiedene Orden24, Universitätskollegien und schließlich 1547 sogar das Domkapitel von Toledo, womit sich diese Statuten endgültig durchgesetzt hatten. Ignatius von Loyola, unter dessen engsten Mitarbeitern viele Conversos waren25, hat sich diesen Statuten stets widersetzt, doch wurden sie 1593 unter dem ersten nichtspanischen Ordensgeneral Claudio Acquaviva (1543–1615) schließlich eingeführt. Auch Teresa hat sie zurückgewiesen und viele Frauen aus Converso-Familien aufgenommen.26

  • 1595 hat ein Päpstliches Breve diese Maßnahmen bestätigt.27 Für die spanische Gesellschaft hatten diese Statuten unabsehbare Folgen:
  • Sie schürten die Missgunst der kleinen Leute gegen die als überlegen empfundenen Conversos, die nun mit Hilfe dieser Statuten leichter zu beherrschen waren.28
  • Sie trugen dazu bei, die Inquisition zu rechtfertigen, die in gewisser Weise das Instrument der kleinen Leute war, um gegen die übermächtigen Conversos vorgehen zu können. Dadurch entstand ein Klima von Missgunst, Neid und Misstrauen.
  • Sie führten zur Geringschätzung jeglicher nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit.
  • Sie führten zum kulturellen Rückschritt der Spanier: „Dieser ist seit der Mitte des 16. Jahrhunderts nicht etwa der Gegenreformation und auch nicht der wissenschaftsfeindlichen Haltung Philipps II. zuzuschreiben, sondern schlicht und einfach der Furcht, als Jude zu gelten.“29
  • Schließlich trugen die Statuten dazu bei, dass jeder über seine wahre Abstammung bestens Bescheid wusste, zumal es die sogenannten „grünen Bücher“ gab, d. h. Kataloge mit den Namen der Converso-Familien, und die öffentlich zur Schau gestellten Sambenitos (Bußkleider), die einen solchen „Geburtsfehler“ nicht vergessen ließen.30

Von Juden bevorzugte Auswege aus dieser Zwangssituation boten die Auswanderung aus der Geburtsstadt, der Erwerb eines Adelsbriefs, der Aufbruch nach den Indias (Westindien), die Änderung des Nachnamens und vor allem der Verzicht auf alle Tätigkeiten, die irgendwie mit Juden in Verbindung gebracht werden konnten. All das trifft für die Familie Teresas zu.

4. Teresa von Ávila – eine Conversa31

1946 veröffentlichte Narciso Alonso Cortés Auszüge aus Prozessakten, die im Archiv der Real Cancillería in Valladolid aufbewahrt werden.32 Aus diesen Prozessakten geht hervor, dass Juan Sánchez de Toledo, der Großvater Teresas, am 22. Juni 1485 vor dem Inquisitionstribunal in Toledo bekannte, „viele und große Vergehen und Delikte der Häresie und Apostasie gegen unseren heiligen katholischen Glauben getan und begangen zu haben [...]“,33 was dem damaligen gesellschaftlichen Kontext entsprechend bedeutet, dass er zum Christentum übergetreten war.

Diese Nachricht war so ungeheuerlich, dass es Jahrzehnte gedauert hat, bis Teresas jüdische Abstammung in Spanien endlich akzeptiert wurde.34 Besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang Américo Castro, einer der eifrigsten Verfechter von Teresas jüdischer Abstammung, und Efrén de la Madre de Dios, der – seit 1967 zusammen mit Otger Steggink – zum wichtigsten Biographen Teresas wurde. Unabhängig von den Dokumenten, die Narciso Alonso Cortés 1946 veröffentlicht hatte, brachte Américo Castro in seinem 1948 erschienenen Buch España en su historia (Cristianos, moros y judíos) die aus Teresas Schriften hervorgehende Fähigkeit zu feinfühliger Selbstbeobachtung in Zusammenhang mit ihrer hispano-jüdischen Tradition.

Was Américo Castro 1948 für die Konsolidierung seiner aller dings umstrittenen These35 über die spanische Geschichte hätte gut brauchen können und bereits 1954 vermutet hatte, ist durch die Entdeckung von Narciso Alonso Cortés und die Veröffentlichung der Prozessakten durch Teófanes Egido 1986 zur Gewissheit geworden. Für Américo Castro, der zu seiner Zeit Teresas jüdische Abstammung am entschiedensten verteidigte, wurde sie sogar zu einer der Hauptgestalten für das Spanien des 16. Jahrhunderts, an der er seine These zur Geschichte Spaniens erhärtet.36

Eine andere Darstellung von Teresas jüdischer Abstammung gibt Efrén de la Madre de Dios. 1951 erschien seine dreibändige Gesamtausgabe der Werke Teresas, deren erster Band eine Biographie mit dem Titel Tiempo y vida de Santa Teresa enthält.37 Die von Cortés entdeckten Dokumente werden in dem Sinn umgedeutet, dass der Großvater Teresas, Abkömmling eines vornehmen Adelsgeschlechts, aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als Tuch- und Seidenhändler viel mit Juden zu tun gehabt habe („vielleicht mit mehr Vertraulichkeit, als notwendig war“), schließlich von seinem Glauben abgefallen und zusammen mit seinen Söhnen jüdisch geworden und dann 1485 wieder zu seinem ursprünglichen Glauben zurückgekehrt sei. Auch in den vier folgenden zusammen mit Otger Steggink verfassten Biographien38 halten die beiden Autoren grundsätzlich an dieser These fest.

Joseph Pérez erläutert in seinem Buch Teresa de Ávila y la España de su tiempo (2007) den gesellschaftlichen Kontext, um daraus die Familiensituation Teresas zu verstehen:

„Alonso Sánchez de Cepeda war ein Hidalgo [...], doch was bedeutet das? Im damaligen Kastilien gab es drei Kategorien von Hidalgos, was genau genommen keine Adligen, sondern aufgrund der Befreiung von Steuern ‚Steuerprivilegierte‘ waren.“39

  • Jene, deren Privileg durch Grundbesitz gerechtfertigt war, waren die angesehenste Kategorie.

Jene mit einem berühmten Familiennamen, wie z. B. La Cerda oder Manrique (entscheidend war der Bekanntheitsgrad der Hidalguía).

  • Die Hidalgos mit einem amtlich bestätigten Adelsbrief (ejecutoria) waren die niedrigste Kategorie. Wenn die Königliche Kanzlei sich genötigt sah, sich mit der Hidalguía von Alonso Sánchez zu befassen, dann deshalb, weil nachgewiesen werden musste, dass er dieses Privileg tatsächlich besaß, und das bedeutet, dass er sich der Demütigung – und auch der Gefahr – eines öffentlichen Prozesses aussetzen musste,40 den er aber gewann.

5. Auswirkungen in der Familie Teresas

An Teresa und ihrer Familie kann man feststellen, wie sich die Conversos verhalten und wie sie überlebt haben:

  • Teresas Großvater ist nach seiner Konversion in Toledo nach Ávila „ausgewandert“, wo er eine Tätigkeit als Händler aufgibt, Ländereien kauft und von deren Erträgen lebt; dadurch gelingt es ihm, aus den Steuerlisten gestrichen und zu einem Hidalgo zu werden.41
  • Teresa und ihre Geschwister übernehmen nicht den Nachnamen ihres Großvaters oder Vaters „Sánchez“, sondern den (unbelasteten) Familiennamen ihrer Mutter bzw. Großmutter.- Teresas Vater, Don Alonso Sánchez, übt keinen Beruf aus. „Als man sein Testament öffnet, zeigt es sich, dass der Verstorbene viele Schulden hat – es werden an die 50 Gläubiger genannt.“42 Das war der Tribut, den die kastilischen Juden bezahlen mussten, wenn sie sich in eine unbarmherzige rassistische Gesellschaft integrieren wollten.
  • Teresas Brüder wandern nach Westindien (Las Indias) aus, um den Schnüffeleien und Verdächtigungen übelwollender Mitbürger zu entgehen und vielleicht zu Geld und Ansehen zu kommen, das ihnen durch den Erwerb eines Titels zuteil werden konnte.

6. Teresas Verhalten als Conversa

Von Teresa selbst gibt es keine direkten Aussagen über ihre Abstammung; im Gegenteil, als Kind ihrer Zeit übernimmt sie – obwohl selbst jüdischer Abstammung, vielleicht auch gerade deshalb, um nicht verdächtig zu erscheinen! – die latent antijüdischen Vorurteile der damaligen Kirche, die den Juden die Hauptschuld am Tod Christi anlastete, wie folgende Beispiele zeigen.

„Übernehmt euren Anteil an diesem Kreuz, Töchter; es soll euch nichts ausmachen, dass euch die Juden anpöbeln; macht euch nichts aus dem, was sie sagen. Stellt euch taub für die Redereien!“43

Zwischen den Zeilen finden wir jedoch viele Anspielungen, aus denen klar hervorgeht, dass sie Conversa ist, darum weiß, sich entsprechend verhält und mitunter auch unter der damit verbundenen Diskriminierung leidet.

Teresa kennt die Welt des Adels, obwohl sie ihr nicht angehört. Als sie an Weihnachten 1561 Doña Luisa de la Cerda in Toledo besuchte, um diese nach dem Tode ihres Mannes zu trösten, lernte sie einen Adelspalast von innen kennen (V 34,4 f.).44

Teresa hat Mitleid mit den Adligen, weil diese so sehr an ihrer Ehre hängen. Das kommt bei der Beschreibung der Eltern von Teresa de Laíz, der Gründerin des Klosters in Alba de Tormes, deutlich zum Ausdruck (F 20,2).

Teresa ist offen für Bildung, wie schon ihr Vater (V 1,1), was bei der niedrigen Alphabetisierungsquote ins Auge springt.45

Teresa bringt ihren Unmut gegenüber der Eitelkeit des Adels zum Ausdruck, wie sich das im Fall von María de Acuña zeigt (Ct 408,1–3).

Teresa ist frei von versklavender Ehrsucht. Als sie die Erlaubnis für die Klostergründung in Toledo (F 15,5) hat, resümiert sie:

„Wenn ich auf die hohlen Meinungen der Welt geachtet hätte, wäre es [...] unmöglich gewesen, es so gut und passend zu haben, und man hätte dem Unrecht getan, der uns so bereitwillig diesen Liebesdienst erwiesen hat.“46

Teresa weist alle Ehrsucht in ihren Klöstern entschieden zurück. Ihre in dieser Hinsicht klaren Worte haben nichts mit Moralismus oder asketischem Appell zu tun. Sie bekommen ihre eigentliche Bedeutung vor der konkreten historischen Situation; so in CE 45,2/CV 27,6; oder auch: „Gott bewahre uns vor Klöstern, in denen auf die Punkte des Ehrenkodex geachtet wird; in ihnen gilt Gottes Ehre nie viel“ (CE 63,3).47

Teresa gründet in Armut, da diese niemals Ehre mit sich bringt. Die klösterliche Armut, die sie gerade am Anfang so sehr verteidigt, hat also hier ihren Grund.48

Teresa weiß um Ehrsucht auch in den Klöstern, und das bewahrt sie vor Überheblichkeit gegenüber anderen, auch den Adligen (MC 2,26).

Teresa verachtet die Adligen nicht, denn sie hat unter ihnen gute Freundinnen und Freunde, doch ihr Herz schlägt nicht für sie, sodass sie ihnen deutlich ihre Meinung sagt (F 10,11).49

Auch weitere Ereignisse belegen, dass Teresa sehr wohl über ihre jüdische Herkunft Bescheid wusste. P. Jerónimo Gracián erzählt darüber in seiner Autobiographie Peregrinación de Anastasio. Im ersten Dialog, der zwischen ihm und Ana de San Bartolomé stattfindet, sagt Ana von sich:

„Ich wurde in einem Dorf bei Ávila geboren. [...] Ich hatte drei Brüder und noch vier Schwestern, und wenn meine Abstammung auch bescheiden war, so fehlte meinem Vater doch nicht, was er an Vieh und Besitz vonnöten hatte; er und meine Brüder hatten bei tüchtigen und klugen Männern Ansehen, und so ernannten diese sie fast immer zu Bürgermeistern des Dorfes oder zu Kirchenpflegern.“

Darauf antwortet Gracián:

„Mit größerer Leichtigkeit als die selige Mutter Teresa von Jesus habt ihr mir über eure Abstammung erzählt, denn als ich in Ávila Nachforschungen über das Geschlecht der Ahumadas und Cepedas anstellte, von wo es abstammte, da es eines der vornehmsten jener Stadt war, wurde sie ganz böse über mich, als ich davon sprach, und sagte, dass es ihr genüge, Tochter der katholischen Kirche zu sein; und dass es ihr mehr ausmache, eine lässliche Sünde begangen zu haben, als wenn sie Abkömmling der gemeinsten und niedrigsten Dorfbewohner und Conversos der ganzen Welt wäre.“50

Teresa schickt ihrem Bruder eine Kopie des Adelsbriefes51, den ihr Vater und ihre Onkel nach dreijährigem Rechtsstreit (1519–1522), u. a. auch durch Zeugenbestechung, von der Königlichen Kanzlei in Valladolid erlangt hatten. Diese Urkunde bestätigte ihre Zugehörigkeit zum niederen Adel, schränkte die diesbezüglichen Rechte aber auf Ávila und Umgebung ein. Es war nicht gelungen, mehr zu erreichen, doch wurde dieser Titel hinterher durch Fälschung erweitert; aus solamente (nur) wurde especialmente (insbesondere) gemacht,52 wodurch daraus ein Titel mit universaler Geltung wurde.Teresa rät ihren Neffen vom Auftreten nach Art der Hidalgos ab (Ct 101,11; 113,3). Sie wusste, was es mit dem Adelstitel auf sich hatte, der vor etwas mehr als 50 Jahren durch einen Rechtsstreit bestätigt worden war, was man in Ávila sicherlich noch nicht vergessen hatte.

Teresa nennt ihre Eltern „tugendhaft und gottesfürchtig“53, aber nicht Hidalgos (Edelleute) und „von reinem Blut“, wie sie das bei anderen macht.54  Die Abstammung ihrer Familie und somit ihre eigene ist ihr nicht so wichtig, doch sagt sie darüber auch nicht die Unwahrheit, wie das später ihre Hagio-/Biographen tun.

Teresa greift bei ihren Gründungen immer wieder auf die Hilfe von Conversos zurück, so in Medina del Campo, Alba de Tormes, Toledo und Burgos. Dabei setzt sie diesen Menschen oft ein Denkmal, wenn sie etwa den Stifter des Klosters in Toledo als „guten Katholiken“ beschreibt (F 15,1).

Teresa nimmt viele Frauen aus Converso-Familien in ihre Klöster auf.55 Während andere Orden Aufnahmestatuten einführen und daran festhalten, widersetzt sie sich allen Abgrenzungen. Sie hat es damit gehalten wie Ignatius von Loyola, dem die nötigen Qualitäten der Novizen wichtiger waren als die Abstammung.56 Umso bedauerlicher ist es, dass schon zehn Jahre nach ihrem Tod auch in ihrem eigenen Orden solche restriktiven Statuten eingeführt und durch ein Päpstliches Breve abgesegnet worden sind.57

Teresa zieht Gottes Güter den irdischen vor, wie das u. a. in ihren Gedanken zum Hohenlied deutlich wird.58 Mag sie in erster Linie durch ihre Gottesliebe zu solchen Aussagen kommen, so brechen doch gerade in solchen Vergleichen ihre Enttäuschung und ihr Schmerz wegen der Diskriminierung als Conversa durch.

Teresa bleibt sich auch gegenüber den adligen Damen treu. Das zeigt sich in Briefen an Doña Luisa de la Cerda (Ct 14,4) und an María de Mendoza (Ct 19,2); Letztere war offenbar nicht fähig, ihre Krankheit anzunehmen, was sie nur noch kränker macht.

Teresa ist realistisch, wenn es um ihre Familie geht. Sie, die die Welt unter den Füßen hat, wie sie oft sagt, freut sich sehr, dass ihr Bruder Lorenzo nach seiner Rückkehr nach Ávila ein Landgut, La Serna, erwerben kann (Ct 172,10). Und als ihr Neffe Francisco nach dem gescheiterten Ordenseintritt Hals über Kopf heiratet, kann man in ihren Briefen an dessen Bruder, Lorenzo de Cepeda junior, ihre Genugtuung über die gute Partie deutlich heraushören. Ein Jahr später legt sie noch nach, wobei die ganze Tragik offenbar wird:

„Es bedeutete mir eine große Erleichterung, dass es Don Francisco so gut getroffen hat, wie ich Euer Gnaden geschrieben habe. Denn einmal abgesehen davon, wer seine Frau ist, nämlich in alle Richtungen mit den Vornehmen Spaniens verwandt, hat sie persönlich so viele gute Eigenschaften, dass allein das schon ausreichen würde. Schreiben ihr Euer Gnaden doch mit aller Liebenswürdigkeit, zu der Sie fähig sind, und tun Sie etwas für sie, da sie es verdient. Ich sage Ihnen, dass Don Francisco sehr gut verheiratet ist, wenn er nur ein großes Vermögen hätte; aber bei den Auflagen, die ihm sein Vater (Gott hab’ ihn selig) gemacht hat, und der Aussteuer für Teresa [seine Schwester] und dazu die Schulden, ist ihm so wenig geblieben, dass ich nicht weiß, wovon er leben soll, wenn Gott keine Abhilfe schafft“ (Ct 427,1).

Der arme Francisco hatte eine Frau mit vielen Titeln, aber wie so viele seines Standes verfügte er nicht über die entsprechenden Mittel, woran sich die ganze Absurdität in der damaligen spanischen Gesellschaft zeigt. Teresa hat das schon in ihrer Vida angeprangert:

„Aber es ist in der Welt schon so weit, dass man ein längeres Leben bräuchte, um die Punkte und Neuerungen und Eigenheiten der Etikette zu lernen, wenn man noch ein bisschen von seinem Leben auf den Dienst für Gott verwenden wollte. Ich bekreuzige mich, wenn ich sehe, was sich da alles tut. Tatsache ist, dass ich nicht mehr wusste, wie ich noch leben sollte, als ich mich hierhin [in San José] verzog. Denn es wird nicht als Scherz aufge fasst, wenn man nicht Acht gibt, die Leute nicht noch viel hochrangiger zu titulieren, als sie es verdienen; im Gegenteil, sie fassen es wirklich als Affront auf, so dass ihr wegen eurer Intention mehrfach Abbitte leisten müsst, falls es da – wie ich sage – eine Unachtsamkeit gibt; und gebe Gott, dass sie diese annehmen“ (V 37,9).

Schlussgedanken

Teresas Abstammung aus einer jüdischen Familie kann heute nicht mehr bezweifelt werden. Es ist nicht zulässig, die betreffenden Dokumente zu ignorieren oder in dem Sinn zu interpretieren, dass der Großvater vom christlichen Glauben abgefallen und dann nach der Konversion zum Judentum wieder zu ihm zurückgekehrt sei. Um die ganze Tragweite dieses Umstandes zu ermessen, muss der geschichtliche Hintergrund berücksichtigt werden, denn schließlich lebte Teresa nicht im luftleeren Raum. So kann ihre jüdische Abstammung geradezu ein Schlüssel zum Verständnis ihrer Schriften und ihrer Persönlichkeit werden. Das gilt nicht nur für historische, soziologische, feministische oder psychologische Untersuchungen, sondern auch für das Studium theologischer und spiritueller Themen. Meines Erachtens wird Teresas Größe dadurch nicht geschmälert, sondern ihre menschliche Ausstrahlung tritt noch bedeutender hervor.

Kirche der Karmelitinnen
in Alba de Tormes
mit Teresas Grab.
    Kirche der Karmelitinnen in Alba de Tormes

Teresas jüdische Abstammung hat sich für sie sogar positiv ausgewirkt. Da sie nicht verbittert wurde, sich nicht in Schuldzuweisungen an Kirche und Gesellschaft verloren hat, nicht einfach klein beigegeben und um Zuwendung geworben hat, konnte sie unter Einsatz ihrer seelischen, geistigen und physischen Kräfte das Beste aus ihrer Situation machen. Auch in diesem sehr grundsätzlichen Umgang mit dem Leben, also nicht nur in Bezug auf das Beten, kann sie uns heutigen Menschen Lehrmeisterin sein.


* P. Dr. theol. Ulrich Dobhan (geb. 1944), Provinzial des Teresianischen Karmel (Unbeschuhte Karmeliten) in Deutschland, ist Mitherausgeber der Edith Stein Gesamtausgabe, Mitübersetzer sämtlicher Werke von Johannes vom Kreuz (5 Bde., 1995–2000) und der Werke und Briefe von Teresa von Ávila (2 Bde., 2015) und Schriftleiter des Edith Stein Jahrbuches.

  1. Siehe dazu: Teófanes Egido, El tratamiento historiográfico de Santa Teresa. Inercia y revisiones, in: Revista de Espiritualidad 40 (1982) 171–189.
  2. Das tritt deutlich zutage in der ersten Biographie: Francisco de Ribera, La vida de la Madre Teresa de Jesús, fundadora de las descalzas y descalzos Carmelitas, Salamanca 1590 (deutsch: Leben der heiligen Theresia, nach der von Père Marcelo Bouix besorgten Ausgabe vom Jahre 1868, übers. und hg. von Johann Jakob Hansen, Paderborn 1903), aber auch bei Diego de Yepes, Vida, virtudes y milagros de la Bienaventurada Virgen Teresa de Jesús, Madre y Fundadora de la nueva reformación de la Orden de los Descalzos y Descalzas de Nuestra Señora del Carmen, Zaragoza 1606 (neue Ausgabe von Manuel Diego Sánchez, Madrid 2014). Ignatius von Loyola wurde schon zu Lebzeiten in diesem Sinn „auffrisiert” (Enrique García Hernán, Ignacio de Loyola, Madrid 2013, 383–386).
  3. So die offiziellen „Historiographen“ des Ordens, vor allem Francisco de Santa María Pulgar, die auf Geheiß der Ordensoberen schrieben. Angesichts der starken Spannungen, die es in der ersten Generation nach Teresa gab (siehe dazu Ulrich Dobhan, Der Name Teresa, in: Edith Stein Jahrbuch 2 (1996) 139–151 [140]), hatte das negative Folgen, da die Meinung der herrschenden Schicht allgemein verbindlich wurde, zum Teil mit Auswirkungen bis in unsere Zeit. Dazu trug vor allem die zur Unterweisung der Ordensmitglieder gedachte Schrift Doctrina de Religiosos des Ordensgenerals Alonso de Jesús María (Carillo de Ribera) bei, die das Charisma des neuen Ordens festlegte, das allerdings nicht dem von Teresa vertretenen Charisma entsprach.
  4. La Mujer Grande. Vida meditada de Santa Teresa de Jesús, enseñando como madre, maestra y doctora universal, con ejemplos y doctrina. Obra distribuida, que forman un año cristiano completo, 3 Bde., Madrid 1807.
  5. La Santa de la Raza. Vida gráfica de Santa Teresa de Jesús, 4 Bde., Madrid 1929–1935.
  6. Santa Teresa de Jesús, síntesis suprema de la Raza, Madrid 1939. Durch die Übersetzungen ins Italienische und Englische (allerdings ohne den Untertitel) erhielt diese Sicht weiteste Verbreitung.
  7. Santa Teresa y su tiempo, 3 Bde., Salamanca 1982–1984.
  8. Im ersten Band seiner dreibändigen Ausgabe der Werke Teresas in der Biblioteca de Autores Cristianos (BAC), Madrid 1951.
  9. Tiempo y vida de Santa Teresa, Madrid 1968, 21977.
  10. Tiempo y vida de Santa Teresa, Madrid 31996.
  11. Siehe unten, Anm. 37.
  12. Joseph Pérez, Teresa de Ávila y la España de su tiempo, Madrid 2007.
  13. Als Conversos – „Bekehrte“ – bezeichnete man in Spanien damals die zum Christentum konvertierten Juden und deren Nachkommen.
  14. Joseph Pérez, Los judíos en España, Madrid 2005, 62.
  15. Siehe dazu z. B. Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart 71953.
  16. Zur Geschichte der Juden in Spanien: José Amador de los Ríos, Historia social, política y religiosa de los Judíos de España y Portugal, Madrid 1973; Antonio Domínguez Ortiz, Los Judeoconversos en España y América, Madrid 1971. Den Juden kam oft eine „Sündenbockfunktion” zu: Wenn es allgemein schlechter ging oder der König schwach war, gab man ihnen die Schuld, mit oft schlimmen Konsequenzen für sie (Joseph Pérez, Los judíos [Anm. 14], 112).
  17. Zur Stimme des einfachen Volkes siehe die Äußerung von Andrés Bernáldez von Los Palacios (Sevilla), in: Antonio Domínguez Ortiz, Los Judeoconversos (Anm. 16), 22 f.; Joseph Pérez, Los judíos (Anm. 14), 157.
  18. Zur Diagnose dieses Phänomens für Deutschland vgl. Götz Aly, Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933, Frankfurt a. M. 2011.
  19. In einem Manuskript aus dem 17. Jahrhundert heißt es: „In Spanien gibt es zwei Arten von Adel (nobleza): den einen, größeren, die Hidalguía, und den anderen, kleineren, die Reinheit des Blutes, die wir Altchristen nennen. Und wenn es auch von mehr Ehre zeugt, erstere, also die Hidalguía, zu besitzen, so ist es doch viel schändlicher, der zweiten zu entbehren; denn in Spanien schätzen wir einen, der Vasall, aber von reinem Blut ist, höher als einen Adligen, der nicht von reinem Blut ist“ (Américo Castro, De la edad conflictiva. Crisis de la cultura española en el siglo XVI, Madrid 31972, 183; Übersetzung: U. D.).
  20. Angaben über die Gründe für die Ausweisung siehe bei Ulrich Dobhan, Gott – Mensch – Welt in der Sicht Teresas von Ávila, Frankfurt a. M. u. a. 1978, 26 f., Anm. 36, 38.
  21. Antonio Domínguez Ortíz, El Antíguo Régimen: Los Reyes Católicos y los Austrias, Madrid 32001, 34.
  22. Pèrez, Los judíos (Anm. 14), 193.
  23. Das grundlegende Werk dazu ist Albert A. Sicroff, Les controverses des Statuts de „pureté de sang“ en Espagne du XVe au XVIIe siècle, Paris 1960; spanisch: Los estatutos de limpieza de sangre. Controversias entre los siglos XV y XVII, Madrid 1979. Für eine Zusammenfassung des Problems siehe Ulrich Dobhan (Anm. 20), 27–34.
  24. 1486 die Hieronymiten, 1489 die Dominikaner, 1525 die Franziskaner (Antonio Domínguez Ortiz, Los Judeoconversos [Anm. 16], 99 f.; 94); vgl. Ulrich Dobhan (Anm. 20), 27–30.
  25. Enrique García Hernán, Ignacio de Loyola (Anm. 2), 334, 348, 353.
  26. Für eine Liste von Frauen aus Converso-Kreisen, die bei Teresa in den Orden eintraten, siehe Ulrich Dobhan, Gott – Mensch – Welt (Anm. 20), 226 (dort Anm. 5).
  27. Vgl. Fortunato Antolín (Rodriguez), La „limpieza de sangre“ en la Reforma Teresiana, in: Revista de Espiritualidad 46 (1987) 301–309; Miguel Angel Díez, „Limpieza de linaje“ en la Orden Teresiana (1594–1835), in: Monte Carmelo 114 (2006) 445–455.
  28. Deutlich zeigt sich das am Verhalten von Kardinal Juan Martínez Silíceo (1486–1557), Erzbischof von Toledo, über den es in einem Bericht heißt: „Der einzige Ruhm, den er von seinen Vorfahren mitbekommen hat, ist seine Abstammung von Altchristen“ (Albert A. Sicroff, Les controverses [Anm. 23], 96 f.).
  29. Américo Castro, De la edad conflictiva (Anm. 19), 105.
  30. Antonio Domínguez Ortiz, Los Judeoconversos (Anm. 16), 228–230.
  31. Für eine ausführlichere Darstellung dieses Themas siehe Ulrich Dobhan, Gott – Mensch – Welt (Anm. 20), 36–40.
  32. Narciso Alonso Cortés, Pleitos de los Cepeda, in: Boletin de la Real Academia Española 25 (1946) 85–110. Teófanes Egido gelang es 1986, die gesamten Prozessakten einzusehen, denn seit der erwähnten Veröffentlichung einiger Auszüge durch Alonso Cortés waren sie verschwunden. Siehe dazu Teófanes Egido, Ambiente histórico, in: Alberto Barrientos (Hg.), Introducción a la lectura de Santa Teresa, Madrid 22002, 63–155 (84, Anm. 69); die Prozessakten sind wieder aufgetaucht und inzwischen vollständig ediert von Teófanes Egido López (Hg.), El linaje judeoconverso de Santa Teresa (Pleito de hidalguía de los Cepedas), Madrid 1986.
  33. Narciso Alonso Cortés, Pleitos de los Cepedas (Anm. 32), 90.
  34. Ohne große Probleme wurde diese Neuheit von spanischen Historikern übernommen, wie Homero Serís, Nueva genealogía de Santa Teresa, in: Nueva Revista de Filología Hispánica 10 (1956) 365–384; Francisco Márquez Villanueva, Santa Teresa y el linaje, in: Espiritualidad y literatura en el siglo XVI, Madrid/Barcelona 1968, 139–205; José Gómez-Menor Fuentes, El linaje familiar de Santa Teresa y de San Juan de la Cruz. Sus parientes toledanos, Toledo 1970; derselbe, Cristianos nuevos y mercaderes de Toledo, Toledo 1972; Antonio Domínguez Ortiz, Los Judeoconversos (Anm. 16), u. a.
  35. Siehe z. B. Claudio Sánchez Albornoz, Del ayer de España. Trípticos históricos, Madrid 1973.
  36. Vgl. Américo Castro, De la edad conflictiva (Anm. 19).
  37. Efrén de la Madre de Dios, Tiempo y vida de Santa Teresa, in: Efrén de la Madre de Dios / Otilio del Niño Jesús (Hg.), Santa Teresa de Jesús, Obras completas, 3 Bde., Madrid 1951.
  38. Efrén de la Madre de Dios / Otger Steggink, Tiempo y vida de Santa Teresa, Madrid 1968, S. 4, 21977, S. 4 und (in drei Bänden) Salamanca 1982, 1. Bd, S. 47; ebenso in der dritten Auflage von 1996, S. 6 f.
  39. „Eigentlich ist ein Hidalgo das Gegenteil von einem Steuerzahler. So gesehen, sind alle Adeligen auch Hidalgos, doch das Gegenteil ist nicht notwendigerweise auch der Fall, da man aus verschiedenen Gründen Steuerfreiheit genießen konnte, wiewohl es stimmt, dass der ununterbrochene Besitz dieses Privilegs zur Adelung führte“ (Joseph Pérez, Teresa de Ávila [Anm. 12], 16, Anm. 7; Übersetzung: U. D.).
  40. Joseph Pérez, Teresa de Ávila (Anm. 12), 16 f.
  41. Ebd., 22.
  42. Ebd., 29.
  43. CE (Camino de Perfección / Weg der Vollkommenheit, Erstfassung, Ms. vom Escorial) 42,8 / CV (Camino de Perfección / Weg der Vollkommenheit, Endfassung, Ms. von Valladolid) 26,7. Vgl. CE 1,3: „Haben sie, Herr meiner Seele, an den Martern, die dir die Juden antaten, noch nicht genug?“ mit CV 1,3: „Haben sie an den Martern, die du für sie durchgemacht hast, noch nicht genug?“ In der Endfassung lässt sie die kollektive Schuldzuweisung an die Juden weg. Doch galten in Spanien nicht die Juden als Erbfeinde, sondern die Mauren; siehe dazu V (Vida / Leben) 1,4; Ct (Cartas / Briefe) 218,6; 221,6; 5 M (Morados del Castillo Interior / Wohnungen der Inneren Burg) 2,10. Die Schriften Teresas werden zitiert nach Teresa von Ávila, Werke und Briefe. Gesamtausgabe, 2 Bde., hg. von Ulrich Dobhan und Elisabeth Peeters, Freiburg i. Br./Basel/Wien 2015 (vgl. die Siglen S. 39 f., bzw. S. 21).
  44. Ähnlich auch F (Fundaciones / Buch der Gründungen) 10,11.
  45. Klerus und Adlige konnten zu 90 bis 95 % lesen und schreiben, deren Frauen in der Mehrheit lesen, aber nicht schreiben; Kaufleute und Großhändler konnten lesen und schreiben, ihre Frauen nur teilweise; Handwerker, Kleinhändler und Bauern zu 30 bis 50 %; Tagelöhner und Arbeiter waren fast alle Analphabeten. Siehe Gesamtausgabe, Band 2, Briefe, S. 814, Anm.13.
  46. F 15,17. Bekräftigt wird diese Meinung in CC 5 (Cuentas de conciencia / Geistliche Erfahrungsberichte), wo ihr der Herr sagt: „Du machst einen großen Unsinn, Tochter, wenn du auf die Gesetze der Welt schaust. Richte deine Augen auf mich, arm und von ihr verachtet. Werden etwa die Großen der Welt vor mir groß sein? Oder habt ihr nach euren Stammbäumen oder aber nach euren Tugenden beurteilt zu werden?“
  47. Ähnlich auch in V 31,21–22; CE 7,10/CV 11,10.
  48. CE/CV 2,5. Siehe auch CE 63,3.
  49. F 10,8–16, hier zitiert aus Abschnitt 11.
  50. Biblioteca Mística Carmelitana, Burgos 1933, Bd. 17, 259.
  51. Ct 2,13.
  52. Siehe dazu Teófanes Egido López, Ambiente histórico, in: Alberto Barrientos (Hg.), Introducción a la lectura de Santa Teresa, Madrid 22002, 63–155 (89).
  53. V 1,1.
  54. Siehe z. B. F 20,2.
  55. Siehe oben, Anm. 26.
  56. Enrique García Hernán, Ignacio de Loyola (Anm. 2), 370.
  57. Siehe oben Anm. 27.
  58. MC (Meditaciones sobre los Cantares / Gedanken zum Hohenlied) 4,7.

Jahrgang 22 / 2015, Heft 4, S. 268−282.


top