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Elisabeth Fuchshuber-Weiß

Vom Ornament zum Staatssymbol

Die Geschichte des Davidsterns (Teil 1)

Der Gelbe Stern 
Am 1. Sept. 1941 erließen die Nazis eine „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“, die am 19. September für alle Juden im Deutschen Reich und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten in Kraft trat. Als Kennzeichen hatten sie den „Judenstern“ usurpiert, eine Nachbildung des sechseckigen Davidsterns. Dieser „Judenstern“, letzte Station einer beispiellosen Serie von Stigmatisierungen durch das NS-Regime, begleitete die Juden auf dem Weg in die Vernichtungslager.

Aber keine vier Jahre nach dem Untergang des „Dritten Reiches“ wurde der Davidstern zu einem Sinnbild des neugegründeten Staates Israel. So steht er als symbolischer Begleiter über den beiden äußersten Polen jüdischen Schicksals im 20. Jahrhundert. Wie kam es dazu?

Flagge Israels 
Die Geschichte des Davidsterns reicht in die vorchristliche und vorislamische Zeit zurück. Der sechseckige Stern wurde als attraktives Ornament verwendet, versprach Schutz gegen Schadenszauber, war Sinnbild jüdischer Lebens-und Glaubensgemeinschaften und stieg zum Kennzeichen jüdischen nationalen Bewusstseins und jüdischer Staatsidentität auf. Der Missbrauch als ausgrenzendes Stigma unter den Nazis war in dieser langen Gebrauchsgeschichte nur ein kurzes, perfides Zwischenspiel.

Es ist also eine spannende, vielfach verzweigte und wechselhafte Karriere, die der sechseckige Stern auf seinem langen Weg bis heute zurücklegte. Er ist in Deutschland als Davidstern geläufig und heißt hebräisch Magén Davíd (Davidschild).1

Zunächst geht es um das Sechseck oder Hexagramm. [Hex- ist ein Wortbildungselement aus dem Griechischen mit der Bedeutung „sechs“2; -gramm kommt ebenfalls aus dem Griechischen. Es hat die Bedeutung „Geschriebenes, Dargestelltes“, dann auch „Abbildung, Bild, Figur“.3] Das Hexagramm ist mithin seiner ursprünglichen Bedeutung nach eine Sternfigur mit sechs Ecken, geformt aus zwei ineinander geschobenen gleichseitigen Dreiecken. Die daraus entstehende Mittelfigur bildet ein symmetrisches Sechseck (Hexagon). Diese allseitige Symmetrie macht es attraktiv, die Zahlen 2, 3, 6 und 12, die sich darin entdecken lassen, wecken das Interesse an Zahlensymbolik4, und die geometrische Klarheit des Bildes macht es vielseitig verwendbar, als Bodenmosaik, als Stoffmuster, als Siegel- und Hoheitszeichen und auch als gemeinschaftsstiftendes Zeichen wie etwa bei den Theosophen oder den Freimaurern.

Frühe Nachweise

Aufgrund seiner besonderen Ausdruckskraft ist das Hexagramm in vielen Kulturkreisen verbreitet und tritt in verschiedenen Zeitabschnitten auf. Um 600 v. Chr. lässt es sich auf einem Siegel in jüdischem Gebrauch nachweisen, das in Sidon gefunden wurde.5 Andere als optisch einprägsame dekorative Qualitäten lassen sich ihm hier nicht zusprechen. Aus dem 1. Jh. v. Chr. ist es auf herodianischen Gebäuden nachgewiesen.6 Für das 2.–3. Jh. n. Chr. findet es sich an einer exponierten Stelle, die zu Spekulationen bezüglich seiner jüdischen Provenienz Anlass gegeben hat. Es erscheint, sorgfältig eingemeißelt, auf einem Schmuckfries der Synagoge zu Kapharnaum. Aber: daneben befindet sich die Swastika („Hakenkreuz“), – ohne dass diese dadurch „zu einem jüdischen Symbol würde“7.

Schmuckfries in Kapharnaum mit Pentagramm und Hexagramm.
Foto: Detlev Müller.

 
Schmuckfries in Kapharnaum 

Auch auf anderen jüdischen wie nichtjüdischen Altertümern, etwa in der persischen Ornamentik8, ist das Hexagramm präsent – genauso wie in der byzantinischen Ornamentik die Swastika9. Als bewusst geometrisch gestaltetes Ornament schmückt es in der Al-Aqsa-Moschee (erbaut Anf. 8. Jh.) am Tempelberg in Jerusalem die Treppe zum Minbar (Kanzel). Im Mittelalter gelangt es in die Siglen jüdischer und nichtjüdischer Beamter und findet sich als Muster im Bodenmosaik normannischer Bauten in Sizilien.10 Es wurde also allseits als attraktives, dekoratives Motiv eingesetzt. Der gemischte Gebrauch spricht dafür, dass es kein Symbol des historischen Judentums11 ist. Seit dem Altertum bis ins späte 16. Jh. diente diesem stets die Menora als das bevorzugte Symbol.12

Brauerstern
Spätestens seit dem 14. Jh. rückt das Hexagramm auch als sog. „Brauerstern“ ins Blickfeld. Er ist im südund mitteldeutschen Raum, vornehmlich in Franken und der Oberpfalz, das Zeichen der Brauerzunft und hat sich, auch als Wirtshaus- oder Bierzeiger, im dortigen Braugewerbe bis heute gehalten.13 Der Gasthausname „Zum (Goldenen) Stern“ verweist z. B. darauf und zeigt an, dass auf dem Haus früher eine Braugerechtigkeit lag. Der Brauerstern hat keine direkte Beziehung zum Davidstern.

Ein Seitenblick auf das Thema Christliche Rekonstruktionen des Salomonischen Tempels bestätigt, dass auch in den Bildern aus diesem Vorstellungskreis der Davidstern nicht als zugehöriges Emblem mitgedacht wird. Der Tempel wurde 70 n. Chr. endgültig zerstört, – so gibt es in der christlichen Ikonografie nur fiktive Ansichten. Auf entsprechenden Bildern ist der Davidstern nicht eingezeichnet; in der Regel ist der gedachte Tempel ohne eigenes Emblem.14 Ansichten von Jerusalem aus der Zeit nach den Kreuzzügen zeigen auf Kuppelbauten15 den Hilal (Mondsichel). Er wird als Symbol des Islam zur Kennzeichnung von Moscheen benutzt und ist als solches dem christlich-abendländischen Bildgedächtnis vertraut. Andererseits taucht die Mondsichel auch in nichtislamischen Bezugsfeldern als Zeichen auf, z. B. auf zwei mittelalterlichen Siegeln jüdischer Provenienz aus Regensburg.16

In Bauten, deren Architektur auf den imaginierten Salomonischen Tempel anspielt, etwa die Aachener Pfalzkapelle17, kommen siebenarmige Leuchter als Menora-Zitat und Altäre als Transfigurationen der Bundeslade vor. Hier hat eine emblematische Anlehnung an die Tempelüberlieferung stattgefunden. Der Davidstern aber taucht in den Versuchen, den Tempel in der christlichen Sakralarchitektur wieder aufleben zu lassen, nicht auf.

Anknüpfungen an den salomonischen Tempel gibt es auch in der mittelalterlichen Synagogenarchitektur, so z. B. bei der Synagoge in Worms, deren ältester Teil auf die Jahre 1174/75 zurückgeht. Eine hebräische Inschrift dort verweist auf die zwei Säulen Jachin und Boas, die vor dem Salomonischen Tempel standen.18 Emblematische Verweise auf den Davidstern gibt es aber auch hier nicht. Das Motiv der Salomonischen Tempelsäulen wird auch in der christlichen Sakralkunst aufgegriffen, doch auch hier tritt der Stern – z. B. im Säulendekor – nicht in Erscheinung. Erst in der Freimaurerei, wo der Tempel Salomons als Idee19 in den Ritus einbezogen ist, kommen neben dem siebenarmigen Leuchter auch das Pentagramm und das Hexagramm vor. Sie stehen hier als Zeichen des Mikro- und des Makrokosmos20. Darin steckt eine Anspielung auf die magische Tradition beider Sterne.

Zeichen der Magie

Einig ist man sich, dass das Hexagramm ab dem 6. Jh. n. Chr. in der vorislamischen jüdischen wie nichtjüdischen Magie verwurzelt ist, vor allem im Vorderen Orient. Es dient als Abwehrzeichen. Hierbei spielt die Legende von Salomons Herrschaft über die vielgestaltig bevölkerte Geisterwelt eine Rolle. Hexa- wie Pentagramm werden mit dem magischen Siegelring des Königs, mit dem er Dämonen und böse Geister in Schach hielt, in Verbindung gebracht.

Der Siegelring hieß auch einfach Siegel Salomos. Amulette, in die ein Hexaoder Pentagramm eingezeichnet war, ersetzten das Siegel. Beide, das Siegel und das Amulett, hinterlassen Abdrücke. Besonders das Amulett mit dem Hexagramm wurde als bewährter „General-Talisman“21 geschätzt und für alle Arten von Schutz- und Abwehrzauber eingesetzt. Der Glaube an das Zauberwesen und die Schutzfunktion hielt sich nicht nur in jüdischen Kreisen bis ins 19. Jahrhundert.

Zu erinnern ist gleichzeitig daran, dass der Stern in beiden Formen auch im magischen Schrifttum des christlichen Mittelalters, z. B. in der Faust-Sage, zu finden ist. Goethe verwendet beide Sterne in seinem „Faust“. In der ersten Studierzimmerszene erscheint das Hexagramm als Zeichen des Makrokosmos (V. 430–438). In der zweiten Studierzimmerszene hindert das Pentagramm, weil an einer Spitze nicht geschlossen, Mephisto beim Verlassen des Raums (V. 1393–1412). „Das Pentagramma macht dir Pein?“, sagt der Doktor zum Teufel. Mephisto bezeichnet es als „Drudenfuß“, unter welchem Namen es im magischen Schrifttum geläufig ist. Selbst im streng katholischen Milieu Roms kennt man im 17. Jh. das Siegel Salomos als magisches Abwehrzeichen.

Der Jesuit Athanasius Kircher (1602–1680), Universalgelehrter und Forscher an der päpstlichen Hochschule, dem Collegium Romanum in Rom, hat das Siegel Salomos in einem seiner Werke, versehen mit arabischen Schriftzeichen, festgehalten22. Auf jeden Fall haben die genannten magischen Vorstellungen synkretistischen Charakter. Inwieweit das Hexagramm als Zunftzeichen der Brauer (Brauerstern) mit magischen Vorstel- lungen verknüpft ist, bleibt unklar. Vermutet werden Beziehungen zur Alchemie oder Abwehrzauber gegen Feuerschaden (Brandgefahr im Brauhaus!). Dass dieser Aberglaube noch im 19. Jh. lebendig war, lässt sich z. B. in Theodor Storms Novelle Im Brauer-Hause (1878/79) anschaulich nachlesen.

Vom Sechseckstern zum Davidschild

König David regierte um 1004/3 bis 965/64 v. Chr. Er unterwarf die Philister, wurde König von Juda und Israel und gliederte mehrere Territorien in sein Reich ein. Dieses erstreckte sich vom Euphrat im Norden bis nach Elat am Roten Meer im Süden. Der biblische David ist für das Judentum aller Zeiten und Schattierungen eine Lichtgestalt23, eine charismatische Führerfigur im Sinne von Max Weber24. Er besaß „außer-alltägliche“ Qualitäten. Er war „blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt“ (1 Sam 16,12). Er hatte militärische (Philisterkriege) und politische (Staatslenkung) Talente, er war rhetorisch-poetisch begabt (Dichter-Sänger mit der Harfe) und beherrschte den religiösen Sprachgestus (Psalmen als Gebetstexte). Und nicht zuletzt hatte er sich bereits als junger Mann in einer existenziellen Krise seines Volkes hervorgetan (Sieg über Goliath) und war zum Retter der Nation aufgestiegen. Seine „Außeralltäglichkeit“ sicherte David eine überzeugte, loyale Anhängerschaft25 und verlieh ihm die Aura der Auserwähltheit und Überzeitlichkeit. Dies prädestinierte ihn kultursoziologisch wie religiös und ethnisch für eine Schutzfunktion. Mit ihm als gebürtigem Bethlehemiter und mit seiner Dynastie verknüpften sich zudem messianische Hoffnungen.26

Die Frage, wie das Hexagramm mit dem Davidschild zusammenfand, führt in die Welt der mittelalterlichen und späteren jüdischen Magie, der „praktischen“ Kabbala, und zu deren Texten und Zaubermitteln. So ist z. B. in einer magischen Schrift aus Ägypten aus dem 13. Jh. von einem Schild Davids die Rede: „Denn König David hatte einen Schild, worauf der große Name Gottes, bestehend aus zweiundsiebzig Buchstaben27, graviert war, der ihm geholfen hatte, alle seine Kriege zu gewinnen.“28

Der Schild soll an Judas Makkabäus weitergegeben worden sein29, den Freiheitskämpfer gegen die Seleukidenherrschaft. Andere Überlieferungen berichten, dass auf dem Schild der Text von Jes 11,2 eingeschrieben war, der die sechs Aspekte des Geistes Gottes benennt.30 Als weitere Schildinschrift wird der sog. Menora-Psalm (Ps. 67) mit 7 Versen (+ 1 Eingangs-Vers) angegeben. Als Schildzeichen ist die Menora überliefert.31

Auch in weiteren Texten mittelalterlicher Magie ist von einem Schild Davids die Rede, der ihm magischen Schutz gewährte32. Mit der Zeit ersetzte in der narrativen Tradition über das Davidschild der Sechseckstern die Menora als Schildzeichen. Er sollte, wie schon vor dem Aufkommen der praktischen Kabbala, vor Dämonen schützen und ist auch z. B. in magischen Handschriften, auf Amuletten und auf der Außenseite von Mesusot zu finden.

Seine Hauptfunktion im Mittelalter ist also eindeutig eine magische33. Auf diesem Hintergrund hat sich die Bezeichnung „Davidschild“ herausgebildet.34 Zum Schild selbst als Teil der Rüstung ist gleichfalls anzumerken, dass er im Altertum für den kriegerischen Mann ein unentbehrliches Kampfmittel ist. Auch im AT dient er gemeinsam mit Helm, Panzer, Schwert, Speer sowie Pfeil und Bogen den heroischen Projekten, die die Israeliten verfolgten (etwa der Befreiung von den Philistern und Assyrern). Der kriegerische Gott Jahwe steht ihnen dabei zur Seite.

Wie bei allen derart verbreiteten Kampfmitteln liegt eine bildliche Übertragung in andere Sphären nahe. Man spricht dabei von „Streitmetaphorik“. Innerhalb ihrer ist der Schild ein wichtiges Kampfwerkzeug und wird eingesetzt, um Schutz-, Abwehr- und Verteidigungsstrategien bildlich auszudrücken. Im spirituellen Bereich wird der Schild zum Schild des Glaubens35; Gott wird als Schild der Schwachen bezeichnet.36 Im AT ist die Schildmetapher häufig in den Psalmen vertreten:

„Aber du, Herr, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor“ (Psalm 3,4).

So lässt sich über die Schildmetapher eine „Dreieckslinie“ von der legendären Stärke und Führungsmacht Davids über die Allmacht Gottes zur Zauberkraft des Sechsecksterns ziehen.37 Der Schild verheißt metaphorisch Davids Hilfe sowie Schutz und Schirm Gottes, der Stern als heraldisches, magisch aufgeladenes Zeichen verspricht die Abwehr böser Geister. Die dreifach apotropäische (Gefahr abwehrende) Ausstattung garantiert eine besonders starke Wirkung und bezeugt gleichzeitig das hohe Schutzbedürfnis, das die Menschen bewegte, insbesondere die Juden.

Gleichzeitig wird der Sechseckstern – von Ägypten und Palästina nach Süd- und Mitteleuropa ausgreifend – in mittelalterlichen hebräischen Bibelhandschriften als Ornament verwendet. Seine kosmische und gleichzeitig hohe ästhetische Ausdruckskraft reizte nach wie vor dazu. Man gestaltete ihn in grafischer und kalligrafischer Manier. Die Grafik besteht aus gezogenen Linien, die Kalligrafie verwendet hebräische Buchstaben. Das Sechseck zählte bald zu den sehr beliebten Ornamenten hebräischer Handschriften-Illuminationen und hatte da wohl auch bereits die Bedeutung als Davidschild oder -stern und vielleicht auch schon als „spezifisch jüdisches Symbol“38. Aber es sollte noch dauern, bis das Davidschild vom Dekor-Element und vom esoterischen Gegenstand zum exoterischen, symbolischen Repräsentanten des Judentums wurde.


Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß, OStDir. i. R., Neuendettelsau

  1. Mein Beitrag zeichnet die Generallinie dieser „Karriere“ nach. Dabei stütze ich mich vornehmlich auf zwei Veröffentlichungen: auf Gershom Scholem, Das Davidschild. Geschichte eines Symbols. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2010; und auf Wolf Stegemann / S. Johanna Eichmann, Der Davidstern. Zeichen der Schmach – Symbol der Hoffnung. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden. Dorsten 1991.
    Gershom Scholem, 1897 in Berlin als Gerhard Scholem geboren, 1923 nach Palästina ausgewandert und 1982 in Jerusalem gestorben, hatte dem Davidstern einen geistvollen, in der Gedankenführung überzeugenden, bis heute gültigen Essay gewidmet. Erstmals 1948 auf Hebräisch und 1963 erstmals auf Deutsch erschienen, wurde er 2010 in deutscher überarbeiteter Fassung wieder herausgegeben.
    Der Hg., der Judaist Gerold Necker, bezeichnet im Nachwort den Text Scholems als die paradoxe Geschichte über ein „jüdisches Symbol, das keines war“ (S. 55). 1) Die Aufsatzsammlung von Stegemann / Eichmann (Anm. 1) führt Scholems Forschungen weiter und ergänzt sie durch wertvolle weitere Hinweise und anschauliche Bildmaterialien.
  2. Von Hexachloräthen (Kohlenwasserstoffverbindung) über Hexadaktylie (6-Finger-/6-Zehenmissbildung) bis zu Hexyl (hochexplosiver Sprengstoff) kennt der Fremdwörterduden über 30 zum aktuellen Fremdwortbestand zählende Zusammensetzungen mit der Silbe „Hex-“ am Wortanfang.
  3. Auch „-gramm“ tritt in vielen Zusammensetzungen auf: Autogramm, Piktogramm, Stenogramm, etc.
  4. Das Aussehen, so Scholem, lädt „zur Meditation ein“ (Anm. 1, S. 10).
  5. Vgl. Scholem (Anm. 1), S. 12, bzw. Gerbern S. Oegema, „Ein Stern tritt hervor aus Jakob“. Pentagramm und Hexagramm in der Antike, in: Stegemann / Eichmann (Anm. 1), S. 17.
  6. Vgl. Oegema (Anm. 5), S. 19 (Herodes d. Gr. regierte von 40 bis 4 v. Chr.).
  7. Scholem (Anm. 1), S. 12.
  8. Ornamente aus drei Jahrtausenden, Bd. 1. Übers. aus dem Französ. von Hubertus v. Gemmingen (dt.) und J. A. Underwood (engl.), Verlag Ernst Wasmuth, Tübingen 1978, Tafel 22.
  9. Shavei Zion. Blüte in Israel aus schwäbischer Wurzel. Ein Bericht in Wort und Bild von Günther und Leslie Petzold, Bleicher Verlag, Gerlingen, 3. überarb. u. erw. Aufl. 1993, Abb. S. 17. Es handelt sich um das Fußbodenmosaik einer frühbyzantinischen Kirche im Moschav Shavei Zion in der Nähe von Nahariya (Israel). Ferner: Ornamente (Anm. 8), Tafel 31, Nr. 9: Swastika in Malerei aus Konstantinopel (7./8. Jh.).
  10. Ornamente (wie Anm. 8), Tafel 36, Nr. 11: normannisches Bodenmosaik in der königlichen Pfalzkapelle zu Palermo (1129).
  11. Die Einbettung in die jahwistisch geprägte jüdische Religionstradition ist mithin rein spekulativ. Scholem widerlegt solcherlei Herleitungen so bündig wie temperamentvoll als unseriös und entlarvt sie in der ihm eigenen, pointierten Sprache als „ausufernde Phantasie“, „Unsinn“ oder „bloß leeres Geschwätz“ (wie Anm. 1, S. 14 f.).
  12. Vgl. Ellen Frankel / Betsy Platkin Teutsch, The Encyclopedia of Jewish Symbols, Northvale, N. J., Aronson, London 1995, S. 161.
  13. Vgl. Peter Freimark, Im Wirtshaus „Zum goldenen Stern”, in: Stegemann / Eichmann (wie Anm. 1), S. 100.
  14. Vgl. Paul von Naredi-Rainer, Salomos Tempel und das Abendland. Monumentale Folgen historischer Irrtümer, Dumont, Köln 1994, S. 82 ff. Allein aus dem 15. Jh., der Hochphase der Pilgerreisen nach Palästina, sind ca. 400 Reiseberichte für das christliche Abendland überliefert.
  15. Islamische Kuppelbauten als Moscheen treten seit dem 11. Jh. auf (Anfänge im Iran).
  16. Abb. im Internet unter www.alemannia-judaica.de/regensburg_synagoge.htm; dort entnommen aus: Isaak Meyer, Zur Geschichte der Juden in Regensburg. Gedenkschrift zum Jahrestage der neuen Synagoge, Berlin 1913.
  17. Vgl. Naredi-Rainer (wie Anm. 14), S. 124.
  18. Vgl. Ulrich Knufinke, Synagogen im Mittelalter und in der Neuzeit. Ein Überblick zu Wandlungen und Kontinuität eines Typus der mittelalterlichen Sakralarchitektur, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege, 60. Jg., Würzburg 2008, S. 190 f., sowie: Wolfgang Kraus / Bernd Hamm / Meier Schwarz (Hg.), Mehr als Steine … Synagogen-Gedenkband Bayern. Bd. I. Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet v. Barbara Eberhardt, Angela Hager u. a., Lindenberg im Allgäu 2007, S. 31 ff.; vgl. die Rezension von Wieland Zademach in: FrRu NF 16 (2009) 51–54.
  19. Der Salomonische Tempel symbolisiert für die Freimaurer den wieder zu errichtenden und zu erreichenden Tempel des eigenen Innern.
  20. Vgl. Naredi-Rainer (wie Anm. 14), Abb. S. 279 (Pentagramm) und Abb. S. 284 (Hexagramm). Beide Sternformen finden sich in diversen Logenrequisiten. Das Pentagramm spielt ferner für den Gesellenritus, das Hexagramm für den Meisterritus eine wichtige Rolle, mit Verweisen auf den Makro- und den Mikrokosmos. Entsprechende Ritualbücher geben genaue Hinweise und Zuordnungen.
  21. Scholem (wie Anm. 1), S. 26.
  22. Vgl. Naredi-Rainer (wie Anm. 14), S. 136 f. und Abb. 91. Das Siegel findet sich in Kirchers 1652–55 entstandenem Oedipus Aegyptiacus, Bd. 2, Teil 1, S. 397.
  23. Vgl. Theologische Realenzyklopädie, hg. von G. Krause / G. Müller u. a., Bd. 8, 1981, S. 384 ff.
  24. Zum Begriff „Charisma“ vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, hg. von J. Ritter. Bd. 1, 1971, Sp. 997 ff.
  25. Davids persönliches Charisma einte die ihm ergebenen Anhänger zu einer loyalen Gemeinschaft. Die religiös geeinten, mental „präparierten“ Anhänger werden lt. Weber durch einen Bewusstseinsschub (= Gesinnnungsrevolution, „Metanoia“) in eine charismatisch gestimmte, loyale Anhängerschaft umgeformt.
  26. David Ben Gurion, Staatsgründer und erster Ministerpräsident Israels, wollte im biblischen Elah-Tal, unweit von Jerusalem, nach der Staatsgründung ein Denkmal aufstellen lassen, das den Sieg Davids über Goliath darstellen sollte. Auch wenn daraus nichts wurde, belegt es die Aura, die Davids Figur bis heute umgibt. Vgl. FAZ vom 25. Juli 2011, S. 27.
  27. Üblicherweise besteht der göttliche Name aus vier Buchstaben: J-H-W-H (Tetragramm).
  28. Vgl. Scholem (wie Anm. 1), S. 21 f. und Oegema, Denn König David hatte einen Schild, in: Stegemann / Eichmann (wie Anm. 1), S. 22 ff.
  29. Vgl. Frankel / Platkin Teutsch (wie Anm. 12), S. 161.
  30. „[…] der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn“ (Übers. nach Luther).
  31. Vgl. Scholem (wie Anm. 1), S. 29 f.
  32. Vgl. Scholem (wie Anm. 1), S. 21.
  33. Vgl. Oegema (wie Anm. 28), S. 22.
  34. Vgl. Scholem (wie Anm. 1), S. 27.
  35. Vgl. Eph 6,16. Zur religiösen Streitmetaphorik vgl. Andreas Urs Sommer, Streiten, in: Ralf Konersmann (Hg.), Wörterbuch der Philosophischen Metaphern, WBG, Darmstadt 2007, S. 434 f.
  36. In der jüdischen Liturgie wird sogar Gott selbst der „Magén David“ [Magén = Schild] genannt. Vgl. Frankel / Platkin Teutsch (wie Anm. 12), S. 39.
  37. Auch wenn die Linie nicht ganz geradlinig verläuft. David hat sich ja in seinem ersten Kampf gegen Goliath gerade nicht der Rüstung mitsamt Schild bedient. Er legt Sauls geliehene Rüstung wieder ab, weil sie ihn behindert. Andererseits macht ihn seine Nähe zu Jahwe zu einer ganz besonderen Projektionsfigur.
  38. Vgl. Oegema, Letztlich ein jüdisches Symbol, in: Stegemann / Eichmann (wie Anm. 5), S. 29.

Jahrgang 21 / 2014 Heft 3 S. 162−170.


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