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Chaim Noll

Schawuot – Der Fünfzigste Tag

Jüdische Gedanken zum „Sieben-Wochen-Fest“


Hier an der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom zu sprechen, ist eine große Freude für mich. Ein Wiedersehen mit vertrauten Stätten, eine mich tief berührende Rückkehr an einen in meinem Leben bedeutsamen Ort. Vor zwanzig Jahren haben meine Frau und ich nur wenige Meter von hier gewohnt. Von unserer Dachterrasse sahen wir die Heiligenfiguren der Ostfassade der Basilica Lateranensis. Wir haben die Laterankirche oft besucht, um einen Augenblick der Stille und spirituellen Besinnung mitten im Trubel und Lärm der Großstadt zu erleben. [...] Wir wussten, dass hier auf dem 4. Laterankonzil (11.–30. November 1215) entscheidende Maßnahmen zur Diskriminierung der Juden beschlossen worden waren1, u. a. das Tragen äußerlicher Zeichen an der Kleidung („Judenhut“ und „gelber Fleck“). Wir wussten auch, dass noch vor Kurzem die Kirche für viele Juden ein Symbol der Unterdrückung und Verfolgung gewesen war. Doch inzwischen hatte sich das Verhältnis zwischen Kirche und Juden entscheidend verändert.

Das Zweite Vatikanische Konzil, einberufen von Papst Johannes XXIII., verabschiedete 1965 die bahnbrechende Erklärung Nostra aetate 4, die das von Misstrauen und Feindschaft geprägte Verhältnis der Kirche zu den Juden neu regelte. 1974 erließ Papst Paul VI. die „Richtlinien“2 zu Nostra aetate 4, in denen festgestellt wurde, „dass die geistlichen Bande [...], die die Kirche  mit dem Judentum verbinden, jede Form des Antisemitismus und der Diskriminierung als dem Geist des Christentums widerstreitend verurteilen [...]“. 1985 erschienen die „Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche“, ein Dokument, das im Detail die eigenen, innerhalb der Kirche entstandenen antijüdischen Stereotype entkräftet und Wege zeigt, wie man sie in Zukunft vermeidet.3 1986 besuchte erstmals ein Papst, Johannes Paul II., die römische Synagoge am Tiberufer.4 Wir wussten uns also mitten in diesem historischen Prozess. Daher war der tägliche Anblick der Laterankirche für uns kein Bild der Bedrückung, sondern ein Bild der Hoffnung.

Und noch ein zweiter Grund macht mein heutiges Hiersein zu etwas Besonderem: Heute ist Schawuot, eines der höchsten Feste im jüdischen Jahreszyklus. Den Vormittag habe ich in der Synagoge in der Via Cesare Balbo am Fuß des Hügels Viminale verbracht und die Lesung aus der Tora gehört. Und am Nachmittag dieses jüdischen Feiertages spreche ich zu Ihnen an der katholischen Università Lateranense. Dass ein Jude nach dem Besuch der Synagoge in eine kirchliche Universität geht und dort einen Vortrag hält, wird hoffentlich eines Tages etwas Normales sein, ein Ereignis, über das sich niemand mehr wundert. Für uns ist es immer noch neu und fast ein bisschen phantastisch.

„Schawuot“ – „Tag der Erstfrüchte“

Das jüdische Fest Schawuot ist ursprünglich ein landwirtschaftliches Fest, ein Erntedankfest, deren es zwei gibt im jüdischen Jahresablauf: Schawuot im Frühjahr, Sukkot im Herbst, – ein Beweis dafür, wie fruchtbar das Land war, wie hoch entwickelt die antike Landwirtschaft. Mit Pessach bilden Schawuot und Sukkot den Zyklus der drei Wallfahrtsfeste, der schalosch regalim – das heißt wörtlich: „die drei [Feste], an denen man zu Fuß geht“, also drei Pilger- oder Wallfahrtsfeste. Ziel der Wallfahrt war der Tempel in Jerusalem.

An Schawuot brachten die Wallfahrer die ersten Früchte des Jahres zum Heiligtum, um Gott für die Ernte zu danken. Daher sind die frühen hebräischen Namen dieses Festes (in der Reihenfolge ihrer Erwähnung im biblischen Text): 1. chag ha kazir bikkurej ma’asejcha, „Tag der Ernte der Erstlinge deiner Arbeit“ nach Ex 23,16:

„Du sollst auch das Fest der Ernte, des ersten Ertrags deiner Aussaat auf dem Feld, halten, ebenso das Fest der Lese am Ende des Jahres, wenn du den Ertrag deines Feldes eingebracht hast.“

Ein zweiter Name ist chag Schawuot ta’aseh lecha bikkurej kezir chitim, wörtlich: „das Schawuot-Fest gebe ich dir, das Fest der Erstlinge der Weizenernte“ (Ex 34,22), denn auch Weizen wurde in diesem fruchtbaren Land zweimal im Jahr geerntet, im Frühjahr und im Herbst. Der heute bekannteste der frühen, mit dem landwirtschaftlichen Zyklus verknüpften Namen ist: yom ha bikkurim, „Tag der Erstfrüchte“ (Num 28,26). In Ex 34,22 wurde bereits der Name genannt, der den Bezug zu einem anderen jüdischen Fest herstellt, zu Pessach, dem ersten der drei Wallfahrtsfeste: chag ha Schawuot, „Fest der Wochen“. Denn Schawuot ist eine Zeitangabe. Das Fest soll genau sieben Wochen, nach sieben mal sieben Tagen, d. h. am fünfzigsten Tag nach Pessach stattfinden.

Omerkalender 

Omer-Kalender
Kriegshaber 5657/1897
© Jüdisch Historischer Verein Augsburg (JHVA).
http://jhva.wordpress.com/tag/omer-kalender/

Die sieben mal sieben – also neunundvierzig – Tage zwischen Pessach und Schawuot werden jeden Tag beim Abendgottesdienst in der Synagoge gezählt. Man nennt dieses Zählen s’firat ha omer, wörtlich das „Zählen der Getreidegarben“, da es nach der frühen landwirtschaftlichen Bedeutung des Festes sieben mal sieben Tage dauert, bis das an Pessach gesäte Frühjahrsgetreide reif ist, bis es als „Erstfrucht“ zum Tempel gebracht werden kann. „Sieben volle Wochen sollen es sein“, gebietet die Tora.

„Bis zu dem Tag nach der siebten Woche sollt ihr fünfzig Tage zählen und dann ein neues Speiseopfer dem Ewigen darbringen“ (Lev 23,16).

Daraus ergibt sich ein weiterer hebräischer Name für Schawuot: „chag chamishim jom“, wörtlich „das Fest des fünfzigsten Tages“. Diesen Aspekt, den des Abschließens oder Vollendens der Omer-Periode, betont auch der Name, mit dem das Schawuot- Fest im Talmud bezeichnet wird: chag azeret, „Abschluss“, „Vollendung“.

Schawuot ist der Plural des hebräischen Wortes schawua oder schewa (shin-bet-ayn), ein althebräischer Wortstamm, der im Wesentlichen zwei Bedeutungen hat. Die erste Bedeutung ist ein Zahlenwert: Sieben, auch Siebenzahl der Tage, und Woche (zwei Worte, die auch im Italienischen stammgleich sind: sette und settimana). In der zweiten Bedeutung meint Sieben: Erfüllung, Sättigung, Beglückung, Befriedigung oder auch Schwur, d. h. die „Erfüllung“ eines gegebenen Wortes. Wie Schawuot zeigt, ist die zweite Bedeutung, „Erfüllung“, mit der ersten Bedeutung „Sieben“ oder „Siebenzahl der Tage“, sinnverwandt. Die Zahl „Sieben“ ist geradezu ein Synonym für „Erfüllung“, wenn man unter Erfüllung die Reifung des Getreides versteht, die sich im Zeitraum von sieben mal sieben Tagen vollziehen soll.

Noch an vielen anderen Stellen in der Bibel symbolisiert die Zahl Sieben Erfüllung: sieben Gebote empfingen Noah und seine Söhne nach der Sintflut, sieben Jahre diente Jakob – und erhielt Lea, weitere sieben Jahre diente er um Rachel, sieben Tage und sieben Nächte essen wir an Pessach das Brot der Bedrängnis, sieben Nächte beschirmt uns die Sukkah, die Laubhütte, alle sieben Jahre, im Schmita-Jahr, lassen wir Felder und Obstgärten ruhen, auf dass sich Erde und Bäume erholen können, und die Früchte dieses siebten Jahres gehören dem, der vorüberkommt, dem Armen, dem Wanderer oder dem Nahrung suchenden Tier, und ist das sieben mal sieben Jahre lang geschehen (nach sieben Schmita-Jahren, feiern wir ein Jovel, ein Jubel-Jahr. Die Investitur des Hohenpriesters, der das ganze Volk Israel im Tempel vor Gott vertritt, dauerte sieben Tage, und eine jüdische Hochzeitsfeier dauert auch heute noch sieben Tage.

Die erste Bedeutungsebene der jüdischen Wallfahrtsfeste leitet sich aus dem Jahreszyklus der Landwirtschaft und dem dreifachen Pilgergang zum Tempel her. Die gesellschaftliche Formation des alten Judäa – das Milieu, in dem auch der junge Jesus aufwuchs – war eine vom Zyklus von Saat und Ernte regulierte landwirtschaftliche Welt. Aus der Sicht der Anthropologen bedeutet das Gesetz vom Sinai, die Tora, den Übergang von der wilden, nomadischen Lebensweise zu einer sesshaften Existenzform mit regulierter Landwirtschaft und entsprechender Gesetzlichkeit. Auf diese Gesetzlichkeit gründen sich unsere Humanität und Zivilisation. Der Opfergang, die Wallfahrt zum Tempel des alleinigen Gottes, symbolisiert den schweren, opferreichen Weg aus der Gesetzlosigkeit der Wüste in eine sesshafte höhere Kultur.

„Schawuot“ – Fest der Gabe der Tora

Die zweite, spirituelle, Ebene der Wallfahrtsfeste ist folglich die des Gesetzes, der Tora, der göttlichen Offenbarung am Berg Sinai. Die Wallfahrtsfeste werden in der Tora genau beschrieben. Ihre Einhaltung ist göttliches Gesetz, hebräisch chok. Indem die Tora die Einhaltung dieser Feste zu göttlichen Geboten erklärt, werden die Feste selbst, ihre Abfolge, ihr Zyklus, mit der Geschichte des Gesetzes verbunden. Pessach symbolisiert fortan den Auszug aus Ägypten, also die Vorbereitung zum Empfang des Gesetzes. Der Exodus war Resultat der Rückbesinnung der Hebräer auf ihren Gott, der ihnen daraufhin Wunder erwies – ein Vorgang der „Instandsetzung“, der Bereitschaft von beiden Seiten, den alten Bund zu erneuern. Dieser Bund vollzieht sich sieben Wochen später, an Schawuot, mit der göttlichen Offenbarung des Mosaischen Gesetzes – benannt nach dem Mann, der die Hebräer aus Ägypten führte – und seiner Annahme durch das Volk.

An Schawuot wird in der Synagoge der Empfang des Gesetzes am Berg Sinai gefeiert durch die Lesung des Tora-Abschnitts, in dem das Herzstück der sinaitischen Offenbarung enthalten ist, der Dekalog. Gefeiert wird auch der komplizierte Vorgang seiner Annahme durch die Hebräer und die Menschen anderer Völker, die mit ihnen aus Ägypten ausgezogen sind, und die durch diesen gemeinsamen Schritt, Hebräer wie Nicht-Hebräer, zum Volk Israel wurden. Seit damals steht fest: Für den Eintritt in das Volk Israel gibt es keine ethnischen Schranken. Menschen jeder Herkunft, jeder Hautfarbe können zum Volk Gottes gehören, wenn sie das Gesetz annehmen und nach dem Gesetz leben. Der Gott, der sich am Berg Sinai offenbarte, ist nicht der Gott eines einzelnen Volkes, sondern ein Menschheits-Gott. Zur Erinnerung an diese elementare Wahrheit wird an Schawuot nach der Tora-Lesung das Buch Ruth gelesen, die Geschichte einer Fremden, einer Moabiterin, die aus Liebe und durch die Annahme des Gesetzes zur Israelitin wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte sollte sich zeigen, dass die Erfüllung dieses Gesetzes die Überlebenschancen seiner Anhänger beträchtlich erhöht hat. In schwersten Zeiten, in Verfolgung, Not und Katastrophen hat sich das Volk Israel am Leben erhalten – durch Treue zum Gesetz. Dieses Volk ist ein Wunder an Überlebenskraft. Es hat den Versuch seiner systematischen Vernichtung im zwanzigsten Jahrhundert überstanden, und – wenige Jahre später – mit ungebrochener Kraft den neuen Staat Israel gegründet.

Gabe der Tora 

„Gabe der Tora“.
MS Kaufmann A77/VI, fol. 32 r.
Courtesy of the „Library of the Hungarian
Academy of Sciences“, Oriental Collection.

Das Gesetz ist Bekenntnis zum Leben, Gewähr des Überlebens, göttliche Inspiration und Geschenk. Daher ist ein weiterer Name für Schawuot sman matan Tora, das Fest „der Gabe der Tora“ oder „das Geschenk der Tora“. Auch hier spielt das Wort schawua, Sieben, eine entscheidende Rolle. Wieder wird der Abstand zwischen den beiden Ereignissen, dem zu Pessach stattfindenden Auszug der Hebräer und den mit ihnen ziehenden Völkern aus der Sklaverei Ägyptens, bis zu jenem Tag, an dem die Flüchtlinge in der Wüste das göttliche Gesetz empfangen, mit sieben mal sieben, also neunundvierzig Tagen, angegeben. Schawuot, wörtlich „die Wochen“, bezeichnet also den fünfzigsten Tag. Die Zahl Sieben ist damit auch Symbol der Erfüllung, der Reifung, bis die Flüchtlinge aus Ägypten fähig und bereit waren, die Tora zu empfangen.

Tora – Weisung für Juden und Christen

Schawuot ist somit das Fest, das die zentrale Rolle der Tora im Leben und Überleben des biblischen Volkes betont. Auf die zentrale Rolle der Tora hat auch Papst Benedikt XVI. wiederholt hingewiesen, etwa am 17. Januar 2010 in der Synagoge in Rom, als er über das Verhältnis von Juden und Christen sprach. Er wies auf die Nähe hin, die – aus theologischer Sicht – zwischen Kirche und Judentum besteht:

„Unsere geistliche Nähe und Brüderlichkeit“, sagte er, „finden in der Heiligen Schrift – in hebräisch sifrej kodesh oder ,Bücher der Heiligkeit’ – ihr solides, ewiges Fundament [...]. Die Kirche, Gottesvolk des Neuen Bundes, entdeckt, wenn sie ihr eigenes Mysterium betrachtet, ihren tiefen Zusammenhang mit den Juden.“5

Diesen tiefen inneren Zusammenhang hatte zuvor auch Papst Johannes Paul II. gespürt, als er 1986 die römische Synagoge besuchte:

„Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas ‚Äußerliches’, sondern gehört in gewisser Weise zum ‚Inneren’ unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen wie zu keiner anderen Religion.“6

Benedikt XVI. zitierte anschließend eine Passage aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, an dessen heutiger Fassung er selbst als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation unter Johannes Paul II. maßgeblich beteiligt war:

„Im Unterschied zu den anderen nichtchristlichen Religionen ist der jüdische Glaube schon Antwort auf die Offenbarung Gottes im Alten Bund. Das jüdische Volk besitzt ‚die Sohnschaft’, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus (Röm 9,4–5), denn ‚unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt’ (Röm 11,29).“7

Aus dieser „geistlichen Nähe“, aus dem „gemeinsamen Erbe von Gesetz und Propheten“, so Benedikt XVI. in seiner Rede in der Synagoge,

„ergeben sich zahlreiche Implikationen. Ich will einige nennen: vor allem die Solidarität, die die Kirche und das jüdische Volk ,in ihrer eigenen geistlichen Identität’ aneinander bindet und den Christen Gelegenheit bietet, ,einen neuen Respekt für die jüdische Auslegung des Alten Testaments’ zu fördern, die zentrale Bedeutung des Dekalogs als gemeinsame ethische Botschaft von ewiger Gültigkeit für Israel, die Kirche, die Nichtglaubenden und die ganze Menschheit [...]. Der Dekalog – das ,Zehnwort’ oder die Zehn Gebote (Ex 20,1–7, Dtn 5,1–21) –, der aus der Tora des Mose stammt, stellt eine Fackel der Ethik, der Hoffnung und des Dialogs dar, einen Polarstern des Glaubens und der Moral des Gottesvolkes, und er erleuchtet und leitet auch den Weg der Christen.“8

Der Dekalog als Essenz des Tora-Gesetzes, der dem Juden Jesus den Weg vorgab, leitet auch den Weg der Christen. Jesus war integriert in das Leben und in den Glauben des jüdischen Volkes, dem er entstammte. Er hat – in der Überlieferung der Evangelisten – seine Treue zum Gesetz immer wieder betont, z. B. in der Bergpredigt, überliefert vom Evangelisten Matthäus:

„Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Mt 5,17).

Und wie Jesus – nach eigener Aussage – ein Leben der Gebotserfüllung lebte, das Leben eines gesetzestreuen Juden, so sind auch die Ereignisse seines Lebens, darunter die Feste, die er beging und die für sein Schicksal bedeutsam werden sollten, in den Festzyklus der Juden integriert.

Jüdische Wurzeln christlicher Feste

Auf den ersten Blick sind die Feste der Christenheit orientiert an Ereignissen aus dem Leben und Sterben Jesu Christi. Schaut man aber genauer hin, findet man, sozusagen in einer tiefer liegenden Ebene, ein früheres Fest aus der gesellschaftlichen und religiösen jüdischen Lebenssphäre, in der Jesus lebte. Jesus ist aller Wahrscheinlichkeit nach während des Chanukka-Festes, des Festes der Lichterweihe, geboren. Ein Hinweis darauf ist die symbolische Bedeutung des Lichts im Weihnachtsfest, vor allem das Lichtwunder in Lk 2,9: „[...] und der Glanz des Herrn umstrahlte sie“. Und Jesus ist, wie in den Evangelien überliefert, am Abend des Pessach-Festes gekreuzigt worden. Das Letzte Abendmahl war vermutlich ein Pessach-Mahl, ein „Seder“ (Ordnung), die Festmahlzeit am Abend, an dem Pessach beginnt, von Jesus und den Jüngern gemeinsam gefeiert. Und sieben mal sieben Wochen später, am fünfzigsten Tag nach Pessach, begingen die Jünger das nächste der von der Tora gebotenen Feste, Schawuot, – zum ersten Mal ohne Jesus.

Dass die jüdischen und christlichen Feste heute nicht immer zeitgleich sind, ergibt sich aus den verschiedenen Kalendern. Das jüdische Jahr verläuft nach dem alten babylonischen Mondkalender, während sich die Christenheit nach einem Sonnenkalender richtet, der in Rom zur Zeit Julius Caesars eingeführt (Julianischer Kalender) und 1582 von Papst Gregor XIII. reformiert und mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ verordnet wurde (Gregorianischer Kalender). Daher können die jüdischen und christlichen Feste sowohl zeitlich identisch, aber auch bis zu einigen Wochen auseinan der liegen. Dass der christliche Zyklus der Feste, unabhängig vom Jahreskalender, immer noch dem Zyklus der jüdischen Feste folgt, erkennt man an ihrer Anordnung. So beträgt der Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten – genau wie jener zwischen Pessach und Schawuot – sieben Wochen, also neunundvierzig Tage. Wie Schawuot, wird auch das Pfingstfest dann am 50. Tag gefeiert.9

Schawuot – „Erneuerung“ (tikkun) durch Lernen

Am Vorabend des fünfzigsten Tages, d. h. am Vorabend von Schawuot, treffen sich die jüdischen Männer in der Synagoge zum festlichen Abendgebet. Anschließend wird, einem alten Brauch gemäß, die Nacht mit dem Studium der Tora und anderer Texte der Bibel verbracht. Tikkun leil schawuot ist der hebräische Name dieses Brauches; leil schawuot ist die Nacht von Schawuot.

Das Wort tikkun bedeutet Veränderung, Korrektur, Verbesserung und wird oft in der Zusammensetzung tikkun olam gebraucht, „Verbesserung der Welt“.10 Der Terminus tikkun olam findet sich bereits im Talmud (Mischna Gitin 4,2), ist also älteren Ursprungs, d. h. aus vorchristlicher Zeit. Dafür spricht auch, dass der Ausdruck in leicht abgewandelter Form (l’taken ha olam) in dem aus der Zeit des Zweiten Tempels stammenden jüdischen Gebet Alejnu le’shabeach („An uns ist es, zu preisen“) vorkommt, das am Ende jedes jüdischen Gottesdienstes gesprochen wird.

Der Begriff tikkun leil schawuot für das Lernen in der Nacht von Schawuot bezieht sich auf das jüdische Konzept der Korrektur, der Verbesserung oder Vollendung der Welt (tikkun olam). Juden gehen grundsätzlich davon aus, dass Tora- und Bibelstudium zu einer Verbesserung und Vervollkommnung des Menschen führen (chinuch azmi, wörtlich Selbst-Bildung oder Selbst-Erziehung), und dass diese Vervollkommnung des einzelnen Menschen insgesamt zu einer Verbesserung der Welt beiträgt. Schriftlich belegt ist der Brauch des nächtlichen Lernens an Schawuot für die Rabbiner und Kabbalisten der Stadt Safed (hebräisch Z’fat) in Galiläa im sechzehnten Jahrhundert.  Doch diese beriefen sich wiederum auf einen viel früheren Lehrer, auf Rabbi Shimeon bar Yochai, der sich im 2. Jh. u. Z. mit seinem Sohn R. Eleasar dreizehn Jahre in einer Höhle vor den Römern verbarg und sich nur dem Tora-Studium widmete.

Probleme mit der römischen Besatzungsmacht hatten auch die jüdischen Männer, die sich in der Nacht von Schawuot des Jahres, in dem Jesus starb, zum nächtlichen Studieren versammelten. Ort ihrer Zusammenkunft war das in der Apostelgeschichte (1,13) erwähnte „Obergemach, wo sie sich aufzuhalten pflegten“. Sie waren Anhänger oder Jünger eines Rabbis und Schriftgelehrten, der sieben Wochen zuvor, am Pessach-Fest, wegen des Verbrechens der Majestätsbeleidigung (crimen maiestatis) vom römischen Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt und gekreuzigt worden war.

Um diese Zeit warteten in der Provinz Judäa viele Menschen auf den Messias, den Erlöser-König. Die römische Besatzungsmacht sah in diesen Regungen eine Gefahr und unterdrückte sie mit brutaler Gewalt. Auch die Jünger – als Anhänger eines „Majestätsverbrechers“ – mussten Verfolgung fürchten. Daher werden sie zunächst versucht haben, ihre Zusammenkunft in der Nacht von Schawuot im Rahmen des Üblichen zu halten. Angesichts der Verbreitung der griechischen Sprache in der römischen Provinz Judäa können wir davon ausgehen, dass um diese Zeit die griechische Übersetzung des Wortes Schawuot – Pentekoste – bereits in aller Munde war.

In der Apostelgeschichte wird die liturgische Zusammenkunft der Jünger am Abend von Schawuot folgendermaßen beschrieben: „Und als sich der Tag der Pentekoste erfüllte, waren alle zusammen am selben Ort“ (Apg 2,1; Übers. nach Rudolf Pesch). Zuvor hatten die Jünger den abendlichen Festtagsgottesdienst besucht, den Segen über Wein und Brot gesprochen und zu Abend gegessen. Dann trafen sie sich, wie es im griechischen Text heißt, epi to auto, an ein- und demselben Ort, um, wie bis heute unter gesetzestreuen Juden in dieser Nacht üblich, gemeinsam zu beten und zu studieren.

Über diese Zusammenkunft berichtet die Apostelgeschichte:

„Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle vom Heiligen Geiste erfüllt und fingen an in anderen Sprachen zu reden.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation derer, die unter dem Himmel sind. Als sich aber das Gerücht hiervon verbreitete, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne in seiner eigenen Mundart sie reden hörte. Sie entsetzten sich aber alle und verwunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind: Parther und Meder und Elamiter, und die Bewohner von Mesopotamien und von Judäa und Kappadokien, Pontus und Asien, und Phrygien und Pamphylien, Ägypten und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin, und die hier weilenden Römer, sowohl Juden als Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden“ (Apg 2,1–12).

Was in dieser Passage der Apostelgeschichte geschildert wird, ist ein Ausbruch von Begeisterung, von göttlicher Inspiration. Der hebräische Begriff dafür ist schechinah, wörtlich „die Einwohnung“ oder Anwesenheit Gottes. Das Wort schechinah basiert auf dem Stamm shin-chaf-nun („wohnen“), auf den sich auch das Wort für Tabernakel gründet, mischkan, der „irdische Wohnort Gottes“ oder der „Ort der Einwohnung“.

Die schechinah, der Geist Gottes, soll aber nicht nur im Tabernakel wohnen, sondern, wie es im Talmud heißt (Trakat Sanhedrin 39a), überall, „wo immer zehn versammelt sind, um zu beten und das Gesetz zu studieren“. In Apg 1,13 werden die Jünger aufgezählt, die sich nach Jesu Tod zu versammeln pflegten, es sind elf Namen. Vers 14 erwähnt zusätzlich die Brüder Jesu und einige Frauen, darunter auch Maria. Da es zu Beginn des Berichts über die Nacht von Schawuot/Pentekoste heißt, „alle“ wären versammelt gewesen, können wir von einer Zahl deutlich über zehn Menschen ausgehen. Daher ist es nach jüdischer Vorstellung nicht überraschend, wenn in dieser Runde die schechinah weilte, die „Einwohnung“ oder der „Geist“ Gottes.

Hier stellt sich die Frage, welche Texte in dieser „Lernnacht“ wohl gelesen und erörtert wurden, dass die Anwesenden so sehr in Begeisterung gerieten. Die schechinah ist der Geist und der Wille Gottes. Ihr Wirken entzieht sich weitgehend unserer Einsicht, doch sie bedient sich irdischer Mittel und Wege, um zu den Menschen zu gelangen. Im Judentum gilt das intensive Studium biblischer und talmudischer Texte als die beste Methode, um sich der göttlichen Inspiration zu nähern. Die jüdische Tradition überliefert für die Nacht von Schawuot zwei Bräuche, was die Auswahl der zu studierenden Texte betrifft. Die Rabbiner Shlomo Alkabets und Josef Caro – letzterer der Verfasser des bis heute maßgeblichen halachischen Werkes Schulchan Aruch – sollen 1533 in Thessaloniki und später in der Stadt Safed in Galiläa eine Anordnung von Texten für den tikun leil schawuot kompiliert haben.

Diese Zusammenstellung enthielt Exzerpte aus allen vierundzwanzig Büchern der hebräischen Bibel, des tenach. Einige der vorgegebenen Texte sollten jedoch in aller Ausführlichkeit gelesen werden, etwa die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte des Auszugs aus Ägypten, die Übergabe des Dekalogs (wir erinnern uns hier an Papst Benedikts Rede in der Synagoge von Rom und seine besondere Emphase, den Dekalog betreffend) und das zentrale jüdische Gebet, das Schema Israel. Danach wurden in Safed Auszüge aus den dreiundsechzig Kapiteln der Mischna gelesen, anschließend das Sefer Yezirah (das „Buch der Formation“, ein frühes Werk jüdischer Esoterik), ferner eine Auflistung der sechshundertunddreizehn Gebote des Tora- Gesetzes sowie Auszüge aus dem Sohar („das Strahlende“), dem grundlegenden Werk der Kabbala. Alle diese Texte waren in einem besonderen Buch, einer Art Lesebuch, für die Nacht von Schawuot zusammengefasst.

Eine andere Tradition bevorzugt für diese Nacht das Lesen des Buches tehillim (Psalmen), das zum überwiegenden Teil König David zugeschrieben wird. Von daher besteht ein Zusammenhang zwischen dem Studium der Psalmen in der Nacht und der Lesung des Buches Ruth beim folgenden Morgengottesdienst in der Synagoge, da Ruth als die Ahnfrau König Davids gilt. Nach christlicher Tradition ist Jesus ein Nachkomme Davids. Von daher halte ich es für wahrscheinlich, dass die Jünger in der Nacht von Schawuot / Pentekoste das Buch der Psalmen studiert haben. Ihre Zusammenkunft war also einerseits eine traditionelle Studiennacht wie an Schawuot üblich, doch zugleich auch eine Nacht des Gedenkens an ihren erst jüngst gestorbenen und wieder auferstandenen Rabbi Jesus. Das ist meine persönliche Hypothese, mein Versuch einer Antwort auf die Frage: Was haben die Jünger in jener Nacht gelesen, dass sie so offenkundig in Begeisterung gerieten, und dass sie, wie in Apg 2,4 geschrieben steht, „mit dem Heiligen Geist“ erfüllt wurden.

Noch etwas spricht für die Lesung bzw. das Studium der Psalmen. Apg 2,9–11 zitiert Zeugen des Vorfalls, die über die begeisterten Jünger sagen: „Wir hören sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden.“ Nun zeichnet sich das Buch der Psalmen dadurch aus, dass es zahlreiche Textstellen enthält, welche die „Taten Gottes“ preisen. Und, was in unserem Zu sammenhang noch bemerkenswerter ist, die Psalmen enthalten Zitate, die sich mit diesem Lobpreis von Gottes Taten an alle Völker wenden, und nicht exklusiv an die Juden, oder die sich an die Juden wenden mit dem Aufruf, die Offenbarung des göttlichen Gesetzes an alle Völker der Erde weiterzugeben. Das ist gemeint, wenn bezeugt wird, dass die Jünger „in unseren Sprachen reden“. Sie wenden sich mit ihrer universalen Botschaft an alle Menschen der Erde, wie die folgenden Beispiele aus den Psalmen zeigen.

7,8: va’adat le’umim t’sovevejcha – Die Völker (Nationen) werden sich um dich sammeln.

9,9: ve hu joshpot tevel be zedek, jadin le’umim be mesharim – Er richtet den Erdkreis mit Gerechtigkeit und spricht Recht für die Völker, wie es angemessen ist.

22,28–29: js’ cheru ve jashvu el adonaj kol afsej arez ve jishtachavu lifanejcha kol mishpachot gojim, ki ladonaj ha melucha u moshel ba gojim – An allen Enden der Erde wird man sich besinnen und zu Gott sich wenden, alle Familien der Völker werden sich vor dir niederwerfen. Denn Gottes ist das Reich und die Herrschaft über die Völker.

45,18: askirah shimcha be chol dor va dor ve al ken amim jehoducha le olam va ed – Ein Denkmal soll dein Name sein für jede Generation. Darum werden die Völker dich preisen für immer und ewig.

47,9: malach elohim al gojim – G-tt ist König über die Völker.

57,10: odejcha ba amim, asamerecha be le’umim – Ich will dich preisen unter den Völkern, ich will dein Lob singen unter den Nationen.

66,8: barechu amim elohejnu ve hashmi’u kol tehilato – Preiset unseren Gott, ihr Völker, und lasset sein Lob erschallen.

67,4–6: joducha amim, elohim, joducha amim kulam, jismechu va jeranenu le’umim ki tishpot amim mishor u le’umim baarez tachechim, selah. Joducha amim, elohim, joducha amim kulam – Es preisen dich die Völker, Herr, es preisen dich die Völker allesamt. Es freuen sich und jauchzen die Nationen, weil du für die Völker Recht sprichst wie es angemessen ist, und die Nationen lenkst auf Erden. Es preisen dich die Völker, Herr, es preisen dich die Völker allesamt.

72,17: jehi shemo le olam lifnej shemesh jonon shemo e jibarechu vo kol gojim jashrehu – Dein Name sei für die Ewigkeit, solange die Sonne scheint, soll er sich fortpflanzen, und segne man sich mit ihm. Alle Völker preisen ihn selig.

96,3: saperu va gojim k’vodo, be chol ha amim niflotav – Erzählt den Völkern von seiner Glorie, unter allen Völkern von seinen Wundern. (Der ganze Psalm ist ein Aufruf an Israel, in diesem Sinne unter den Völkern zu wirken.)

97,6: higidu ha shamajim zidko ve ra’u kol ha amim k’vodo – Es künden die Himmel seine Gerechtigkeit und alle Völker schauen seine Ehre.

98,2: hodija adonaj jeshuato le ejnej ha gojim gila zidkato – Kundgetan hat Gott seine Hilfe, seine Gerechtigkeit offenbart vor den Augen der Völker.

102,23: Be hikabez amim jachdu u mamlachot la’avod et adonaj – Wenn die Völker sich einmütig sammeln und Königreiche, um Gott zu dienen.

105,1: hodu ladonaj kiru veshmo, hodiju va amim alilotav – Danket Gott, ruft seinen Namen an, verkündet unter den Völkern seine Taten.

135 und 148: Der gesamte Psalm ist ein Aufruf an Israel, den Namen des Herrn zu loben, zu preisen, von seinen Taten zu künden.

Nirgendwo in der hebräischen Bibel wird der universelle Anspruch des Gesetzes so nachdrücklich ausgesprochen wie in den Psalmen. Die Botschaft der Tora, die Offenbarung vom Berg Sinai, richtet sich an alle Völker. Wir alle, Juden wie Christen, sind aufgerufen, sie in der Welt zu verbreiten und zu verkünden. Das war die Botschaft, welche die Jünger in der Nacht von Schawuot in den Psalmen lasen, von den Psalmen lernten, und die sie, indem sie in den Sprachen der verschiedenen Völker redeten, unverzüglich diesen Völkern übermitteln wollten.

Die Männer und Frauen, die sich in dieser Nacht zum Studium und im Gedenken an Jesus versammelt hatten, waren von der schechinah, vom Geist Gottes, erfasst und erfüllt. Daher waren sie imstande, sich in Sprachen auszudrücken, die sie vorher nicht kannten, und fremden Völkern von Gottes Gesetz zu künden. Wir Menschen wissen nicht, auf welchem Weg uns die Inspiration erreicht, wie wir von der schechinah, vom Geist Gottes, ergriffen werden. Es scheint uns ein Geheimnis, das wir nicht zu erklären vermögen. Dennoch können wir uns aus eigener Kraft darum bemühen, diesem Zustand nahe zu kommen. Im Judentum geht man davon aus, dass Lernen, Lesen und Studieren, das Aneignen von Kenntnissen uns für die Inspiration Gottes wach hält. Das taten die Jünger in der Nacht von Pentekoste. Deshalb wurden sie vom Geist ergriffen und begeistert für ihre kommende Aufgabe.

Wir sollten ihnen darin folgen.


Chaim Noll, deutsch-israelischer Schriftsteller, 1954 in Ost-Berlin geboren, Studium der Mathematik in Berlin und Jena, Kunst und Kunstgeschichte in Berlin-Weißensee, Verweigerung des Wehrdienstes in der DDR, 1984 nach West-Berlin. 1989–1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin, 1992–1995 in Rom, seit 1995 in Israel. Vortrag an der Pontificia Università Lateranense in Rom am 16. Mai 2013 (7. Siwan 5773) zum Thema „Conterete 50 giorni“. Riflessioni sulla visione ebraica e cristiana della Pentecoste. Vgl. das Ko-Referat von Prof. Dr. Achim Buckenmaier Vgl. das Ko-Referat von Prof. Achim Buckenmaier, „Pfingsten – der Fünfzigste Tag“, S. 256–263 i. d. Heft).
  1. Die Maßnahmen umfassen die Konzilskonstitutionen 67–71. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Viertes_Laterankonzil#Beschl.C3.Bcsse (aufgerufen am 17.05.2013).
  2. Vatikanische Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung Nostra aetate Nr. 4. Wortlaut in: Freiburger Rundbrief XXVI Nr. 97/100 (1974) 3–5.
  3. Dokument der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, veröffentlicht am 24. Juni 1985, Wortlaut in: Fr Ru XXXVII/XXXVIII (1985/86) 9–14.
  4. „Ihr seid unsere älteren Brüder“. Ansprache von Papst Johannes Paul II. in der Synagoge in Rom am 13. April 1986, in: ibid. 3–5; Israels Rolle im Heilsplan Gottes. Die Rede von Oberrabbiner Elio Toaff, in: ibid. S. 5 f.
  5. Papst Benedikt XVI.: In geistlicher Nähe und Brüderlichkeit. Ansprache in der Synagoge in Rom am 17. Januar 2010, zitiert nach FrRu NF 17(2010)199–205, hier 202.
  6. Papst Johannes Paul II., vgl. Anm. 4., S. 4.
  7. Papst Benedikt XVI. (Anm. 5), S. 199 ff.
  8. ibid.
  9. Der offizielle (griechische) Name des Pfingstfestes ist „Pentekoste“.
  10. Vgl. dazu Clemens Thoma, Erneuerung der Welt in jüdischer Tradition und Mystik, in FrRu NF 10(2003)82–88; sowie die Erklärung des National Council of Synagogues (NCS), „Bund und Mission – Die Sendung der Juden und die Vervollkommnung der Welt“ (Reflections on Covenant and Mission), ibid., 89–99.

Jahrgang 20 / 2013 Heft 4, S. 242−255.


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