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Dialog

Papst Johannes Paul II. trifft sich mit Israels Oberrabbiner Israel Meir Lau

Am 21. September 1993 ist Papst Johannes Paul II. in Castel Gandolfo zum ersten Mal mit einem führenden geistlichen Oberhaupt Israels zusammengetroffen. Oberrabbiner Lau steht an der Spitze der aschkenasischen Juden in Israel. Dieser Begegnung kommt größte Bedeutung zu. Die Katholische Kirche hat ja derzeit die Aufgabe, sich von allen Antisemitismen zu befreien, das jüdische Volk und seine Religion voll anzuerkennen und auch den Islam und seine Anhänger in ihrem menschlichen und religiösen Bemühen zu fördern. Da ist es wichtig, daß nicht nur Politiker im Vatikan ein- und ausgehen, sondern auch die religiösen Führer Israels. Sie passen sozusagen besser zum Papst als die Politiker. Der religiös mutige Mann, Israel Meir Lau, wurde 1937 in Pietrokow in Polen geboren. Er konnte daher mit dem polnischen Papst polnisch reden, und die beiden scheinen sich in Castelgandolfo gut verstanden zu haben. Sein Vater, Rabbi Mosche Chaim Lau, wurde samt seiner Gemeinde von den Nazis in Treblinka ermordet. Israel Meir verbrachte die Jahre der Schoa im Getto von Pietrokow, im Arbeitslager von Schenestoschow und in Buchenwald, wo er am 11. April 1945 befreit wurde. Am 19. Juli 1945 traf er auf einem überfüllten Immigrantenschiff in Israel ein. 1960 wurde er zum Rabbiner ordiniert und heiratete im selben Jahr Chaya I. Frankel, die Tochter des Oberrabbiners von Tel Aviv. Ihre Ehe wurde mit acht Kindern gesegnet. 1982 wurde Israel Meir Lau als jüngstes Mitglied in die Versammlung des Oberrabbinats von Israel aufgenommen. 1988 erfolgte die Wahl zum Oberrabbiner von Tel Aviv. 1993 wurde er aschkenasischer Oberrabbiner von Israel.1 Er besitzt ein großes internationales Ansehen als geistvoller und energischer jüdisch-religiöser Führer.

Vatikan-Sprecher Navarro-Valls bestätigte, es habe sich um eine „sehr herzliche Begegnung zwischen den beiden Religionsführern“ gehandelt. „Das religiöse Treffen war ein geeigneter Anlaß, um den Politikern der Region die notwendige moralische Unterstützung und den Mut für einen Frieden in Gerechtigkeit und Sicherheit zu geben. „Zugleich habe die Begegnung die Gelegenheit geboten, „die Überwindung des historischen, teilweise schweren Unverständnisses“ zwischen den beiden Religionen zu bekräftigen und Brüderlichkeit zwischen den „Erbvölkern des abrahamitischen Glaubens“ zu erbitten. Der Papst habe dabei klargestellt, daß es zu keiner Religion so enge Beziehungen wie zum Judentum gebe. Navarro-Valls hob hervor, daß Oberrabbiner Lau den Papst nach Jerusalem eingeladen habe — wie dies bereits vor einem Jahr Israels Außenminister Shimon Peres getan hatte. „Der Papst hat sich herzlich bedankt mit den Worten: ,Ich hoffe, daß die Göttliche Vorsehung mir eines Tages die Möglichkeit gibt, erneut ins Heilige Land zu pilgern'.“ Dabei habe der Papst die Hoffnung bekundet, daß die verantwortlichen Religionsführer in Jerusalem gleichzeitig um Frieden, Verständnis und Zusammenarbeit unter allen Gläubigen der Region und der Welt beten könnten.2

  1. Die Lebensdaten von Oberrabbiner Lau sind entnommen aus „Schalom, Das euro­päische jüdische Magazin“, Vol. 18, Sept. 1993 — Tischri 5754,13—19.

  2. Die Schilderung der Begegnung zwischen Papst und Oberrabbiner ist kipa vom 23.09.1993 entnommen.

Dokumentationsdienst in Rom fördert Dialog zwischen Juden und Christen

Der „Internationale jüdisch-christliche Dokumentationsdienst” in Rom (Service International de Documentation Judéo-Chrétienne = SIDIC), 1965 gegründet, soll das gegenseitige Verständnis und den Respekt zwischen Christen und Juden fördern und die Bedeutung des jüdischen Erbes für das Christentum und die westliche Kultur hervorheben.

Nach den antisemitischen Ausschreitungen in Italien wandten sich zahlreiche Schulen mit der Bitte um Aufklärung über das Judentum an das SIDIC-Zentrum. Dessen Bibliothek kann jeder Interessierte benutzen sowie an Seminaren, Vorträgen, Hebräischkursen oder Führungen durch das römische Getto teilnehmen.

In den Jahren sind enge Beziehungen zum jüdischen Kulturzentrum gewachsen. Jüdische Vertreter wie der römische Oberrabbiner Elio Toaff sind öfter bei Veranstaltungen im SIDIC dabei. Die katholische Seite ist durch wichtige Persönlichkeiten vertreten wie den ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Johannes Willebrands und seinen Nachfolger Kardinal Edward Idris Cassidy.

Das Studien- und Dokumentationszentrum leiten Schwestern der Kongregation Unserer Lieben Frau von Sion.

nach: kipa 18.03.1993

Katholiken und Juden gründen Dialog-Studienzentrum in den USA

An der privaten katholischen Sacred-Heart-Universität in Fairfield im US-Bundesstaat Connecticut ist ein theologisches Studienzentrum für katholisch-jüdische Fragen eingerichtet worden. Zu den Gründern des Studienzentrums zählen Erzbischof William Keeler von Baltimore, der seit vielen Jahren um eine katholisch-jüdische Verständigung bemüht ist, und Rabbiner Jack Bemporad, ehemaliger Leiter des Rates für interreli­giöse Zusamenarbeit des Synagogue Council of America. Der Council ist ein Zusammenschluß der reformierten, konservativen und orthodoxen Synagogen in den USA. Das neue Studienzentrum hat sich die Erfor­schung des Verständnisses von Erlösung und des Begriffes des „auser­wählten Volkes Gottes“ im Judentum und Christentum zum Ziel gesetzt. Außerdem sind Studien über die B,edeutung des Holocaust für den Got­tesglauben von Juden und Katholiken geplant.

nach: kipa 18.03.1993

Schwierige Pilgerreise nach Jerusalem

Zum Auftakt des viertägigen Opferfestes „Id-ul-Ad-Ha“ der 800 Millio­nen Muslime in aller Welt sind im Juni 1993 erstmals 200 muslimische Pil­ger aus Libyen nach Israel gereist. Dieses historische Ereignis war von Rafael Fellach, einem italienischen Juden, im vergangenen Februar bei einem Gespräch mit Oberst Gaddafi abgesprochen worden. R. Fellach stammt ursprünglich aus Libyen und mußte 1967 von dort fliehen. Er hatte nun gehofft, durch die Pilgerfahrt ein Friedenszeichen setzen zu können und hegte die Erwartung, eine muslimische Pilgerbewegung zu der El Aksa Moschee in Jerusalem, der drittheiligsten Stätte des Islam, in­itiieren zu können. Diese Erwartung scheint sich nun nicht zu erfüllen. Eine schriftliche Erklärung der Pilgérgruppe, die einen Aufruf zur Zer­störung Israels enthielt, sorgte für einen Eklat.In der Erklärung heißt es, der Tempelberg von Jerusalem gehöre den Muslimen. Deshalb seien alle Muslime in der Welt aufgerufen, auch Jerusalem mit „befreienden Mit­teln zu befreien“.

nach: kipa 18.03.1993


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 11-13


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