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Clemens Thoma

Geleitwort

Dr. Gertrud Luckner und der bisherige Rundbrief

Im August 1948 erschien der erste Freiburger Rundbrief. Er war damals ein 24seitiges maschinengeschriebenes Korrespondenzblatt und wurde im Auftrag des Erzbischofs von Freiburg i. Br., der Fuldaer Bischofskonferenz und des Deutschen Caritasverbandes herausgegeben.

Ein kleiner Kreis Interessierter“ — so die Initiantin Dr. Gertrud Luckner — habe die Herausgabe ermöglicht. Sie hätten miteinander erörtert, „welche Konsequenzen aus der Tatsache zu ziehen seien, daß in der Hitlerzeit zum erstenmal Christen und Juden gemeinsam verfolgt worden sind.“ Nun aber, nach dem Kriege, sei eine „verhängnisvolle gegenseitige Unkenntnis“ aufgekommen. „Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit liegen über der Ermordung von Millionen. Inzwischen sind Abneigung und Judenhaß erneut im Wachsen ... Es ist daher notwendig, daß diese Erscheinungen in ihren eigentlichen Ursachen aufgrund von genauen Informationen untersucht und aufgeklärt werden, um sie vorurteilsfrei zu verstehen und erkennen zu können. Mancher Schleier, der sich in der Zeit der Untergrundhilfe über das Vergangene gebreitet hat, muß gelüftet werden, um Gegenwärtiges zu verstehen, damit Brücken geschlagen und gesunde menschliche Beziehungen zu unseren jüdischen Mitmenschen wieder hergestellt werden können, insbesondere auch zu unseren christlichen Brüdern jüdischer Herkunft. Es bedarf auch einer grundsätzlichen Besinnung der Christen, um alte Vorurteile zu überwinden. Eine Beziehung zwischen Menschen ist unmöglich, wenn ein Gespräch nicht zustande kommt.“

Als engagierte Christin, die in den dunklen Jahren der Naziherrschaft vielen hundert Juden und Jüdinnen geholfen hat, viele retten konnte und selbst verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht wurde, war Frau Luckner zu dieser Analyse prädestiniert. Ihre Worte besitzen immer noch Gültigkeit. Mehr Menschen als damals wissen heute um die Verwobenheit des jüdischen und christlichen Schicksals. Zwar muß glücklicherweise im europäisch-amerikanischen Raum nicht von einem konstanten Wachstum des Antisemitismus seit 1948 gesprochen werden. Aber nach wie vor durchzuckt Judenhaß, verbunden mit rassistischem Gehabe, in unregelmäßigen Abständen unsere Lande. Die Vatikanische Kommission Justitia et Pax hat darum am 3. November 1988 in einer Erklärung über „Die Kirche und der Rassismus. Für eine brüderliche Gemeinschaft“ über den Antisemitismus gesagt, er sei „die tragischste Form der rassistischen Ideologie in unserem Jahrhundert mit dem ganzen Schrecken des Holocausts ... Als hätten einige nichts aus den Verbrechen der Vergangenheit gelernt, halten gewisse Organisationen ... den antisemitischen Rassenwahn am Leben. Auf jüdische Personen oder Symbole zielende terroristische Handlungen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht und zeigen den ganzen Radikalismus derartiger Gruppen. Manchmal dient der Antizionismus – der nicht gleicher Art ist, da er den Staat Israel und seine Politik in Frage stellt – als Mäntelchen für den Antisemitismus, nährt sich aus ihm oder führt zu ihm hin“.1

Der Freiburger Rundbrief wurde in den Jahren seines Erscheinens zu einem „dokumentarischen Journal über die vielfarbige Palette des jüdisch-christlichen Lebens und Ringens“.2 So ist er – wie Dr. Luckner zu sagen pflegte – zu einer „Institution“ geworden. In den einschlägigen Verzeichnissen figuriert er unter der Abkürzung FrRu.3 Unter der Verantwortung von Dr. Luckner erreichte der FrRu 38 Jahrgänge. Sie erschienen jedoch in recht verschiedenem, wachsendem Umfang und ziemlich unregelmäßig. Regelmäßig ist aber im Verlaufe der 38 Jahre das innere Wachstum des FrRu verlaufen. Dr. Luckner selbst bemerkte rückschauend bisweilen scherzhaft, was sich in den Anfängen des FrRu kühn, ökumenisch und progressiv angehört habe, wirke heute – nach etwa 30 Jahren – beinahe antisemitisch. Fortschritt im Denken, vor allem in der Großzügigkeit dem andern gegenüber, ist die Frucht der Herzlichkeit. Dies kann man aus dem FrRu herausspüren. Es ging Dr. Luckner stets um die Förderung der persönlichen Freundschaft zwischen Juden und Christen, vor allem zwischen verfolgten Juden und verfolgten Christen. Darum blieb der FrRu stets offen für neue Entwicklungen in der Theologie und im gesellschaftlichen Leben Europas und Israels. Einen besonderen Höhepunkt erreichte der FrRu ab Jahrgang 24 (1972). Damals wurde ihm der „Immanuel“ beigefügt. In ihm wurden „Dokumente des heutigen religiösen Denkens und Forschens in Israel“ veröffentlicht, damit das israelische Geistesleben speziell für Europa fruchtbar werde. Das Judentum besteht ja nicht nur aus der Diaspora, sondern auch aus Israel, wo es sich zum – wenn auch immer noch gefährdeten – politischen, geistigen und religiösen Zentrum entwickelt hat. Frau Luckner hatte ein ausgeprägtes Gespür für neue Entwicklungen und dokumentierte das, was ihr wichtig schien, in vollem Wortlaut und ließ es von Persönlichkeiten verschiedener Couleur interpretieren.

Der letzte von Dr. Luckner verantwortete FrRu erschien als 37./38. Doppeljahrgang im Jahr 1987. Er enthält auf 212 Seiten u. a. folgende Themen:

  1. Zwei große Dokumentationen interpretiert von Juden und Christen:
    1. Die Ansprache Papst Johannes Paul II. und des Oberrabbiners von Rom anläßlich ihrer Begegnung in der Synagoge von Rom am 13. April 1986.
    2. Das Dokument der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum vom 24. Juni 1985: „Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der Katholischen Kirche“.
  2. Es folgen dann Wiedergaben verschiedener Reden des Papstes, des israelischen Staatspräsidenten, des deutschen Bundespräsidenten, Elie Wiesels, eines Evangelischen Oberkirchenrates und eines Kardinals.
  3. Unter der Rubrik „Rundschau“ werden die jüdisch-christlichen Besinnungen und Gottesdienste beim 88. Deutschen Katholikentag (München im Juli 1984) und beim 21. Deutschen Evangelischen Kirchentag (Düsseldorf im Juni 1985) vollständig wiedergegeben. Der Freiburger Rundbrief hat in den Jahren seines Bestehens die Großveranstaltungen beider Kirchen vollständiger dargestellt, als dies die offiziellen Berichte getan haben. So ist vieles erhalten geblieben, was sonst unwiderruflich verlorengegangen wäre. Er ist damit eine Fundgrube für Menschen, die in Gegenwart oder Zukunft die Gestaltung von ökumenischen und christlich-jüdischen Gottesdiensten vorzubereiten haben.
  4. Verschiedene Ereignisse kommen in längerer Ausführung zur Sprache: Das 20jährige Jubiläum von Nostra aetate im Jahre 1985, ein Kolloquium über rabbinische Gleichnisse in Luzern, die Festakademie mit allen Reden zu Ehren des 85. Geburtstages von Dr. Luckner, der offizielle Besuch von Margaret Thatcher in Jerusalem und eine Würdigung von Ludwig Volk, der die Akten der deutschen Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945 herausgegeben hat.
  5. Zwischen den langen Informationen sind Kurznachrichten eingestreut. Der Leser und die Leserin werden dadurch zu Zeugen des Wachstums und der Schwierigkeiten der jüdisch-christlichen Begegnung in Deutschland und anderswo. Ein kurzer Bericht über das „Altenwohnheim Gertrud Luckner“ für NS-verfolgte Christen in Nahariya (Israel) lädt zur Horizonterweiterung ein.
  6. Insgesamt 76 Rezensionen über Bücher mit allgemein jüdischen oder jüdisch-christlichen Inhalten führen in diesem letzten FrRu die Bezieher auf die Höhe des heutigen Wissensstandes. Der Schwerpunkt liegt auf der Holocaust-Literatur, auf israelischen Problemen sowie auf den Beziehungen zwischen Christentum und Judentum. Daran schließen sich etwa 20 Seiten des bereits erwähnten „Immanuel“ an.
Die nötige „Neue Folge“ des Rundbriefs

Frau Dr. Gertrud Luckner wurde am 26. September 1993 93 Jahre alt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie nach 1987 nicht mehr als Herausgeberin und Redakteurin weiterarbeiten. Ihr Rückzug verursachte einen Mangel in der christlich-jüdischen Bewegung, besonders im deutsch-sprachigen Raum. Es ist allen Beobachtern und Beobachterinnen seit damals klar, daß neu nachgegraben werden muß, wenn die christlich-jüdische Bewegung in unseren Landen wieder eine frischere Zukunft haben soll. Fast wie abgesprochen grassierte in der Zwischenzeit weltweit der Rassismus und der mit ihm eng verschwisterte Antisemitismus in besonders frecher Weise. Im ehemaligen Jugoslawien wird von ethnischer Säuberung gesprochen, was viele an die „Entjudung“ der Nazis erinnert. Die Polizei muß mit immer größeren Aufgeboten gegen neonazistische Ansammlungen vorgehen. Schöne Worte sind da und dort von Politikern und Kirchenführern in erhabenen Feierstunden oder bei Begräbnissen von Opfern der Gewalt zu hören. Aber sie verhallen schnell und werden höchstens noch von den Tagesmedien aufgegriffen. Da muß sich der FrRu wieder melden! Er muß für eine größere Dauer und eine nachhaltigere Beeinflussung breiter Bevölkerungskreise, besonders der Jugend, einstehen, um einer vorurteilsfreien und friedliebenden Gesellschaft die Wege zu bereiten. Er muß sich der neuen Konfrontation stellen und Perspektiven der Hoffnung zwischen Juden und Christen und zwischen Menschen säkulärer Gesinnung, die aus einer der beiden Traditionen herkommen, aufzeigen.

Die neuen Verantwortlichen

Im Verein „Freiburger Rundbrief, Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung e. V.“ konnte trotz des schmerzlichen Ausscheidens von Gertrud Luckner weitgehend Kontinuität gewahrt werden. Der bisherige zweite Vorsitzende, G.Prof. Dr. Alwin Renker, wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Mit verschiedenen Lehraufträgen für Altes Testament an der Universität Freiburg bzw. an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, als Hebräisch-Lehrer und als Direktor des Instituts für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg bringt er ideale Voraussetzungen für diese Aufgabe mit: Er kennt die Probleme und hat auch ein gutes Verständnis für die Leser und Leserinnen des FrRu NF, z. B. für Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Als Zweiter Vorsitzender wurde das bisherige Vorstandsmitglied Prälat Dr. Georg Hüssler, ehemaliger Präsident des Deutschen Caritasverbandes, gewählt. Er hat sich seit über 30 Jahren um den FrRu gekümmert und wichtige Verbindungsarbeit geleistet. In den Vorstand wiedergewählt wurden der Verfasser dieses Geleitwortes sowie Frau Oberstudiendirektorin Elisabeth Wild und Prälat Dr. Eugen Walter. Neu in den Vorstand aufgenommen wurden Frau Ursula Blum, Herr Rudolf Kuri und Herr Kurt Schneider.

Clemens Thoma wurde zum Hauptschriftleiter bestellt. Da er in Luzern das Fach Judaistik lehrt, ein Institut für jüdisch-christliche Forschung leitet und als zweiter Schriftleiter seit 1972 Frau Luckner zur Seite gestanden ist, wurde diese Wahl als natürlich empfunden. Zur geschäftsführenden Schriftleiterin wurde Frau Ursula Blum bestellt. Sie bringt Erfahrungen aus dem Verlagswesen und dem Buchhandel in die neue Verantwortlichkeit mit. Von 1970 bis 1991 war sie Geschäftsführerin und Leiterin des Kyrios-Verlags Meitingen und Freising und ist Mitglied des Christkönigs-Instituts Meitingen. Als Sekretärin arbeitet Frau Ursula Cunningham bereits seit 1980 für den FrRu.

Das alt-neue Programm

Wie der alte FrRu muß auch die Neue Folge des Freiburger Rundbriefs (FrRu NF) aus jüdischer und christlicher Sicht auf viele Schwierigkeiten und Chancen hinweisen, die sich zwischen verschiedenen Religionen, Gesellschaften und Völkern abspielen.

  1. Es geht um Dokumentation und Interpretation wichtiger kirchlicher, israelischer und allgemein jüdischer und jüdisch-christlicher Ereignisse und Stellungnahmen. Dazu gehören u. a. päpstliche, bischöfliche und synodale Erklärungen der verschiedenen Kirchen. Der FrRu NF wird zwar weitgehend von der katholischen Kirche Deutschlands getragen. Er will aber — durchaus in Übereinstimmung mit der Kirche — eine uneingeschränkt ökumenische Haltung an den Tag legen. „Ökumene ohne Juden gibt es nicht“, lautete ein ceterum censeo von Frau Luckner. Der FrRu NF will sich auch nicht in der Kirchlichkeit abkapseln. Israelische Wahlergebnisse, israelisch-arabische Gespräche, jüdisch-islamische Dialoge und relevante Aussagen von Rabbinern und Politikern ebenso wie jüdisch-christliche Begegnungen, Veranstaltungen und Gottesdienste werden den Lesern vorgestellt. Der FrRu NF will aber auch ein weltliches Gesicht tragen! Er kann jedoch bei vierteljährlicher Erscheinungsweise nicht aktuell über das Tagesgeschehen berichten, sondern nur zusammenfassend und rückblickend.
  2. Überblicke über Neuerscheinungen von Büchern mit wissenschaftlichem, literarischem, kulturellem oder politischem Inhalt sowie ihre Bewertung durch Rezensenten nehmen eine wichtige Stelle im FrRu NF ein. Ein besonderes Augenmerk ist auf Bücher über Predigt, Katechese und Spiritualität zu werfen, weil sich auch da christlicher Antisemitismus unbemerkt einschleichen kann. Ferner sollen wissenschaftliche Publikationen aus der Judaistik — seien sie nun in Hebräisch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Deutsch geschrieben — rezensiert werden, damit auch auf neue Entwicklungen in Kultur, Religion und Geisteswissenschaften aufmerksam gemacht wird. Wer Anregungen für Rezensionen geben oder sich selbst als Rezensent betätigen will, ist zur Mitarbeit eingeladen.
  3. In Weiterführung des bisherigen „Immanuel“ wird der FrRu NF auch in Zukunft gute hebräische Artikel, die sonst in unseren Breiten unbeachtet bleiben würden, ins Deutsche übersetzen.
  4. Dem Gründer des Chassidismus, Baal Schem Tov (1700-1760), wird von seinen Schülern der Spruch zugeschrieben: „Vergessen führt zum Exil; in der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung.“ Mit diesem Satz wird heutzutage die Notwendigkeit unterstrichen, die Schoa nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wenn sich die Völker nicht mehr wirkungsvoll der millionenfachen Ermordung und beinahe erreichten Totalvernichtung des jüdischen Volkes erinnern, wird wiederum eine neue Schoa über das jüdische Volk (oder über ein anderes Volk, eine andere Religionsgemeinschaft) hereinbrechen. Besonders in Deutschland muß die Erinnerung wachgehalten und von den Kirchen vertieft werden, sonst ist keine Erlösung möglich. Der FrRu NF wird Ideologien und Vorkommnisse, die Vorboten oder Zeugen einer neuen Schoa sein könnten (Rassismus, Indifferentismus, Integralismus, Fundamentalismus, judenfeindliche Deutung der Evangelien), registrieren, damit die Menschen rechtzeitig gewarnt werden.
  5. Der FrRu NF wird wie der bisherige Rundbrief die Freundschaft zwischen Juden und Christen fördern und Ereignisse zum Leuchten bringen, die dem Frieden dienen. Es geht ihm aber nicht um irgendeine offene oder verbrämte Missionierung der Juden. Nicht nur das Gemeinsame ist zu betonen; auch das Trennende soll akzeptiert werden. Wir leben in einer multikulturellen Welt, über die kein künstlicher Einheits-Überbau gestülpt werden kann.
  6. Der FrRu NF erscheint nicht mehr nur einmal jährlich und auch nicht mehr in so großem Umfang und Format wie der bisherige FrRu. Geplant sind 4 Hefte pro Jahr mit je ca. 80 Seiten Umfang. Der Jahrgang beginnt jeweils im Herbst (entsprechend dem jüdischen Jahr). Die Kosten finden Sie im Impressum.
  7. Der FrRu NF will keine Konkurrenz zu schon bestehenden jüdischen und jüdisch-christlichen Publikationsorganen sein. Auch die neuen Verantwortlichen wissen, daß die christlich-jüdischen Zeitschriften wie: „Kirche und Israel“, „Judaica“, „Christen und Israel“, „Common Ground“, „Tutti-Fatti-Ricerche“, „Dialogue“, „Information Service of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity“, „The Jewish Bible Quarterly“, „Jewish Studies Quarterly“, „SIDIC“, „Der Freund Israels“ u. a. der gleichen Sache dienen und sich gegenseitig ergänzen. Er möchte in Austausch mit diesen und anderen Zeitschriften treten. Es geht um eine gemeinsame geistige Aufbau-Arbeit. Johannes Paul II. hat dies in seiner Ansprache an die jüdischen Autoritäten Ungarns am 18. August 1991 so umschrieben: „Gestützt durch seinen Glauben an den Ewigen, hat das jüdische Volk sogar in seiner 1000jährigen Zerstreuung seine Identität, seine Riten und seine Traditionen bewahrt. Dadurch hat es einen wesentlichen Beitrag zum geistigen und kulturellen Leben der Welt geleistet, besonders in Europa“.4

Die erste Nummer der Neuen Folge des Freiburger Rundbriefs erscheint in einem historischen Augenblick, in dem sich viele Tore der Hoffnung neu öffnen. Zwei ehemalige Feinde — Israel und die PLO — ringen um die Verwirklichung eines Abkommens über eine Selbstverwaltung der Palästinenser im Gazastreifen und in Jericho. Dazu schreibt Ari Rath im „Israelitischen Wochenblatt“ (Zürich) vom 3. September 1993, S. 5: „In einer vollkommen neuen politischen Realität, die jegliche Vorstellungen einer Fiktion übertrifft, ist der nächste zu erwartende Schritt die gegenseitige Anerkennung von Israel und der PLO. Ein enger Berater Yassir Arafats, Nabil Sha'at, sprach von einer Versöhnung beider Völker. Eine wahrhaft historische Erklärung!“ Bei der feierlichen Unterzeichnung des Gaza-Jericho-Abkommens vor dem Südportal des Weißen Hauses in Washington am 13. September 1993 sagte Premierminister Yitzhak Rabin u. a.: „Genug des Blutes und der Tränen! Es drängt uns nicht nach Rache ... Die Zeit des Friedens ist gekommen!“ Yassir Arafat redete im Zusammenhang mit der Washingtoner Friedenszeremonie von der „Schlacht des Friedens“, die es jetzt zu schlagen gelte und die „die schwierigste Schlacht unseres Lebens“ sei.

Da auch Jordanien eng an diesem Friedensprozeß beteiligt ist, kann ohne Bedenken eine Voraussage gewagt werden: Der Vatikan wird schon sehr bald sowohl dem Staat Israel als auch dem Königreich Jordanien volle diplomatische Anerkennung gewähren. Dies wird — um das Mindeste zu sagen — zur Verbesserung der Stimmung zwischen Juden, Christen sowie muslimischen und christlichen Palästinensern beitragen.

  1. Herausgeber der deutschen Fassung des Vatikanischen Dokuments ist das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstraße 163, D-53113 Bonn. Auch die Erklärung „Antisemitismus: Sünde gegen Gott und die Menschlichkeit", die 1992 im Auf-trag der Schweizerischen Bischofskonferenz und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes herausgegeben worden ist, geht von ähnlichen Beobachtungen und Voraussetzungen aus. Wir werden auf diese Erklärung zurückkommen.
  2. Dieses habe ich bei meinem Festvortrag anläßlich des 85. Geburtstages von Frau Dr. Gertrud Luckner gesagt. Vgl. die Doppelnummer des FrRu 1985/86, 37.
  3. Lt. Siegfried M. Schwertner, Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete, 2. Aufl. Berlin 1992, 57. 282.
  4. Lt. Information Service of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity, No. 80 (1992) II, 38.

Jahrgang — 1993/94 Seite 1


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