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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 19 / 2012 Heft 2

Zur GCJZ-Landesarbeitsgemeinschaft Hessen haben sich die fünfzehn hessischen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bei einer konstituierenden Sitzung am 27. Oktober 2011 im Wiesbadener Landtag zusammengeschlossen. Landtagspräsident Norbert Kartmann betonte, die „Bewahrung der Erinnerung und Weitervermittlung der historischen Verantwortung Deutschlands an die nachfolgenden Generationen sei insbesondere mit dem Verschwinden der Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust von besonderer Bedeutung. Auch der Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus sowie die Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk und dem Staat Israel seien wichtige Aufgaben der Gesellschaften.“ Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ist Werner Schnitzlein (Bad Hersfeld/Ludwigsau), seine Vertreter sind Dr. Eva Schulz-Jander (Kassel) und Jochen Lehmann (Offenbach).

Mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde Hans-Jürgen Zacher (vgl. FrRu 15[2008]68 f.; FrRu 18[2011]119–126) am 7. Nov. 2011 zusammen mit 22 Bürgerinnen und Bürgern. In der Laudatio betonte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Zachers Bemühungen um Aussöhnung: „In einem jüdischen Sprichwort heißt es: ‚Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.’ Wieviel Wahrheit in dieser Weisheit steckt – das hat Dr. Hans-Jürgen Zacher auf beeindruckende, teils schmerzhafte Weise und letztlich erlösende Weise erfahren. Denn seine Auseinandersetzung mit der Geschichte des sogenannten Dritten Reiches führt ihn durch Akten und Archive, durch Bücher und Bibliotheken – und schließlich zu Werner Halle, genannt Vern. Einem Menschen, der unter den Nazis gelitten hatte. Der aus Deutschland fliehen muss. Der mit der grausamen Vergangenheit nie wieder zu tun haben will. Vern will nie wieder zurück in seine frühere Heimat. Bis er eben Dr. Hans-Jürgen Zacher kennenlernt. Zacher zeigt auf so einfühlsame und beeindruckende Weise, dass die Auseinandersetzung mit Geschichte nicht nur damit zu tun hat, was war – sondern auch und sogar viel mehr mit dem, was sein wird. Und vor allem: Mit dem, was sein kann. Sein Einsatz im christlichjüdischen Dialog, sein Engagement für Aussöhnung und Aufarbeitung sind deshalb beispielgebend.“

In der Botschaft des Staates Israel in Berlin wurden am 6. Dezember 2011 Willi Garbrecht sowie Richard und Elisabeth Möller posthum als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Der Luftwaffenoffizier Willi Garbrecht war in der polnischen Stadt Zawiercie stationiert. Angesichts der Grausamkeiten gegen die jüdische und polnische Bevölkerung verweigerte er dem Naziregime immer mehr den Gehorsam. Entschlossen versuchte er in den Jahren 1942 bis 1944, den von der Deportation in die Vernichtungslager bedrohten Juden zu helfen, indem er sie als wichtige Arbeitskräfte für die dortigen Fabriken der Deutschen Luftwaffe reklamierte, vor Razzien warnte und vor der bevorstehenden Zerstörung des Gettos Zawiercie. Richard und Elisabeth Möller versteckten und versorgten von 1943 bis 1944 die Verfolgten Gertrud Jacob und Hans Weiss, die sie von früheren geschäftlichen Kontakten kannten, in ihrem Haus in Bad Saarow, ca. 70 Kilometer südöstlich von Berlin. In Andernach wurden Paul und Helene Pissarius posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Sie hatten von 1943 bis 1945 das Ehepaar Berta und Leopold Joseph und deren jüngeren Sohn Ernst in ihrer Berliner Wohnung versteckt und versorgt. Mutter und Sohn überlebten, Leopold Joseph starb im Februar 1945 an einem Herzinfarkt.
Verzeichnis der „Gerechten unter den Völkern“: http://www1.yadvashem.org/yv/en/righteous/ index.asp

Eine Rabbinerin und vier Rabbiner, Absolventen des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam, erhielten am 23. Nov. 2011 in der Synagoge „Or Chajim“ in Bamberg ihre Smicha.
Antje Yael Deusel, seit dem Holocaust die erste in Deutschland geborene und ausgebildete Rabbinerin, ist Oberärztin in der Klinik für Urologie und Kinderurologie in Bamberg. Deusel hat ihr Rabbinatsstudium mit einer Masterarbeit zum Thema „Brit Mila – medizinische und halachische Aspekte“ abgeschlossen.

Yuriy Kadnykov, geboren in Evpatoria, Krim, Ukraine, begann 2003 sein Studium in Potsdam. Kadnykov untersuchte in Magisterarbeit die biblische Erzählung Ma’ase Miriam.

Yann Boissière (Lille, Frankreich), von Beruf Regisseur, studiert u. a. an der Sorbonne in Paris und an der Conservative Yeshiva und dem Merkaz Steinsaltz in Jerusalem. Thema seiner Abschlussarbeit war der „Reuige Sünder“.

Tobias Jona Simon, geboren in Bielefeld und aufgewachsen auf Gran Canaria, studierte Romanistik an der Universidad de Sevilla. In seiner Magisterarbeit „Kri’a – das Kleiderzerreißen im Trauerfall“ untersuchte er Herkunft und Entwicklung des einzigen bis heute üblichen Trauerbrauchs, der schon in der Tora erwähnt wird.

Paul Moses Strasko, Montana, USA, von Beruf Jazz-Musiker, arbeitete als Projektmanager in den Bereichen Gesundheitswesen und klinische Forschung. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit der Entwicklung der Halacha bezüglich eines einzigen Elements des Religionsgesetzes, des ba’alei ov, um die historischen, kulturellen und soziologischen Elemente zu erforschen, die das Gesetz beeinflussen können.

Der Missbrauch von Symbolen der Schoa und von Nazi-Analogien bei einer Demonstration ultraorthodoxer Juden in Mea Schearim in Jerusalem am 31. Dez. 2011 hat international Befremden ausgelöst. Menachem Rosensaft, Lehrbeauftragter für Jura an der Cornell Law School, dessen Eltern die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebten, schrieb dazu am 03.01.12 in der Jerusalem Post: „[…] Alle diese krassen unangemessenen Nazi- und Holocaust-Vergleiche, ob sie nun in Israel, den Vereinigten Staaten oder anderswo gemacht werden, nehmen uns letztendlich die Möglichkeit, die moralische Autorität der Erinnerung an die Schoa einzusetzen, wenn es wirklich wichtig ist. Der Holocaust und alles, für das er steht, sollte nur dann in unseren politischen Diskurs eingebracht werden, wenn menschliche Wesen, Juden oder Nichtjuden, wirklich verfolgt werden und mit Vernichtung bedroht werden.“ Inzwischen ist ein Gesetzesentwurf eingereicht worden, der die Verwendung von Holocaust-Symbolen mit bis zu sechs Monaten Haft und mit einem Bußgeld von 20 000 Euro bestraft.

Das Seminar für Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn veröffentlichte am 27. Januar 2012, dem Gedenktag an die Befreiung des Todeslagers Auschwitz, die Fachwebsite „Nostra Aetate http://www.nostraaetate. uni-bonn.de/. Aufsätze namhafter Autoren wie Johann Baptist Metz, Hans Hermann Henrix und Erich Zenger werden den Besuchern dieses nicht-kommerziellen Internetportals frei zugänglich gemacht.



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