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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 19 / 2012 Heft 1

Beim Treffen von Papst Benedikt XVI. mit Vertretern des Judentums in Berlin am ersten Tag seines Deutschlandbesuches (22. Sept. 2011) appellierte der Papst an die Christen, „dass wir Christen uns immer mehr unserer inneren Verwandtschaft mit dem Judentum klar werden müssen. Für Christen kann es keinen Bruch im Heilsgeschehen geben. Das Heil kommt nun einmal von den Juden.“ (Die Rede des Papstes und die Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland dokumentieren wir in Heft 2/2012.)

Anlässlich eines Schülerwettbewerbs der Stiftung Senfkorn Pankow (2009) zum Thema „Glauben und Feste in den Weltreligionen“ gestalteten Kinder der Religionsgruppe Klasse 6c der Pankower Trelleborg-Schule in Berlin einen Chanukka-Kalender und erzielten damit den 3. Preis. Die Vorderseite des Kalenders zeigt einen Chanukka-Leuchter. Wird der Kalender geöffnet, erscheinen acht aufklappbare Türchen – ein Türchen für jeden Tag von Chanukka –, hinter denen in Text und Bild die Geschichte von Chanukka und die damit verbundenen Bräuche auf Deutsch und Hebräisch erzählt und erklärt werden: der Kampf gegen König Antiochus und die Rückkehr in den Tempel, das Ölwunder, der neunarmige Chanukka- Leuchter, die beliebten Chanukka-Spezialitäten „Sufganiot“ und „Latkes“ und das Dreidel-Spiel. Entstanden ist nicht nur eine preisgekrönte Arbeit, sondern auch ein praktisches und informatives Stück Lehr- und Lernmaterial. (Für weitere Informationen: romankovar@t-online.de oder http://kovar-verlag.com/chanukkakalender. htm). (Sabine Meinig, Berlin)

Seit Juni 2011 zeigt die Hebräische Universität Jerusalem (Mount Skopus) eine archäologische Ausstellung zum Thema Dura Europos, die bereits im Jahre 1948 vorbereitet war, deren Eröffnung aber durch den Unabhängigkeitskrieg verhindert wurde. Zu den Ausstellungsstücken zählen u. a. Fliesen aus der Synagoge der syrischen Stadt Dura Europos aus dem 3. Jahrhundert n. d. Z. Die ersten Ausgrabungen fanden 1922/1923 statt. Bis heute gilt die Synagoge als eines der vollständigsten und beeindruckendsten Beispiele jüdischer religiöser Gebäude jener Zeit.

Die Chuetas von Mallorca sind als Juden anzuerkennen, so der Beschluss von Rabbiner Nissim Karelitz, Vorsitzender des Rabbinatsgerichts (Beit Din) von Bnei Brak, Israel. Chuetas (auch: Xuetas; vgl. Sabina Wolf, „Endlösung auf Mallorca“, FrRu 18[2011]33 ff.) sind direkte Nachfahren der zwangskonvertierten Juden, die 1691 bei einem von der Inquisition angeordneten Autodafé verbrannt wurden. Die Entscheidung ermöglicht den Chuetas, israelische Staatsbürger zu werden. Eine Rückkehr zum Judentum erfordert jedoch eine offizielle Konversion in Israel.

In Erfurt wurde am 4. September 2011, dem Tag der jüdischen Kultur, die restaurierte, gesicherte und überbaute mittelalterliche Mikwe eröffnet und für Führungen zugänglich gemacht. Die erste Erwähnung der Mikwe findet sich in der Mainzer Heberolle von 1248/49. Entdeckt wurde die Mikwe bei Bauarbeiten (2007). Dr. Karin Sczech, Archäologin am Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, leitete die Grabungsarbeiten. Anfragen unter: alte- synagoge.presse@erfurt.de oder Tel.: 0361/655 16 08. Bis zum 8. Januar 2012 ist in der Alten Synagoge Erfurt die Sonderausstellung „Ganz rein! Jüdische Ritualbäder“ zu sehen (vgl. FrRu 18[2011]132–134).

Die Ausstellung „Jüdische Flüchtlinge und Shanghai“, zuletzt gezeigt im Gemeindezentrum der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover (18.09.–30.10. 2011), befasst sich mit dem Schicksal der über 30 000 jüdischen Flüchtlinge, die zwischen 1933 und 1941 aus Deutschland, Österreich und anderen NS-besetzten Ländern in Shanghai – insbesondere im heutigen Bezirk Hongkou – eine letzte Zuflucht fanden (vgl. Tarot Kubota, Sugihara Chiune – der Retter aus Japan, FrRu 13[2006] 122–128). Die Ausstellung war ein Kooperationsprojekt zwischen der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, dem Shanghai Studies Center, dem Chinesischen Zentrum Hannover und dem Konfuzius-Institut Hannover. Vorher war sie im Chinesischen Kulturzentrum Berlin sowie dem Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen gewesen.

Im April 2009 wurde im ehemaligen Herrenhaus Schloss Gollwitz in Brandenburg eine Begegnungsstätte für jüdische und nichtjüdische Jugendliche eröffnet. Nach seiner Enteignung 1945 im Rahmen der Bodenreform diente das Gebäude u. a. als Dorfschule, Kindergarten und als Polytechnische Oberschule. Nach der Wende wurde das Schloss dem neu entstandenen Landkreis Potsdam-Mittelmark zugesprochen. Zum Programm der Begegnungsstätte gehören Seminare und Workshops für Jugendliche aus Europa, Israel und den USA zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie entsprechende Fortbildungsangebote für Erwachsene. Darüber hinaus bietet die Begegnungsstätte Raum für Ausstellungen, zuletzt die Wanderausstellungen „Die verschwundenen Nachbarn“, ein Projekt des Jüdischen Museums Prag, und „Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ – Antisemitismus in der DDR, und die Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Brandenburg“ oder Theateraufführungen wie das Erzähltheater „Überleben im Versteck“ mit Jugendlichen und Zeitzeugen, inszeniert und aufgeführt von Schülern und Schülerinnen der Nelson- Mandela-Schule Berlin.

In der Nähe der Stadt Kiriyat Mal’achi wurde bei Grabungen ein Steinaltar aus der Eisenzeit (9. Jh. v. d. Z.) gefunden. Die Archäologen gehen davon aus, dass der Ausgrabungsort identisch ist mit der biblischen Philister-Stadt Gat. Der Altar weist Ähnlichkeiten mit jüdischen Altären aus dieser Epoche auf. Das auffälligste Merkmal sind die beiden Hörner an der Vorderseite des Altars sowie eine Art Sims in der Mitte. Damit entspricht er in etwa den Beschreibungen des Altars im Ersten Tempel in Jerusalem, jedoch mit dem Unterschied, dass der Tempelaltar vier Hörner hatte. (Haaretz / Newsletter der Botschaft des Staates Israel, 26.07.2011.)

Gilad Shalit ist endlich frei. Der israelische Soldat Gilad Shalit (vgl. Gilad Shalit, „Der Hai und der Fisch“. Eine Friedensparabel, FrRu 17[2010]50 f.) war am 25. Juni 2006, zwei Monate vor seinem 20. Geburtstag, während seines Armeedienstes von Mitgliedern der Terrororganisation Hamas auf der israelischen Seite des Gaza-Streifens entführt und in den Gazastreifen verschleppt worden. Am 18. Okt. 2011, dem 1941. Tag seiner Gefangenschaft, kehrte er im Rahmen eines zweistufigen Gefangenenaustauschs (gegen insgesamt 1027 palästinensische Gefangene) über Ägypten nach Israel zurück. In manchen israelischen Kreisen ist die Freude über Shalits Rückkehr jedoch getrübt durch ein Gefühl der „Kapitulation gegenüber dem Terror“.



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