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Dr. Willehad Eckert OP

Christlich-jüdische Begegnung in Deutschland nach 1945

Die Katastrophe, die 1945 über Deutschland hereinbrach, hat erst das ganze Ausmaß der Verbrechen und des Unrechtes offenbart, das durch das nationalsozialistische Regime und seine Handlanger an vielen Millionen Menschen verübt worden ist. Der Mord an 6 Millionen Juden, begangen allein, weil diese Menschen einer unerwünschten Rasse angehörten, ist einzig dastehend in der Geschichte. Wie konnte so etwas geschehen? Trug nicht auch das Schweigen der Christen daran Mitschuld.

Der Mainzer Katholikentag 1948 hat sich dieser schweren Frage in aller Offenheit gestellt. Professor Thieme und der Oberregierungspräsident und spätere Bundesminister Dr. Hans Lukaschek sprachen von der Schuld der Christen, der Schuld des Schweigens. Aus dieser Erkenntnis der Schuld forderte Oberregierungspräsident Lukaschek:

„Wir müssen aber auch ins Gespräch miteinander kommen. Wir müssen dabei sogar imstande sein, uns etwa einmal vom Gesprächspartner überfordern zu hören, ohne gleich die Ruhe zu verlieren. Wir dürfen nie vergessen, dass wir das Gesetz der Zehn Gebote und das unerschöpfliche Gebetbuch des Psalters als gemeinsames religiöses Gut mit den Juden haben“ (Herder-Korrespondenz 3, 1948/49, 45).

Dementsprechend befürwortete der Katholikentag alles, „was im Sinne einer tieferen Unterrichtung über die Judenfrage im Rahmen des beim Deutschen Caritasverband in Freiburg i. Br. gegründeten Arbeitsausschusses unternommen wird“ (ebd. 58). Dieser Arbeitsausschuss hatte bisher caritativ gewirkt zum Schutz der Juden.

Jetzt trat neben die rein caritative immer mehr die informative Tätigkeit: der „Freiburger Rundbrief“ (ursprünglich Rundbrief zur Förderung der Freundschaft zwischen dem Alten und Neuen Gottesvolk im Geiste beider Testamente, heute: Freiburger Rundbrief. Beiträge zur Förderung der Freundschaft zwischen dem Alten und dem Neuen Gottesvolk im Geiste beider Testamente). Dass diese Rundbriefe zustande kamen und dass sie auch heute noch erscheinen, ist ganz wesentlich das Verdienst von Frau Dr. Gertrud Luckner.

Nach dem Mainzer Katholikentag war wohl das wichtigste Wort deutscher Neubesinnung die Erklärung der Evangelischen Synode in Berlin-Weißensee vom April 1950. Darin heißt es:

„Wir glauben, dass Gottes Verheißung über dem von ihm erwählten Volk Israel auch nach der Kreuzigung Christi in Kraft geblieben ist.

– Wir sprechen es aus, dass wir durch Unterlassen und Schweigen vor dem Gott der Barmherzigkeit mitschuldig geworden sind an dem Frevel, der durch Menschen unseres Volkes an den Juden begangen worden ist.

– Wir warnen alle Christen das, was über uns Deutsche als Gottesgericht gekommen ist, aufrechnen zu wollen gegen das, was wir den Juden angetan haben, denn im Gericht sucht Gottes Hand den Bußfertigen.

– Wir bitten alle Christen, sich von jedem Antisemitismus loszusagen und ihm, wo er sich neu regt, mit Ernst zu widerstehen und den Juden und Judenchristen in brüderlichem Geist zu begegnen“ (FrRu 8/9, 18, 1950).

Das auf dem Mainzer Katholikentag geforderte Gespräch mit den Juden sollte die Christen wieder sehen lehren. Unkenntnis und Fehlurteile über Juden, Judentum, jüdische Religion sind Ursache von Abneigung und Verurteilung, ja von ausgesprochenem Hass. Auf der Hildesheimer Studientagung des Deutschen Evangelischen Ausschusses für Dienst an Israel vom 28.Februar bis 4. März 1955, die sich dem Thema widmete: Der Nächste in christlicher und jüdischer Sicht, gab Professor Horkheimer, Frankfurt, als den eigentlichen Grund, warum der Jude nicht als „Nächster“ in Europa behandelt wurde, an, weil man den Juden nicht mehr sah. Früher war der Jude im Getto verborgen, heute wird er nicht mehr gesehen, weil die Gegenwart all das nicht zu sehen sucht, was ihr unbequem ist.

Ohne richtiges Sehen ist aber auch kein Urteilen möglich (vgl. FrRu 29/32, 24, 1955). Diesem Sehenlernen dient die Unterrichtung. Der Freiburger Rundbrief hat sich zur Aufgabe gesetzt, über das Judentum zu unterrichten. Dem diente sein Gewissensappell an die Pfarrer und Religionslehrer im Herbst 1950, in dem zum Gebet für die „Opfer ungerechter Gewalt unserer Zeit“ und zur Unterrichtung über „die Wichtigkeit des alttestamentlichen Gotteswortes, über die Zukunft des alttestamentlichen Gottesvolkes und unsere daraus erwachsende christliche Verantwortung“ aufgefordert wurde.

Diesem Appell konnte ein katechetischer Vorschlag zur Unterrichtung über die Christenheit und das jüdische Volk aus der Feder von Professor Solzbacher beigegeben werden. Der Gewissensappell wurde der Fuldaer Bischofskonferenz unterbreitet. Er fand die Zustimmung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, des Kardinal Frings, Erzbischof von Köln, und der meisten deutschen Ordinariate (vgl. FR 10/11, 3–8, 1950/51).

Auch die nach dem Krieg in Deutschland nach amerikanischem Vorbild in Deutschland ins Leben gerufenen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit erkannten als eine wichtige Aufgabe, Hilfen und Hinweise für den Religionsunterricht zu geben. Von den Kirchen wird nur ein Teil der Gläubigen noch durch die Verkündigung erreicht, aber auch heute noch besuchen die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland den Religionsunterricht. Bei den Kindern dürften es etwa 96 % sein.

Das Kind ist noch aufnahmefähig, noch nicht durch Vorurteile verhärtet. Von der richtigen Unterweisung hängt also sehr viel ab. Hat das Kind einmal das 12. Lebensjahr erreicht, dann stößt die Unterweisung schon auf nicht mehr leicht zu beseitigende Vorurteile. Die rechte Unterweisung muss also möglichst früh einsetzen.

Damit dem Kind aber ein zutreffendes Bild vom alttestamentlichen Gottesvolk überliefert wird, damit nicht der Unterricht über die Passion Jesu Christi Anlass zu einem Zerrbild vom Juden wird, muss zuerst der Religionslehrer selbst sich im rechten Sinne bilden. Hilfe für den Religionslehrer im Sinne von Richtlinien wollten und sollten bereits die 1947 entwickelten Seelisberger Thesen sein, die 1950 in Bad Schwalbach dann auf einer Tagung der hessischen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Verbindung mit dem Deutschen Koordinierungsrat der Christen und Juden (heute Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit) für Religionslehrer beider Konfessionen ihre verbesserte Fassung erhielten: Die Schwalbacher Thesen sind dann im Frühjahr 1950 noch mehrmals durchdiskutiert und überarbeitet worden. Die endgültige Redaktion besorgte zusammen mit Pfarrer Dr. Freudenberg Professor Thieme. Mit kirchlicher Druckerlaubnis sind sie dann im Freiburger Rundbrief veröffentlicht worden (8/9, 9 ff., 1950).

Es ist nicht bei der Proklamation der Schwalbacher Thesen geblieben. Religionslehrer in kritischen Punkten immer wieder zu unterrichten, einmal Ausgesprochenes zu vertiefen, war die Aufgabe. Ihr dienten und dienen Religionslehrer-Konferenzen und Tagungen, die von den einzelnen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit vorbereitet und veranstaltet werden. So fand z. B. am 7. Februar 1955 eine Arbeitstagung für Religionslehrer in Düsseldorf statt, veranstaltet von der dortigen Gesellschaft, für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Das Thema lautete: Die christlich-jüdische Frage im Religionsunterricht.

Für die christlichen Teilnehmer dürfte es interessant gewesen sein, von Herrn Rabbiner Dr. Geis zu erfahren, dass es zwar Unterricht in Tora und Talmud von alters her, eigentlichen Religionsunterricht aber erst seit der Neuzeit im Judentum gibt. Die wichtigste Erkenntnis formulierte Frau Professorin I. Peters:

„Überall da, wo man im christlichen Religionsunterricht seine Aufgabe in unerlaubter Weise vereinfacht, nämlich so vereinfacht, dass man einfach dieses Wort aus dem Evangelium wiederholt: Die Juden selber haben gerufen ‚Sein Blut komme über uns und unsere Kinder’, und sagt, nun ja – so ist es dann eben gekommen, überall da vereinfacht man dann auch weiter in völlig unzulässiger Weise, indem man das jüdische Volk mit seiner Beteiligung am Tode Jesu aus der Geschichte verschwinden lässt und höchstens noch als Beleg für die Richtigkeit dieser vereinfachenden Aussage anführt, [...] dass das jüdische Volk seine Eigenständigkeit, sein Land, seinen Tempel und seine Kultur verloren habe und von nun an Ahasver folgte und nun mit Recht Verfolgung erlitten habe. Das ist ja damit nicht mehr das wirkliche jüdische Volk, sondern eine Misskonstruktion.“

Dieses Zerrbild macht Frau Professorin Peters mit Recht mitverantwortlich für den Antisemitismus und seine Grausamkeiten.

Unter den Religionslehrer-Tagungen, die seitens der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet wurden, darf mit Recht die jüngste Tagung im Kloster Schäftlarn am 25. bis 28. Juni 1960 hervorgehoben werden. Sie fand statt im Einverständnis mit dem Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising und dem Evangelisch-lutherischen Dekanat. Die Tagung setzte sich zum Ziel, Thesen herauszuarbeiten, die bei der Gestaltung des Religionsunterrichts dem Lehrer helfen sollten, alles zu vermeiden, was ein Aufkommen antisemitischer Tendenzen bei der Jugend begünstigen könnte.

Bemerkenswert war, dass dem jüdischen Teilnehmer ermöglicht wurde, seine Bedenken in aller Offenheit vor den etwa achtzig erschienenen Religionslehrern vorzutragen. Prof. B. Graubard sprach zum Thema: „Wo bietet nach jüdischer Auffassung der christliche Religionsunterricht Anlass zum Entstehen antisemitischer Tendenzen?“

Außer der Passionsgeschichte sah der Referent in den Begriffen Kainsschicksal und Pharisäertum emotionell eindrucksvolle Stellen, die sich für junge Menschen verhängnisvoll auswirken können.

Pfarrer Geipel antwortete mit einem Referat: Wie lässt sich in der christlichen Verkündigung das Entstehen antisemitischer Gefühle vermeiden?

Er betonte die Notwendigkeit, die gemeinsamen Züge zwischen Christentum und Judentum herauszuarbeiten, ohne die besonderen Merkmale des Christentums zu verwischen. Dabei dachte er vor allem an die gemeinsame Gottesoffenbarung. Bei der Passionsgeschichte sei über dem Geschehen von Jerusalem und der Mitschuld der Juden die Schuld aller Menschen, die Schuld des Unglaubens und der Sünde zu betonen.

Pater Prof. D. Schötz sprach abschließend über die Grundsätze christlicher Lehrverkündigung im Hinblick auf das Gottesvolk des Alten Bundes. Dabei betonte er die Einheit des Alten und des Neuen Bundes. –

Den Religionslehrertagungen, die die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstalten, stellen sich Tagungen zur Seite, die von den Katholischen Akademien veranstaltet werden. Über die Tagung der Rabanus Maurus Akademie in Königstein, 7. und 8.11.1959, berichtete bereits FrRu 45/48, 14 (1959). Daneben dürfen aber auch noch Tagungen der Thomas-Morus-Akademie, Bensberg bei Köln, und das Franz-Hitze-Haus in Münster genannt werden. Die Tagung des Franz-Hitze-Haus wandte sich speziell an Religions- und Geschichtslehrer. Gerade das letzte Jahr hat mehrfach Tagungen katholischer Akademien gesehen.

Auf evangelischer Seite ist vor allem die kontinuierliche Tätigkeit des Deutschen Evangelischen Ausschusses für Dienst an Israel zu nennen. Verdienstvoll waren vor allem die beiden einander ergänzenden Studientagungen: Der Nächste in christlicher und jüdischer Sicht, Hildesheim, 28. Februar bis 4. März 1955, und Toleranz in christlicher und jüdischer Sicht, Lübeck, 27. Februar bis 3. März 1956 (vgl. FrRu 29/32, 24, 1955 und 33/36, 28, 1956.

Für die christlichen Hörer war es ein großer Gewinn, die Erläuterungen von Oberrabbiner Wilhelm (Stockholm) zum Begriff Nächstenliebe zu hören, wonach jüdische Feindesliebe ein bestimmter Versuch ist, Gott zu lieben.

Rabbiner Preyss (Basel) wies nach, dass der Nächste im eigentlichen Sinn Gott ist. Nächstenliebe ist schwerer als die Liebe zu Fernerstehenden, denn die meisten Schwierigkeiten entstehen unter Nächststehenden.

Ebenso wertvoll waren für die christlichen Hörer die Ausführungen von Rabbiner Dr. Geis über den Toleranzgedanken im Judentum, dem seit dem Sinai unter Erinnerung an die Erfahrung der eigenen Knechtschaft in Ägypten immer wieder die Achtung und Liebe zum Fremden eingeschärft werde, dass darüber hinaus die Menschen, die die noachischen Gesetze beobachten und den einen Gott verehren, Christen und Mohammedaner auf dem Wege zu Gott sind.

Der Jude versage daher diesen beiden Religionen auch dann nicht seine Anerkennung, wenn er bzw. die Synagoge von ihnen verfolgt werde. Toleranz kann für den Juden nicht bloß Duldung der anderen Glaubensüberzeugung sein, sondern muss Anerkennung der anderen Glaubenswirklichkeit sein, ohne dass dabei der eigene Auftrag und die sich daraus ergebende Lebensführung aufgegeben werden sollte.

Die christliche Position, vorgetragen von Prof. Goldammer (Marburg), ging aus vom Beispiel der Duldsamkeit Christi und darüber hinaus vom biblischen Menschenbild. Im Unterschied zur jüdischen Position erkannte man christlicherseits nur eine formale Toleranz, Anerkennung der anderen Persönlichkeit, nicht eine inhaltliche Toleranz, Anerkennung des anderen Glauben, an.

Das Gespräch über Toleranz im Sinne von Anerkennung des Anderen leitet über zur grundsätzlichen Frage des Verhältnisses von Christen und Juden zueinander. In seinem Aufsatz: „Der ökumenische Aspekt der christlich-jüdischen Begegnung“ (FrRu 29/32, 9–14, 1955), fordert Prof. Thieme das ökumenische Gespräch mit den Juden an Stelle der unglaubwürdig gewordenen Judenmission. Die Judenmission scheint den Graben zwischen Judentum und Christentum nur noch zu vergrößern.

Aber zum Gespräch, zum ökumenischen Gespräch gibt es zum ersten Mal seit 1900 Jahren jüdischerseits einen ernsten Ansatz. Prof. Thieme bemerkt allerdings einschränkend, dass jüdischerseits nicht so sehr gefragt werde, wie können wir zusammenkommen, als vielmehr, wie können wir zusammenleben? Das mindert jedoch nicht die Gesprächsbereitschaft als solche.

Die Berliner Evangelische Akademie, die nun schon seit vier Jahren in jedem Frühjahr eine christlich-jüdische Tagung gemeinsam mit dem Katholischen Bildungswerk veranstaltet, hat sich schon 1957 dieser Frage gestellt. Der Leiter der Akademie, Dr. E. Müller-Gangloff, meinte damals, man könne das „Schisma“ in der Kirche Jesu Christi wahrscheinlich nicht einmal im Ansatz begreifen, wenn man die Spaltung von Juden- und Christenheit nicht als das Ur-Schisma (verstanden im neutestamentlichen, nicht im kirchenrechtlichen Sinn) begreife.

Das Erfreuliche solcher Tagungen ist, dass sie nicht nur von älteren, gereiften Menschen besucht werden, sondern dass sie auch die Zustimmung der Jugend finden. Von den heute noch jungen Menschen hängt es ab, wie sich das Verhältnis der Christen in Deutschland zu den Juden gestalten wird. Da die Juden in Deutschland nur eine verschwindende Minderheit darstellen, eine persönliche Bekanntschaft mit jüdischen Menschen für viele kaum zustande kommt, ist es wichtig, dass Tagungen wie die genannten Resonanz finden.

Tatsächlich ist eine große Aufgeschlossenheit bei vielen jungen Menschen vorhanden. Das beweist nicht nur die Teilnahme an den Tagungen, das verriet auch zum Beispiel im Winter 1958/59 das starke Interesse der Bonner Studenten an einem Podiumsgespräch über den Absolutheitsanspruch des Christentums und das Judentum. Das Gespräch wurde geführt von Prof. J. Auer, Prof. Iwand und Rabbiner Dr. Geis. Wesentlich war die Bemerkung von Prof. Iwand, dass gerade die Zeit des Dritten Reiches unser Gebundensein als Christen an den Juden offenbar gemacht habe. Wer zu den Juden gestanden habe, der habe sich auch als Christ bewährt.

Dieses starke Interesse der jungen Menschen, den Juden und seinen Glauben kennen zu lernen, war auch auf dem 13. katholischen Deutschen Studententag in Bamberg, 31. Juli bis 3. August 1959, spürbar. Schließlich entstand auch die Tagung des VDS in Bergneustadt, 31. Mai bis 4. Juni 1960, über die Darstellung des Judentums in Unterricht und Lehrerbildung aus dem Wunsch nach zuverlässiger Information, nach den Chancen einer wirklichen Begegnung.

An Ansätzen zur christlich-jüdischen Begegnung fehlt es nicht. In wenigen Worten auch nur ein annähernd zutreffendes Bild von der Fülle der Veranstaltungen zu geben, ist unmöglich. Aber es ist die Frage, wie tief diese Veranstaltungen wirken, wie groß die Resonanz ist, ob es nicht doch immer wieder nur der gleiche kleine Kreis ist. Mit großem Freimut und mit nicht ganz unberechtigter Resignation hat Prof. Solzbacher im Kölner Pastoralblatt, März 1960, von dem geringen Erfolg seiner eigenen Bemühungen selbst unter dem Klerus berichtet, hat dann allerdings noch einmal eine katechetische Skizze: Wir Christen und die Juden, vorgelegt.

Trotz allen Bemühungen ist der Kreis derer, denen an christlich-jüdischer Begegnung liegt, immer noch zu klein. Neben einer Verbreiterung der Arbeit – die Mithilfe der Akademien und der Ordinariate selbst ist unschätzbar – ist eine Vertiefung notwendig. Die Menschen, die sich ansprechen lassen, tiefer einführen in das Wesen der jüdischen Religion, des jüdischen Volkes, dann gewinnt man Mitarbeiter zur Überwindung der Vorurteile!

Mehr als mancher Vortrag wirkt die persönliche Begegnung mit Juden selbst, sofern sie Persönlichkeiten sind. Schon aus diesem Grund ist es zu begrüßen, dass z. B. die Stadt Köln 60 Schülern und Schülerinnen die Gelegenheit gibt, in den Sommerferien 1960 Israel und damit wirklich jüdisches Leben kennen zu lernen.


XII. Folge 1959/60, Nr. 49, September 1960, S. 6–8


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