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Bertold Klappert

Miterben der Verhei▀ung

Beiträge zum jüdisch-christlichen Dialog

Der von Bertold Klappert veröffentlichte Aufsatzband beinhaltet Arbeiten aus über zwanzig Jahren und dokumentiert die beharrliche Suche nach einer Erneuerung christlicher Theologie. Schon das Vorwort zeigt, wie Klappert diese Suche praktiziert: als dialogische Unternehmung mit jüdischen und christlichen Gesprächspartnerinnen und -partnern, in dem Bewußtsein, daß eine derart große Aufgabe überhaupt nur im gemeinsamen Austausch eine Chance hat.

Klappert verdeutlicht eindrücklich, daß wir dabei nicht ganz neu anfangen müssen. Der Rückbezug auf Luther und Calvin kennzeichnet die Aufgabe als ein Fortschreiten in der reformatorischen Tradition. Auch weiterführende Erkenntnisse aus dem Bereich der römisch-katholischen Kirche werden aufgegriffen, wie die berühmte Erklärung der französischen Bischöfe von 1997. Weiterhin zeigt Klappert auf, wie wichtig es ist, das theologische Erbe von Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth und Hans Joachim Iwand für unsere Zeit fruchtbar zu machen und weiter zu entwickeln.

Damit weist er zugleich auf die Erfahrungen, Erkenntnisse, Fehler und Versäumnisse der Bekennenden Kirche hin. Der Einbezug dieses Erbes korrespondiert mit der Erkenntnis, daß christliche Theologie heute nicht mehr in Absehung von Auschwitz betrieben werden kann: „Auschwitz ist die Provokation der jüdisch-christlichen Ökumene.” Diese Besinnung hat für Klappert ein neues Nachdenken nicht nur über die Texte der biblischen Botschaft, sondern auch über die Frage nach der Bedeutung Israels/des Judentums für die christliche Theologie zur Folge.

Hat Karl Barth (1886–1968) vom 1. Gebot als theologischem Axiom gesprochen, so greift Klappert diese Aussage zustimmend auf, konkretisiert sie und charakterisiert „die Theologie des niemals gekündigten Bundes Gottes mit Israel als Axiom aller christlichen Theologie”. In diesem unvergänglichen Israelbund und der bleibenden Erwählung Israels als Gottes Volk liegt die unverzichtbare Voraussetzung der Versöhnung im Kreuz Jesu Christi. Mit dieser Erkenntnis ist der christlichen Theologie und Kirche die Aufgabe der Entwicklung einer nicht antijüdischen Christologie gestellt. Hierin liegt eine große Herausforderung, da nicht unbedeutende Kreise innerhalb der ökumenischen Bewegung die zentrale Rolle der Christologie beschneiden oder gar ersetzen möchten.

Klappert dagegen belegt, wie wesentlich eine nicht antijüdische Christologie für ein rechtes Verständnis des Bundes und seiner Bedeutung für die Völker ist. Auf diese Weise kann auch die ökumenische Bewegung den dringend notwendigen neuen Zugang zum Judentum gewinnen. Für Klappert geht es nicht darum, die zentrale Rolle der Christologie aufzugeben, sondern sie in ihrer messianischen Qualität zu entfalten.

Klappert macht außerdem zu Recht auf die Bedeutung der ökumenischen Bewegung im Dialog mit Israel für ein fruchtbares Verständnis von Befreiung, Gerechtigkeit und Recht aufmerksam. Gerade die ethischen Aspekte sind dabei von besonderer Wichtigkeit. Folgerichtig entfaltet Klappert ausführlich die gesellschaftspolitische Relevanz und die universale Dimension einer christlichen Theologie und Sozialethik im Dialog und Lernprozeß mit dem Judentum. Interessant ist dabei sein Bezug auf das Modell der Völkerwallfahrt zum Zion, das für die ökumenische Bewegung im konziliaren Prozeß sehr hilfreich sein kann. Gleiches gilt für die gesellschaftliche Dimension christlicher Theologie bei der verantwortlichen Gestaltung der Weltgesellschaft Seite an Seite mit Israel/Judentum angesichts der enormen Herausforderungen durch die Globalisierung in der Gegenwart.

Klapperts Buch erweist sich als ausgesprochen hilfreiche theologische Wegweisung für die christliche Kirche im Dialog mit dem Volk Israel unter Anerkennung der bleibenden Erwählung und der unbedingten Treue Gottes zu seinem Bund. Bertold Klappert ist für die zahlreichen Hilfestellungen zu danken, die er seiner und der nachfolgenden Generation gegeben hat. Mit seinen Arbeiten macht er Mut, der Verheißung zu trauen, deren Miterben wir sind.

Klaus Hoffmann


Jahrgang 8 / 2001 S. 298−299

 



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