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Gertrud Luckner
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Redaktion

Gedenken an Kardinal Faulhaber

Dem im Juni [1952] verstorbenen Münchener Kardinal Michael Faulhaber gilt auch an dieser Stelle ein dankbares Gedenken für die Hilfe, die er in den qualvollsten Zeiten den jüdischen und den christlichen Verfolgten jüdischen Stammes zuteil werden ließ, besonders nachdem in Bayern Mitte November 1941 die Deportationen jüdischer Menschen nach dem Osten begonnen hatten. Soweit es gegenüber der damals regierenden Gesetz- und Rechtlosigkeit, die in München durch die Gauleitung in der Wiedenmayerstraße gekennzeichnet wurde, möglich war, half der Kardinal in materieller Hinsicht mit einem mittragenden Herzen. Besonders schmerzlich war ihm auch, daß kein Seelsorger bei den Deportierten christlichen Glaubens war. Dem katholischen und dem evangelischen Geistlichen, die bereit waren, freiwillig in eines der Lager zu gehen, konnte infolge der damals sich überstürzenden Vorgänge der Weg nicht mehr bereitet werden.

Das hohe Ansehen, das der verdiente Kardinal bei den Juden genoß, bezeugen die ergreifenden Würdigungen, die das in Tel Aviv erscheinende Mitteilungsblatt der europäischen Einwanderer in Israel und die in Jerusalem herausgegebene deutschsprachige Zeitung zu seinem Tode brachten. Wir geben sie nachstehend wieder:

„In München starb vor kurzem Kardinal Faulhaber. Mit ihm ist ein wahrer Gerechter aus der Welt geschieden, ein echter Christ. Schon frühzeitig warnte er gegen jede Art von religiöser Intoleranz, selbstherrlichem Nationalismus und Rassenhaß. Nach der Machtergreifung durch Hitler brandmarkte er in einem Hirtenbrief vom Mai 1933 das neue System und verurteilte die Unterdrückung der freien Meinung und des freien Wortes. Ende des Jahres predigte er an einer Reihe von Sonntagen über das Thema: „Judentum — Christentum — Germanentum" und zeigte darin, wie die religiösen Grundlagen des Alten Testamets vom Christentum übernommen wurden. Er ließ sich nicht durch den Haß der Nazis erschrecken. 1935 forderte er die Freiheit der Religionsausübung, und er meinte zu einem Buch Alfred Rosenbergs, in dem er scharf angegriffen wurde: 'Der Erzbischof von München müßte sich in den Boden schämen, wenn ihm von dieser Seite die Hochachtung ausgesprochen würde.'

Bei dem November-Pogrom von 1938 erging ein Steinhagel auf das erzbischöfliche Ordinariat. Er ließ sich aber weder durch physischen Terror noch durch Einschüchterung abschrecken und führte den Kampf gegen ein Regime, in dem er die Hand des Teufels erkannte. Kardinal Faulhaber war in dieser Zeit einer der Leuchttürme des menschlichen Herzens, die in den dunkelsten Stunden der Geschichte nicht erloschen und den Menschen, die im Dunkel irrten, einen Weg wiesen.

MADRICH in: Mitteilungsblatt Irgun Olej Merkas Europa, 20 (Tel Aviv, 27.4. 1952) 25. S. 3.


V. Folge 1952/1953, August 1952, Nummer 17/18, S. 36.

 



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