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Chronik der Ereignisse im Nahen Osten (1956)

Dr. Arnold M. Goldberg

Vorbemerkung

Die Ereignisse im Nahen Osten wurden während des letzten Jahres [1956] im Wesentlichen durch drei Vorgänge bestimmt:

a) den sowjetischen Einbruch im Nahen Osten;
b) die Nationalisierung des Suezkanals;
c) den israelisch-ägyptischen Konflikt.

Als der Suezkonflikt – die Nationalisierung des Kanals – zum Ausbruch kam, herrschte im vorderen Orient etwa folgende politische Konstellation: Durch die außerordentlich großen Waffenlieferungen der Sowjetunion an Ägypten war Ägypten nach Israel und der Türkei zur stärksten Militärmacht im Vorderen Orient geworden. Die Sowjetunion beabsichtigte durch diese militärische Stärkung Ägyptens ein Gegengewicht gegen den prowestlichen Bagdadpakt (Irak, Persien, Türkei und Pakistan) zu schaffen und, soweit dies möglich war, selbst aktiv in die Politik des Nahen Ostens einzugreifen. Dies scheint der Sowjetunion tatsächlich gelungen zu sein. In einem neutralistischen Bündnissystem fanden sich Ägypten, Syrien, Saudi-Arabien und indirekt auch Jordanien zusammen.

Auf der anderen Seite versuchte Ägypten seinen politischen Einfluss auch auf Nordafrika auszudehnen, indem es vor allem die algerische Aufstandsbewegung durch Waffenlieferungen förderte. Dies hatte zur Folge, dass Frankreich nun Israel unterstützte und durch größere Waffenlieferungen das militärische Gleichgewicht zwischen Israel und Ägypten wiederherzustellen suchte.

Die amerikanische Außenpolitik war durch das Wahljahr praktisch lahmgelegt, darüber hinaus aber war der amerikanische Botschafter in Ägypten, H. Byroade, den Versprechungen Nassers verfallen, der ihn immer wieder zu überzeugen verstand, dass die ägyptischen Waffenkäufe in der Sowjetunion vollkommen unverbindlich seien und keinerlei Ausdehnung des sowjetischen Einflusses im Nahen Osten zur Folge haben würden.

Die englische Nahostpolitik war ausschließlich auf die Festigung des Bagdadpaktes ausgerichtet und daher eben auch antiägyptisch. England konnte jedoch im Gegensatz zu Frankreich Israel nicht unterstützen, denn dadurch wäre der ohnehin labile Bagdadpakt gefährdet worden.

Die Krise trat in dem Moment ein, als die USA ihre Hand von Ägypten zogen und die Finanzierung des Assuanprojektes ablehnten, bei dem Ägypten Amerika gegen Russland auszuspielen versuchte. Die Entwicklung zeigte, dass ein ernsthaftes Angebot seitens der Russen nie bestanden hatte.

Die Nationalisierung des Suezkanals bedeutete den endgültigen Bruch zwischen Ägypten und England. Dabei konnte Ägypten auf jeden Fall damit rechnen, dass die USA keinen ernsthaften Versuch unternehmen würden, die ägyptische Regierung zu irgendwelchen Zugeständnissen zu zwingen.

Nasser hat dabei seine eigenen Kräfte und die Geduld Englands und Frankreichs erheblich überschätzt, denn ein Angriff Israels auf Ägypten stand seit dem Ausbruch der Suezkrise bevor. Wenn sich auch bis heute nicht nachweisen lässt, dass Israel und Frankreich den Angriff auf Ägypten gemeinsam geplant haben (eine englische Beteiligung ist unwahrscheinlich), so lagen doch mit Sicherheit – so viel konnte man schon Wochen vorher der israelischen Presse entnehmen – gewisse Zusicherungen der französischen Regierung für den Fall eines israelisch-ägyptischen Konfliktes vor.

Als es zum israelischen Angriff kam, war die Sowjetunion durch die ungarische Revolution gebunden und konnte die Landung der Engländer und Franzosen nicht mehr verhindern – vielleicht wollte sie auch nicht. Der beste Teil der ägyptischen Armee wurde binnen wenigen Tagen vernichtet, das ägyptische Bündnissystem erwies sich als wirkungslos, da keiner der ägyptischen Verbündeten wirklich bereit war, eine militärische Niederlage für Ägypten in Kauf zu nehmen und in Wirklichkeit auch keiner der arabischen Staaten über eine einsatzfähige Armee verfügte.

Die Abfolge der Ereignisse

16. 5. 1956
Ägypten nimmt diplomatische Beziehungen zu Peking auf und bricht die Beziehungen zur chinesischen Nationalregierung ab.

1. 6. 1956
Zwischen Syrien und Jordanien wird ein Militärbündnis abgeschlossen. Die Armeen beider Länder werden einem gemeinsamen Kriegsrat unterstellt.

13. 6. 1956
Die letzten britischen Truppen verlassen Ägypten.

22. 6. 1956
Bei den Paraden anlässlich des britischen Abzugs aus Ägypten werden Panzer, Geschütze und Flugzeuge sowjetischer Herkunft gezeigt. Der sowjetische Außenminister Schepilow erklärt in einer Ansprache:

„Für die Völker der Sowjetunion sind die Völker der arabischen Länder Brüder. Die Sowjetregierung ist fest überzeugt, dass die weitere Verstärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den UdSSR und Ägypten dem Interesse des Friedens und der Sicherheit der Völker entspricht.“

Gamal Abdel Nasser erklärt in Kairo:

„Ich erkläre es laut vor der ganzen Welt: Wir wollen den Frieden. Wir wollen in Harmonie mit allen Völkern – den großen und den kleinen – leben.“

In einem gemeinsamen Kommuniqué erklärten Nasser und Schepilow:

„... Die Entwicklung der sowjetisch-ägyptischen Beziehungen auf allen Gebieten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit entspricht den Interessen beider Länder.“

25. 6. 1956
Der Kronprinz des Yemen besucht die UdSSR. G. A. Nasser – der einzige Kandidat – wird mit 99,84 % der abgegebenen Stimmen zum Staatspräsidenten von Ägypten gewählt. Der ägyptische Innenminister erhält die Vollmacht, Personen, die von dem Revolutionstribunal verurteilt worden sind, beliebig lange gefangenzuhalten.

28. 6. 1956
Schepilow besucht Syrien und den Libanon. Schepilow übermittelt dem Präsidenten der syrischen Republik, Schukry el Kuwatly, eine Einladung des obersten Sowjet.

2. 7. 1956
Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU erklärt in einem Interview mit der ägyptischen Zeitung ‚Al Ahram“:

„Ein Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten wäre ein dritter Weltkrieg ... Die Zeit arbeitet zugunsten der Araber und die Zukunft ist zweifellos auf ihrer Seite.“

17. 7. 1956
Der ägyptische Botschafter in Washington gibt bekannt, dass die ägyptische Regierung das Assuan-Staudamm-Projekt mit Hilfe der Internationalen Bank sowie der amerikanischen und britischen Regierungen verwirklichen möchte (die Gesamtkosten werden auf 1300 Millionen Dollar geschätzt).

19. 7. 1956
Das amerikanische Staatsdepartement zieht das Finanzierungsangebot zurück, da Ägypten seine künftigen Baumwollernten für Waffenkäufe in den Ländern des Ostblocks verpfändet habe.

20. 7. 1956
Großbritannien und die Internationale Bank ziehen ihre Finanzierungsangebote zurück.

22. 7. 1956
Schepilow erklärt in Moskau, dass das Assuan-Projekt nicht dringlich sei.

26. 7. 1956
Vor 150 000 Zuhörern erklärt Nasser, dass die allgemeine Suezkanal-Gesellschaft aufgelöst und nationalisiert sei. Der Suezkanal werde den Bau des Assuan-Dammes reichlich finanzieren. Das Nationalisierungsdekret bestimmt, dass sämtliche Aktiva und Passiva der Kanalgesellschaft in den Besitz des ägyptischen Staates übergehen. Die Eigentümer sollen nach dem Übergang aller Guthaben der Gesellschaft an den ägyptischen Staat entsprechend den letzten Börsenkursen entschädigt werden. Techniker und Funktionäre der Gesellschaft haben nicht das Recht, ihre Tätigkeit aufzugeben.

27. 7. 1956
Der ägyptische Botschafter in Paris weist die Protestnoten der Regierungen Großbritanniens und Frankreichs zurück. Die Suezkanalzone wird zur ägyptischen Militärzone erklärt. Handlungen gegen die ägyptische Kanalgesellschaft sollen nach Kriegsrecht bestraft werden.

Die Internationale Suezgesellschaft erkennt die Nationalisierung des Kanals nicht an und weist alle französischen und ausländischen Banken an, keine Aufträge der ägyptischen Gesellschaft entgegenzunehmen. Der ägyptische Handelsminister erklärt die ägyptischen Gerichte für Streitigkeiten zwischen den Aktionären und der ägyptischen Kanalgesellschaft für zuständig.

28. 7. 1956
Die Regierungen Englands, Frankreichs und Amerikas verfügen die Sperrung der ägyptischen Guthaben.

31. 7. Die ägyptische Regierung versichert, dass sie den Verpflichtungen, die sich aus der Konvention von 1888 und aus dem britisch-ägyptischen Vertrag von 1954 ergeben, nachkommen wird. Die Freiheit der Schifffahrt im Kanal wird von Ägypten nicht beeinträchtigt werden.

Chruschtschow rechtfertigt die Nationalisierung des Kanals. Die Interessen Englands, Frankreichs und Amerikas würden nicht beeinträchtigt, da der Kanal frei bleibe. Es sei kein Grund zur Nervosität gegeben. „Die Frage des Suezkanals kann und muss auf friedlichem Wege gelöst werden.“

1.–5. 8. 1956
Eine größere Anzahl Düsenbomber, die Flugzeugträger „Bulwark Ocean“ und „Theseus“ laufen nach Malta und Zypern aus. Das französische Mittelmeergeschwader wird in Toulon bereitgehalten. Die Königin von England ermächtigt die Regierung, eine bestimmte Anzahl Reservisten einzuberufen. Sir Anthony Eden erklärt im britischen Unterhaus, dass keine Regelung, bei der der Suezkanal unter der unbeschränkten Kontrolle einer einzigen Macht bleibe, für England annehmbar sei. Die Regierungen Englands, Frankreichs und Amerikas berufen eine Konferenz zur Internationalisierung des Suezkanals ein. Aus dem gemeinsamen Kommunique der drei Außenminister:

  1. ,,[...]
  2. [...]
  3. Die drei Regierungen sind der Ansicht, dass der von der ägyptischen Regierung gefasste Beschluss unter den Bedingungen, unter denen er zustande kam, die Freiheit und die Sicherheit des Kanals, wie sie durch die Konvention von 1888 gewährleistet wurden, bedroht.
  4. Die drei Regierungen sind der Ansicht, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um unter internationalem Regime eine Betriebsform zu schaffen, welche auf dauernde Weise das Funktionie-ren des Kanals, wie es durch die Konvention von 1888 garantiert worden ist, sicherstellt unter Berücksichtigung der legitimen Interessen Ägyptens.“

Staatssekretär Dulles sagt am 3. August nach seiner Rückkehr aus London in einer Fernsehsendung:

„Es ist undenkbar, dass ein vertraglich internationalisierter Wasserweg, der für Dutzende von Ländern lebenswichtig ist, von einem einzigen Land für höchst eigennützige Zwecke ausgebeutet und das Instrument zur Durchführung der Konvention vom Jahre 1888, nämlich die Suezkanal-Gesellschaft, durch einen nationalen Racheakt unwirksam gemacht werde.“

8. 8. 1956
Präsident Eisenhower erklärt, dass er alle Hoffnung habe, dass die Suezkrise mit friedlichen Mitteln beigelegt werde.

9. 8. 1956
Präsident Nasser dekretiert die Bildung einer nationalen Befreiungsarme, die sich aus der Nationalgarde und Freiwilligen zwischen 18 und 50 Jahren zusammensetzt.

Die Sowjetregierung erklärt, dass sie der Dreimächte-Erklärung nicht zustimmen kann. Der Übergang des Eigentums der ehemaligen Kanalgesellschaft würde das Schifffahrtsregime auf dem Suezkanal nicht ändern.

12. 8. 1956
Ägypten lehnt die Teilnahme an der Londoner Konferenz ab und schlägt einen anderen Konferenzort vor. Der Bund der arabischen Gewerkschaften droht mit Sabotage der Ölförderungs- und Transportanlagen sowie der westlichen militärischen Einrichtungen für den Fall eines Angriffs auf Ägypten.

16. 8. 1956
Die Suez-Konferenz wird in London unter dem Vorsitz des britischen Außenministers Selwyn Lloyd eröffnet.

20. 8. 1956
Staatssekretär Dulles legt auf der Londoner Konferenz den Entwurf einer Grundsatzerklärung vor: Schaffung eines Systems, das gemäß der Konvention von 1888 den Suezkanal als einen internationalen Wasserweg sicherstellt. Der Kanal soll von politischen Einflüssen freigehalten werden. Achtung der Souveränität Ägyptens. Ein angemessener Anteil Ägyptens an den Kanalgebühren. Schaffung eines Suezkanal-Amtes, das für die Instandsetzung und Aufrechterhaltung des Verkehrs verantwortlich ist und in dem Ägypten und andere Benutzerstaaten vertreten sind. Das Amt soll periodisch der UN berichten. Schaffung einer Schiedskommission.

Staatssekretär Dulles erklärte, dass sein Vorschlag kein Ultimatum an Ägypten, sondern eine Verhandlungsgrundlage sei. Dagegen unterbreitet der indische Delegationschef, Krischna Menon, einen anderen Vorschlag:

  1. Prinzipien: Anerkennung der Souveränität Ägyptens, Anerkennung des Kanals als integrierenden Bestandteil Ägyptens und als Schifffahrtsweg von internationaler Bedeutung. Freie und unbehinderte Durchfahrt für alle Nationen gemäß der Konvention von 1888.
  2. Vorschläge: Überarbeitung der Konvention von 1888 (Regelung der Gebühren, Instandhaltung usw.). Schaffung einer Konsultativkörperschaft mit beratender Funktion.
    Der sowjetische Außenminister akzeptierte den indischen Vorschlag.

23. 8. 1956
Die Konferenz bestimmt einstimmig, dass die vollständigen Sitzungsprotokolle der ägyptischen Regierung übermittelt werden sollen. Der Dulles-Vorschlag soll durch ein Fünfstaatenkomitee der ägyptischen Regierung vorgetragen werden.

24. 8. 1956
Präsident Nasser nimmt die Einladung des Fünfstaatenausschusses an.

26. 8. 1956
Die Suezkanal-Gesellschaft lehnt die Verantwortung für die Sicherheit des nichtägyptischen Personals ab.

29. 8. 1956
Französische Fallschirmjäger werden auf Zypern stationiert.

31. 8. 1956
Präsident Eisenhower erklärt in einer Pressekonferenz, dass bezüglich des Wortes „international“ ein Missverständnis herrsche. Nicht das Eigentum am Kanal, sondern die Benutzung des Kanals sei international. Wenn Ägypten eine internationale Verwaltung des Kanals nicht annehmen wolle, dann wolle er weiterhin versuchen, zu einer friedlichen Lösung zu kommen.

3.–9. 9. 1956
Das Fünfmächtekomitee (Australien, USA, Iran, Äthiopien, Schweden) weilt vom 3.–9. 9. 1956 in Kairo. Die ägyptische Regierung lehnt die Vorschläge des Dulles-Planes ab.

10. 9. 1956
Ägypten lädt 68 Staaten, die den Suezkanal benutzen, zu einer Konferenz, die die Fragen der Freiheit der Schifffahrt, der Gebühren und der Entwicklung des Kanals regeln sollen. England, Frankreich und Amerika lehnen die Teilnahme an der Konferenz ab.

11. 9. 1956
Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz, dass Großbritannien und Frankreich bei einer evtl. Schließung des Kanals (wegen des Abzugs der Lotsen) nicht das Recht hätten, militärische Maßnahmen zu ergreifen, um den Kanal offen zu halten, es sei denn, Ägypten begehe „eine Art von Aggression“ gegen den Kanal.

12. 9. 1956
Die internationale Suezgesellschaft ermächtigt das nichtägyptische Personal, die Arbeit einzustellen. Ägypten gestattet die Ausreise der Angestellten der Kanalgesellschaft. Eden gibt im Unterhaus den Plan einer Kanalbenutzervereinigung bekannt, die die Kanalbenutzer befähigen soll, ihre Rechte auszuüben. Gebühren sollen an die Vereinigung bezahlt werden. Ägypten soll eine Entschädigung für die Benutzung des Kanals erhalten.

13. 9. 1956
Der ägyptische Botschafter in Washington überbringt Staatssekretär Dulles eine dringende Botschaft, in der es heißt, dass die geplante Kanalbenutzervereinigung eine „flagrante Aggression“ gegen die ägyptische Souveränität darstelle und ihre Verwirklichung Krieg bedeute.

15. 9. Die Sowjetregierung erklärt sich gegen die Benutzer-Vereinigung.

17. 9. 1956
Staatssekretär Dulles erklärt, dass die USA einen Boykott des Suezkanals (Umleitung des Schifffahrtsverkehrs um das Kap der Guten Hoffnung) nicht finanzieren würden.

17. 9. 1956
Der ägyptische Vertreter bei der UN übermittelt dem Präsidenten des Sicherheitsrates ein Schreiben mit dem Inhalt, dass Frankreich und England versuchen würden, sich des Kanals zu be-mächtigen und die Unabhängigkeit Ägyptens zu zerstören.

Syrien und Libanon protestieren beim Sicherheitsrat gegen die Zusammenziehung englischer und französischer Truppen auf Zypern. Jordanien und Saudi-Arabien schließen sich dem Protest an.

Ägypten ist bereit, die Schiffe der Benutzervereinigung passieren zu lassen, sofern sie ägyptische Lotsen an Bord nehmen.

19.–21. 9. 1956
Großbritannien lädt die 18 Staaten, die den Dulles-Vorschlag bei der ersten Suezkonferenz gebilligt hatten, zu einer neuen Konferenz nach London ein. Staatssekretär Dulles begründet den Plan einer Kanalbenutzervereinigung mit der unqualifizierten Ablehnung der von der ersten Konferenz ausgearbeiteten Verhandlungsvorschläge. Die ägyptische Regierung hätte die Funktion der internationalen Kanalgesellschaft usurpiert und hierdurch die Rechte bedroht, die durch die Konvention von 1888 gewährleistet werden.

In der Erklärung über die Kanalbenutzervereinigung – die noch der Genehmigung der einzelnen Regierungen bedarf – werden die Ziele der Vereinigung beschrieben:

a) Erleichterung aller Maßnahmen, welche zu einer endgültigen oder provisorischen Lösung der Suezkanal-Frage führen, und Hilfe für die Mitglieder der Vereinigung bei der Ausübung ihrer Rechte gemäß der Konvention von 1888.

b) Förderung der Sicherheit und des wirksamen Betriebs und des Transitverkehrs durch den Kanal. Hierbei soll die Mitarbeit der ägyptischen Behörden angestrebt werden ...

c) Unter Vorbehalt der bestehenden Rechte bezweckt die Vereinigung, die Kanalbenutzergebühren sowie alle anderen Einkünfte entgegenzunehmen.

Bei Abschluss der Konferenz erklärte Staatssekretär Dulles den Beitritt der USA zur Benutzervereinigung. Frankreich behält sich die Entscheidungsfreiheit vor.

22. 9. 1956
Die britische Regierung lädt zu einer Botschafterkonferenz ein, um die geplante Benutzervereinigung zu konstituieren.

23. 9. 1956
Frankreich und Großbritannien ersuchen um Einberufung des Sicherheitsrates „zwecks Erörterung der Situation, die durch die einseitige Handlungsweise der ägyptischen Regierung geschaffen wurde“.

24. 9. 1956
Ägypten ersucht um Einberufung des Sicherheitsrates,

„um die gegen Ägypten gerichteten Maßnahmen einiger Mächte, insbesondere Großbritanniens und Frankreichs, die eine Gefahr für den internationalen Frieden darstellen, zu behandeln ...“

25. 9. 1956
Der australische Ministerpräsident Menzies empfiehlt vor dem Parlament, Ägypten auch ohne die UN wirtschaftliche Sanktionen aufzuerlegen.

26. 9. 1956
Der Sicherheitsrat beschließt, erst den französisch-britischen und dann den ägyptischen Antrag auf die Tagesordnung zu setzen.

4. 10. 1956
Die ägyptische Suezkanal-Gesellschaft gibt bekannt, dass sie über insgesamt 205 Lotsen, davon 103 voll ausgebildete, verfüge (unter diesen sind 15 Russen, 11 Polen und 2 Rumänen).

5. 10. 1956
Fünfzehn Staaten konstituieren in London die „Kanalbenutzer Vereinigung“.

13. 10. 1956
Der Sicherheitsrat nimmt folgende Resolution einstimmig an:

  1. Es soll eine freie und offene Durchfahrt durch den Suezkanal ohne offene oder versteckte Diskriminierung erfolgen, sowohl was die politischen als auch was die technischen Aspekte anbelangt.
  2. Die Souveränität Ägyptens soll geachtet werden.
  3. Der Betrieb des Kanals soll von der Politik jedes Landes isoliert werden.
  4. Die Art und Weise der Festsetzung von Gebühren und Kosten soll durch eine Übereinkunft zwischen Ägypten und den Benutzern entschieden werden.
  5. Ein fairer Anteil der eingehobenen Beträge soll der Verbesserung des Kanals gewidmet werden.
  6. Im Fall von Streitigkeiten sollen die offenen Angelegenheiten zwischen der alten Suezkanal-Gesellschaft und der ägyptischen Regierung durch ein Schiedsgericht geregelt werden, dessen Kompetenzen und Aufgaben klar zu definieren wären, mit geeigneten Bestimmungen für die Bezahlung von Beträgen, die als geschuldet befunden werden.

Der zweite Teil dieser Resolution, der vor allem auf die Vorschläge der ersten Suezkonferenz und auf eine Anerkennung der Benutzervereinigung abzielte, wurde durch das Veto der Sowjetunion abgelehnt. England und Frankreich wollen sich an den zweiten, abgelehnten Teil der Resolution halten.

15. 10. 1956
Irakische Truppen werden an der Grenze Jordaniens stationiert, um der jordanischen Armee im Falle eines Angriffs zur Hilfe zu kommen. Der wirkliche Grund sind die bevorstehenden Wahlen in Jordanien. Proägyptische Kreise warnen vor einem Aufstand in Jordanien, falls irakische Truppen in Jordanien einmarschieren wollen.

Der israelische Ministerpräsident Ben Gurion erklärt vor der Presse, dass der Einmarsch irakischer Truppen in Jordanien eine Verletzung des Status quo sei und Israel sich frei fühlen würde, so zu handeln, wie es dies für richtig halte. (Zwischen Israel und dem Irak besteht kein Waffenstillstandsabkommen.)

Großbritannien warnt die israelische Regierung, dass es auf Grund des britischjordanischen Vertrags verpflichtet sei, Jordanien im Falle eines israelischen Angriffs beizustehen. Syrien gibt Waffenlieferungen an Jordanien bekannt.

17. 10. 1956
Israel appelliert an den Sicherheitsrat und ersucht, die dauernden jordanischen Grenzverletzungen zu behandeln. Auch Jordanien appelliert wegen der israelischen Vergeltungsangriffe an den Sicherheitsrat der UN.

19. 10. 1956
Der englische Delegierte lobt im Sicherheitsrat die große Zurückhaltung der Jordanier im israelisch-jordanischen Konflikt. Russland fordert energische Maßnahmen gegen Israel.

25. 10. 1956
Der israelische Delegierte erklärt im Sicherheitsrat, dass Israel seit 6 Monaten unter den ständigen Übergriffen Jordaniens zu leiden habe. Da es den Vereinten Nationen nicht gelinge zu verhindern, dass israelische Bürger getötet werden, habe Israel das Recht zur Selbstverteidigung. Die Sitzung wurde auf den 30. 10. vertagt.

28. 10. 1956
Die israelische Regierung gibt eine Teilmobilisierung bekannt, die mit den Angriffen aus Jordanien und Ägypten sowie der Stationierung irakischer Truppen an der jordanischen Grenze begründet wird.

Präsident Eisenhower erklärt vor Pressevertretern, dass er Ministerpräsident Ben Gurion dringend gebeten habe, nichts zu tun, was den Frieden gefährden könnte.

29. 10. 1956
Der israelische Rundfunk gibt bekannt, dass israelische Streitkräfte ägyptische Stellungen auf der Sinai-Halbinsel und in der Nähe des Suezkanals angegriffen haben.

30. 10. 1956
16 Uhr. Der Sicherheitsrat tritt auf amerikanische Initiative zusammen. Mit 7 Stimmen (darunter Sowjetrussland) wird Israel aufgefordert, seine Truppen sofort hinter die Waffenstillstandslinien zurückzuziehen. Alle Mitglieder der UN werden aufgefordert, sich des Gebrauchs der Gewalt oder der Drohung mit Gewalt zu enthalten und sich jeder militärischen oder wirtschaftlichen Hilfe an Israel solange zu enthalten, als Israel dieser Resolution nicht entspricht.

England und Frankreich stimmen gegen die Resolution. Auch der sowjetische Änderungsantrag, der nur die Einstellung des Feuers fordert, wird von England und Frankreich abgelehnt.

30. 10. 1956
16.30 Uhr. Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs richten ein Ultimatum an Ägypten und Israel, ihre Streitkräfte auf einen Abstand von 12 km von beiden Seiten des Suezkanals zurückzuziehen. Die ägyptische Regierung wird ersucht, einer zeitweisen Stationierung englischer und französischer Truppen an den Schlüsselpunkten Port Said, Ismailia und Suez zuzustimmen. Sollte die ägyptische Regierung dieser Forderung nicht entsprechen, dann würden englische und französische Streitkräfte intervenieren. Ministerpräsident Eden erklärt im Unterhaus, dass die freie Durchfahrt durch den Suezkanal durch Kampfhandlungen gefährdet werde.

30. 10. 1956
nachts. Die israelische Regierung nimmt das britisch-französische Ultimatum an, die ägyptische Regierung lehnt das Ultimatum ab.

31. 10. 1956
Präsident Eisenhower erklärt im Weißen Haus (nachdem er durch die Presse vom englisch-französischen Ultimatum Kenntnis erhielt), dass er in einer persönlichen dringenden Botschaft an die Premierminister Englands und Frankreichs die ernstliche Hoffnung zum Ausdruck gebracht habe, dass die UN die in Frage stehenden Probleme mit friedlichen Mitteln und ohne zur Gewalt zu greifen lösen könnten.

Die Sowjetregierung veröffentlicht eine Erklärung, dass die israelische Invasion in Ägypten offenkundig nur einen Vorwand zur englisch-französischen Intervention liefern sollte:

„Die Regierung der Sowjetunion verurteilt entschieden die aggressiven Handlungen der Regierun-gen Englands, Frankreichs und Israels gegenüber Ägypten. Die friedliebenden Völker der Welt empfinden heiße Sympathie für den gerechten Kampf des ägyptischen Volkes, das für seine nationale Unabhängigkeit eintritt.“

Beginn der englisch-französischen Luftangriffe auf Ägypten. Der Sicherheitsrat tritt um 15.20 Uhr zusammen und stimmt über eine jugoslawische Resolution ab, eine außerordentliche Sitzung der Vollversammlung einzuberufen, da der Mangel an Einstimmigkeit den Sicherheitsrat daran hindere, seine erstrangige Verantwortlichkeit, die Aufrechterhaltung des Friedens, zu erfüllen. Der Antrag wird mit 7 gegen 2 Stimmen (Großbritannien und Frankreich) bei 2 Enthaltungen (Australien, Belgien) angenommen.

Der israelische Botschafter in London bestreitet geäußerte Vermutungen, dass Israel im Einverständnis mit Frankreich und England Ägypten angegriffen habe.

„Israel ist nur aus einem Grund in Ägypten eingedrungen, nämlich um seine eigenen Interessen und die Sicherheit seines Volkes zu verteidigen. Es hat nur zwei Absichten, und zwar jene Basen zu zerstören, von welchen die ägyptischen Kommandos operierten, und dafür zu sorgen, dass sich solche Dinge nicht wieder ereignen."

Präsident Eisenhower sagt in einer Rundfunkrede, dass sich die USA nicht in die Kämpfe im Mittleren Osten verwickeln würden. Er habe deshalb auch nicht die Absicht, eine Sondersitzung des Kongresses einzuberufen.

1. 11. 1956
Radio Kairo gibt den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu England und Frankreich bekannt. Die ägyptische Regierung erwäge den Austritt aus der UN.

Die Vollversammlung tritt um 17.35 Uhr zusammen und beschließt, sich auf Antrag des Sicherheitsrates mit dem Nahostkonflikt zu befassen (62 gegen 2 Stimmen bei 9 Enthaltungen, u. a.: Australien, Luxemburg. Neuseeland. Niederlande, Portugal, Südafrika, Türkei). Mit 64 gegen 5 Stimmen bei 6 Enthaltungen nimmt die Vollversammlung einen Resolutionsantrag an, der die sofortige Einstellung des Feuers und die sofortige Zurückziehung aller Truppen hinter die Waffenstillstandslinien fordert.

Der israelische Delegierte A. Eban führt aus, dass allein im Jahre 1955 75 Israelis durch ägyptische Kommandos getötet und im Jahre 1956 26 getötet und 127 verwundet worden seien. Sobald das Feuer eingestellt werde, müsse ein echter Friede geschlossen werden und nicht ein Waffenstillstand, wie er sich durch 7 Jahre als unzulänglich erwiesen habe. Ägypten müsse damit aufhören, Israel in seiner Existenz wie einen Feind zu bedrohen.

Der kanadische Delegierte bedauert, dass die Resolution keine Friedensregelung erwähnt und schlägt vor, dass der Generalsekretär der UN mit der Gründung eines Polizeikorps beauftragt werde.

Die jordanische Regierung bricht die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab und teilt mit, dass sie es nicht gestatten werde, dass die britischen Stützpunkte in Jordanien zu Angriffshandlungen gegen Ägypten benutzt werden.

Nasser erklärt  sich zum militärischen Generalgouverneur Ägyptens und gibt bekannt, dass Ägypten nie kapitulieren werde.

2. 11. 1956
Die israelische Armee erobert den Gazastreifen.

Nasser gibt bekannt, dass sich die ägyptischen Streitkräfte aus der Sinai-Halbinsel zurückgezogen haben und nun in der Suezkanalzone die britisch-französische Landung erwarten.

Das alliierte Hauptquartier auf Zypern meldet, dass etwa 100 ägyptische Flugzeuge am Boden zerstört wurden. England und Frankreich lehnen die UN-Resolution ab, erklären sich jedoch bereit, die militärischen Operationen einzustellen, falls die UN eine Polizeitruppe entsende und diese zwischen den beiden Gegnern stationiert würde, bis Israel und die arabischen Staaten ein Einvernehmen über die Bedingungen eines Friedens erzielt haben und befriedigende Vorkehrungen in Bezug auf den Suezkanal getroffen sind. Bis eine Streitmacht der UN landen werde, sollen die beiden Gegner akzeptieren, dass eine begrenzte Abteilung britisch-französische Truppen zwischen den Kämpfenden stationiert werde.

3. 11. 1956
Die Erdölleitungen, durch die das Öl vom Irak an die Mittelmeerküste geleitet wird, werden in Syrien unterbrochen. Syrien bricht die diplomatischen Beziehungen zu England und Frankreich ab. Das syrisch-ägyptische Verteidigungsabkommen tritt in Kraft. Die syrische Armee wird dem ägyptischen Oberbefehlshaber unterstellt.

3.–5. 11. 1956
Der israelische Delegierte in der UN erklärt, dass Israel bereit sei, die Feindseligkeit einzustellen, jedoch nicht zum alten Waffenstillstand zurückkehren werde (d. h. Ablehnung des Rückzugs aus Ägypten). Israel wünsche direkte Friedensverhandlungen mit Ägypten und allen anderen arabischen Staaten.

Die Vollversammlung nimmt mit 57 gegen 0 Stimmen bei 19 Enthaltungen eine kanadische Resolution an, die den Generalsekretär beauftragt, binnen 48 Stunden einen Plan zur Bildung einer internationalen Streitmacht vorzulegen.

Eine Resolution des asiatisch-afrikanischen Blocks, die mit 59 gegen 5 Stimmen bei 12 Enthaltungen angenommen wird, bekräftigt die Resolution vom 2. 11.

4. 11. 1956
Die sowjetische Regierung protestiert bei den Regierungen Frankreichs und Großbritanniens gegen die Schaffung von Sperrzonen im östlichen Mittelmeer und im Roten Meer, die einer Blockade Ägyptens und anderer Länder gleichkäme und den allgemein anerkannten Grundsatz der Freiheit der Schifffahrt auf den offenen Meeren verletze.

5. 11. 1956
Englische und französische Truppen landen in Port Said und Port Fuad. Bulganin übermittelt eine Botschaft an Präsident Eisenhower, in der er auf die besondere Verantwortung der USA und der UdSSR hinweist, die beide ständige Mitglieder des Sicherheitsrates sind und über alle modernen Waffen einschließlich Atom- und Wasserstoffbomben verfügen.

„Die Vereinigten Staaten verfügen im Mittelmeerraum über eine starke Kriegsflotte. Auch die Sowjetunion besitzt eine starke Kriegsflotte und eine mächtige Luftwaffe. Ein unverzüglicher gemeinsamer Einsatz dieser Mittel durch die USA und die UdSSR auf Beschluss der UN wäre eine sichere Garantie für die Einstellung der Aggression gegen das ägyptische Volk und gegen die Länder des arabischen Ostens.“

Bulganin sendet eine Botschaft an Ministerpräsident Eden mit dem Inhalt, dass die Sowjetregierung es als notwendig erachte, ihn (Eden) darauf aufmerksam zu machen, dass der von England und Frankreich entfesselte Aggressionskrieg sehr gefährliche Folgen für den Weltfrieden in sich berge. Die Beweggründe, die die Regierung Englands angibt, um den Überfall auf Ägypten zu rechtfertigen, seien nicht stichhaltig. Weiter heißt es in der Botschaft Bulganins:

„Wie wäre die Lage Englands, wenn es selbst von stärkeren Staaten überfallen würde, die über sämtliche Arten moderner Vernichtungswaffen verfügen? Solchen Ländern ist es heute möglich, von der Entsendung von See- und Luftstreitkräften zur Küste Englands abzusehen und andere Mittel, z. B. die Raketentechnik, einzusetzen. Würden Raketenwaffen gegen England oder Frankreich eingesetzt, so würden sie das sicherlich als barbarisches Vorgehen bezeichnen! Worin unterscheidet sich aber hiervon der von den Streitkräften Englands und Frankreichs unternommene unmenschliche Überfall auf das fast wehrlose Ägypten?“

In einer Botschaft an Ministerpräsident Mollet schreibt Bulganin:

„Die Sowjetregierung ist fest entschlossen, zur Gewaltanwendung zu greifen, um die Aggressoren zu zerschlagen und den Frieden im Nahen Osten wiederherzustellen. Noch ist es Zeit, Einsicht walten zu lassen, halt zu machen, nicht zuzulassen, dass die Kräfte des Krieges überhandnehmen. Wir hoffen, dass die französische Regierung in diesem verantwortungsvollen Moment die entstandene Lage realistisch beurtei-len und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen wird.“

In einer Botschaft an Ministerpräsident Ben Gurion teilt Bulganin mit, dass die Sowjetregierung die diplomatischen Beziehungen zu Israel abbreche. Israel habe im Auftrag der Westmächte Ägypten überfallen und versuche, durch seine Friedensbeteuerungen die Welt über seine wahre Absicht zu täuschen.

5./6. 11. 1956
Der Sicherheitsrat tritt in der Nacht vom 5./6. 11. zusammen und lehnt einen sowjetischen Resolutionsentwurf ab, der die Einstellung der Feindseligkeiten in Ägypten binnen 12 Stunden und den Abzug aller fremden Truppen binnen 3 Tagen fordert. Falls dieser Aufforderung nicht Folge geleistet würde, dann sollten vor allem die USA und Sowjetunion dem Opfer der Aggression durch die Entsendung von Land-, Luft- und Seestreitkräften, Freiwilligen und Kriegsmaterial zu Hilfe komnen.

6. 11. 1956
Das Weiße Haus veröffentlicht eine Erklärung vom 5. 11.:

„Der Präsident hat soeben einen Brief von Ministerpräsident Bulganin erhalten, der schon vorher in der Presse veröffentlicht wurde. Dieser Brief macht mit einem offensichtlichen Versuch, die Aufmerksamkeit der Welt von der ungarischen Tragödie abzulenken, den unglaublichen Vorschlag, dass die USA sich mit der Sowjet-union in einer gemeinsamen Anwendung ihrer militärischen Streitkräfte vereinigen sollten, um die Kämpfe in Ägypten zu beenden.“

Weiter wird ausgeführt, dass nur ein Mandat der UN zum direkten Eingreifen in Ägypten berechtigen könne. Die Erklärung schließt:

„Unter diesen Umständen ist es klar, dass der erste und wichtigste Schritt der Sowjetunion zur Sicherung des Weltfriedens der sein sollte, die Resolution der UN zu beachten und ihre militärische Unterdrückung des ungarischen Volkes einzustellen. Nur dann würde es der Sowjetunion anstehen, weitere Schritte vorzuschlagen, die dem Weltfrieden dienen sollten.“

Auch die Antwortschreiben Edens und Mollets weisen darauf hin, dass die Sowjetunion die UN-Resolution bezüglich Ungarns missachtet habe. Der Generalsekretär der UN übermittelt in der Nacht vom 5./6. 11. den Regierungen Englands und Frankreichs ein Memorandum, dass sowohl Israel als auch Ägypten bedingungslos das Feuer einstellen würden und dass Ägypten der Schaffung einer internationalen Streitmacht zugestimmt habe.

Die britische Regierung erklärt sich bereit, das Feuer am 6. 11. um Mitternacht einzustellen. Auch die französische Regierung ist bereit, das Feuer einzustellen.

7. 11. 1956
Zur Zeit der Feuereinstellung stehen die alliierten Truppen nördlich von El-Kantara und kontrollieren etwa 30 km des Suezkanals. Die israelische Armee hält die Sinai-Halbinsel besetzt und befindet sich 12 km vom Suezkanal entfernt.

Die Verluste der Alliierten sind 26 Tote und 100 Verwundete, die Verluste der Ägypter im Zusammenhang mit der französisch-britischen Aktion werden auf 1000 Tote und 7000 Verwundete geschätzt.

Von Israel werden die eigenen Verluste mit 150 Toten und 600 Verletzten sowie 20 Vermissten angegeben, die Verluste der Ägypter mit 3000 Toten und 6000 Gefangenen. Die Beute wird auf Kriegsmaterial im Wert von 50 Millionen Dollar geschätzt, darunter 40 intakte Panzer und ein ägyptischer Zerstörer, der sich vor der Küste von Haifa ergeben hatte.

Die Vollversammlung der UN beschließt mit 64 gegen 0 Stimmen bei 12 Enthaltungen (Ägypten, Israel, Südafrika und Ostblock), eine Streitmacht der UN in Ägypten einzusetzen. Die Streitmacht soll mit der bereits erfolgten Zustimmung Ägyptens auf ägyptischem Gebiet die Ordnung aufrechterhalten und den Rückzug der ausländischen Truppen sicherstellen. Sie soll die Resolutionen der UN durchführen und sonst keine politischen Funktionen haben.

In einer zweiten Resolution werden England, Frankreich und Israel nochmals dringend eingeladen, gemäß der Resolution vom 1. 11. ihre Truppen aus Ägypten abzuziehen. Die Delegierten Frankreichs und Großbritanniens führen aus, dass ihre Truppen nicht abgezogen werden können, bevor sie von der UN-Streitmacht abgelöst werden.

Präsident Eisenhower übermittelt eine Botschaft an Ben Gurion und führt darin aus:

„Wenn Israel seine Truppen nicht aus Ägypten zurückzieht, dann würde dies die dringlichen Anstrengungen der UN um die Wiederherstellung des Friedens ernsthaft unterminieren. Israel würde dadurch die Grundsätze und Direktiven der Vereinten Nationen verletzen und verurteilt werden.“

8. 11. 1956
Die israelische Außenministerin Golda Meir erklärt, dass Israel bereit sei, die Sinai-Halbinsel und den Gaza-Streifen zu räumen, sobald befriedigende Vereinbarungen mit der UN im Zusammenhang mit der internationalen Streitmacht abgeschlossen seien. In seiner Antwort an Präsident Eisenhower schreibt Ben Gurion:

„Ihre Erklärung, dass eine Truppe der UN nach Ägypten entsandt werden soll, wird von uns begrüßt. Es war nie unsere Absicht, die Sinai-Wüste zu annektieren [...] Israel wiederholt indessen sein dringendes Ersuchen an die Vereinten Nationen, sie möchten Ägypten veranlassen, auf seine Feststellung zu verzichten, dass zwischen beiden Ländern ein Kriegszustand bestehe.“

Die Land-, See- und Luftstreitkräfte der USA werden in Alarmzustand versetzt. Die strategische Luftwaffe wird für sofortige Aktionen bereitgehalten. Großbritannien und Frankreich erklären sich bereit, einen Teil ihrer Streitkräfte schon vor dem Eintreffen der UN-Streitmacht zurückzuziehen.

9. 11. 1956
Der Irak bricht die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab und wünscht trotz der Feuereinstellung nicht mehr mit Großbritannien als Mitglied des Bagdad-Pakteszusammenzutreffen.

10. 11. 1956
Die Sowjetunion droht mit der Entsendung von „Freiwilligen“, falls die fremden Truppen nicht schnellstens aus Ägypten abziehen würden.

12. 11. 1956
Die ägyptische Regierung veröffentlicht ein Kommunique über die Bedingungen, unter denen die Streitmacht der UN in Ägypten stationiert wird:

  1. Die Streitmacht muss die Suezkanalzone sofort nach dem Abzug der Engländer und Franzosen räumen.
  2. Ihre Wirksamkeit wird sodann auf die Demarkationslinie von 1949 beschränkt sein, und zwar solange Ägypten dem zustimmt.
  3. [...]
  4. Die Zustimmung Ägyptens ist für die Bestimmung der Zone erforderlich, in der die internationale Streitmacht stationiert wird.
  5. Wenn Ägypten seine Zustimmung zurückzieht, hat sich die internationale Streitmacht sofort zu entfernen.

Von englischer und französischer Seite werden diese Bedingungen als unakzeptabel be-zeichnet. Die Truppen der UN sollten solange in der Kanalzone bleiben, bis die freie Durchfahrt durch den Kanal im Sinne der Resolution des Sicherheitsrates vom 13. 10. gesichert ist. Der ägyptische Botschafter in Moskau gibt bekannt, dass sich in der Sowjetunion bisher 50 000 Freiwillige für Ägypten gemeldet hätten (ferner 50 000 in Indonesien und 250 000 in China).

13. 11. 1956
General Gruenther erklärt in seiner Abschiedsrede, dass ein sowjetischer Angriff mit Raketenwaffen die Zerstörung der Sowjetunion zur Folge haben würde. Präsident Eisenhower warnt, dass die USA jeder Intervention sowjetischer oder chinesischer Freiwilliger Widerstand entgegensetzen würden.

20. 11. 1956
Der Generalsekretär der UN, Dag Hammarskjöld, empfängt die Vertreter Israels, Großbritanniens und Frankreichs und ersucht um Aufklärung, warum ihre Truppen noch nicht aus Ägypten zurückgezogen wurden. Er ersucht im Besonderen um Auskunft über die Rückzugspläne und um eine Bekanntgabe der Ansichten über den Stand des Waffenstillstandes.

Die „New York Times“ berichtet, dass das amerikanische Staatsdepartement über Nachrichten verfüge, nach denen die Invasion Ägyptens von Israel, Frankreich und England im Voraus geplant gewesen sei. Der Bericht stützt sich im Wesentlichen auf die verstärkten französischen Waffenlieferungen an Israel im Oktober 1956 und die Tatsache, dass Amerika über die britischen Pläne im Nahen Osten nicht informiert wurde.

21. 11. 1956
Die erste norwegische Einheit der UN-Streitmacht trifft in Port Said ein.

22. 11. 1956
Die britische Regierung teilt dem Generalsekretär der UN mit, dass die britischen Truppen abziehen würden, sobald die UN-Streitmacht in der Lage sei, ihre Aufgaben effektiv zu erfüllen. Nichtsdestoweniger habe die britische Regierung beschlossen, ein Infanteriebataillon sofort aus Port Said abzuziehen.

Die französische Regierung teilt mit, dass bereits ein Drittel der französischen Streitkräfte abgezogen wurden.

Die israelische Regierung erklärt in ihrer Note an den Generalsekretär, dass sie ihre Streitkräfte längs der ganzen Front in unterschiedlichem Ausmaß zurückgezogen habe. Israel werde alle seine Truppen aus Ägypten zurückziehen, sobald ein befriedigendes Abkommen über das Wirken der UN-Streitmacht getroffen werde, welches Israel gegen jede Wiederholung einer Angriffsdrohung und gegen kriegerische Akte schütze. Israel erwarte eine Antwort auf seine Frage, ob sich Ägypten im Zustand des Krieges oder des Friedens mit Israel erachtet, da dadurch die Probleme der Sicherheit berührt werden. Israel beobachte im Gegensatz zu Ägypten streng die Feuereinstellung.

24. 11. 1956
Die Vollversammlung nimmt mit 63 gegen 5 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Resolution von 20 asiatisch-afrikanischen Staaten an, in der Israel, Frankreich und Großbritannien aufgefordert werden, sogleich der Resolution vom 1. 11. nachzukommen.

Die ägyptische Regierung weist eine größere Anzahl Engländer, Franzosen und Juden aus. Die Ausgewiesenen dürfen nur 20 Pfund in bar mit sich nehmen. Die Türkei ruft ihren Gesandten aus Tel Aviv ab, ohne jedoch die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Dieser Schritt wird damit begründet, dass Israel die Durchführung der UN-Beschlüsse (vor allem die Internationalisierung Jerusalems und die Rückkehr der arabischen Flüchtlinge) verweigere und dass andererseits die Türkei den Bagdadpakt zu stärken wünsche.

27. 11. 1956
Die „Times“ berichtet, dass die Kontrolle über Syrien nicht mehr durch die Regierung, sondern durch den Oberst Abdul Hamid Sarraj, den Leiter der militärischen Abwehr, ausgeübt werde. Es würden dauernd sowjetische Waffen geliefert, und Sarraj, der von den Kommunisten voll unterstützt werde, beschäftige eine große Anzahl sowjetischer Techniker und Berater.

Der jordanische Ministerpräsident Nabulsi kündigt an, dass seine Regierung den Vertrag mit Großbritannien aufkündigen werde.

29. 11. 1956
Das amerikanische Staatsdepartement veröffentlicht eine Erklärung, in der vor einer Bedrohung der Bagdadpakt-Staaten gewarnt wird Jede Drohung, die gegen die territoriale Integrität oder die politische Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten des Bagdadpaktes gerichtet ist, würde von den USA als außerordentlich schwerwiegend angesehen werden.

30. 11. 1956
Präsident Eisenhower veranlasst Öllieferungen nach Westeuropa, nachdem England und Frankreich den Abzug ihrer Truppen aus Ägypten angekündigt haben.

3. 12. 1956
Die Regierungen Englands und Frankreichs übermitteln dem Generalsekretär der UN eine Note, in der sie ihren Entschluss, ihre Truppen aus Ägypten zurückzuziehen, bestätigen und feststellen, dass der Generalsekretär die Verantwortlichkeit für die schnellstmögliche Freilegung des Kanals übernimmt und ferner baldmöglichst Verhandlungen über das zukünftige Regime des Kanals einleiten wird, auf der Basis der 6 Prinzipien, die durch die Resolution des Sicherheitsrates vom 13. 10. 1956 festgelegt sind.

6. 12. 1956
Der Kommandeur der UN-Streitmacht, General E. Burns, gibt bekannt, dass jugoslawische Einheiten 25 km weit in die Sinai-Halbinsel vorgerückt seien.

Ben Gurion erklärt, dass Israel bereit sei, seine Truppen aus Ägypten zurückzuziehen, wenn Israel die Zusicherung erhalte, dass das geräumte Gebiet nicht mehr als Stützpunkt für etwaige künftige Angriffe gegen Israel verwendet werde und die israelischen Schiffe den Golf von Akaba und den Suezkanal befahren könnten.

5. 12. 1956
Die Sowjetunion widerruft die Freiwilligenaktion für den Mittleren Osten.

3. 1. 1957. Die ägyptische Regierung gibt in einem Dekret bekannt, dass sie das britisch-ägyptische Abkommen von 1954 rückwirkend ab 31. 10. 1956 für null und nichtig ansieht. Der Vertrag gibt Großbritannien das Recht, die Suezkanalbasis, die 1956 geräumt wurde, im Falle eines Angriffes auf irgendeinen arabischen Staat oder die Türkei wieder zu besetzen.

Ein Sprecher der ägyptischen Regierung erklärte, dass sich die ägyptische Regierung aus den britischen Vorratslagern in der Kanalzone, deren Wert auf 40–50 Millionen Pfund geschätzt wird, für die Verluste entschädigt habe, die sie durch Plünderungen der britisch-französischen Truppen in Port Said erlitten habe.

5. 1. 1957
Präsident Eisenhower richtet eine Botschaft an den Kongress über seine neue „Mittelostdoktrin“. In der Einleitung der Botschaft wird auf die kritische Situation im Nahen Osten hingewiesen, die infolge des verlorenen Einflusses der westeuropäischen Staaten durch den israelisch-arabischen Krieg und infolge des sowjetischen Versuchs, den Mittleren Osten zu beherrschen, entstanden sei. Niemand plane jedoch, den Mittleren Osten zu einer Aggression gegen Russland zu verwenden. Dagegen sei das Interesse Russlands im Mittleren Osten ausschließlich politisch, im Sinne der Ankündigung, die Welt zu kommunisieren. Der Mittlere Osten sei jedoch als Tor zwischen Eurasien und Eurafrika und als Wahrer von 2/3 der Ölvorkommen der Welt für die östliche Hemisphäre von immenser Bedeutung. Wenn die Nationen dort ihre Unabhängigkeit verlieren sollten und durch fremde, freiheitsfeindliche Kräfte beherrscht würden, so würde das eine Tragödie für dieses Gebiet und für viele andere Nationen darstellen, deren Wirtschaftsleben dadurch nahezu erstickt würde.

„Der Mittlere Osten ist die Geburtsstätte dreier großer Religionen, und es wäre unerträglich, wenn die heiligen Stätten einer Herrschaft unterworfen würden, die den atheistischen Materialismus glorifiziert [...]. Unter all diesen Umständen obliegt den Vereinigten Staaten nunmehr eine größere Verantwortlichkeit. Wir haben in einer Weise, dass niemand daran zweifeln kann, unser Stehen zu dem Grundsatz dargetan, dass Gewalt international nicht zu aggressiven Zwecken verwendet werden soll und dass die Integrität und Unabhängigkeit der Nationen des Mittleren Ostens unverletzlich sein sollen [...]

Es ist nun wesentlich, dass die Vereinigten Staaten durch eine gemeinsame Aktion des Präsidenten und des Kongresses ihre Entschlossenheit kundgeben, jenen Nationen des Mittleren Ostens beizustehen, welche diesen Beistand wünschen. Die Aktion, die ich vorschlage, würde folgende Umrisse haben:

Durch sie sollen erstens die Vereinigten Staaten autorisiert werden, mit jeder Nation oder Gruppe von Nationen im gesamten Gebiet des Mittleren Ostens bei der Entwicklung wirtschaftlicher Stärke zwecks Aufrechterhaltung der nationalen Unabhängigkeit zusammenzuarbeiten und dabei zu helfen.

Durch sie soll zweitens die Exekutive autorisiert werden, in dieser Region Programme militärischer Hilfeleistung und Zusammenarbeit mit jeder Nation oder Gruppe von Nationen zu vereinbaren, die eine solche Hilfe wünscht. Durch sie soll drittens autorisiert werden, dass eine solche Hilfe und Zusammenarbeit den Gebrauch bewaffneter Kräfte der USA einschließt, um die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit der betreffenden Nationen, die eine solche Hilfe erbitten, gegen eine offene bewaffnete Aggression durch irgendeine Nation, die durch den internationalen Kommunismus kontrolliert wird, zu sichern und zu schützen.

Diese Maßnahmen müssten mit den Vertragsverpflichtungen der USA vereinbar sein einschließlich der UN-Satzung [...] Die vorgeschlagene Gesetzgebung soll vor allem dazu bestimmt sein, sich mit der Möglichkeit einer kommunistischen Aggression, sei sie direkt oder indirekt, zu befassen. Es muss unbedingt jedes Machtvakuum in diesem Gebiet ausgefüllt werden, und zwar nicht durch Fremde, sondern durch die vermehrte Kraft und Sicherheit der Unabhängigkeit dieser Gebiete.“

8. 1. 1957
Staatssekretär Dulles erklärt in einer Pressekonferenz, dass die von Präsident Eisenhower erstrebte Garantie nur für eine offene Aggression gelte. Die USA würden nicht in irgendein Land eindringen, um dessen Regierung zu stürzen, wie immer diese Regierung auch zustande gekommen sei. Dagegen – so erklärt Dulles später vor dem Kongress – würde sich die Garantie auch auf die Verwendung russischer Freiwilliger erstrecken, wenn es sich um eine offene Aggression handle.

13. 1. 1957
Die Tass-Agentur veröffentlicht eine Erklärung zur Eisenhower-Doktrin, in der ausgeführt wird, dass das Auftreten des Präsidenten Eisenhower den Prinzipien der UN widerspreche und eine ernste Bedrohung des Friedens im Mittleren Osten in sich berge. Die USA hätten sich bekanntlich geweigert, ihre Bemühungen mit der Sowjetunion in der UN zu vereinen und entschlossene Maßnahmen gegen die Aggression zu ergreifen. Die Hauptsorge der USA sei nicht die Verteidigung des Friedens und der nationalen Unabhängigkeit der arabischen Länder, sondern das Bestreben, sich die Schwächung Englands und Frankreichs im Nahen Osten zunutze zu machen, um deren Positionen übernehmen zu können.

15. 1. 1957
Die israelischen Streitkräfte räumen El-Arisch.

16. 1. 1957
Der Generalsekretär der UNO berichtet der Vollversammlung, dass Israel seine Streitkräfte bis zum 22. 1. aus der Sinai-Wüste mit Ausnahme des Küstenstreifens am Golf von Akaba zurückziehen werde. Hammarskjöld betont, dass Israel gemäß der Resolution vom November 1956 seine Streitkräfte vollständig hinter die Waffenstillstandslinie von 1949 zurückziehen müsse.

17. 1. 1957
Die israelische Außenministerin erklärt vor der Vollversammlung der UN, dass Israel bereit sei, seine Truppen vom Golf von Akaba und aus dem Gazastreifen zurückzuziehen, wenn die UN die Gewähr dafür übernehme, dass der Golf von Akaba für die israelische Schifffahrt geöffnet bleibe und der Gazastreifen nicht wieder zur Ausgangsstellung für ägyptische Angriffe werde.

20. 1. 1957
Die Regierungschefs von Ägypten, Syrien, Saudi-Arabien und Jordanien treffen in Kairo zu einer Konferenz zusammen. In einem Konferenzkommunique wird erklärt, dass die 4 Länder entschlossen sind, die Eisenhowerdoktrin abzulehnen. Sie pflichten der These vom Bestehen eines Vakuums im Nahen Osten nicht bei. Der arabische Nationalismus sei dazu bestimmt, diesen leeren Raum auszufüllen, da dieses Gebiet keinem Einflussbereich angehören kann. Die 4 Länder haben den saudiarabischen König beauftragt, als ihr Sprecher und Wortführer aufzutreten.

Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien verpflichten sich, jährlich 12,5 Millionen Pfund an Jordanien zu zahlen, damit Jordanien den Vertrag mit Großbritannien lösen kann (dieser Betrag entspricht den Subventionen, die Jordanien bis dahin von Großbritannien erhalten hatte).

1. 2. 1957
Staatssekretär Dulles erklärt auf einer Pressekonferenz, falls die UN die Anwendung von Sanktionen gegen Israel verlangen sollten, würden die USA diese Angelegenheit ernsthaft, wenn auch ungern erwägen.

3. 2. 1957
Die Vollversammlung der UN nimmt mit 72 gegen 2 Stimmen (Israel, Frankreich) eine Resolution an, in der Israel aufgefordert wird, seine Streitkräfte unverzüglich hinter die Waffenstillstandslinie von 1949 zurückzuziehen. Israel lehnt die Aufforderung der UN ab.

8. 2. 1957
König Saud trifft zu einem Staatsbesuch in Washington ein. Gegenstand der Erörterungen sind die Eisenhower-Doktrin, die König Saud im Wesentlichen billigte, und der amerikanische Luftwaffenstützpunkt Dahran, der für weitere 5 Jahre von den USA in Saudi-Arabien unterhalten werden darf; außerdem wurde die amerikanische Rüstungshilfe für Saudi-Arabien besprochen.

11. 2. 1957
Die Sowjetunion übermittelt gleichlautende Noten an die Regierungen Amerikas, Englands und Frankreichs, die den Entwurf einer gemeinsamen Deklaration als Gegenvorschlag zur Eisenhower-Doktrin enthält. Die Regierungen der Sowjetunion, Amerikas, Englands und Frankreichs sollen sich verpflichten, umstrittene Fragen im Nahen Osten ausschließlich mit friedlichen Mitteln und auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Fremde Stützpunkte sollen liquidiert werden, es soll darauf verzichtet werden, die Länder des Nahen Ostens mit Waffen zu beliefern.

14. 2. 1957
Übereinkommen zwischen England und Jordanien, den britisch-jordanischen Vertrag von 1948 zum 1. 3. 1957 zu beenden. Die britischen Truppen werden Jordanien innerhalb von 9 Monaten verlassen.

21. 2. 1957
Präsident Eisenhower nimmt in einer Rundfunkrede zu den Problemen des Nahen Ostens, im besonderen zu der Weigerung Israels, seine Streitkräfte aus dem Gazastreifen und vom Golf von Akaba zurückzuziehen, Stellung. Präsident Eisenhower stellt fest, dass Israel nicht das Recht habe, die Resolutionen der UN zu missachten, weil auch die Sowjetunion diese Resolutionen missachtet. Man könne eine Nation wie Israel, „die wie die Vereinigten Staaten von religiösem Glauben und dem Gefühl für moralische Werte durchdrungen ist“, niemals der Sowjetunion gleichsetzen. Weiter sagte der Präsident:

„Wir hoffen immer noch, dass die Regierung Israels einsehen wird, dass seine besten und unmittelbaren Interessen sich in Übereinstimmung mit den Vereinten Nationen befinden [...] Ägypten hat sich durch die Anerkennung der 6 vom Sicherheitsrat angenommenen Prinzipien bezüglich des Suezkanals selbst zum freien und offenen Verkehr durch den Kanal bekannt [...] Wir wollen nicht annehmen, dass Ägypten, falls Israel sich zurückzieht, Israels Schiffahrt an der Benutzung des Suezkanals und des Golfs von Akaba hindern wird. Wenn es unglücklicherweise dennoch das Waffenstillstandsabkommen oder andere internationale Verpflichtungen vergewaltigen wollte, so wird sich die Gesellschaft der Völker energisch damit befassen.“

22. 2. 1957
Ministerpräsident Ben Gurion erklärt vor dem Parlament, dass Israel nicht bereit sei, zu den Zuständen zurückzukehren, wie sie zur Zeit des Waffenstillstands von 1949 geherrscht hätten. Israel betrachtet sich nicht als im Kriegszustand mit Ägypten und sei bereit, einen Nichtangriffspakt mit Ägypten abzuschließen.

1. 3. 1957
Nach wiederholter Intervention der USA erklärt sich Israel unter Vorbehalten zur Räumung des Golfs von Akaba und des Gazastreifens bereit. Diese Vorbehalte sind als „Erwartungen“ formuliert. Im Prinzip wird gefordert, dass Israel das Recht zur Durchfahrt im Golf von Akaba habe und dass sowohl die militärische Besetzung als auch die zivile Verwaltung im Gazastreifen von der UN durchgeführt werde.

Der Delegierte der USA, Cabot Lodge, begrüßt die Bekanntmachung Israels und erklärt, dass es sich bei den israelischen „Vorbehalten“ nicht um Bedingungen, sondern um „Hoffnungen“ oder „Erwartungen“ handele, die im Lichte der früheren Aktionen der UN nicht unbegründet scheinen.

2. 3. 1957
Präsident Eisenhower teilt Ministerpräsident Ben Gurion in einem Schreiben mit, dass er den israelischen Entschluss begrüße:

„Ich weiß, dass dieser Entschluss nicht leicht zu fassen war. Ich glaube jedoch, dass Israel keinen Grund haben wird, zu bedauern, dass es sich auf diese Weise nach der ausdrücklichen Meinung der Weltgemeinschaft richtete [...]“

Die von Israel geäußerten Hoffnungen und Erwartungen seien vernünftig, und die USA würden danach streben, dass diese sich nicht als vergeblich erweisen.

4. 3. 1957
Ministerpräsident Ben Gurion ordnet den Rückzug der israelischen Truppen an, ohne einen Beschluss des Kabinetts bzw. des Parlaments abzuwarten.

5. 3. 1957
Staatssekretär Dulles sagt auf einer Pressekonferenz, dass die USA keinerlei geheime Zusagen an Israel gemacht hätten. Er habe den Eindruck, dass Ägypten die Wiedereröffnung des Kanals absichtlich verzögere.

6. 3. 1957
Das israelische Parlament billigt den Rückzugsentschluss Ben Gurions.

7. 3. 1957
Der Suezkanal wird für Schiffe bis zu 500 t geöffnet. Ägypten stellt die Bedingung, dass die Gebühren an die ägyptische Kanalgesellschaft zu zahlen sind.

Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz, dass die USA den Golf von Akaba als eine internationale Wasserstraße betrachten und dem gemäß zu benutzen bereit seien, bis eine anderslautende Entscheidung des internationalen Gerichtshofes vorliege

Die letzten israelischen Truppen verlassen den Gazastreifen. Das Gebiet wird von der UNEF besetzt.

11. 3. 1957
Die Westmächte beantworten in gleichlautenden Noten die sowjetische Nahost-Note vom 11. 2. und stellen fest, dass die sowjetischen Vorschläge, die mit unverantwortlichen Angriffen verbunden waren, nicht geeignet seien, den Wohlstand und die Unabhängigkeit der Nahoststaaten zu fördern.

Ägypten bestellt einen Gouverneur für den Gazastreifen, Generalmajor Hussein Abd el-Latif, bevor die UNEF eine eigene Zivilverwaltung einrichten kann. Im Gazastreifen finden Demonstrationen statt, bei denen die Ruckkehr Ägyptens nach Gaza gefordert wird.

12. 3. 1957
Die ägyptische Regierung erlässt Verwaltungsverordnungen für den Gazastreifen. Das amerikanische Staatsdepartement appelliert an alle Parteien, „im Mittleren Osten mit der UN und ihren Organen zusammenzuarbeiten“. Ägypten wird nicht namentlich genannt.

13. 3. 1957
Ministerpräsident Ben Gurion erklärt vor dem Parlament, dass Israel in Bezug auf den Gazastreifen sich seine Handlungsfreiheit vorbehalte. Die Rückkehr Ägyptens nach Gaza werde eine Aktion zur Folge haben, die jedoch nicht im Voraus bekannt gegeben werde.

13. 3. 1957
Ministerpräsident Ben Gurion erklärt vor dem Parlament, dass Israel in Bezug auf den Gazastreifen sich seine Handlungsfreiheit vorbehalte. Die Rückkehr Ägyptens nach Gaza werde eine Aktion zur Folge haben, die jedoch nicht im Voraus bekannt gegeben werde.

Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz, es sei Sache „General Hammarskjölds“, mit den Schwierigkeiten in Gaza fertig zu werden. Über neue sowjetische Waffenlieferungen an Ägypten wisse er nichts Genaues.

14. 3. 1957
Der ägyptische Gouverneur begibt sich nach Gaza.

15. 3. 1957
Laut Radio Kairo hat die saudi-arabische Regierung erklärt, dass sie in ihrer Eigenschaft als Wächterin der heiligen Stätten des Islams nicht gewillt sei, Israel im Golf von Akaba Rechte zuzugestehen. Der Golf von Akaba sei ein geschlossener arabischer Golf.

19. 3. 1957
Die ägyptische Regierung lässt allen diplomatischen Missionen in Kairo gleichlautende Noten zur Frage des Suezkanals zugehen: Ägypten wird die Konvention von 1888 respektieren. Die Gebühren für die Kanalbenutzung müssen im Voraus an die ägyptische Kanalgesellschaft bezahlt werden. Die ägyptische Regierung wird eine weitere Erklärung über diese Grundsätze herausgeben.

21. 3. 1957
Die UNEF übernimmt die Überwachung der 35 km langen Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel. Der Generalsekretär der UN trifft in Kairo ein, um mit der ägyptischen Regierung über die Zukunft des Suezkanals zu verhandeln. Die Ölleitungen zwischen dem Irak und dem Mittelmeer werden wieder in Betrieb genommen.

25. 3. 1957
Der Suezkanal wird für Schiffe bis zu 5000 t geöffnet.

26. 3. Staatssekretär Dulles sagt auf einer Pressekonferenz, dass die Bermuda-Konferenz in Bezug auf den Nahen Osten zu keinem Übereinkommen zwischen England und Amerika geführt habe. Er glaube nicht, dass Ägypten das Recht einer kriegführenden Macht gegenüber Israel für sich in Anspruch nehmen könne.

28. 3. 1957
Die Agentur Tass veröffentlicht eine Erklärung des sowjetischen Außenministeriums zur Eisenhower-Doktrin und zur Bermuda-Konferenz. Zur Beteiligung der USA an der  militärischen Kommission des Bagdad-Paktes, die auf der Bermuda-Konferenz vereinbart wurde, wird gesagt, dass Amerika nunmehr zum Teilnehmer dieses kolonialistischen und aggressiven Blocks wird, der zur Versklavung des Mittleren Ostens geschaffen wurde. Somit gehe die von der amerikanischen Propaganda verbreitete Legende vom Antikolonialismus der USA zu Ende. Amerika versuche nur, die kolonialen Positionen Englands und Frankreichs einzunehmen.

In Frankreich erscheint das Buch der Gebrüder Bromberger über den Suez-Konflikt. Die Landung in Ägypten sei von England und Frankreich schon im August 1956 auf einer Geheimkonferenz in London geplant worden. Die Suez-Aktion sei an der englischen Verzögerungspolitik gescheitert. – Es ist offensichtlich die Absicht des Buches, die Schuld für das Misslingen der Suez-Aktion den Engländern zu geben. Das französische Außenministerium dementiert die Angaben der Gebrüder Bromberger und bezeichnet sie als Phantasie.

29. 3. 1957
Ben Gurion erklärt in einem Interview, dass er die Lage im Nahen Osten als sehr ernst betrachte, falls die Israel gegebenen Zusagen bezüglich der freien Durchfahrt durch den Golf von Akaba nicht besser eingehalten würden als die, die Israel hinsichtlich der Verwaltung des Gazastreifens erhalten habe.

Die „New York Times“ veröffentlicht ohne Quellenangabe den angeblichen Text des Memorandums, das Präsident Nasser der Regierung der USA und sechs anderer Länder bezüglich des Suezkanals zukommen ließ. Darin heißt es, dass Ägypten bereit sei, die Konvention von 1888 zu respektieren und mit anderen Staaten bezüglich der Erhöhung der Nützlichkeit des Kanals zusammenzuarbeiten. Der Kanal wird durch die 1956 gegründete ägyptische Suezbehörde genutzt und betrieben werden. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien der Konvention von Konstantinopel sollen dem internationalen Gerichtshof oder einem besonderen Organ der UN überwiesen werden.

Der erste Geleitzug von 9 Schiffen (1400–7500 t) passiert den Suezkanal. Nasser erklärt einer Gruppe amerikanischer Journalisten, dass Ägypten die Durchfahrt israelischer Schiffe im Suezkanal „gestatten“ werde, wenn die arabischen Flüchtlinge nach Israel zurückkehren können.

2. 4. 1957
Zwischen Saudi-Arabien und den USA wird ein Abkommen geschlossen, das den Amerikanern die Benützung der Flugbasis Dharan für weitere fünf Jahre gestattet und Saudi-Arabien militärische und wirtschaftliche Hilfeleistungen zusichert. Es sollen 120 saudi-arabische Piloten an amerikanischen Düsenflugzeugen ausgebildet werden. Die USA sollen beim Ausbau der Häfen behilflich sein und Küstenfahrzeuge, Panzer und Artillerie liefern.

Der Sonderbeauftragte des Präsidenten der USA für den Nahen Osten, James Richards, besucht den irakischen Ministerpräsidenten Nuri es Said und verspricht vermehrte amerikanische Militärhilfe für den Irak.

5. 4. 1957
Ein amerikanischer Tanker passiert die Meerenge von Tiran und läuft den israelischen Rotmeer-Hafen Eilat (Akaba) an. Das Öl wird durch eine im Frühjahr 1957 fertiggestellte Ölleitung nach Beer-Scheba und von dort. mit der Bahn nach Haifa transportiert (Israel muss wegen des arabischen Boykotts sein Öl aus Südamerika beziehen).

2. 4. 1957
Die UN-Streitmacht beginnt ihre Basen im Suezkanal zu räumen.

8. 4. 1957
Die Räumung des Suezkanals ist abgeschlossen. Kosten: 10 Millionen Dollar.

9. 4. 1957
Die ägyptische Suezkanal-Behörde gibt bekannt, dass der Kanal für Schiffe aller Größen und Flaggen mit Ausnahme israelischer Schiffe geöffnet ist, sofern die Gebühren bei der ägyptischen Kanalbehörde entrichtet werden.

Der Kommandant der UNEF, General Burns, vereinbart mit dem israelischen Generalstab die Errichtung eines Drahtverhaues entlang der israelischen Grenze und dem Gaza-Streifen.

10. 4. 1957
Der jordanische Ministerpräsident Nabulsi tritt zurück, nachdem König Hussein sich für die Eisenhower-Doktrin und gegen engere Beziehungen zu Ägypten, Syrien und der Sowjetunion ausspricht.

14. 4. 1957
König Hussein gibt die Niederschlagung einer Militärrevolte und die Flucht des jordanischen Generalstabschefs Nawar nach Syrien bekannt. Die Verschwörung in der jordanischen Armee soll die Absetzung Husseins und die Einsetzung seines Vetters Zaid zum Ziele gehabt haben. In der Nähe von Amman ist es zu kleineren Kämpfen gekommen. Eine Anzahl von Offizieren wurde verhaftet. Zum neuen Stabschef wird Ali Hayari ernannt.

16. 4. 1957
In Jordanien wird eine neue Regierung unter Hussein Fakhri el Khalidi gebildet, in der Nabulsi Außenminister wird. Regierungsprogramn: „Positive Neutralität, Widerstand gegen den Imperialismus und fremde Bündnisse.“ Die Kabinettsbildung war nur unter Einschluss Nabulsis zu erreichen, dessen Partei über 14 von 40 Parlamentssitzen verfügt.

17. 4. 1957
Der syrische Staatspräsident Schukri el Kuwatly hält eine Rede, in der er ausführt, dass Syrien enge Beziehungen zur Sowjetunion aufgenommen habe, nachdem sich erwiesen habe, dass die Sowjetunion keine politischen oder militärischen Bedingungen stelle und besonders während der Suezaktion die nationalen Bestrebungen der Araber unterstützt hätte.

19. 4. 1957
Bis zum 19. 4. haben folgende Länder der Eisenhower-Doktrin zugestimmt: Libanon, Libyen, Irak, Iran, Pakistan, Afghanistan, Türkei und Saudi-Arabien.

Nach der Note vom 11. 2. 1957 (siehe oben), die am 11. März von den Westmächten abgelehnt wurde, übermittelte die Sowjetregierung den drei Westmächten eine neue Note ähnlichen Inhalts, in der zu einer Erklärung bezüglich des Gewaltverzichts im Nahen Osten aufgefordert wird. In der Note an die USA heißt es:

„Die Eisenhower-Doktrin sieht eine direkte Einmischung der Vereinigten Staaten in die Angelegenheiten der Länder des Nahen und Mittleren Ostens bis auf die Entsendung amerikanischer Streitkräfte in diese Länder vor. Diese Politik muss unweigerlich zu einer weiteren Verschärfung der Spannung in diesem Raum beitragen.“

Im weiteren wird die Abgabe einer gemeinsamen Deklaration im Sinne der Note vom 11. 2. 1957 gefordert. In der Note an Frankreich wird die französische Unterstützung Israels besonders betont, die neben anderen Maßnahmen ausschließlich gegen Ägypten gerichtet sei.

21. 4. 1957
Der neue Generalstabschef der jordanischen Armee, Hayari, gibt von Damaskus aus seinen Rücktritt bekannt: Er sei wegen Palastintrigen gegen die Armee und die freiheitsliebenden Kräfte zurückgetreten. Auf einer Pressekonferenz in Damaskus sagt Hayari: „Die jordanische Armee und das jordanische Volk leben unter der Herrschaft des Imperialismus.“ Es sei nie ein Staatsstreich der Armee gegen den König geplant gewesen, das Ganze sei ein Komplott einiger Palastbeamter und der ausländischen Militärattachés. Man hätte ihn dazu missbrauchen wollen, das Offizierskorps nach dem Wunsch jener Kreise zu säubern und „Untersuchungen durchzuführen, deren Ergebnis von vornherein feststand“. Er sei nach Damaskus geflohen, um die öffentliche Meinung über die Vorgänge in Jordanien zu alarmieren.

Das jordanische Kabinett ernennt den stellvertretenden Stabschef zum amtierenden Generalstabschef. Ministerpräsident Khalidi und die Minister für Inneres und Justiz werden beauftragt, die Arbeit der militärischen Untersuchungskommission zu überwachen. Die Regierung fordert die Bürger auf, angesichts der kritischen Situation Ruhe und Ordnung zu bewahren:

„Alle Bürger sollten daran denken, dass unsere Politik eine freie arabische Politik ist, die von König Hussein und mit Zustimmung und Zusammenarbeit von Ägypten, Saudi-Arabien und Syrien befolgt wird.“

Außenminister Nabulsi hält eine Pressekonferenz, ab, in der er den Ausführungen des zurückgetretenen Generalstabschef Hayari über ein Komplott ausländischer Militärattachés zustimmt. Die Regierung sei nach seiner Auffassung verpflichtet, den Beschluss seiner früheren Regierung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion zu verwirklichen. Er wolle den Kommunismus aus eigenen Kräften bekämpfen, aber nicht mit Hilfe Eisenhowers. Er sei bereit, von jedem Land Hilfe anzunehmen, sofern die Souveränität Jordaniens nicht beeinträchtigt wird.

22. 4. 1957
Die Führer der jordanischen Linksparteien veröffentlichen nach einer Zusammenkunft in Nablus ein Kommuniqué, in dem der Rücktritt der Regierung Khalidi die Bildung einer Koalitionsregierung und die Wiedereinsetzung der entlassenen oder verhafteten Offiziere gefordert wird. Ein Bund freier Offiziere veröffentlicht einen Aufruf gegen die Verhaftung von 60 Offizieren, die gemäß den Weisungen der Imperialisten erfolgt sei, „um die nationale Bewegung in der Armee und im Volk zu liquidieren, die Eisenhower-Doktrin durchzuführen und die Nation den Imperialisten und Zionisten auszuliefern“.

23. 4. 1957
Die Führer der Linksparteien überreichen Ministerpräsident Khalidi eine Petition mit folgenden Forderungen:

  1. „Säuberung“ gewisser Palastbeamter
  2. Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung „ziviler Verschwörer“
  3. Föderative Union mit Ägypten und Syrien
  4. Auflösung der militärischen Untersuchungskommission
  5. Außenpolitik des positiven Neutralismus
  6. [...]
  7. „Säuberung“ der Beamtenschaft
  8. [...]
  9. Bildung einer nationalen Koalitionsregierung
  10. Entfernung, des gegenwärtigen amerikanischen Botschafters und seines Militärattachés.

24. 4. 1957
Die Linksparteien rufen in Jordanien den Generalstreik aus; in den größeren Städten kommt es zu Massendemonstrationen.

Präsident Eisenhower gibt nach einer telefonischen Unterredung mit Staatssekretär Dulles eine Erklärung ab, dass die USA die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit und Integrität Jordaniens in der gegenwärtigen Mittelost-Krise als lebenswichtig erachten. Der Pressesekretär des Präsidenten erklärt, dass König Hussein bisher nicht die Hilfe der USA erbeten habe.

Die 6. amerikanische Flotte erhält den Befehl, in die Gewässer des östlichen Mittelmeers auszulaufen. Die Regierung der USA ermahnt Ägypten, Syrien und Israel, sich jeder Aktion zu enthalten, die die Situation in Jordanien verschlimmern könnte.

Der ägyptische Außenminister M. Fawzi vermittelt eine Erklärung der ägyptischen Regierung an die Vereinten Nationen über den künftigen Betrieb des Suezkanals, die beim Sekretariat der UNO deponiert und registriert wird. In dieser Erklärung wird die Einhaltung der Konvention von Konstantinopel und der Charta der UN ausdrücklich zugesagt.

Die Schifffahrt im Kanal ist frei, Erhöhung der Gebühren sollen nicht mehr als 1 % im Jahr betragen. Der Kanal soll weiter ausgebaut und von der am 26. 7. 1956 gegründeten ägyptischen Kanalgesellschaft verwaltet werden. Beschwerden über Diskriminierung sollen von einem Schiedskomitee beigelegt werden. Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Konvention von Konstantinopel sollen gemäß den Grundsätzen der UN beigelegt und falls nötig dem internationalen Gerichtshof vorgelegt werden.

Die USA ersuchen um die Einberufung des Sicherheitsrates, um die Suez-Frage zu erwägen, und von der Situation betreffend, der Durchfahrt durch den Kanal Kenntnis zunehmen.

25. 4. 1957
Die Regierung Khalidi tritt zurück. Es wird eine neue Regierung unter Ministerpräsident Haschem gebildet, die das Kriegsrecht proklamiert und alle Parteien verbietet. König Hussein mobilisiert die arabische Legion und lässt die wichtigsten Orte im Lande besetzen. König Hussein beschuldigt die frühere Regierung Nabulsi, ihn im Oktober 1956 an einer militärischen Intervention zugunsten Ägypten gehindert zu haben.

26. 4. 1957
Der neue jordanische Verteidigungsminister S. Takun wird zum Militärgouverneur von ganz Jordanien eingesetzt. Etwa 600 Personen, Angehörige linksradikaler Parteien, werden verhaftet.

Der Sicherheitsrat befasst sich mit der Suez-Frage, ohne Beschluss zu fassen. Der amerikanische Delegierte führt aus, dass die ägyptische Erklärung nicht den sechs Grundsätzen vom 13. 10. 1956 (s. o.) entspreche, die auch von Ägypten angenommen wurden. Die USA wollen jedoch den Wert der neuen ägyptischen Erklärung erproben und behielten sich das Recht vor, ihre Auffassung zu der Angelegenheit später bekannt zu geben. Außer von den Delegierten der Sowjetunion und des Irak wurde von allen Delegationen ausgeführt, dass die einseitige Erklärung bezüglich des Suezkanals unbefriedigend sei.

27. 4. 1957
König Hussein setzt zwei Militärgerichte für das West- und Ostjordanland ein. Die Militärgouverneure erhalten Sondervollmachten. König Hussein fliegt zu einer Besprechung mit König Saud nach Riad (Saudi-Arabien), von der er am 29. 4. zurückkehrt.

In dem Kommuniqué über diese Besprechung wird die Politik des arabischen Nationalismus definiert: Konsolidierung der Unabhängigkeit der befreiten arabischen Staaten; militärische Zusammenarbeit gegenüber dem gemeinsamen Gegner; keine Anschlüsse an irgendeinen ausländischen Pakt; Hilfe für die arabischen Völker, „die noch unter dem Joch des Imperialismus leiden“; Treue zur arabischen Liga.

29. 4. 1957
Besprechungen über die Lage in Jordanien zwischen dem syrischen Staatspräsidenten Kuwatly und Nasser:

„Ägypten, Saudi-Arabien und Syrien werden ständig in Fühlung bleiben, um die Lage in Jordanien im Lichte der arabischen nationalen Politik zu verfolgen.“

Der jordanische Außenminister S. Risai sagt auf einer Pressekonferenz, dass die jordanische Regierung nicht die Absicht hat, den amerikanischen Sonderbeauftragten J. P. Richards einzuladen. Die Beziehung zu Saudi-Arabien, Syrien und Ägypten soll brüderlich bleiben. Die Regierung beabsichtige nicht, den Rückzug der syrischen Truppen, die auf jordanischem Gebiet stationiert sind, zu fordern. Jordanien werde gerne jede finanzielle Hilfe annehmen, sofern sie bedingungslos ist.

Über 10 000 amerikanische Seeleute der 6. Flotte erhalten in Beirut einen demonstrativen Landurlaub. Die USA bieten König Hussein „in Anerkennung der tapferen Taten seiner Majestät des Königs Hussein der Regierung und dem Volke von Jordanien zur Aufrechterhaltung der Integrität und Unabhängigkeit ihres Landes ...“ eine finanzielle Hilfe von 10 Millionen Dollar an.

30. 4. 1957
Jordanien nimmt das amerikanische Hilfsangebot an. Das Außenministerium der UdSSR veröffentlicht eine Erklärung über die Lage in Jordanien, in der es unter anderem heißt: Die Lage in Jordanien interessiere die Sowjetunion nicht deshalb, weil in Jordanien innenpolitische Veränderungen erfolgt seien, sondern deshalb, weil die Ereignisse das Ergebnis einer groben ausländischen Einmischung darstellten, die eine schwere Gefahr für den Frieden sei. Die Ereignisse in Jordanien seien „eine deutliche Illustration der so laut ausposaunten Dulles-Eisenhower-Doktrin“.

10. 5. 1957
Die Suezkanalbenutzervereinigung, die in London tagte, schloss mit einer Erklärung des Inhalts, dass die Deklaration der ägyptischen Regierung nicht in Übereinstimmung mit der Resolution des Sicherheitsrates vom 13. Oktober 1956 sei. Die Wiederaufnahme der Schifffahrt im Kanal seitens der Mitglieder der Vereinigung stelle keine Anerkennung der ägyptischen Deklaration dar. – Eine allgemeine Einigung unter den Mitgliedern wurde nicht erzielt.

In Jerusalem finden Besprechungen zwischen Ministerpräsident Ben Gurion und dem Generalsekretär der UNO, Dag Hammerskjöld, statt, deren Gegenstand die Lage im Nahen Osten, der Kriegszustand zwischen Ägypten und Israel und die israelische Schifffahrt im Golf von Akaba und im Suezkanal sind.

15. 5. 1957
Der französische Ministerpräsident Guy Mollet gibt den Beschluss der französischen Regierung bekannt, den Sicherheitsrat anzurufen, damit Ägypten aufgefordert werde, sich den sechs Prinzipien des Sicherheitsrates vom 13. Oktober 1956 anzupassen.

18. 5. 1957
Zum Abschluss eines Besuches König Sauds von Arabien bei König Feisal in Bagdad wurde eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet:

Der Irak und Saudi-Arabien sind entschlossen, ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges und islamisches Erbe zu wahren. Sie werden sich einer ausländischen Intervention des Zionismus und Imperialismus, die die arabischen Nationen bedrohen, widersetzen. Nur eine endgültige Regelung des Palästinaproblems können Frieden und die Stabilität im Nahen Osten wieder herstellen. Kein arabisches Land solle sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einmischen.

Auf einer Pressekonferenz erklärt Ministerpräsident Nuri es Said, dass die destruktive Tätigkeit der Kommunisten Ursache der gegenwärtigen Spannungen im Nahen Osten sei. „Die große Mehrheit der Bevölkerung des Mittleren Osten, Israel ausgenommen, sind antikommunistisch.“ Sogar Syrien und Ägypten haben die kommunistische Partei verboten.

21. 5. 1957
Die israelische Regierung veröffentlicht eine Erklärung, in der sie der „Eisenhower-Doktrin" zustimmt. Punkt 2 dieser Erklärung lautet:

Entsprechend der aus der Charta der Vereinten Nationen erwachsenden Verpflichtungen verurteilt Israel jeden Angriff gegen die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit irgendeines Landes. Israel hat keine Aggressionsabsichten gegenüber irgendeinem Staat und wünscht die Aufrechterhaltung der politischen Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Länder des Mittleren Osten.

Das Wirtschaftskomitee der Bagdadpakt-Organisation tagt vom 17. bis 21. 5. in Karachi. Die USA stellen Iran, Pakistan und der Türkei 12,5 Millionen Dollar zum Ausbau von Straßen und Eisenbahnen zur Verfügung.

24. 5. 1957
Auf Wunsch der jordanischen Regierung beginnt der Rückzug der syrischen Truppen, die seit November 1956 in Jordanien stationiert waren. Die jordanische Regierung begründet ihren Wunsch damit, dass eine Notwendigkeit für die Stationierung syrischer Truppen nicht mehr gegeben sei.

29. 5. 1957
Der Sicherheitsrat befasst sich mit einer Beschwerde Syriens gegen Israel wegen eines israelischen Brückenbaues in der entmilitarisierten Zone im Hule-Gebiet. Die Brücke diente dem Transport von Ausrüstungen zur Trockenlegung der Hule-Sümpfe. Die syrische Beschwerde wird mit neun Stimmen gegen die Stimmen der sowjetischen und irakischen Delegation abgelehnt.

3. 6. 1957
Die Regierung des Sudan spricht sich gegen die Annahme der „Eisenhower-Doktrin“ aus.

4. 6. 1957
Der letzte britische Stützpunkt in Jordanien, Mafrak, wird der jordanischen Armee übergeben. König Hussein dankt bei dieser Gelegenheit der britischen Regierung für den prompten Rückzug, der für den guten Willen und die Freundschaft Großbritanniens zeuge.

Die Wirtschaftskonferenz der Staaten der arabischen Liga, die in Kairo stattfand, beschließt die Förderung eines einheitlichen Wirtschaftssystems der arabischen Staaten.

10.6. 1957
Die jordanische Regierung fordert den ägyptischen Militärattaché und den ägyptischen Generalkonsul in Jerusalem auf, Jordanien zu verlassen. Die beiden Diplomaten sollen in ein Komplott zum Sturze der jordanischen Regierung und zur Ermordung des Königs verwickelt sein.

Die ägyptische Regierung verlangt die Abberufung des jordanischen Botschafters in Ägypten. Das gemeinsame Oberkommando der ägyptischen und jordanischen Armee, das seit den Unruhen in Jordanien nicht mehr funktionierte, wird aufgelöst

11. 6. 1957
Die drei Westmächte übermitteln der Sowjetregierung Antwortnoten auf die sowjetische Nahost-Note vom 17. April 1957. Die sowjetischen Vorschläge werden abgelehnt.

13.6. 1957
König Saud besucht König Hussein in Amman. In einem gemeinsamen Kommuniqué sprechen sich die beiden Monarchen für die Unabhängigkeit der arabischen Länder, für die Verteidigung der geistigen Werte des Islams, die Militärallianz mit Syrien und Ägypten, die positive Neutralität und für die Rechte der arabischen Länder am Golf von Akaba und gegen jeden Versuch, diesen als internationale Wasserstraße zu erklären, aus. Bestätigt werden die Grundsätze der arabischen Liga und der Bandung-Konferenz.

15. 6. 1957
Der syrische Verteidigungsminister Khaled el Azem beschuldigt König Saud der aktiven Zusammenarbeit mit den USA. Die Betonung der positiven Neutralität sei nur ein Versuch, die öffentliche Meinung irrezuführen.

19. 6. 1957
Die Regierung Nuri es Said tritt zurück. König Faisal von Irak betraut den prowestlichen Senator Ali Yawdat mit der Bildung einer neuen Regierung.

20. 6. 1957
Die ägyptische Regierung gibt bekannt, dass sie drei U-Boote von der Sowjetunion erworben habe. Die Schiffe seien zum Schutze der territorialen Gewässer, des Golfs von Akaba und des Suezkanals bestimmt. Sechs russische Kriegsschiffe passieren die Dardanellen.

21.6. 1957
Französische Schiffe benutzen wieder den Suezkanal.

24. 6. 1957
Zum Abschluss eines Besuches König Husseins bei König Faisal in Bagdad wird eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Beide Staaten wollen den Freiheitskampf der Algerier unterstützen und versuchen, Palästina für die arabische Welt zurückzugewinnen. Der Golf von Akaba sei arabisches Territorialgewässer, beide Parteien würden die arabischen Rechte auf den Golf, dessen (angebliche) Bedeutung für die Pilgerfahrt nach Mekka besonders hervorgehoben wird, verteidigen. Beide Parteien verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, dem Imperialismus zu widerstehen.

Jordanien erhält von Saudi-Arabien 5 Millionen Pfund und vom Irak 1 Million Pfund gemäß dem arabischen Solidaritätspakt. Die Zahlungen sollen an Stelle der englischen Subventionen für Jordanien geleistet werden. Syrien und Ägypten haben bisher nicht gezahlt.

29. 6. 1957
Das amerikanische Staatsdepartement nimmt in einer Note, die an die 11 arabischen Staaten übermittelt wird, die in Amerika akkreditiert sind, zu einer Demarche dieser Staaten Stellung, in der die Einstellung der amerikanischen Hilfe an Frankreich und eine Untersuchung der Verhältnisse in Algerien gefordert wurde. In dieser Demarche der arabischen Staaten wurde auch die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass der Golf von Akaba arabisches Territorialgewässer sei.

In der amerikanischen Antwortnote wird darauf hingewiesen, dass die USA über die Lage in Algerien sehr besorgt seien, eine Einstellung der amerikanischen Militärhilfe an Frankreich jedoch nicht im Interesse der freien Welt liege. Die USA seien nach wie vor der Meinung, dass der Golf von Akaba ein internationaler Seeweg sei und seien bereit, das Recht der freien und friedlichen Durchfahrt unter amerikanischer Flagge auszuüben.

1. 7. 1957
Bei den Wahlen im Libanon erhalten die prowestlichen Parteien 50 von insgesamt 66 Sitzen des Parlaments.

4. 7. 1957
Die USA gewähren Jordanien weitere Militär- und Wirtschaftshilfe in Höhe von je 10 Millionen Dollar.

15. 7. 1957
Die USA gewähren dem Libanon Militär- und Wirtschaftshilfe in Höhe von insgesamt 21 Millionen Dollar.

18. 7. 1957
Die ägyptische Regierung gibt die Aufdeckung einer Verschwörung bekannt, die bereits drei Monate vorher stattgefunden haben soll. Das Ziel der Verschwörung sei die Ermordung Nassers und die Befreiung des früheren Diktators Naguib gewesen. 14 Personen wurden verhaftet, darunter zwei frühere Minister und einige höhere Offiziere.

14. 7. 1957
Am 3. und 14. 7. finden Wahlen zur ersten ägyptischen Nationalversammlung statt. Die Kandidaten werden von der Regierung nominiert, den Wählern bleibt jedoch die Wahl zwischen mehreren der aufgestellten Kandidaten. Nur in den Bezirken, in denen Personen kandidieren, von denen die ägyptische Regierung wünscht, dass sie auf jeden Fall gewählt werden, wird nur je ein Kandidat zur Wahl zugelassen.

21. 7. 1957
Die britische Regierung gibt bekannt, dass sie dem Ersuchen des Sultans von Muskat und Oman entsprechen und ihn gegen einen Aufstand des Imams von Oman zu Hilfe kommen werde.

22. 7. 1957
Ägypten erkennt die obligatorische Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshofes für den Betrieb des Suezkanals an. Es wird ein Gesetz für die Verwaltung des Suezkanals erlassen, das der ägyptischen Kanalgesellschaft jede Maßnahme untersagt, die der Konvention von Konstantinopel und der Erklärung der ägyptischen Regierung vom 24. April 1957 widerspricht. Jede Diskriminierung von Schiffen, die den Kanal passieren, ist untersagt. Das Vermögen der Gesellschaft gilt als Privatvermögen.

23. 7. 1957
Flugzeuge der RAF werfen Flugblätter über Nizwa im Zentralgebiet des Aufstandes in Oman ab, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, alle festen Plätze in und um Nizwa binnen 48 Stunden zu verlassen, da nach Ablauf dieser Frist die Stadt bombardiert würde.

24. 7. 1957
Ein von Israel gecharterter dänischer Dampfer passiert den Suezkanal und trifft am 24. 7. mit einer Reisladung in Haifa ein. Ein israelisches Mitglied der Besatzung, R. Eylon, wurde von den ägyptischen Behörden in Suez verhaftet.

25. 7. 1957
Anlässlich des 1. Jahrestages der Nationalisierung des Suezkanals und des 5. Jahrestages der ägyptischen Revolution hält Nasser in Alexandrien eine Ansprache, in der er die „Eisenhower-Doktrin“ nochmals ablehnt und eine Reihe von arabischen Staaten erbittert angreift:

„Alle arabischen Staaten mit Ausnahme von Syrien und Saudi-Arabien haben 1948 (im Palästina-Krieg) Verrat begangen, indem sie es ablehnten, bis zur Erreichung des Endzieles zu kämpfen.“

Britische Flugzeuge beschießen einige Orte im Aufstandsgebiet in Oman. Das amerikanische Staatsdepartement dementiert Nachrichten, dass der Aufstand durch einen Interessenstreit zwischen englischen und amerikanischen Ölfirmen hervorgerufen wurde (der Imam wird angeblich von Saudi-Arabien unterstützt).

29. 7. 1957
Die britische Luftwaffe setzt nach kurzer Unterbrechung die Beschießung von Nizwa fort. Staatssekretär Dulles erklärt gegenüber einem Journalisten, dass er zu wenig über den Streit in Oman wisse, um sich ein Urteil bilden zu können.

5. 8. 1957
Schaikh Mohammed el Harithy übermittelt den Botschaftern der USA und der UdSSR in Kairo Noten im Namen des Imam von Oman. Die betreffenden Regierungen werden darin aufgefordert, zugunsten des Imams zu intervenieren. Die Note ist so abgefasst, als gäbe es einen souveränen Staat, der vom Imam beherrscht und vom Sultan angegriffen worden wäre. Laut dieser Note erklärte sich der Imam bereit, die Grenzen des Sultanats zu respektieren. Die arabische Liga ruft die Teilnehmerstaaten der Bandung-Konferenz auf, gegen die britische Aktion in Oman einzuschreiten.

7. 8. Bei den Kämpfen in Oman werden britische Bodentreppen eingesetzt.

11. 8. 1957
Nizwa ergibt sich dem Sultan.

13. 8. 1957
Der am 24. 7. auf dem dänischen Frachter im Suezkanal festgenommene Matrose R. Eylon (s. o.) wird den israelischen Behörden an der Grenze des Gaza-Streifens übergeben. Eylon wurde während der ganzen Zeit in Einzelhaft gehalten. Den Vertretern des Roten Kreuzes wurde nicht gestattet, ihn zu besuchen.

Über Radio Kairo wird ein offizielles syrisches Kommuniqué über die Aufdeckung eines mit amerikanischer Hilfe vorbereiteten Komplotts zum Sturze der syrischen Regierung veröffentlicht. Anführer der Verschwörer seien der frühere Diktator A. Schischakly und der syrische Militärattaché in Rom, Oberst Hussein, gewesen. (Hussein sei nach Rom geflohen, Schischakly halte sich verborgen.) Beamte der amerikanischen Botschaft hätten den Verschwörern Autos und Wohnungen zur Abhaltung von geheimen Versammlungen zur Verfügung gestellt. Hussein soll vor den Verschwörern erklärt haben, dass die USA Syrien eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 300–400 Millionen Dollar (sic!) für den Fall versprochen haben, dass das gegenwärtige Regime gestürzt würde. Als Gegenleistung habe er sich verpflichtet, mit Israel einen separaten Frieden zu schließen. Nach Gelingen des Staatsstreiches hätten die USA noch der Besetzung des Libanons (sic!) durch Syrien zugestimmt. Eine größere Anzahl Offiziere der syrischen Armee wurden verhaftet.

14. 8. 1957
Die syrische Regierung verweist drei Angehörige der amerikanischen Botschaft des Landes. Das amerikanische Staatsdepartement protestiert gegen die Verleumdungen der syrischen Regierung. Der syrische Botschafter in Washington wird zur Persona non grata erklärt, der zweite Sekretär der Botschaft des Landes verwiesen. Der amerikanische Botschafter in Damaskus, der sich auf einer Urlaubsreise befindet, soll nicht mehr nach Damaskus zurückkehren.

15. 8. 1957
Die englischen Bodentruppen verlassen Nizwa. Die Delegierten der arabischen Staaten protestieren beim Präsidenten des Sicherheitsrates gegen die britische Intervention in Oman.

16. 8. 1957
Ein Sprecher des Foreign Office widerlegt die These von der angeblichen Souveränität und territorialen Integrität eines Imamats von Oman. Während der Sultan von Oman durch Verträge, die bis ins 18. Jh. zurückreichen, als Herrscher von Oman und Muskat anerkannt sei, würden selbst die arabischen Staaten keinerlei diplomatische Beziehungen zum Imam von Oman unterhalten.

18. 8. 1957
Der syrische Ministerpräsident Schukry L. Kuwatly trifft in Ägypten ein und wird sofort von Nasser empfangen. Als Grund seines Besuches wird eine ärztliche Behandlung angegeben.

19. 8. 1957
Im Kairoer Hochverräterprozess (s. o.) haben bisher vier der dreizehn Angeklagten ihre Geständnisse widerrufen. Drei davon, weil ihre Geständnisse unter Foltern erpresst wurden.

In Washington finden Konsultationen zwischen England und den USA über die Entwicklung in Syrien statt.

21. 8. 1957
Präsident Eisenhower bezeichnet die Ereignisse in Damaskus als eine „interne Angelegenheit“, es bestünde daher auch keine Berechtigung zur Anwendung der Eisenhower-Doktrin. Der Präsident bezeichnet das syrische Regime als „leftist“ und weigerte sich ausdrücklich, es kommunistisch zu nennen.

22. 8. 1957
Ein Sprecher der syrischen Regierung gibt bekannt, dass eine Anzahl syrischer Offiziere verhaftet und an den libanesischen  Grenzen  Sicherheitsmaßnahmen  getroffen wurden.

König Feisal reist nach Istanbul, um mit dem türkischen Ministerpräsidenten über die Situation in Syrien zu sprechen.

Schlussbemerkung

Grenzen 1949 
Grenzen Israels auf Grund des Waffenstillstands 1949. Aus: Zurück zu 1947? Veröffentlichung der Informationsabteilung des Israelischen Aussenministeriums, Jerusalem, und übersetzt für die Schriftenreihe des Israel-Informationsdienstes der Israel-Mission, Köln, Seot. 1956, S. 2.
Nach dem Rückzug der israelischen Truppen aus Gaza und der Wiedereröffnung des Suezkanals ist die Lage im Mittleren Osten – geografisch – wieder zum status quo ante zurückgekehrt. Politisch haben sich jedoch gewaltige Veränderungen ergeben. Da ist zuerst die Tatsache, dass Amerika die Rolle Englands im Mittleren Osten, wenn schon nicht als Kolonialmacht, so doch als ordnender Machtfaktor übernommen hat. Die Eisenhower-Doktrin, die Amerika in vielerlei Hinsicht bindet, verpflichtet die USA zu einer tätigen Beteiligung an den Vorgängen in diesem Raum.

Die Eisenhower-Doktrin, von den meisten arabischen Staaten eher als Warnung aufgefasst, führte zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse im arabischen Raum. Der ägyptisch-syrische Block, dem als schwache Glieder Jordanien und Saudi-Arabien angehörten, ist schon während der Suezkrise auseinander gefallen.

In Jordanien konnte es König Hussein wagen, die prosowjetischen und pro-ägyptischen Kreise aus der Armee und Regierung zu beseitigen (was ohne amerikanische Hilfe kaum möglich gewesen wäre). Der König von Jordanien hat so seinen Thron wenigstens für einige Zeit gerettet. Saudi-Arabien war ohnehin der selbständigste von allen arabischen Staaten.

Grund für das Auseinanderbrechen des ägyptisch-syrischen Blocks war nicht zuletzt die Niederlage Ägyptens im Sinaikrieg und der Wunsch der arabischen Monarchen, ihren Thron zu erhalten, was angesichts der zunehmenden ägyptischen Propaganda gegen die herrschenden Systeme in Jordanien und auch in Saudi-Arabien immer schwieriger wurde. Ein Übriges vollbrachte der von Amerika her zugleich ausgeübte politische Druck und Schutz.

Ägypten und Syrien blieben so geografisch und auch politisch in der arabischen Welt isoliert. Während Ägypten seinen alten Kurs der Annäherung an die Sowjetunion weiter verfolgte, ohne seine Beziehungen zum Westen allzu sehr zu gefährden, und im Innern sowohl Kommunisten als auch andere linksradikale Kreise unterdrückte, gelang es den Russen in Syrien kommunistische und prosowjetische Kreise so weit zu unterstützen, dass sie im August dieses Jahres mittels eines Staatsstreiches de facto die Macht über den Staat erhielten. Syrien ist so sehr viel weiter in sowjetische Abhängigkeit geraten, als es selbst Ägypten angenehm sein könnte. Die Vorgänge in Syrien waren nichts weniger als die russische Reaktion auf den Staatsstreich König Husseins in Jordanien.

Die amerikanische Nahost-Politik, die die arabischen Staaten wenigstens für eine gewisse Zeit zu einer Entscheidung zwang, hatte zur Folge, dass die arabischen Staaten im Moment stärker mit sich selbst als mit Israel beschäftigt sind. Die Gefahr, die dem Irak und Jordanien von Syrien her droht, ist für diese Staaten im Augenblick schwerwiegender als eine Weiterführung des ohnehin aussichtslosen Kriegs mit Israel, sodass zur Zeit (September 1957) an den israelischen Grenzen Ruhe herrscht wie nie zuvor.

Auch das Flüchtlingsproblem beginnt seine Kehrseite zu zeigen. Bisher wurden die Palästina-Flüchtlinge in den arabischen Staaten unter den erbärmlichsten Bedingungen beieinander gehalten, um diese immer wieder gegen Israel ausspielen zu können. Jetzt erweisen sich die Flüchtlinge vor allem in Jordanien, wo sie den überwiegenden Teil der Bevölkerung darstellen, als eine Gefahr für die arabischen Staaten selbst, denn nichts ist leichter, als diese enttäuschten und betrogenen Menschen aufzuwiegeln.

Sollten auch die Gerüchte, die von geheimen Besprechungen reden zwischen Israel und einigen arabischen Staaten über eine Regelung der Flüchtlingsfrage, unwahr sein, so ist doch sicher, dass einige der arabischen Staaten nunmehr eher bereit sind, etwas für die endgültige Niederlassung der arabischen Flüchtlinge außerhalb Israels zu tun.

Auch in Ägypten scheint man die gegenwärtige Situation richtig einzuschätzen. Die Schifffahrt im Golf von Akaba ist vorerst unbehindert und es ist anzunehmen, dass es bei diesem Zustand bleibt, trotz der gegenteiligen Beteuerungen der arabischen Staaten, denn es ist etwas anderes, ob die Durchfahrt erst erkämpft oder verteidigt werden muss. Sogar in der Frage der israelischen Schifffahrt im Suezkanal hat Ägypten stillschweigend etwas nachgegeben, indem es von Israel gecharterte Schiffe, wenn auch nicht ohne Schikanen, den Kanal passieren lässt.

So weit die augenblickliche Situation. Die Zukunft birgt auch für Israel große Gefahren. Die USA und Russland bewaffnen heute die arabischen Staaten eher gegeneinander. Wenig aber ist so unwahrscheinlich als der Ausbruch eines ernsthaften Krieges zwischen den arabischen Staaten. Die heute gelieferten Waffen können jedoch in gar nicht so weiter Zukunft gegen Israel Verwendung finden, sodass Amerika moralisch gezwungen wäre, Israel gegen seine arabischen Nachbarn – die es heute bewaffnet – beizustehen.