Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 1198  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 18  /  2011 Heft 4

In den Niederlanden wird jedes Jahr am 4. und 5. Mai der Toten des Zweiten Weltkriegs gedacht und die Befreiung gefeiert. Zum diesjährigen Gedenken (2011) hat Frits Rijksbaron in Amsterdam eine Aktion initiiert, die an die einstigen jüdischen Bewohner (bis zur Deportation bis zu 10 % der Bevölkerung) erinnert. Die Bewohner einstmals jüdischer Häuser waren über die lokale Tageszeitung Het Parool, die 1940 als illegale Widerstandszeitung gegründet wurde, ermutigt worden, DIN-A-3-große Poster anzubringen mit der Aufschrift: „1 von den 21 662 Häusern – wo Juden wohnten, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden.“ Ebenfalls beteiligt an der Aktion war das Jüdisch-Historische Museum mit seiner Webseite www.Joodsmonument.nl. Von den jüdischen Gemeinden wurde die Initiative generell begrüßt.

In dem deutschen Vernichtungslager Sobibór im östlichen Polen kamen 250 000 Menschen zu Tode. Nach einem Bericht von Martin Krauß in der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ vom 5. Mai 2011 hat die Gedenkstätte „enorme Finanzprobleme. Mitarbeiter und Verwaltung des früheren Vernichtungslagers können nicht mehr bezahlt werden.“ Deutschland dagegen beteiligt sich finanziell nur an der Erhaltung der Gedenkstätte Auschwitz. Majdanek, Treblinka, Sobibór und alle anderen ehemaligen Vernichtungslager auf polnischem Gebiet werden von Polen finanziert. Die Verantwortlichen der Gedenkstätte Sobibór fordern daher, dass sich die Bundesregierung als Rechtsnachfolger des „Dritten Reiches“ finanziell an der Erhaltung der Gedenkstätte beteiligt. Zur gleichen Zeit (am 12.05.2011) wurde in München John Demjanjuk, der u. a. von März bis Oktober 1943 von der SS auch in Sobibór eingesetzt war, wegen Beihilfe zum Mord an 28 060 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt, der Haftbefehl aber nicht vollstreckt.

Der 10. Juli ist der Gedenktag an die Opfer des Massakers von Jedwabne, bei dem fast alle Juden des Ortes in einer Scheune bei lebendigem Leib verbrannt worden waren. Der amerikanisch-polnische Historiker Jan Thomasz Gross spricht von 1600 Opfern (vgl. Erzbischof Henryk Muszynski, „Die Nachbarn“ von Jedwabne, FrRu [10]2003,106–112). An der diesjährigen Gedenkfeier nahm mit Weihbischof Mieczyslaw Cislo zum ersten Mal offiziell auch ein Vertreter der katholischen Kirche teil. Eine offizielle Erklärung der Polnischen Bischofskonferenz war bereits am 25. August 2000 verabschiedet worden (vgl. Vergebungs- und Versöhnungsbitte der Polnischen Bischofskonferenz, FrRu 8[2001] 37–43). Staatspräsident Bronislaw Komorowski bat schriftlich – verlesen vom früheren Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki – im „Namen der Republik“ um Vergebung. Im Jahre 2001 hatte sich Präsident Aleksander Kwasniewski „als Mensch, als Staatsbürger und als Präsident“ entschuldigt (vgl. Polen: Kirche und Staat bitten um Vergebung, FrRu 8[2001] 288 f.).

Nach der Schließung des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft der Technischen Universität Dresden und der Emeritierung der Lehrstuhlinhaberin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz haben Magistranden, Doktoranden und Mitglieder des Lehrstuhls am 1. April 2011 die Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie Dresden e. V. gegründet, um die 18-jährige erfolgreiche Arbeit des Lehrstuhls fortzusetzen. Der Verein bietet religionsphilosophische Seminare und Lesekreise an und unterhält eine umfangreiche öffentlich zugängliche Fachbibliothek. Weitere Informationen unter http://www.religionsphilosophiedresden.de

Nach siebzig Jahren fand in der jüdischen Gemeinde Delmenhorst wieder eine Bar Mizwa Feier statt – die erste nach der Verfolgung und Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg. Vorbereitet auf diesen wichtigen Schritt wurden die Zwillinge David und Benjamin Trojman von Rabbinerin Alina Treiger (vgl. FrRu 18[2011] 158), der ersten Rabbinerin, die nach der Schoa in Deutschland ordiniert wurde. Die Feier der Bar Mizwa ist zugleich Verpflichtung und Verantwortung – für sich und für die Gemeinde, so Rabbinerin Treiger. „Das setzt aber den Wunsch voraus, weiter lernen zu wollen.“

Im Auftrag von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu prüft der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrates der israelischen Regierung Silvan Shalom die Möglichkeit, aus wirtschaftlichen Überlegungen den Sonntag als zusätzlichen Ruhetag in Israel einzuführen. Der Vorschlag sieht vor, dass Samstag und Sonntag offizielle Ruhetage sein sollen, während der Freitag als halber Arbeitstag gelten soll. „Wer global denkt, muss das Modell eines ‚langen Wochenendes‘ von Samstag und Sonntag einführen. Viele andere Länder auf der Welt haben dies bereits getan, etwa Indien, China, Japan und muslimische Länder wie die Türkei, Marokko, Tunesien und andere“, so Shalom. Er fügte hinzu: „Beinahe 75 % der Weltbevölkerung arbeiten nach diesem Modell, und Israel muss sich anschließen und zusammen mit der Welt arbeiten.“ (Infobrief der Botschaft des Staates Israel, Berlin, vom 05.07.2011.)

Vom 5. bis 13. Juli 2011 wurden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele ausgetragen (nicht zu verwechseln mit der Makkabiade, die ebenfalls alle vier Jahre in Israel stattfindet). Etwa 2000 jüdische Sportler aus 38 Ländern (die Angaben variieren) nahmen an den sportlichen Wettkämpfen teil. Eröffnet wurden die Spiele, nach einem Stapellauf und der Überbringung der Makkabi-Flamme aus Israel, von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer auf dem Wiener Rathausplatz. Die ersten europäischen Makkabi-Spiele fanden 1929 in Prag statt. Dr. Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, zog – „stolz und dankbar“ – eine positive Bilanz nach Beendigung der Spiele: „Herausragend war die Eröffnungsfeier, in einer perfekten Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft, symbolisch für die Gesinnung dieser Spiele. Gerade hier in Wien wollen wir Juden die Geschichte, die Schoa nicht vergessen. Aber unsere Zukunft bauen wir nicht auf den Trümmern des Holocaust, sondern auf jüdischem Selbstbewusstsein, jüdischer Tradition und unserer Verbundenheit mit der spirituellen Heimat des jüdischen Volkes, dem Staat Israel auf.“ Das Jüdische Museum Wien setzt sich aus gegebenem Anlass mit der Ausstellung Achtung! Fertig! Los!!! (6. Juli bis 28. Sept. 2011) mit dem Thema „Jüdischer Sport“ auseinander.



top