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Notizen Jahrgang 18  /  2011 Heft 2

Die Arbeitsgruppe „Die Münchner Polizei im NS-Staat“ hat sich die Aufarbeitung der Rolle der Münchner Polizei während des NS-Regimes zur Aufgabe gemacht. Wissenschaftler des NS-Dokumentationszentrums in München untersuchen gemeinsam mit Beamten des Polizeipräsidiums München die Zusammenarbeit von Polizei und Gestapo beim Bespitzeln und Verfolgen von Juden und Gegnern des NS-Regimes. Schwierig gestaltet sich die Recherche nach Zeitzeugen. Anlässlich der Gedenkveranstaltung am 9. November 2010 in München wurden erstmals Funksprüche und Fernschreiben vom 10. und 11. November 1938 von Beamten des Polizeipräsidiums München verlesen.

Mit der Ordination von Alina Treiger am 4. Nov. 2010 in der Synagoge Pestalozzistraße in Berlin-Charlottenburg ist in Deutschland erstmals wieder eine Rabbinerin ordiniert worden. Alina Treiger, 1979 in Poltawa in der Ukraine geboren, ist 2001 nach Berlin gekommen. Die letzte in Deutschland ordinierte Rabbinerin – und erste Rabbinerin weltweit – war Regina Jonas. Trotz entschiedener Vorbehalte unter den deutschen Juden hatte sich Rabbiner Dr. Max Dienemann, Geschäftsführer des Liberalen Rabbiner Verbandes, 1935 bereit erklärt, Jonas mündlich zu prüfen und nach bestandener Prüfung zu ordinieren. Regina Jonas, am 3. August 1902 in Berlin geboren, wurde am 12. Dezember 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Mit Alina Treiger wurden zwei weitere Rabbiner der Reformierten Jüdischen Gemeinde ordiniert: Konstantin Pal, 1979 in Moskau geboren, und Boris Ronis, 1975 in Czernowitz geboren. Beide sind in Berlin aufgewachsen.

Der israelische Gelehrte Rabbiner Adin Steinsalz hat – nach 45 Jahren Arbeit – die Übersetzung des Talmud ins Hebräische beendet. Der feierliche Abschluss wurde am 7. November 2010 weltweit in Synagogen, Gemeindezentren und jüdischen Institutionen als „Jüdischer Lerntag” gefeiert. Mitte November 2010 erschien der 46. Band seines Lebenswerks. Der Talmud, die wichtigste Textsammlung des nachbiblischen Judentums, ist größtenteils in aramäischer Sprache verfasst. Durch die Übersetzung von Steinsalz ist sie nun jedem Hebräisch- Sprechenden zugänglich. Von der ultraorthodoxen Seite wurde die Übersetzung kritisiert, denn das Studium des heiligen Textes müsse rabbinischen Gelehrten vorbehalten bleiben. Zusätzlich hat Steinsalz einen Kommentar zu einzelnen Sätzen, Begriffen und Konzepten sowie eine Auflistung der aus dem Text abgeleiteten jüdischen Gesetze erarbeitet. Neben seiner hebräischen Fassung hat Steinsalz Teile des Talmud auch ins Englische, Spanische, Französische und Russische übersetzt. Als nächstes Projekt will Steinsalz die Übersetzung der Mischna in Angriff nehmen.

Die israelische Regierung hat am 14. Nov. 2010 aus religiösen und humanitären Erwägungen heraus entschieden, die letzten Falashmura (zwangschristianisierte Äthiopier ursprünglich jüdischen Glaubens) aus Äthiopien nach Israel zu bringen, um in Äthiopien die Einrichtung weiterer Flüchtlingslager zu verhindern. Insgesamt warten noch 7846 Falashmura in Gonder, der Hauptstadt der Region Amhara im Nordwesten Äthiopiens, auf ihre Ausreise nach Israel. Die Anträge sollen nach drei Gruppenkriterien beurteilt werden: (1) Falashmura, die nach mütterlicher Linie jüdischer Abstammung sind und in Israel zu ihrem jüdischen Glauben zurückkehren wollen; (2) die seit 2007 registriert sind; (3) die Verwandte in Israel haben und bereits ein Gesuch gestellt haben oder es innerhalb von drei Monaten tun werden. Dem Kabinettsbeschluss zufolge werden 600 Falashmura in den nächsten Monaten in Israel eintreffen. Danach wird die Jewish Agency die Verantwortung für das Lager in Gonder übernehmen, die bislang die North American Conference on Ethiopian Jewry innehat. Im Anschluss daran werden über ein Jahr lang etwa 200 Falashmura pro Monat nach Israel gebracht werden. Nach vier Jahren soll die organisierte Einwanderung aus Äthiopien abgeschlossen sein.

Die Israelische Altertumsbehörde (IAA) wird – in Zusammenarbeit mit Google – die Schriftrollen von Qumran digitalisieren und frei im Internet zugänglich machen. Die Texte der aus 30 000 Fragmenten bestehenden 900 Schriftrollenmanuskripte (vgl. FrRu 16[2009]77) werden durch Transkriptionen, Übersetzungen und eine Bibliografie ergänzt. „Wir stellen eine bahnbrechende Verbindung zwischen dem Fortschritt und der Vergangenheit her, indem wir dieses einzigartige Erbe für zukünftige Generationen bewahren“, so Shuka Dorfman, der Direktor der IAA. „Wir sind stolz, ein Projekt zu starten, das unbegrenzten Zugang zu einem der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jh. bieten wird, der für Bibelstudien sowie die Geschichte des Judentums und frühen Christentums entscheidend ist.“

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Reinhold Robbe, hat in einer Presseerklärung vom 22. November 2010 erneut das Kairos-Palästina-Dokument „aus theologischer und politischer Sicht als inakzeptabel“ kritisiert (http:// www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/other-ecumenical-bodies/kairospalaestina-dokument.html). Das Dokument wurde im Dezember 2009 in Bethlehem verfasst und vom Weltkirchenrat (ÖRK) verbreitet. In diesem Dokument, so Robbe, werde mit „scheintheologischen Argumenten“ Stimmungsmache gegen Israel betrieben, die nicht akzeptiert werden könne. Statt im Geist des Evangeliums für Frieden, Versöhnung und Vertrauensbildung einzutreten, würden die Verfasser des Dokuments den jahrzehntelangen Terror der Hamas leugnen und den Staat Israel als alleinigen Verursacher der Probleme darzustellen versuchen. Das Dokument würde schließlich in der Forderung gipfeln, Israel wirtschaftlich zu boykottieren. „In diesem pseudochristlichen Papier wird die Bergpredigt ins Gegenteil verkehrt.“

Nach Auskunft des jüdischen Wochenmagazins „tachles“ (www.tachles.ch) ist Rabbiner Joel Kaplan, Emissär der Lubavitscher Chassidim in Thessaloniki, als neuer Oberrabbiner von Albanien eingesetzt worden. Die feierliche Einführung erfolgte am 17. Dezember 2010 in Tirana. Laut Protokoll der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 waren 200 albanische Juden zur Liquidierung vorgesehen. Insgesamt wurden etwa 600 Juden, darunter Flüchtlinge aus anderen europäischen Ländern, deportiert. Jüdische Spuren finden sich auf albanischem Boden seit dem 7. Jahrhundert (vgl. http://www.david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/73-ramaj.htm). Heute leben in Albanien etwa 150 Juden.



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