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Paul Démann NDS (dt.)

Israel in Evanston

Nachstehend bringen wir von Paul Démann NDS – ins Deutsche übertragen – den zusammenfassenden Bericht, den unser französisches Schwesterorgan, die ,Cahiers Sioniens’, über die Welt-kirchenkonferenz von Evanston gegeben hat, soweit auf derselben die christlich-jüdische Problematik eine Rolle spielte (CS IX, 1, 1955, S. 59 ff.). Die Anmerkungen des französischen Berichtes sind nur zum Teil übernommen, in anderen Fällen durch eigene (als solche gekennzeichnete) ersetzt, besonders wo auf deutschsprachige Publikationen statt der im Original zitierten französischen hinzuweisen war.

(Nachträgliche Anm. der Red.: Der Beitrag - mit seiner Diskussion über die die Missionspflicht der Kirche gegenüber dem Judentum - ist ein Beispiel des mühsamen Wegs in der Frage der christlichen Haltung gegenüber den Juden und der Abkehr von der Judenmission.)

Die zweite Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen hat zwischen dem 15. und dem 31. August 1954 in Evanston (Illinois) stattgefunden. Sie vereinte 1298 Teilnehmer, davon 502 Delegierte, die 132 Gliedkirchen aus 42 Ländern vertraten. Die katholische Kirche hat, wie bekannt ist, entgegen ihrem Verhalten gegenüber der Konferenz für Glaube und Verfassung in Lund 1952 nach Evanston keine Beobachter entsandt. Immerhin gab es einige katholische Persönlichkeiten, die privatim den Beratungen der Versammlung gefolgt sind und in allen mit dem Problem der Einheit befassten katholischen Kreisen hat man lebhaftes Interesse für diese wichtige Tagung bekundet. Hier sollen Ablauf und Arbeiten der Versammlung nun nicht im allgemeinen unsere Aufmerksamkeit fesseln, worüber zahlreiche Publikationen unterrichten.1 Wir werden uns vielmehr nur mit dem befassen, was auf Israel Bezug hat und somit unsere Zeitschrift unmittelbar angeht. Dies findet sich weniger in den von der Versammlung angenommenen Resolutionen als in den Vorarbeiten, den Diskussionen und den späteren von der Konferenz herausgeforderten Stellungnahmen.

Man muss hier daran erinnern, dass 1948 in Amsterdam die erste Versammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen einen wichtigen Text mit Bezug auf die Juden angenommen hatte.2 Echt christlichen Geistes betrachtete dieser Text allerdings Israel ausschließlich unter missionarischem Gesichtspunkt, ohne um seine Einordnung in eine ökumenische Perspektive bemüht zu sein.3 Zugleich empfahl es aber den Gliedkirchen, jede Form von Antisemitismus energisch zu entlarven und zu bekämpfen und die brüderlichen Beziehungen der Gläubigen mit ihren jüdischen Nächsten zu ermutigen. Dem Ökumenischen Rat selbst wurde nahegelegt, „er wolle sorgfältig darüber nachdenken, wie er seine Mitgliedskirchen im Blick auf die Durchführung dieser Seite ihres Missionsauftrags am besten mobil machen und unterstützen kann“.

Diese Empfehlungen der Amsterdamer Konferenz haben ein beachtenswertes Echo ausgelöst. Das Sammelwerk ,The Church and the Jewish People’ (Edinburgh House Press, London 1954), das von Pastor Göte Hedenquist herausgegeben wurde, entsprach diesen Empfehlungen und sollte im Sinne seiner Mitarbeiter eine Vorarbeit für die Versammlung von Evanston darstellen.

Die Frage der christlichen Haltung gegenüber den Juden ist im Laufe der vorbereitenden Arbeiten für Evanston mehrfach aufgeworfen worden. So hat man insbesondere die Möglichkeit erwogen, Israel einen Platz in dem Bericht über die Evangelisation (Sektion II) einzuräumen, aber der allzu weite Rahmen dieses Berichts erlaubte dann doch nicht, hier die Frage der kirchlichen Sendung gegenüber den Juden aufzuwerten. Der Antisemitismus hinwiederum konnte natürlich in Sektion V (Gemeinschaftsprobleme, Gruppenbeziehungen) behandelt werden. Aber das "International Committee on the Christian Approach to the Jews" widersetzte sich nachdrücklich allem, was die Juden irgendeiner rassischen Gruppe anzugleichen verführen könnte und damit den einzigartigen Charakter Israels zu verkennen, die Missionspflicht der Kirche ihm gegenüber zu verhüllen. Die Sektion V der Versammlung hat daher vermieden, die Frage des Antisemitismus zu behandeln, hat aber Wert darauf gelegt, die Gründe für diesen Verzicht zu präzisieren:

„Obwohl die Fragen des christlichen Verhaltens den Juden und dem Antisemitismus gegenüber gewisse Probleme im Bereich der rassischen und völkischen Spannungen aufwerfen, hatte die Sektion (V) ihrer Arbeitsabgrenzung nach sich nicht mit ihnen zu befassen. Dennoch wiederholt sie, dass antisemitisches Vorurteil mit dem christlichen Glauben unvereinbar ist, und sie empfiehlt dem Zentralausschuss, dass der Antisemitismus in Zusammenarbeit mit dem International Committee on the Christian Approach to the Jews ernsthaft untersucht werde.“

Andererseits gab es offenkundige Gründe dafür, die auf Israel bezogene christliche Hoffnung in das Ganze eines Berichts über das Zentralthema der Konferenz: ‚Christliche Hoffnung’ einzubeziehen. Umso mehr als der Bericht darüber das Zentralthema beratenden Kommission mehrere Stellen enthielt, die dazu herausforderten. Dem entsprach denn auch ganz naturgemäß das Empfinden, das die vorbereitende Konferenz zum Ausdruck brachte, die kurz vor der von Evanston vom 8. bis 11. August 1954 in Lake Geneva (Wisconsin) vom nordamerikanischen Committee on the Christian Approach to the Jews unter Teilnahme von führenden Persönlichkeiten des Internationalen Committee versammelt worden war. Ihre Resolutionen sind der Konferenz von Evanston vorgelegt worden. Der Text hat unter den mit der Diskussion des Zentralthemas betrauten Gruppen zirkuliert und dem Gespräch über Israel eine nützliche Ausgangsbasis geboten.

Aus dem Anfangspassus dieser Resolutionen heben wir die folgenden Sätze hervor:

„Die christliche Hoffnung kann nur voll verstanden werden in ihrer Bezogenheit auf die Hoffnung Israels, die nicht allein auf die Offenbarung des Alten Testaments gegründet ist, sondern auch auf die ständige Führung Gottes für das jüdische Volk. Der Fortbestand der Synagoge nach zweitausend Jahren Christentum und das Fortdauern des Zeugnisses, das die Juden für den Gott Abrahams ablegen, ist eine Herausforderung für die Kirche. Sie darf keine Ruhe finden, solange das Königtum Christi von denen, die dem Fleische nach sein Volk sind, noch nicht anerkannt worden sein wird.“4

Dass aber im Bericht der beratenden Kommission jede direkte Erwähnung der christlichen Hoffnung mit Bezug auf Israel fehlte, scheint von vielen schon vor der Konferenz als arge Lücke empfunden worden zu sein und hat zu verschiedenen Vorschlägen geführt, sie auszufüllen. Der wichtigste derartige Text war ohne jeden Zweifel der vom Seminar für Systematische Theologie an der Universität Basel unter der Leitung von Karl Barth ausgearbeitete und vorgelegte. Auch dieser Text zirkulierte unter den Delegierten in Evanston und hat nicht nur die Diskussion befruchtet, sondern scheint auch als Grundlage für die Redaktion der Wendungen gedient zu haben, die vom Koordinationskomitee unter Bischof Liljes Vorsitz für den Bericht über das Hauptthema vorgeschlagen, aber zuletzt von der Vollversammlung abgelehnt worden sind.5

Barths Text über ,Die Hoffnung Israels’ besteht aus sechs Absätzen. Die ersten drei bestimmen Israel als das Volk der Hoffnung. Die messianische Hoffnung auf das Königtum Gottes, gegründet auf Gottes eigene Verheißung, ist geradezu die Wesensgrundlage Israels. Sie gibt erst Israels ganzer Geschichte ihre Einheit und ihren Sinn, und sie stellt auch den Schlüssel für die Bewahrung Israels dar: Solange sie nicht vollinhaltlich erfüllt ist, kann Israel nicht verschwinden. Dazu wird im dritten Absatz noch versichert, dass die zionistische Bewegung und der Staat Israel trotz ihrem rein politischen Entstehen als Zeichen des Fortlebens dieser Hoffnung auch in der Gegenwart gelten müssen.

Barths vierter Absatz stellt dieser Erwartung Israels die Botschaft der Kirche gegenüber: Dieser euer Messias ist schon gekommen, und mit ihm sind die Versöhnung und der Friede und das Reich Gottes angebrochen, aber in einer für das Auge der Welt noch nicht wahrnehmbaren Weise, um dann vollendet und offenkundig zu werden am Jüngsten Tage, wie wir ihn mit der Gewissheit unserer Hoffnung erwarten. – Diese Ankündigung der Parusie Christi ist nun freilich von allzu wohlbekannten, übermäßig vereinfachten Versicherungen begleitet, die man doch besonders in einem so theologisch und ökumenisch gedachten Dokument wiederzufinden besonders bedauern wird. Der berühmte Basler Theologe und seine Schüler zögern nicht, dem gesamten jüdischen Volke unter Einschluss der heutigen Juden, an die man sich wendet, vorzuwerfen, den Messias verworfen, den Heiden ausgeliefert und gekreuzigt zu haben.

Der fünfte Absatz betrifft die Verwerfung Israels, den Übergang der Verheißung auf die Kirche, die Treue Gottes, die Bewahrung Israels und die Fortdauer seines Erwähltseins, das Interesse, das die Kirche an Israel nehmen muss, um ihrer Hoffnung gemäß zu leben, sowie das Versagen der Christenheit in dieser Hinsicht. Der letzte (6.) Absatz zeigt, dass die christliche Hoffnung nicht erfüllt werden kann ohne die Umkehr des auserwählten Volkes zu Christus und unterstreicht die daraus für die Kirche erwachsende Pflicht, Israel ihre Hoffnung zu verkündigen und durch ihre ganze Existenz dafür zu zeugen. Aber er versichert zugleich, dass das Eingehen des (Alten) Gottesvolkes in die Kirche allein das Werk Christi selber sein wird. Der Text endet mit dem Satze: „Das Problem der Einheit der Kirche mit Israel ist das erste Problem der ökumenischen Einigung.“

Aufgrund dieser verschiedenen vorbereitenden Arbeiten sind ein paar kurze, und offen gestanden recht schüchterne Sätze über den Ort Israels in der christlichen Hoffnung in den Entwurf des Berichts über das Hauptthema der Konferenz eingefügt worden. Nach scharfer Diskussion wurden diese Sätze durch Mehr-heitsbeschluss ausgeschieden. Um von den Voraussetzungen, unter denen dieser Entscheid fiel, einen Eindruck zu vermitteln, können wir kaum etwas Besseres tun, als die wichtigsten Partien des Berichts eines Augenzeugen zu übersetzen (samt seinen Erläuterungen), welcher zugleich ein wirklicher Kenner des Problems ist, Rev. Robert Smith6:

„Die Erfahrung von Evanston zeigt, dass die Kirchen nicht zögern dürfen, die Frage um Israel auf ihre Tagesordnung zu setzen. Im Laufe der drei Sitzungen, welche die Vollversammlung der Diskussion des Hauptthemas gewidmet hat, hat diese Frage viel Zeit in Anspruch genommen und heftige Leidenschaften erregt. Im Verfolg eines Auseinandergehens der Meinungen, das zu den bezeichnendsten gehörte, die überhaupt im Laufe der Konferenz zutage traten, ist mit einer Mehrheit von 195 gegen 150 Stimmen entschieden worden, das jede Anspielung auf Israel in dem Bericht dahinfallen sollte. Die Leser der Berichte von Evanston werden darin nichts finden, was dem Amsterdamer Bericht entspräche, soweit derselbe vom 'International Committee on the Christian Approach to the Jews' vorgelegt und den Kirchen zum Zwecke ernsthafter Erwägung und entsprechender Aktion von der Vollversammlung empfohlen worden war.

Auf den ersten Blick könnte es also erscheinen, als wäre seit Amsterdam keinerlei Fortschritt gemacht oder das Problem von den Kirchen nicht ernstgenommen worden. Aber andererseits verfügte man in Evanston über einen wirklichen Testfall zur Enthüllung der Reaktionen der Versammlung gegenüber diesem Problem, was in Amsterdam noch nicht der Fall gewesen war. Dieser Testfall hat gezeigt, dass Israel einen der neuralgischen Punkte des ökumenischen Lebens darstellt. Alle Teilnehmer empfanden hier eine Spannung, und obwohl die Debatten der Versammlung nicht erlaubt haben, das theologische Problem wirklich zu klären, und die Weglassung der umstrittenen Wendungen ein Unbehagen und Verwirrung hinterließ, so fand sich doch die Wichtigkeit der Frage Israels durch diese Diskussionen viel stärker ins Licht gerückt, als sie es durch eine diskussionslos unverändert angenommene Erklärung gewesen wäre. Die 150 Stimmen zugunsten der auf Israel bezüglichen Wendungen und die Festigkeit der Überzeugungen gewisser Mitglieder der Minderheit zeigen den seit Amsterdam erzielten Fortschritt. Wie der holländische Delegierte H. Berkhof unterstrichen hat, der einer der Vorkämpfer im Wortstreit war, ist die Frage Israels nicht mehr die Sache einiger Spezialisten, sondern das ernste Anliegen einer wichtigen Minderheit  unter  den  verantwortlichen Männern der Kirche ...

Mehrere Gruppen haben das Vorhaben unterstützt, das im Bericht der christlichen Hoffnung mit Bezug auf Israel einen Platz einzuräumen bestrebt war, obwohl von Anfang an klar war, dass mit dem Widerstand der Delegationen aus dem Nahen und Mittleren Osten zu rechnen war. Nichts aber ließ die Heftigkeit des Ringens vorausahnen, das entstehen sollte, als Bischof Lilje von Hannover die Diskussion über das Hauptthema mit einer Rede eröffnete, welche die von den einzelnen Arbeitsgruppen aus vorgebrachten Einwände zum Berichtsentwurf der beratenden Kommission resümierte. Der einzige Satz, der sich in Liljes Rede auf Israel bezog, schien kaum politische Leidenschaften entfesseln zu sollen: 'Als besonders wichtiger einzelner Punkt, der in einer Darlegung der christlichen Hoffnung nicht fehlen darf, wurde das Problem Israels angesehen. Die biblischen Aussagen über den Zusammenhang des Schicksals Israels mit der Vollendung der christlichen Hoffnung dürfen nicht unterschlagen werden.'

Als der erste Entwurf für die Resolutionen der Vollversammlung vorgelegt wurde, bemerkten wir darin zwei kurze Abschnitte, die aus dem Zusammenhang fielen, in den sie eher ungeschickt eingeschoben worden waren, und genauere biblische Formulierungen einer missionarischen Sicht Israels sein sollten. Der erste dieser Sätze, der so wilden Kampf heraufbeschwor, war so saft- und kraftlos, dass es wirklichschwer ist zu begreifen, dass er irgendwem anstößig sein konnte. Er verlangte 'eine Erklärung über die Lehre des Neuen Testaments, welche die letzte Erfüllung von Gottes Verheißung für das Alte Volk Israel betrifft, und die besondere Verpflichtung, die daraus für die Kirche erwächst, den Juden die auf Christus gegründete Hoffnung zu verkündigen'. Im Lauf der Debatte am ersten Tage wurde dieser Passus durch die orthodoxen Delegierten bekämpft, aber eine Sondierung ergab eine Mehrheit für seine Aufrechterhaltung. Aber in der Zeit zwischen den beiden Sitzungen sammelte die Opposition ihre Kräfte.

Unter den eingereichten Beschlussanträgen befand sich einer, der im Namen der Delegierten des orthodoxen Patriarchats von Antiochia, der koptischen Kirche Ägyptens und der Evangelischen Kirchen Syriens und des Libanon vorgelegt worden war. Bischof Dunn von der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten legte einen Antrag vor, wonach der zweite Teil des oben zitierten Satzes zu streichen sei, welchen schon Charles Taft seinerseits als für seine jüdischen Freunde anstößig mit Nachdruck kritisiert hatte. So kam es zu der paradoxen Situation, dass der Missionsgesichtspunkt gleichzeitig von zwei Seiten bekämpft wurde: von den nationalen Gruppen des Nahen und Mittleren Orients aus Angst vor dem Zionismus und von den philosemitischen Gruppen aus der Sorge darum, die jüdische Empfindlichkeit nicht zu verletzen. Diese beiden Faktoren, und nicht theologi-sche Lehrmeinungsdifferenzen, erklären in letzter Linie das Schweigen der Versammlung über die christliche Hoffnung in Bezug auf Israel.“7 

Es ist dabei bezeichnend, dass die nachdrücklichste Unterstützung des Missionsgesichtspunktes von den Kirchen des Kontinents herkam, welche die Erfahrung der Hitler-Verfolgung gemacht hatten, der holländischen, der schweizerischen, der deutschen, der französischen Delegation und denen aus Ost-Mittel-Europa. Der niederländische Pastor Berkhof hat berichtet, wie es zu dieser scharfen Scheidung der Geister kam:

Man hörte mit einem gewissen Staunen den leidenschaftlichen Appell an, den Dr. Audeh, Beirut, der Versammlung vortrug, indem er sie beschwor, nicht für Israel Partei zu ergreifen und so womöglich die Schwierigkeiten zu verschärfen, die den Christen des Nahen Orients begegnen, und indem er ein Telegramm verlas, das sehr energisch formuliert war und von Dr. Charles Malik stammte, dem Vertreter der Libanon-Republik bei den Vereinigten Nationen, an jenem Tage abwesender Berater der Versammlung, dessen Name ganz zweifellos viele Mitglieder stark beeindruckt hat. Es lautete:

„Bitte verlesen Sie diese Stellungnahme in meiner Vertretung vor der Vollversammlung heute Nachmittag. Ich möchte mich der Stellungnahme der christlichen Kirchen in der arabischen Welt anschließen. Alle Versprechen, die dem alten Israel gegeben worden sind, wurden in Jesus Christus erfüllt. Es gibt keinerlei Grund zu sagen, dass die paulinische Lehre über die Juden in sich schließt ein weltliches Reich für die Juden am Ende der Zeiten. Der Aufstieg oder der Untergang eines solchen Reiches nach Jesus Christus ist ein Geschehen allein in der politischen Geschichte und unterliegt den Gesetzen solcher Geschichte und hat weder mit Eschatologie noch mit christlicher Theologie etwas zutun.

Sicherlich enthält die Bibel ein tiefes Verlangen nach der Rückkehr der Juden in aller Welt zum Kreuz und danach, dass sie Jesus Christus als den Messias anerkennen. Aber aus diesem echten Verlangen kann keinerlei politische Schlussfolgerung hinsichtlich des Staates Israel oder hinsichtlich der Rückkehr der Juden nach Palästina gezogen werden. Es scheint theologisch ganz klar zu sein, dass, wenn das Kreuz alles erfüllt hat, und wenn deshalb die Kirche allein nun der Träger des Bundes ist, jede weitere politische Erwartung für die Juden bedeuten würde, dass es etwas gibt, was nicht schon völlig und endgültig in Jesus Christus erfüllt wurde. Ich lehne deshalb jede Schlussfolgerung aus jedem etwa kommenden Beschluss ab, die besagen würde, dass irgendein politisches Ereignis, das die Juden betrifft, in der Bibel oder in der Hoffnung der Christen begründet sei.“

Für den Fortgang der Ereignisse folgen wir dem Bericht von Rev. Smith:

„Jenem Appell folgte der ruhigere und diplomatischere von Dr. Atiya aus Kairo. Es gab Beifall vonseiten nicht weniger Amerikaner und anderer, und die Zögernden dürften das Empfinden gehabt haben, es handle sich um eine Streitfrage, die man Friedens halber lieber aus dem Spiele lassen sollte. Es gab da keine Möglichkeit, die theologische Frage klarzulegen, die von den so heftig vorgetragenen Meinungen verdunkelt worden war.

Die kontinentaleuropäischen Delegierten erschienen wie versteinert. Dieser politische Gesichtspunkt war ihnen völlig fremd, und sie waren verwirrt durch das, was ihnen als eine neue Form von Antisemitismus erschien. Besonders gelähmt wurden sie durch die anti-israelische Stellungnahme des Dr. Stewart, anglikanischen Bischofs von Jerusalem, den doch seine Funktion selbst zum Vorkämpfer der Sache Israels hätte machen sollen.8 Schließlich konnte man Pfarrer Berkhof bewegen, das Wort zu ergreifen, und er entwickelte kurz, dass es hier nicht um eine politische Frage gehe und dass die betreffenden Wendungen nur den Grundgedanken von Röm 9–11 zusammenfassten, dass nämlich Gott Seinem Bund mit Israel dessen Sünden zum Trotz die Treue hält.

Die Abstimmung erfolgte in einer überreizten Atmosphäre, und man musste dreimal die Stimmen zählen. Ohne jeden Zweifel haben viele mit der Mehrheit nicht darum gestimmt, weil sie sich gegen die biblische Sicht Israels gestellt hätten und gegen das Prinzip einer Evangelisation der Juden, sondern weil sie in der Sache nicht klar sahen und sich nicht Rechenschaft von dem gaben, was auf dem Spiel stand. Es ist offenkundig, dass eine ernsthaftere Anstrengung im Erforschen dieser Fragen und in der daraus hervorgehenden Erziehung in vielen Kirchen notwendig wäre.9

Das Abstimmungsergebnis konnte niemanden voll befriedigen. Es ist immerhin bis zu einem gewissen Grade durch zwei spätere Gesten der Versammlung gutgemacht worden. Nach Prüfung durch das Direktionskomitee hat der Vorstand vorgeschlagen, dass angesichts der scharfen Gegensätze, welche in der Versammlung zutage getreten seien, das Zentralkomitee fortfahren möge, die Frage zu studieren. Der anglikanische Bischof von Jerusalem hat sich sogar diesem Vorschlag widersetzt, er wurde aber mit großer Mehrheit angenommen. Sodann las man eine Erklärung vor, die aus den Reihen der Minderheit stammte, von einer Gruppe kontinentaleuropäischer Delegierter vorbereitet und von einer ansehnlichen Zahl repräsentativer Persönlichkeiten unterzeichnet worden ist ...

Diese Erklärung wird als Ausgangsbasis für die Studien dienen, welche in den nächsten Monaten unternommen werden sollen, und es steht zu hoffen, dass sie von den interessierten Kirchen- und Missionskreisen entgegengenommen und debattiert werden wird.

Eine in Evanston vom Pressedienst der Versammlung verteilte Notiz präsentierte den Text dieser Erklärung mit einigen begleitenden Worten, wonach dessen Initianten die Frage nicht nochmals vor der Versammlung aufrollen wollten. Bis zum Augenblick der öffentlichen Verlesung in der Samstagsnacht habe sie die Unterschrift von 22 Delegierten erhalten. Seitdem hätten weitere ihre Absicht bekundet, das Dokument zu unterzeichnen.“ Es lautet folgendermaßen:

Zweite Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen
28. August 1954
Erklärung über die Hoffnung Israels

Angesichts der Entscheidung, die die Versammlung am Freitag getroffen hat, in der Erklärung zum Hauptthema eine Bezugnahme auf die Hoffnung für Israel zu unterlassen, fühlen wir uns zu einer Darlegung unserer Überzeugung verpflichtet. Wir hoffen, dadurch zu einem besseren Einverständnis mit jenen beizutragen, zu denen wir uns im Gegensatz befanden.

Unser Anliegen in dieser Sache ist rein biblisch und darf nicht mit irgendeiner politischen Stellungnahme dem Staate Israel gegenüber vermengt werden.

Wir glauben, dass Jesus Christus der Heiland der ganzen Menschheit ist. In Ihm ist weder Jude noch Grieche; aber wir glauben auch, dass Gott Israel erwählt hat, um Seinen Heilsplan auszuführen. Jesus Christus ist als Mensch ein Jude. Die Kirche Jesu Christi ist erbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, die alle Juden waren. Ein Glied der Kirche Christi zu sein bedeutet daher, mit den Juden zusammengeschlossen zu sein in unserer einen unteilbaren Hoffnung auf Jesus Christus. Jesus, der Messias Israels, wurde angenommen von den Heiden, aber verworfen von Seinem eigenen Volke. Gott jedoch ist so gnädig und mächtig, dass Er Selbst durch die Kreuzigung Seines Sohnes die Rettung der Heiden be-wirkte (Röm 11,11). Ob wir uns daran ärgern oder nicht: Wir sind eingepfropft in den alten Baum Israel, so dass das Volk des Neuen Bundes und des Alten Bundes nicht voneinander loskommen.

Das Neue Testament spricht aber auch von der „Fülle Israels“, wenn Gott Seine Herrlichkeit offenbaren wird und Seinen „ältesten Sohn“ in die eine Hürde Seiner Gnade zu-rückbringen wird (Röm 11,12–36; Mt 23,39). Dieser Glaube ist ein unaufgebbarer Bestandteil unserer einen Hoffnung für Juden und Heiden in Jesus Christus. Unsere Hoffnung auf den kommenden Sieg Christi schließt in Christus unsere Hoffnung für Israel und den Sieg über die Blindheit Seines eigenen Volkes ein.

Jesus Christus erwarten, heißt die Bekehrung des jüdischen Volkes erwarten, und Ihn lieben, heißt das Volk der Verheißung Gottes lieben.

Eingedenk der mannigfachen und schweren Schuld der Christenheit, durch die Geschichte der Kirche, gegenüber den Juden sind wir gewiss: „Die Kirche kann nicht ruhig sein, bis das Königtum Christi auch von Seinem Volke nach dem Fleisch anerkannt ist“ (aus den Beschlüssen der Vor-Evanston-Konferenz des amerikanischen Komitees für die christliche Annäherung an die Juden, Genf, USA, 8.–11.8.1954).

Wir können weder in Christus eins sein, noch können wir die Verheißung Gottes glauben und verkündigen, wenn wir sie nicht auch über dem Volke der Verheißung, die Abraham gegeben wurde, in Kraft sein lassen.

Darum bitten wir alle, mit uns den Gott zu preisen und zu verherrlichen, der alle beschlossen hat unten den Unglauben, damit Er Sich aller erbarme (Röm 11,32).

Gezeichnet: H. Berkhoff (Holland), M. Boegner (Frankreich), A. Koechlin (Schweiz), P. Maury (Frankreich), T. F. Torrance (Schottland), H. Vogel (Deutschland), J. Sittler (Vereinigte Staaten), O. S. Tomkins (England), J. Smemo (Nor-wegen), E. Schlinck (Deutschland), H. L. Yochum (Vereinigte Staaten), N. A. Winter (Vereinigte Staaten), H. d’Espine (Schweiz), R. S. Louden (Schottland), H. T. Schluh (Vereinigte Staaten), A. E. Haefner (Vereinigte Staaten), J. Hromadka (Tschechoslowakei), D. G. May (Österreich), J. P. van Heest (Holland), D. M. Niemöller (Deutschland), A. H. Ewald (Vereinigte Staaten), L. Pap (Ungarn), S. B. Coles (Kanada), G. Stratenwerth (Deutschland)

Aus dem Konferenz-Echo des evangelischen Schrifttums, soweit es in den ,Cahiers Sioniens’ wiedergegeben ist, zitieren wir im folgenden einen etwas verkürzten Auszug:

Die „Ecumenical Review“ schreibt in ihrem Sonderheft über Israel zu den Diskussionen von Evanston: [...] man konnte auf einige scharfe Diskussionen gefasst sein, wovon manche selbst über den Konferenz-schluss hinaus fortdauern würden. Aber man kann sich fragen, ob irgendjemand vorausgesehen hat, dass die leidenschaftlichste Diskussion und die, welche den schwersten Konflikt hervorgerufen hat, jene über die Haltung der Kirche zu Israel und ihrer Beziehungen zu ihm sein würde.

Man mag das durch die Tatsache erklären wollen, dass es unmöglich war, dieser Diskussion die erforderliche Zeit zu widmen, und dass daher die verschiedenen Gesichtspunkte nicht ausreichend vor der Versammlung entwickelt werden konnten. Aber diese Erklärung genügt nicht. Viele andere Probleme, über die es Meinungsverschiedenheiten gab, haben auf dieselbe Weise behandelt werden müssen. Und doch hat einzig die Frage der besonderen Bedeutung des jüdischen Volkes einen so ungewöhnlichen Platz in den Diskussionen beansprucht, die auf die Konferenz von Evanston gefolgt sind.

Dies zeigt, dass, was auch immer unsere Ansicht über die wahrhaft christliche Haltung gegenüber Israel sein mag, wir anerkennen müssen, dass die Frage von grundlegender Wichtigkeit für unsere Kirchen und für die ökumenische Bewegung ist, und dass es höchste Zeit sein dürfte, an das gründliche Studium heranzugehen, das sie verdient.10

„News Sheet“, das Organ des Committee on the Christian Approach to the Jews, schreibt: [...] Die Versammlung hatte schließlich eine Entschließung zu billigen, die das Zentralkomitee beauftragte, die Beziehungen zwischen Kirche und Juden weiterhin zu studieren. Aber hinter dieser Entschließung steht einer der schärfsten Konflikte von Evanston und eine Kontroverse, welche die Frage für viele Delegierten verfälscht hat. Die Unterdrückung der Sätze über Israel im Bericht war ein irriger Kompromiss, der in jüdischen Kreisen wie auch sonst missverstanden zu werden drohte, sofern die christliche Einstellung nicht zutreffend dargelegt wurde [...]

Es gibt noch viel Ahnungslosigkeit und Gleichgültigkeit in dieser Sache unter den verantwortlichen Kirchenführern, und die Verwirrung der Geister hat die Notwendigkeit eines gründlicheren Studiums der theologischen Grundlagen unserer Arbeit, besonders in Amerika und in England, hervortreten lassen. Aber gleichzeitig hat man sich zum ersten Mal einem wirklichen, nicht auf die Missionskreise beschränkten, allgemei-nen Interessiertsein gegenüber befunden. Die Debatte hat gezeigt, dass die Judenfrage nicht länger als zweitrangiges Problem behandelt werden kann, sondern als grundlegende theologische Frage betrachtet werden muss. Unter diesem Gesichtspunkt war es nicht unnütz, dass die Frage kraftvoll und entschieden gestellt wurde. Es ist dabei auch offenbar geworden, dass wir uns hier vor einem Fall des Konflikts zwischen orthodoxen und protestantischen Kirchen befinden und wir (Protestanten) Kontakt mit dem Gesichtspunkt der arabischen Christen suchen müssen. Nachdem nun Israel inmitten der arabischen Welt lebt, ist es unsere Pflicht, an der Versöhnung zwischen Juden und Arabern zu arbeiten.11

Die Quartalschrift „Judaica“ bedauert bei der Wiedergabe der Minderheitserklärung, dass die Versammlung von Evanston aufgrund der politischen Lage versäumt habe, den Ort der Juden in der christlichen Hoffnung als solcher zu bestimmen, wie es sich vom Neuen Testament her aufdrängte, und beurteilt die Entscheidung als opportunistisch.12

Eine noch sehr viel strengere Beurteilung aus der Feder des reformierten Theologen Hendrik van Oyen findet sich im Organ der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft der Schweiz.13 Der Basler Professor betrachtet die Weltklugheit, die Diplomatie, wie sie die Vollversammlung von Evanston erwies, als bezeichnendes Versagen, als ernsten Abfall, und alles, was in dieser Hinsicht in Evanston geschah, als ein trauriges Blatt der religiösen Zeitgeschichte, das ihn mit Scham erfüllt. Er kritisiert auch die Geistesenge und die theologischen Mängel des ausschließlich missionarischen Gesichtspunktes, der die Min-derheitserklärung beherrscht [...]

Welche Lehre können wir Katholiken nun für uns selbst aus den Ereignissen von Evanston ziehen? Aus verschiedenen Gründen sind wir vielleicht weniger von einer Vermengung theologischer und politischer Gesichtspunkte versucht, wie sie die Beobachter in Evanston feststellten. Andererseits ist die Versuchung zum Opportunismus für uns kaum geringer als für die getrennten Brüder.

Die in Evanston seitens der Repräsentation der arabischen nicht-katholischen Christenheiten vorgebrachten Gründe sind allen arabischen Christen gemein. Wer ihre schwierige Lage kennt, wird sich übrigens hüten, die Haltung ihrer Sprecher zu hart zu beurteilen. Wenn diese Haltung und die Argumentation, in der sie sich ausdrückt, kaum riskiert, das katholische theologische Denken über Israel und seine Beziehungen zur Kirche zu verbiegen, so zeigt doch die Erfahrung seit 1948, dass diese Argumen-tation mit beträchtlichem Gewicht auf den politischen Einstellungen gegenüber dem Staate Israel und dem ganzen Palästinaproblem lastet, in der katholischen mehr noch als in der nicht-katholischen Welt und besonders der protestantischen. In dieser Hinsicht haben die Diskussionen, welche in und um Evanston stattfanden, auch uns nützliche Lehren zu erteilen.

Aber vor allem müssen wir aufmerksam die weit wesentlicheren Orientierungen zur Kenntnis nehmen, welche in Evanston zutage getreten sind. Ohne Zweifel hat die Konferenz von Evanston für die nichtkatholische Christenheit eine wichtige Station auf dem Wege markiert, auf dem sie zu immer klarerem Bewusstsein der zentralen Wichtigkeit des Problems der Beziehungen zwischen Kirche und Israel, der Notwendigkeit theologischer Ergründung dieses Problems, endlich seines wesenhaft ökumenischen Charakters voranschreitet.

Da dieser Fortschritt in allen Punkten dem parallel geht, der sich auch in der katholischen Welt abzeichnet, können wir uns über die Bestrebungen, die sich in den Diskussionen um Evanston abzeich-nen, nur freuen und darin einen Ansporn finden für unser eigenes Bemühen. P. D.


VIII. Folge 1955/1956, Nr. 29/32, November 1955, S. 25–30
  1. Einen knappen Überblick über Verlauf und Entschließungen der Konferenz bot H. Kloppenburg in ‚Junge Kirche’ 17/19 vom 25.09.1954, S. 401–479. Vollständig wiedergegeben sind Berichte und Reden auf der Konferenz in: Evanston-Dokumente, hg. von Dr. F. Lüpsen, Luther-Verlag Witten-Ruhr, 1954, 358 Seiten (Anm. d. Übers.).
  2. Wiedergegeben in Rundbrief 2/3, S. 28–32 nach dem Amtsblatt der EKiD, Jg. 1948, 10 vom 15.10.1948 (Anm. d. Übers.).
  3. Ganz allgemein scheinen viele protestantische Theologen eine wirkliche Schwierigkeit darin zu finden, wenn Israel in die Perspektive der Einheit der Kirche, des Gottesvolks, gerückt werden soll. Man bemerkt immerhin eine Anstrengung in diesem Sinne in verschiedenen kürzlich entstandenen Dokumenten wie dem für Evanston unter Karl Barths Leitung ausgearbeiteten Text, von dem unten die Rede sein wird, und in dem Sonderheft, welches das Organ des ökumenischen Rats, "The Ecumenical Review" (VII, 3, 1955), soeben Israel gewidmet hat. Diese Nummer enthält u. a. einen Artikel von F. Ernest Johnson, "The Jewish Question as an Ecumenical Problem" (S. 225–231), sowie auch einen bemerkenswerten Beitrag von Jacqueline Plantie, "The Rediscovery of Israel in Contemporary Catholicism"(S. 238–242), und einen von F. Lovsky, "The Christian Hope and the Mystery of Israel" (S. 243–249).
  4. In den Findings of the Pre-Evanston-Conference on the Christian Approach to the Jews in der Vierteljahrsschrift News Sheet XXIV, 3 (Nov. 1954), S. 4.
  5. Außer den von verschiedenen Gruppen protestantischer Theologen für Evanston erarbeiteten Texten sind die ‚Thesen für Evanston’ zu erwähnen, die katholischerseits von Prof. Karl Thieme vorgelegt wurden und unter dem Titel „Die Hoffnung der Welt: Gottes Erlöserwirken in der Einheit mit Seinem Gesalbten“ im ‚Freiburger Rundbrief’ Nr. 25/28, S. 26–28, Sept. 1954 zu finden sind und in französischer Übersetzung in ‚Istina’, 1954,  2, S. 159–163.
  6. Robert Smith, Israel at Evanston, in: News Sheet. Supplied by The International Missionary Council’s Committee on the Christian Approach to the Jews, vol. XXV, Nr. 1 (April 1955), Seite 11 ff. Der Verfasser ist ein führendes Mitglied des International Committee on the Christian Approach to the Jews und Redakteur ihrer Vierteljahreszeitschrift News Sheet. – Gleicherweise ist der Bericht heranzuziehen, den H. Berkhof, einer der Wortführer der Konferenzminderheit in der Debatte, im Novemberheft von ‚Kerk en Israel’ 1954 gegeben hat.
  7. Wir möchten vielmehr sagen: Gerade weil die Theologen aus dem Kreise des "International Committee on the Christian Approach to the Jews" allzu starr an ihrer gewohnten Juden-Missions-Theologie festgehalten hatten, statt die von den verschiedensten, auch protestantischen, Seiten längst vorgeschlagene Revision derselben in der Richtung auf die Anerkennung der ökumenischen Gesprächssituation zwischen Kirche(n) und Synagoge voranzutreiben, geriet ihr Anliegen in einen Engpass, als ihnen der mitmenschliche Takt amerikanischer Konferenzteilnehmer die Gefolgschaft verweigerte, sodass es zu jenem von ihnen mit Recht als beschämend empfundenen Schweigen der Versammlung kam, welches das totale Versagen der heutigen Christenheit gegenüber ihren getrennten jüdischen Brüdern angesichts unsrer entscheidenden Verbundenheit mit ihnen gerade in der Hoffnung, noch einmal ähnlich erschütternd im Geistigen entlarvt, wie es während der Verfolgungszeit enthüllt wurde, als wir jene Brüder leiblich nicht vor dem Massenmord zu beschützen vermochten, weil wir es nicht mit genügendem Nachdruck, in genügender Breite gewollt haben. (Glaubt jemand im Ernst, dass Hitler alle Priester und Prediger, den gesamten christlichen Klerus, so hätte behandeln können, wie er das Priestervolk Gottes tatsächlich behandelt hat?) Gebe Gott, dass diese Schande von Evanston seitens derer, die es angeht, als das Mene Tekel empfunden und beherzigt wird, das sie tatsächlich sein dürfte! (Anm. d. Übers.)
  8. Dieser Gedanke wird dem etwas naiv vorkommen, der weiß, dass Bischof Dr. Stewart in der Altstadt Jerusalem residiert.
  9. Gilt das nicht für uns katholische Christen erst recht, und vollends in Deutschland? Aber wo bleibt das Echo auf Guardinis und unseren dahingehenden Appell bei der überwältigenden Mehrheit der deutschen katholischen Theologen seit mehr als sieben Jahren? Vgl. Guardini, Verantwortung. Gedanken zur Jüdischen Frage. München 1952 (Anm. d. Übers.).
  10. Ecumenical Review, a. a. O. S. 284 f.
  11. News Sheet, XXIV, 3 (Nov. 1954), S. 7 f.
  12. Dokumente, in JUDAICA, 1954, 4, S. 225.
  13. Hendrik van Oyen, Die ökumenische Konferenz von Evanston und das Volk Israel. In ‚Christlich-jüdisches Forum’, 11/12 (Febr. 1955), S. 3 f.

VIII. Folge 1955/1956, Nr. 29/32, November 1955, S. 25–30



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