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Stefan Hartmann

Tödlicher Antinomismus

Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland,
wogegen die französische Revolution nur wie
eine harmlose Idylle erscheinen möchte.
(Heinrich Heine)

Der Holocaust oder die Schoa sind nicht allein erklärbar als Folge von Rassismus und „eliminatorischem Antisemitismus“ (Daniel J. Goldhagen), sondern erst als Versuch, den jüdisch-christlichen Menschheitskonsens im Namen einer germanisch-arischen Mythologie sich bedienenden atheistischen Herrenideologie auszulöschen. Christian Graf von Krockow (1927–2002) sprach treffend vom antisemitischen „Heilsverbrechen“. Ausgelöscht werden sollte auch das Wort des Propheten Micha, mit dem im Jahre 1976 der Baptist Jimmy Carter eindrucksvoll seine Präsidentschaft antrat: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott“ (6,8).

Hitler und das „Recht auf Töten“

Die mörderische Entwicklung des Nazi-Regimes war, wenn nicht schon nach dem „Röhm-Putsch“ 1934 und den Nürnberger Rassegesetzen, so doch spätestens seit den Novemberpogromen 1938 allgemein absehbar –, ohne dass es zu hörbaren und wirksamen Protesten im In- und Ausland gekommen wäre. Bereits zum ersten unrühmlichen „Jahrestag“ der in resignativem Sarkasmus zunächst so genannten „Reichskristallnacht“ schrieb Martin Buber:

„Was vor einem Jahr in Deutschland geschah, war nicht ein Ausbruch der Volksleidenschaft, eines volkstümlichen Judenhasses ebenso wenig wie in irgendeiner Handlung, die in jenen sieben Jahren an uns begangen wurde. Es war ein Befehl von oben und wurde genau, mit der Genauigkeit einer zuverlässigen Maschine, ausgeführt“ (Sie und Wir, 1939).

Nicht bloß antisemitisch als religiös-völkische Minderheit, sondern als „Gottes erste Liebe“ (Friedrich Heer) und als Träger des Anspruchs auf Recht und Gerechtigkeit im Erbe des Sinai-Bundes sind Juden durch die Nationalsozialisten und ihre Helfer verfolgt und ermordet worden. Auch Gesetz (nomos) und Gewissen (für Hitler eine „jüdische Erfindung“) mussten gleichsam „getötet“ werden.

Hierfür ließe sich der Begriff „Antinomismus“1 verwenden, der somit weit mehr bezeichnet als eine innerprotestantische Diskussion um das paulinische Gesetzesverständnis2. Antinomismus und Antimoralismus wurden von Armin L. Robinson in seiner Novellensammlung „The Ten Commandments“ (New York 1943) als tödlicher Beweggrund nationalsozialistischen Mordens erkannt. Gunnar Heinsohn hat in seinem Rowohlt-Taschenbuch „Warum Auschwitz? Hitlers Plan und die Ratlosigkeit der Nachwelt“ (Hamburg 1995), in dem er zweiundvierzig „Auschwitz-Theorien“ referiert (davon acht allein von Ernst Nolte), die Auffassung vertreten, dass

„der Mord an den Juden aus Fleisch und Blut der Versuch gewesen ist, die Ethik des Judentums zu beseitigen, die ihren überwältigenden Kerngedanken in dem aus Opferverwerfung resultierenden Recht auf Leben hat [...]. Hitler wollte letzten Endes das gesamte – also nicht nur das europäische – Judentum vernichtet sehen, weil er hoffte, dass mit dem Verschwinden der Juden auch die Thoragesetze des Lebensschutzes sowie der Liebes- und Gerechtigkeitsgebote aus der Welt wären. Die Judenbeseitigung sollte das Recht auf Töten wiederherstellen. Auschwitz war ein Völkermord für die Wiederherstellung des Rechtes auf Völkermord“ (G. Heinsohn, 18).

Marcion, Luther und Harnack

Wie war eine solche Entwicklung im Abendland und speziell in Deutschland möglich? Welche Traditionen haben den mörderischen Antinomismus aufkommen lassen? Bei der Suche nach Ursachen fällt der Blick auf den frühchristlichen Häretiker Marcion3 (ca. 85–160, in Pontus an der Nordküste Kleinasiens), das „deutsche“ Ereignis der Reformation4 und nicht zuletzt auf den mit der Aufklärung einsetzenden öffentlichen Atheismus, der sich zunächst noch als „Deismus“ gab.

Marcion, von Irenäus von Lyon „des Teufels Sprachrohr“ genannt (vgl. das Kapitel „Die aufgedeckte Verschwörung“ in Walter Nigg, „Buch der Ketzer“), gilt, wie auch Karl Barth aufgezeigt hat, zu Recht als Urheber des antijüdischen Affektes im Christentum. Er wollte das „reine Evangelium“ verkünden und allen alttestamentlich-jüdischen „Ballast“ abwerfen. Schon Tertullian stellte scharfsichtig fest: „Die Trennung von Gesetz und Evangelium ist die Eigentümlichkeit und das Hauptwerk des Marcion.“ Der Agnostiker und Basler Nietzsche-Freund Franz Overbeck hat das Bonmot geprägt: „Niemand hat Paulus je verstanden, und der Einzige, der ihn verstand, Marcion, hat ihn missverstanden.“

Die zweifellos antinomistische Polemik des Galaterbriefes muss – so betont etwa der Neutestamentler Joachim Gnilka – im Licht des Römerbriefes gesehen und ergänzt werden. Paulus geht es nicht um eine Kritik der Sinai- Gebote des Bundesvolkes, sondern um das Gesetz im Sinne der möglichen „Gesetzeswerke“ wie Speisevorschriften und Beschneidung5. Den Satz aus dem Katechismus der Katholischen Kirche (KKK Nr. 1975), „Gemäß der Schrift ist das Gesetz eine väterliche Unterweisung Gottes, die dem Menschen die Wege vorschreibt, die zur verheißenen Seligkeit führen, und die Wege zum Bösen verbietet“, hätte er gewiss mit unterschrieben. Nicht so Marcion.

Eher zögerlich wäre auch die Zustimmung Martin Luthers, für den – vielleicht aufgrund seiner negativen Vatererfahrung – in seiner ängstlichen Sorge um einen „gnädigen Gott“ das „Ich im Glauben“ (Paul Hacker) den Blick auf alles Objektive und Vorgegebene verstellt. Ein wirkliches Verständnis der Philosophie und Theologie des hl. Thomas von Aquin und seiner Gesetzeslehre ging Luther6, der sich selbst als „Schüler Ockhams“ (William of Ockham, um 1285 geb.) sah, ab. Sein Affekt gegen das Gesetz hat – zusammen mit antisemitischen Äußerungen seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ (1534)7 – später bei den „Deutschen Christen“ Hemmungen beseitigt, die das Morden vielleicht hätten aufhalten können.

Mit wahrem Entsetzen liest man heute, wie der sich liberal auflösende Protestantismus eines Adolf von Harnack (in der Untersuchung über Marcion 1920) die These aufstellen konnte:

„Das Alte Testament seit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung.“

Das hier entstandene Vakuum konnte auch der theologische Dezisionismus eines Karl Barth nicht mehr füllen (dazu hätte es einer „analogia entis“ bedurft), sodass Martin Buber lapidar bemerkte:

„Harnack starb 1930; drei Jahre danach war sein Gedanke, der Gedanke Marcions, in Handlung umgesetzt, nicht mit Mitteln des Geistes, sondern mit denen der Gewalt und des Terrors“ (Reden über das Judentum, Köln 1952).

„Zweite Romantik“ und Dialektik der Aufklärung

Während die mit einem universalen Kirchenrecht versehene Gemeinschaft der Catholica vor antinomistischen Tendenzen trotz einiger zeitgeistiger Schwächeanzeichen (etwa bei den Dogmatikern Karl Adam8, Michael Schmaus und den Braunsberger Professoren Hans Barion und Karl Eschweiler, die Mitglieder der NS-Partei waren) oder schillernder Einzelgänger wie Carl Schmitt (Martin Heidegger war 1933 nicht mehr katholisch) weitgehend verschont blieb und der Antinomismus der orthodoxöstlichen Kirchentradition (besonders auch bei Dostojewskij) ein eigenes Thema bildet, bleibt die diesbezügliche Tragik des Protestantismus9 bestehen:

Von Luthers „simul iustus et peccator“10 und „fröhlichem Wechsel“ (Theobald Beer) zwischen Segen und Fluch, Gesetz und Evangelium, Sünde und Rechtfertigung führt der geistige Weg zum modernen Dualismus von Innen und Außen, Subjekt und Objekt, Sollen und Sein. Aus dem „Credo“ wird das „Cogito“ (Descartes), eine „Welt als Wille und Vorstellung“ (Schopenhauer) und im deutschen Idealismus das autonom-transzendentale „Ich“ Fichtes, der mit einer „Kritik aller Offenbarung“ begann und mit seinen Reden für die „deutsche Nation“ so wichtig wurde wie die Verabsolutierung des preußischen Staates durch Hegel. Hans Urs von Balthasar sprach in seiner theologischen Ästhetik diesbezüglich von der „Selbstherrlichkeit des Geistes“.

Die jüdische Essayistin Margarete Susman sieht zwischen jüdischem und deutschem Geist einen Abgrund klaffen:

„Der deutsche Geist hatte von Luther an eine Wendung vom Außen ins Innen erfahren, die dann, seit Kant, durch den Idealismus und die Romantik hindurch, sich mit der Wendung zum Irrationalen mischte und schließlich in der zweiten Romantik immer steiler und verhängnisvoller auf ihren Gipfel stieg.“11

Die gleiche Entwicklung beschrieb schon 1921 Franz Rosenzweig in seinem klärenden und zu wenig beachteten „Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand“12. Trotz aller „offenen Flanken“ wäre es jedoch ungerecht, den gläubigen Christen Martin Luther pauschal zum Sündenbock des deutschen Geschichtsganges zu machen. Überzogen und falsch ist auch die These des Historikers Gerhard Czermak, „ohne das Christentum hätte es keinen Holocaust gegeben“13, ist doch das schreckliche Geschehen gerade die Folge eines dämonischen Missbrauchs des Christentums. Schon 1938 waren Sätze zu hören, für die es noch lebende Ohrenzeugen gibt: „Wir wollen weder ruhen noch rasten, bis der letzte Pfaffe an den Gedärmen des letzten Juden aufgehängt ist“; „Jetzt haben wir die Juden rausgeschmissen, nun kommen die Hostienfresser dran“. Sigmund Freud schrieb in „Der Mann Moses“ kurz vor seinem Tod in London:

„Judenhass ist im Grunde Christenhass und man braucht sich nicht zu wundern, dass in der deutschen nationalsozialistischen Revolution diese innige Beziehung der zwei monotheistischen Religionen in der feindseligen Behandlung beider so deutlichen Ausdruck findet.“

Jean-Marie Lustiger, der 2006 verstorbene Pariser Erzbischof und Kardinal, dessen Eltern in Auschwitz umgebracht wurden, sieht daher „den Antisemitismus Hitlers aus dem Antisemitismus der Aufklärung, und nicht etwa aus einem christlichen Antisemitismus“ hervorgehen. In ähnliche Richtung gingen die Thesen von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrem bekannten Buch „Dialektik der Aufklärung“ (Amsterdam 1947), wenn sie auf den „rationalen Vollzug“ des Massenmordes hinwiesen.

Ethik des Bundes und Kreuze in Auschwitz

Im Werk Franz Kafkas scheint sich ein innerjüdischer Antinomismus Ausdruck zu verschaffen: die vielinterpretierte Parabel „Vor dem Gesetz“ als Kernstück des Romans „Der Prozess“. Doch stellt Kafka nirgends das Tötungsverbot vom Sinai infrage, sondern die Funktion des Gesetzes als anonymer „Ankläger“, eine Problematik, die ähnlich von Paulus und Luther empfunden wurde, für die Freud die Theorie des „Über-Ich“ entwickelt hat. Bezüglich des klaren biblischen Gebotes „Du sollst nicht töten“, das in kirchlich-christlicher Tradition lange in letzter Konsequenz missachtet wurde (wofür die katholische Kirche im Hl. Jahr 2000 ein Schuldbekenntnis15 ablegte), kann es aber auch vor dem aktuellen Hintergrund von Abtreibungs- und Euthanasie-Tötung keinerlei Ausflüchte in „Epikie“16 oder „Probabilismus“ geben, wie ihn manche Bioethiker und liberale Moraltheologen anbieten. Hier hat Papst Johannes Paul II., der als Pole in unmittelbarer Nähe zu Auschwitz lebte, in seinem Kampf gegen jede „Kultur des Todes“ und mit den innerlich zusammengehörigen Enzykliken „Veritatis splendor“ (1993) und „Evangelium vitae“ (1995) für unmissverständliche Klarheit gesorgt.

Auch Deutungen des Holocaust mit kabbalistisch-gnostischen Untertönen, wie sie Hans Jonas17 und manchmal Elie Wiesel versucht haben, sind nicht ungefährlich, da – wie schon bei Joachim von Fiore und seiner von Henri de Lubac dargestellten Nachwirkung – der Primat der Bundesethik vergessen werden könnte. Zu Auschwitz, zur Schoa, kann es keine wie immer geartete und das Geschehen dann doch relativierende „Gnosis“ geben. Da alle Verbrechen von Menschen nach christlichem Glauben am Kreuz von Golgotha und im Höllenabstieg von Gott mitgelitten wurden, braucht ein eigenes Kreuz in Auschwitz nicht „aufgerichtet“ werden. Das ist keine Vereinnahmung oder latenter Triumphalismus, sondern der gläubige Blick auf die erschreckende Wirklichkeit, die auch vom Ungläubigen als kategorischer Imperativ des „Du darfst nicht töten!“ am „Antlitz des Anderen“ (Emmanuel Lévinas) wahrgenommen werden kann.

Hier war in den 1990er Jahren der Protest der jüdischen Gemeinschaft (besonders auch Elie Wiesels) gegen Kreuze und ein Sühnekloster auf dem Gelände des Konzentrationslagers mehr als berechtigt und verständlich. Der seit der „Wende“ von 1989/90 in Auschwitz als Spiritual wirkende Aachener Priester Manfred Deselaers stellte 1998 anlässlich der Heiligsprechung Edith Steins in einem Vortrag rhetorisch die Fragen:

„Wenn jetzt für die Christenheit Maximilian Kolbe und Edith Stein die Opfer von Auschwitz repräsentieren, wird dann nicht der Ort der Niederlage des Christentums uminterpretiert in einen Ort des Sieges des Christentums? Verschwinden dadurch nicht aus dieser Erinnerung die Juden als Juden, als Nicht-Christen schon wieder aus Europa?“

Und Deselaers, der eine philosophisch-theologische Dissertation über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß veröffentlicht hat18, fügt hinzu: „Es geht also in Bezug auf Auschwitz darum, die Juden als Juden ernst zu nehmen, so, wie sie sich selber sehen.“ Aber auch das Zeichen des Kreuzes darf nicht „zivilreligiös“ oder spekulativ-platonisierend19 entleert werden, ob von evangelischen oder katholischen Christen, sondern muss je konkret in seiner „Torheit“ und seinem „Ärgernis“ (1 Kor 1,23) wahrgenommen, ausgehalten und nachfolgend mitgetragen werden. An ihm ist aller „Antinomismus“ an sein Ende geraten, offenbart sich mörderische Konsequenz der Nicht-Liebe genauso wie die Weite der unendlichen Liebe des in Christus aufscheinenden dreieinigen Gottes, die aus allen Tiefen in die Höhe der Auferstehung und Verherrlichung zieht.


Dr. theol. Stefan Hartmann, Jahrgang 1954, war Studentenseelsorger in Wien und ist seit 1996 Gemeindepfarrer im Erzbistum Bamberg (Oberhaid).
  1. Antinomismus (griech.), die grundsätzliche Gegnerschaft gegen Gesetz und Gesetzlichkeit (dtv Lexikon, Bd. 1, 1992, 219).
  2. Vgl. Otto Hermann Pesch, Art. Antinomismus, in: LThK3 1, Freiburg i. Br. 1993, 762–766. Vgl. zur Gesamtthematik auch Kurt Anglet, Macht und Offenbarung. Zum Geheimnis der Gesetzwidrigkeit, Würzburg 2009.
  3. Vgl. Karl-Heinz Menke, Marcion redivivus? Marcionitische Christologie und ihre Folgen für die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: George Augustin u. a. (Hg.), Christus – Gottes schöpferisches Wort, FS Christoph Kardinal Schönborn, Freiburg i. Br. 2010, 537–567
    (Lit.).
  4. Vgl. Thomas Kaufmann, Geschichte der Reformation, Frankfurt a. M./ Leipzig 2009.
  5. Vgl. exegetisch Karl Kertelge (Hg.), Das Gesetz im Neuen Testament, QD 108, Freiburg i. Br. 1989; Meinrad Limbeck, Das Gesetz im Alten und Neuen Testament, Darmstadt 1997.
  6. Zu seiner Theologie vgl. die unterschiedlichen Arbeiten von Theobald Beer, Der fröhliche Wechsel und Streit. Grundzüge der Theologie Martin Luthers, Einsiedeln 21980; Oswald Bayer, Martin Luthers Theologie. Eine Vergegenwärtigung, Tübingen 32007; Hans-Martin Barth, Die Theologie Martin Luthers. Eine kritische Würdigung, Gütersloh 2009. Die Nähe von Luther und Thomas zu betonen ist Anliegen von Otto Hermann Pesch, Katholische Dogmatik aus ökumenischer Erfahrung, Ostfildern 2008.
  7. Vgl. Peter von der Osten-Sacken, Martin Luther und die Juden. Neu untersucht anhand von Anton Margarithas „Der gantz Jüdisch glaub“ (1530/31), Stuttgart 2002.
  8. Vgl. die traurig stimmende Untersuchung von Lucia Scherzberg, Kirchenreform mit Hilfe des Nationalsozialismus. Karl Adam als kontextueller Theologe, Darmstadt 2001.
  9. Vgl. etwa Robert P. Erickson, Theologians under Hitler. Gerhard Kittel, Paul Althaus and Emanuel Hirsch, New Haven & London (Yale University) 1985; Tanja Hetzer, „Deutsche Stunde“. Volksgemeinschaft und Antisemitismus in der politischen Theologie bei Paul Althaus, München 2009.
  10. Dazu der Sammelband von Theodor Schneider/Gunther Wenz (Hg.), Gerecht und Sünder zugleich? Ökumenische Klärungen, Dialog der Kirchen Bd. 11, Freiburg i. Br./ Göttingen 2001.
  11. Zitiert nach Christoph Schulte (Hg.), Deutschtum und Judentum. Ein Disput unter Juden aus Deutschland, Reclam UB 8899, Stuttgart 1993, 144. Vgl. auch das Eingangszitat Heines und seinen Kontext.
  12. Neuausgabe Frankfurt a. M., Jüdischer Verlag 1992.
  13. Gerhard Czermak, Christen gegen Juden. Die Geschichte einer Verfolgung, Frankfurt a. M. 1991, 228. Theologischer und historisch überzeugender argumentiert Paul Petzel, Was uns an Gott fehlt, wenn uns die Juden fehlen. Eine erkenntnistheologische Studie, Mainz 1994; Gregor Taxacher, Nicht endende Endzeit. Nach Auschwitz Gott in der Geschichte denken, Gütersloh 1998; Jürgen Manemann/Johann Baptist Metz (Hg.), Christologie nach Auschwitz. Stellungnahmen im Anschluss an Thesen von Tiemo Rainer Peters, Münster 1998; Andreas Laun (Hg.), Unterwegs nach Jerusalem. Die Kirche auf der Suche nach ihren jüdischen Wurzeln, Eichstätt 2004; Helmut Hoping/Jan-Heiner Tück (Hg.), Streitfall Christologie. Vergewisserungen nach der Schoa, QD 214, Freiburg i. Br. 2005.
  14. Jean-Marie Lustiger, Gotteswahl. Jüdische Herkunft, Übertritt zum Katholizismus, Zukunft von Kirche und Gesellschaft. Gespräche mit Jean-Louis Missika und Dominique Wolton, München 1992, 86. Zur Vertiefung vgl. ders., Die Verheißung. Vom Alten zum Neuen Bund, Augsburg 2003.
  15. Vgl. Internationale Theologische Kommission, Erinnern und Versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit. Ins Deutsche übertragen und herausgegeben von Gerhard Ludwig Müller, Freiburg i. Br. 2000. Vgl. FrRu 7(2000)161.
  16. Als Epikie (griech. Billigkeit) bezeichnet man das Verhalten eines Menschen, der erkennt, dass die Forderung eines Gesetzes den Gegebenheiten seiner Situation nicht entspricht, u. daher nicht das Gesetz befolgt, sondern sich entscheidet, das Situationsrichtige zu tun (vgl. Lexikon der christlichen Moral, LChM 1976, Sp. 358–362).
  17. Hans Jonas, Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme, Frankfurt a. M. 1987. Vgl. Thomas Schieder, Weltabenteuer Gottes. Die Gottesfrage bei Hans Jonas, Paderborn 21998.
  18. Manfred Deselaers, „Und Sie hatten nie Gewissensbisse?“ Die Biografie von Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, und die Frage nach seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, Leipzig 1997. Vgl. die Rezension in FrRu 5(1998)208 f.
  19. Dazu eine prophetische Frage des österreichischen Dialogikers und Volksschullehrers Ferdinand Ebner (1882–1931) aus dem Jahr 1919: „Ging die abendländische Kultur an etwas anderem zugrunde – und sie ist bereits zugrunde gegangen! – als an der Stilisierung des Kreuzes, an ihrem platonischen Missverständnis des Christentums? Täusche man sich nicht: das und nichts anderes gebar den Unglauben und die Gottlosigkeit unserer Zeit. Ob nun jetzt die Amerikanisierung des Lebens oder der Bolschewismus die letzten Aufräumungsarbeiten besorgt, [...] das ist schließlich gleichgültig“ (Das Wort und die geistigen Realitäten, Frankfurt a. M. 1980, 260).

Jahrgang 18 / 2011 Heft 2 Seiten 111−118


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