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Eli Bar-Chen/Heike Specht

Warum Schabbat schon am Freitag beginnt

Kindern unsere Lebenswelt zu erklären, ist mitunter nicht ganz einfach. Denn vielfach verstehen wir, die Erwachsenen, diese ja auch nicht. Worte lebendig werden lassen, Neugierde wecken und hinter die verschlossenen Türen gucken – keine leichte Angelegenheit, aber mit der Kinder-Uni lassen sich diese Türen öffnen. Hinter einer der Türen verbirgt sich die Welt des Judentums. Eli Bar-Chen und Heike Specht begeben sich auf die Reise in die jüdische Kultur und fragen, „Warum Schabbat schon am Freitag beginnt“.

Die Zeitreise ist auch der Beginn der Geschichte von Lilli und Jakob, einem Berliner Geschwisterpaar, das an einem regnerischen Sonntag Fernsehen und SMS gegen einen Besuch im Jüdischen Museum tauscht. Die Erkundung wird für die beiden zum Abenteuer. Denn ein alter Museumswärter zieht sie in seinen Bann und – wie durch einen Zauber – mit in die zeitlose Vergangenheit. Plötzlich befinden sie sich im Zweistromland, im babylonischen Ur, wo die jüdische Geschichte beginnt. Hier besuchen sie den Urvater der Juden, Abraham, und seine Frau Sara. Der Glaube an nur einen Gott treibt Abraham nach Israel. Die Kinder blicken auf 400 Jahre jüdischer Versklavung in Ägypten. Sie stehen mit Moses auf dem Berg Sinai und begleiten ihn, als er sein Volk mit Gottes Hilfe aus der Unterdrückung befreit und heim führt. Wie ganz nebenbei erschließen sich für Lilli und Jakob die wichtigsten Elemente des Judentums: Die Torarolle, die die fünf Bücher Mose beinhaltet. Der jüdische Ruhetag, der Schabbat. Er beginnt freitags nach Sonnenuntergang und endet am Samstagabend, wenn die ersten Sterne sichtbar sind. Sie besuchen den Ort, wo die Tora aufbewahrt ist, die Synagoge, und reisen im aufgeblätterten Buch zum Pesachfest in die USA, wo sie Gast bei einer jüdischen Familie sind. Gemeinsam feiern sie bei ungesäuertem Brot, den Matzot, den Auszug Israels aus Ägypten und erfahren, dass Bar Mizwa ja so ähnlich ist wie die Konfirmation.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt den Kindern aber auch Krieg und Zerstörung. Sie werden Zeuge von Vertreibung und Flucht. Da ist der babylonische König Nebukadnezar, der die Juden aus Jerusalem vertreibt und ihren Tempel zerstört, da sind die Römer, die den wieder aufgebauten Tempel vernichten und das Töten und die Vertreibung fortsetzen, da sind die grausamen Kreuzzüge, die Jerusalem nicht nur von der Herrschaft der Muslime befreien wollen, sondern im Namen der Kirche alle Andersgläubigen vernichten. Dazwischen macht ihre Entdeckungsreise auch Halt in Berlin. Hier begegnen sie im Scheunenviertel dem Philosophen Moses Mendelssohn, einem bedeutenden Aufklärer im deutsch-jüdischen Verhältnis. Mit dem Besuch von Anne Frank in Amsterdam blicken die beiden Kinder in eines der dunkelsten Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte, in den Holocaust. Ihre Reise endet in der Hauptstadt des neu gegründeten Israel. „Das ist Jerusalem, die goldene Stadt, […], die Hauptstadt des jüdischen Staates und eine heilige Stadt für Juden, Christen und Muslime.“

„Warum Schabbat schon am Freitag beginnt“ gibt einen sehr guten lebendigen Einblick in die jüdische Lebensart, der neugierig macht, der deutlich macht, dass die drei monotheistischen Weltreligionen mehr als nur den Glauben an den einen Gott gemeinsam haben, denn ihr religiöses Zentrum ist Jerusalem. „Warum Schabbat schon am Freitag beginnt“ ist eine tolle Entdeckungsreise in die Welt des Judentums, mit der die Kinder-Uni Unwissen und Feindschaften zwischen Kultur und Religion beseitigt und damit aktiv zur Toleranz gegenüber anderen Lebensarten beiträgt. Unverzichtbar, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.


Jahrgang 16 / 2009 Heft 2 Seite 132



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