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Knut Kühn-Leitz (Hg.),

Ernst Leitz

Der Rang dieses kurz gefassten Buches wird hervorgehoben durch das Geleitwort des einstigen israelischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Avi Primor, der die Geschichte des Unternehmers Ernst Leitz ein „Musterbeispiel“ dafür nennt, „dass der Mensch sich nicht dem Bösen beugen muss“. Ernst Leitz, der mit der in seinen Wetzlarer Leitz-Werken produzierten „Leica“ erfolgreiche „Unternehmer mit Herz und Vision“, wie ihn der Mitautor des Buches Günter Osterloh charakterisiert, gehört zu den unbekannten stillen Helfern von rassisch und politisch Verfolgten und Bedrohten in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der aus liberal-demokratischer Familientradition stammende Ernst Leitz (1871–1956) hatte sich schon in jungen Jahren gegen die im Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen agitierende antisemitische Partei engagiert. 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Demokratischen Partei und kandidierte mehrmals zu Reichstagswahlen. Schon vor 1933 nahm er die Konfrontation mit den Nationalsozialisten auf. Damit begann sein „langer Kampf mit den Nationalsozialisten“, den Bernd Lindenthal in seinem Beitrag darstellt. Von Lindenthal stammt auch der Überblick über „Die Hilfeleistungen von Ernst Leitz 1933 bis 1945“; er weist nach bisherigem Forschungsstand 87 von den Nazis bedrohte und verfolgte Personen nach, vor allem Juden, aber auch andere aus politischen Gründen Verfolgte.

Frank Dabba Smith, 1955 in Kalifornien geboren, seit 1997 Rabbiner in England, Autor mehrerer Veröffentlichungen über die Familie Leitz, schildert unter dem Titel „Der stille Helfer Ernst Leitz“ in 28 biografischen Skizzen das Schicksal von Einzelpersonen und Familien, denen Ernst Leitz in vielfältiger Weise geholfen hat, so dadurch, dass er jungen Juden Lehrstellen in seinem Unternehmen in Wetzlar gab, sie zu Facharbeitern ausbilden ließ und beschäftigte. Gefährdeten jüdischen Angestellten seines Unternehmens hat er zur Auswanderung nach Amerika verholfen, ihnen die Schiffspassage bezahlt und sie in seinen amerikanischen und Londoner Filialbetrieben untergebracht. Dem widmet der Herausgeber des Buches, Knut Kühn- Leitz, eigens den Beitrag „New York: der rettende Hafen für Viele“. In einigen „Anlagen“ wird das bemerkenswerte Verhalten von Ernst Leitz und seinem Unternehmen zusätzlich durch kurze ergänzende Beiträge und aufschlussreiche Dokumente beleuchtet.

Das nicht risikolose Verhalten von Ernst Leitz als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten und als einer der unbekannten, spät erst endeckten mutigen Helfer der Juden zeigt, wie ein deutscher Unternehmer seine Möglichkeiten genutzt hat, um Juden zu helfen und Leben zu retten. Man hat ihn mit anderen „Rettern“ verglichen, so mit Schindler. Bei mancher Gleichheit unterscheidet sich Ernst Leitz jedoch dadurch, dass er von Anfang an als überzeugter Demokrat für Juden eingetreten ist und sich nie den Nazi- Herrschern gebeugt hat. Die Anti-Defamation League (ADL) hat ihn im Jahre 2007 postum mit dem „Courage to Care Award“ geehrt.


Jahrgang 16 / 2009 Heft 1 Seite 62



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