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Gertrud Luckner
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Thomas Michel SJ (Hg.)

Friends on the Way

Zu den weniger bekannten Aktivitäten von Mitgliedern des Ordens der Gesellschaft Jesu gehört das Engagement im jüdisch-christlichen Gespräch. Erkennbar hervorgetreten sind auf diesem Gebiet Jesuiten aus den USA und Europa. In den letzten Jahren sind sie drei Mal zu Kolloquien zusammengekommen, um Erfahrungen auszutauschen, Verbindungen zu vertiefen und ihre Einsätze zu vernetzen. Der Herausgeber Thomas Michel koordiniert den interreligiösen Dialog der Jesuiten von Rom aus.

Das Krakauer Treffen (1998, vgl. FrRu 6[1999]230 f.) stand unter dem Thema „Jesuits and Jews: Towards Greater Fraternity and Commitment“ und war vor allem ein Rückblick in die Geschichte der Beziehungen zwischen den Jesuiten und den Juden. Diese Geschichte hatte einige Licht- und nicht wenige Schattenseiten. Zu den Lichtseiten gehörte, um nur ein Beispiel zu erwähnen, der Einsatz von Kardinal Augustin Bea SJ für das Zustandekommen der Erklärung des II. Vatikanischen Konzils Nostra aetate, in dessen viertem Abschnitt die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der jüdischen Welt neu ausgerichtet wurde. Damit wurde einer langen Geschichte eine Wendung gegeben, die von vielfacher Distanz den Juden gegenüber bestimmt gewesen war, – wobei Jesuiten durchaus mitbeteiligt und mitschuldig waren. So ist es beschämend, dass von 1594 an zum Christentum konvertierten Juden der Eintritt in den Orden verwehrt war.

Beim Treffen in Jerusalem (2002), das unter dem Thema „The Significance of the State of Israel for Contemporary Judaism and the Jewish-Christian Dialogue“ stand, waren vorwiegend jüdische Referenten zu Wort gekommen. Das dritte Kolloquium (Schweiz 2005) hatte „The Importance of Modern Jewish Thought for Jewish-Christian Dialogue“ zum Thema.

Der amerikanische Religionswissenschaftler Harold Kasimow erinnert in der Einführung zum vorliegenden Band, dass die Gesellschaft Jesu im Rahmen ihrer 34. Generalkongregation das Dekret „Our Mission and Interreligious Dialogue“ verabschiedet hat, in dem sie sich ausdrücklich dazu bekennt, auf der Grundlage von Nostra aetate den ihr möglichen Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog leisten zu wollen. In einem ersten Beitrag greift der junge französische Jesuit Marc Rastoin noch einmal im Detail die frühe Geschichte der Jesuiten auf: sie war auch dadurch bestimmt gewesen, dass nicht wenige der ersten Jesuiten „Conversi“ waren und Ignatius von Loyola sich entschieden dafür eingesetzt hatte, dass sie Zugang zu dieser Ordensgemeinschaft hätten. Aber dann hatten sich nach und nach jene Kräfte durchgesetzt, die diese Türen schlossen. Rastoin hat seinem Beitrag eine auf Vollständigkeit bedachte Liste der Jesuiten des 16. Jahrhunderts beigefügt, von denen man noch weiß, dass sie „Conversi“ waren. Rabbiner Tovia Ben- Chorin spricht in seinem Referat Motive aus der Bibel und der rabbinischen Literatur an, die als Bezugspunkte für das „jüdisch-nichtjüdische Gespräch“ geeignet sind.

Weitere Beiträge gewähren Einblick in das Bemühen um ein Verstehen der Auffassungen bedeutender jüdischer Persönlichkeiten wie Rabbi Joseph Dov Soloweitchik, Abraham Joshua Heschel, Harold Bloom und Hannah Arendt. Jean-Pierre Sonnet SJ zeigt, wie sich die im Innern der jüdischen Arbeit an den biblischen und nachbiblischen Quellen abzeichnenden Entwicklungen für das christlich-jüdische Gespräch fruchtbar machen ließen. Der Band schließt mit einem Bericht des aus Israel stammenden Jesuiten David M. Neuhaus SJ über Erkenntnisse bei Besuchen in Yad Vashem.

Das Buch dokumentiert ein durchaus interessantes, in einem internationalen Rahmen laufendes Bemühen, die Brücken zwischen Juden und Christen zu verstärken, damit mehr und mehr erfahrbar wird, dass es sich hier um „friends on the way“, um „Freunde unterwegs“ handelt.


Jahrgang 15 / 2008 Heft 4 Seite 301



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