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Falk Wiesemann

Sepulcra judaica

Auf der Suche nach jüdischen Spuren stößt man in zahlreichen Regionen Europas immer wieder auf jüdische Friedhöfe. Nach der industriellen Massenvernichtung des europäischen Judentums sind sie in den betreffenden Landstrichen oft das einzige sichtbare Erbe der facettenreichen jüdischen Kultur. Die vorliegende Publikation ist dem Wissenschaftler gewidmet, der den größten Teil seines Forscherlebens der Dokumentarisierung dieser steinernen Zeugnisse gewidmet und zahlreiche Arbeiten auf diesem Gebiet angeregt hat: Prof. Dr. Michael Brocke. Mit einem beeindruckenden Umfang von 8761 Titeln auf 797 Seiten zeigt die Bibliographie, dass vor allen Dingen in den letzten Jahren die Auseinandersetzung mit jüdischen Friedhöfen im deutschsprachigen Raum eine entscheidende Rolle spielte.

Die Bibliographie beginnt mit dem systematisch angelegten Teil "Sterben, Begräbnis und Trauer", der u. a. von einleitenden Lexikonartikeln über halachische Literatur, Titel zur Ästhetik und Symbolik des Friedhofs umfasst. Die darauffolgenden Kapitel folgen sowohl einer chronologischen als auch einer geographischen Grundeinteilung: Im Anschluss an das Kapitel Judaea-Palaestina werden die erschienenen Titel über die großen Epochen Antike, Mittelalter und Neuzeit nach Kontinenten und Staaten sowie im Bereich der Neuzeit auch nach Ländern und Orten getrennt aufgeführt. Eine gezielte Suche ist über Personen-, Orts-, Sach- und Verfasserregister möglich.

Wie der Autor in seinem Vorwort bemerkt, stand zu Beginn des Vorhabens die Literatur zum deutschen Judentum im Vordergrund (14). Nicht nur deshalb, sondern auch aufgrund des zunehmenden Interesses an der Sepulkralkultur im deutschsprachigen Raum befindet sich daher hier der Schwerpunkt der verzeichneten Texte. Die nun entstandene außergewöhnliche Sammeltätigkeit ist durch das Ende des Bearbeitungszeitraumes im Dezember 2003 (Vorwort, 14) begrenzt. Es liegt in der Natur des Mediums, dass jede gedruckte Bibliographie nicht vollständig sein kann. So haben genaue Stichproben bei der vorliegenden Publikation gezeigt, dass nicht alle Trauerpredigten und Minhag-Bücher erfasst sind. Daneben sind bislang noch unzureichend erschlossene Archivmaterialien wie z. B. Friedhofsordnungen nicht in allen Fällen verzeichnet.

Weitaus relevanter ist jedoch, dass offensichtlich jene Darstellungen nicht immer aufgenommen wurden, welche sich in erster Linie mit der Geschichte einer jüdischen Gemeinde befassen und die betreffenden Friedhöfe in Unterkapiteln behandeln. Dies trifft vor allem auf die Friedhöfe in Baden-Württemberg und im Saarland zu. Bei der zunehmenden Entstehung von elektronischen Dokumentationen jüdischer Friedhöfe, wie sie am Duisburger Steinheim-Institut (http://sti1.uniduisburg. de/projekte/epigraphik/index.xml) oder im Potsdamer Projekt „Jüdische Friedhöfe in Brandenburg“ (http://www.uni-potsdam.de/juedische- friedhoefe/) entwickelt wurden, wäre eine aktualisierungsfähige, freizugängliche Internetbibliographie zu erwägen gewesen.


Jahrgang 15 / 2008 Heft 2 Seite 149



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