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Klaus Grünwaldt

Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Das Recht im Alten Testament

Rezension von Ernst Ludwig Ehrlich, Riehen/Basel

Der Untertitel „Das Recht im Alten Testament“ wird dem Buch mehr gerecht als der Haupttitel. Es handelt sich um ein durchaus grundlegendes Werk über die Entstehung und die Prinzipien des alttestamentlichen Rechtes. Das Buch ist lebendig geschrieben und behandelt das umfangreiche Rechtswesen anhand zahlreicher Beispiele, wie etwa die Sozialvorschriften im Bundesbuch (Ex 22,20-26). Wenn vom Recht des Fremden die Rede ist, wird zugleich an die eigene Geschichte erinnert, als die Israeliten selbst Fremdlinge in Ägypten waren. Dieser Gedanke wird im Buch Levitikus auf das Liebesgebot für Fremdlinge ausgeweitet (Lev 19,34). Nicht erst im rabbinischen Recht, sondern schon in der Hebräischen Bibel wird das Talionsrecht in der Weise angewendet, daß für verursachte Schäden Entschädigung zu zahlen ist. Der Verfasser stellt fest, daß das Wesen des biblischen Rechts in einem gerechten Ausgleich besteht, d. h. eine angemessene Ausgleichszahlung geleistet werden muß. „Rache, Gewalt und Grausamkeit werden eingegrenzt, das Miteinander wird in für alle erträgliche und annehmbare Bahnen gelenkt“ (132).

Ausführlich geht der Verfasser auf das Liebesgebot in Lev 19,18 ein, das er durchaus als ein umfassendes Gebot versteht. „Im Liebesgebot macht uns das Alte Testament deutlich, daß die Liebe zum Nächsten, auch zum Fremden, unbedingt zum Glauben dazugehört. Liebe ist ein wesentlicher Bestandteil der Religion. Damit ist allen denen zu widersprechen, die die Religion allein zu einer Sache der frommen Innerlichkeit und zu einer Privatsache machen wollen. Religion, Glaube, kommt erst da zu seiner Erfüllung, wo der bedürftige Nächste im Blick ist. Gott befiehlt mir den Nächsten an, er übergibt ihn meiner Fürsorge“ (141).

Im folgenden befaßt sich Grünwaldt mit dem Begriff des Gesetzes im nachexilischen Judentum und weist das Vorurteil zurück, daß die Erfüllung der Tora für das Volk Israel eine große Last darstellt, unter der es stöhnt. Daß dieses Bild nicht den Tatsachen entspricht, zeigen die Psalmen 1; 19 und 119, mit denen sich Grünwaldt auseinandersetzt. In einem weiteren Abschnitt beschäftigt er sich auch mit dem Neuen Testament: „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Mk 2,27). Mit diesem Satz wird an die zentrale Bedeutung der Gebote erinnert. Die Gebote Gottes sollen Leben fördern, schützen und erhalten. Übrigens findet sich der Satz auch in der rabbinischen Tradition. „Wenn Jesus das Gesetz [...] auslegt durch sein Reden oder durch sein Handeln, dann sucht er [...] durch die Worte hindurch den Willen seines Vaters“ (155).

Abschließend stellt der Verfasser fest: „Wir sollen unseren Nächsten lieben. Der Ort für die Erfüllung dieses Gebotes ist der Alltag dieser Welt. Der christliche Glaube bewährt sich nicht in erster Linie in irgendwelchen Ausnahmesituationen, sondern er bewährt sich im täglichen Leben [...]. Damit geben wir Gott zurück, was er uns geschenkt hat. Dies zu erkennen und zu tun ist eine Aufgabe, mit der man sein Leben lang zu tun hat“ (166). Das Buch eignet sich für jeden biblisch interessierten Leser, vor allem aber für Religionslehrer.


Jahrgang 10 7 2003 Heft 4 Seite 300



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