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Thomas R. El▀ner

Das Namensmi▀brauch-Verbot (Ex 20,7 / Dtn 5,11)

In dieser, der historisch-kritischen Exegese verpflichteten Dissertation, 1997 am Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt eingereicht, geht der Autor der Frage nach, was unter „Mißbrauch des Namens Gottes“ zu verstehen ist. Im ersten Teil werden in einem Forschungsüberblick drei Gruppen des dekalogischen Namensmißbrauch-Verbotes unterschieden. Da die Exegeten zu keiner annähernd einheitlichen Lösung kommen, stellt sich für Elßner die Frage, worin die Schwierigkeiten der Auslegung liegen.

Er analysiert Ex 20,7 und Dtn 5,11 und untersucht das Wortfeld von Verben mit pejorativem Charakter, die im Zusammenhang mit der Verletzung des Namens Gottes verwendet werden. Dabei wird deutlich, daß hier ein abstrakt formuliertes Gebot vorliegt, das offen ist für eine Vielfalt von Deutungen. Im zweiten Teil untersucht Elßner die Entstehung des Verbots und seine Einfügung in den Dekalog. Die Untersuchungen zum sprachlichen Profil der Textstelle führt zum Ergebnis, daß dieses Verbot, wie auch das Sabbatund Elterngebot, von Gott in der dritten Person spricht. Dies verwundert um so mehr, da ja gerade der Dekalog den Anspruch erhebt, direkte Rede Gottes zu sein. Der Vergleich mit sprachlichen ,Vorbildern‘ des Verbots weist das Exil als Zeit der Formulierung des Verbots aus.

Anschließend befragt der Autor sachliche ,Vorläufer‘ dieses Verbotes, sucht nach altorientalischen Vergleichstexten und untersucht, in welchem Zusammenhang das Verbot Eingang in den Dekalog gefunden hat. Im dritten Hauptteil wendet sich Elßner der frühen Wirkungsgeschichte des Verbots zu und wählt hierzu biblische wie außerbiblische Texte. Die Bücher Kohelet, Ester und der elohistische Psalter (Ps 42-83), in denen konsequent auf den Namen Gottes verzichtet wird, geben keinerlei Hinweise, daß hier das Verbot nachgewirkt hätte; eher schon in Textstellen in Jesus Sirach. 1 Makk muß wegen seiner Entstehungsgeschichte gesondert betrachtet werden.

Ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis verweist vorwiegend auf christlich-exegetische Literatur, aber kaum auf jüdische Bibelexegeten. Selbst die wegweisenden Gedanken von Leo Baeck über die Unbegreiflichkeit und Unbeschreiblichkeit des Namens Gottes fehlen. Die Arbeit ist eher historisch-kritisch, die keine Vermittlung zur jüdischer Tradition und Wurzel versucht. Es fehlen Geist und Seele jüdischer Glaubenstradition. Somit wird der Name Gottes zu dem, dem das Verbot wehren wollte: profaner Forschungsgegenstand. Doch wer sich durch den Wechsel zwischen synchronischer und diachronischer Arbeitsweise, zwischen chronologischer und systematischer Betrachtung nicht abschrecken läßt, für den erschließt sich das Namensmißbrauch-Verbot unter vornehmlich christlicher Perspektive sehr differenziert.


Jahrgang10 /2003 Heft 1 Seite 58

 



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