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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 17 / 2010 Heft 4

Papst Benedikt XVI. hat den Bischof von Basel, Kurt Koch, zum neuen Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt, dem auch die „Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum“ angeschlossen ist. Bischof Koch tritt damit die Nachfolge von Kardinal Walter Kasper an, der das Amt seit 2001 innehatte. Das „Einheitssekretariat“ ist aus dem „Ökumenismusdekret“ (1964) des Zweiten Vatikanischen Konzils hervorgegangen, das die Wiederherstellung der Einheit der Christen als ein vordringliches Ziel der katholischen Kirche formuliert hatte. 1966 wurde das „Einheitssekretariat“ von Papst Paul VI. als ständige Einrichtung des Heiligen Stuhls bestätigt. Unter Papst Johannes Paul II. wurde das „Einheitssekretariat“ 1988 umbenannt in „Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen“.

Fast 200 Entscheidungsträger aus dem Bildungsbereich aus 40 Ländern nahmen Mitte Juni 2010 an der 7. Internationalen Konferenz für die Bildung über und Erinnerung an den Holocaust in Yad Vashem in Jerusalem teil. Schwerpunkt der von der International School for Holocaust Studies durchgeführten Konferenz waren die neuen Herausforderungen, denen Pädagogen gegenüberstehen, die über den Holocaust unterrichten, u. a. die steigende Tendenz, die Erinnerung an den Holocaust mit Kritik an Israel zu verbinden. Weitere Themen waren der Umgang mit Holocaust-Leugnung, die Frage, wie ein „Wettbewerb“ zwischen dem Leid unter verschiedenen totalitären Regimen verhindert und die Beschränkung der Darstellung des jüdischen Volkes auf seine Opferrolle vermieden werden kann. „Die Tendenz, den Holocaust zu verharmlosen und neu zu interpretieren, führt zu einer veränderten Situation und zu neuen Problemen, mit denen die Pädagogen umgehen müssen“, so der Vorsitzende von Yad Vashem, Avner Shalev.

Der Freiburger Kinderarzt und Medizinhistoriker Eduard Seidler wurde am 25. Mai 2010 in Dresden mit der Paracelsus-Medaille ausgezeichnet für seine Verdienste in der Aufarbeitung der Rolle der Medizin in der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere mit dem Schicksal der jüdischen Kinderärzte. Zwischen 1933 und 1945 waren 773 Kinderärzte vom NS-Terror betroffen (vgl. E. Seidler, „Jüdische Kinderärzte 1933–1945“, 2007 in erw. Auflage). Für seine historische Forschung war Seidler auch bereits mit dem Bundesverdienstkreuz und mit der Ehrenmitgliedschaft in der „Israeli Pediatric Association“ ausgezeichnet worden.

Vor 60 Jahren wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Am 19. Juli 1950 wählten die Delegierten der kleinen Gemeinden, die sich aus den Lagern der Displaced Persons zusammengefunden hatten, ein Direktorium und 15 Gemeindevertreter als Rat. Die primäre Aufgabe des Zentralrates war die Sorge für die Kranken und die Jugendlichen und denen, die auf gepackten Koffern saßen, bei der Auswanderung behilflich zu sein. „Der Zentralrat war ja eigentlich als Liquidations- und Auflösungsgesellschaft entstanden, denn niemand rechnete damit, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland jemals wieder eine Perspektive haben würde“, resümierte Generalsekretär Stephan Kramer den Anfang des Zentralrates in einem Interview (Deutsche Welle, 19.07.2010). Heute vertritt der Zentralrat als politische Dachorganisation etwa 106 000 Juden und 108 Gemeinden.

Mit einem Festakt wurde am 13. Juli 2010 die Alte Synagoge Essen zum Haus jüdischer Kultur umgewidmet. Der Leiterin Edna Brocke war es ein Anliegen, dass es sich nicht um ein weiteres Museum, sondern um ein Haus der Begegnung mit der jüdischen Kultur handelt, das „mit modernen, zeitgemäßen und bisweilen witzigen und humorvollen Mitteln“ die Neugier am Judentum wecken soll, so Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß. Die fünf Bereiche der Dauerausstellung umfassen die Schwerpunkte (1) Quellen jüdischer Traditionen, (2) die Geschichte des Hauses, (3) die Geschichte der jüdischen Gemeinde Essen, (4) die jüdischen Feste und (5) die komplexe Vielfalt des jüdischen „Way of Life“. Die 1913 eingeweihte Synagoge war in der Pogromnacht 1938 bis auf die Außenmauern zerstört worden. 1959 wurde in der Sedanstraße, an der Stelle des ebenfalls 1938 zerstörten jüdischen Jugendheims, eine kleinere neue Synagoge eingeweiht. Mehr als 2500 Essener Juden kamen in der Schoa ums Leben.

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich jüdische Zusammenarbeit ist „tief besorgt über antisemitische Äußerungen und Taten in jüngster Zeit, die nicht selten in antizionistischem Gewand und mit anti-israelischer Pseudo-Legitimation auftreten. Dass diese rassistischen [...] Erscheinungen durch Äußerungen von Bundestagsabgeordneten begünstigt werden, ist ein deutliches Warnsignal für unsere Gesellschaft. Denn nicht weniger besorgniserregend ist der Umstand, dass man sich weitgehend in der Gesellschaft bereits mit der Existenz des Antisemitismus und dem öffentlichen Auftreten von Antisemiten abgefundden hat [...]“ (Presseerklärung vom 20. Juli 2010).



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