Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 1087  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 17 / 2010 Heft 3

Polens Juden trauern um den am 10. April 2010 in Smolensk beim Absturz des Präsidentenflugzeugs ums Leben gekommenen Präsidenten Lech Kaczynski. Michael Schudrich, Polens Oberrabbiner, gedachte des verstorbenen Präsidenten als „Freund der Juden“. Oberrabbiner Schudrich hatte wegen der Schabbatruhe auf die Teilnahme an der offiziellen Feier in Katyn verzichtet und drei Tage vorher in Anwesenheit der Regierungschefs Wladimir Putin und Donald Tusk in Katyn das Kaddisch gesprochen. Kaczynski hatte mit seiner Frau Maria zum Chanukkafest 2008 als erstes polnisches Staatsoberhaupt eine Synagoge besucht. Aus seinen eigenen Reihen wurde Kaczynski wegen seiner Annäherung wiederholt als „Jude“ beschimpft.

Mit dem feierlichen Einzug der Torarollen wurde am 14. März 2010 in Herford (NRW) die neue Synagoge eröffnet. Errichtet wurde sie im gleichen Baustil und am gleichen Ort der ehemaligen, 1851/52 erbauten, 1893 umgebauten Synagoge. Die Herforder Synagoge wurde bereits 1934 durch einen Brandanschlag beschädigt und in der Reichspogromnacht endgültig zerstört. Obwohl nur wenige Juden überlebten, gründeten bereits 1945 etwa 40 Juden aus Herford und Umgebung eine neue Gemeinde (vgl. Klaus-Dieter Alicke, Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, Bd. 2, 1845 f.).

Im „jüdischen Viertel“ in Kairo ist seit dem 7. März 2010 die Maimonides-Synagoge wieder geöffnet. Unter der im 19. Jh. erbauten Synagoge befinden sich die Gewölbe, in denen der große Arzt und Philosoph Moses Maimonides (1135–1204) nach seiner Flucht aus Cordoba wohnte und arbeitete. 1930 lebten in Ägypten noch 75 000 Juden. Der große Exodus begann 1948 (erster israelisch-arabischer Krieg) und setzte sich 1956 (Suezkrise) und 1967 (Sechstagekrieg) fort. Heute leben weniger als 50 Juden in Ägypten.

In Frankreich bewegt der Film „La Rafle“ (Die Razzia) die Gemüter. Thema des Films sind die Massenverhaftungen von etwa 13 000 Juden im Jahre 1942 (vgl. 194 ff. i. d. H.) und ihr endgültiger Transport nach Auschwitz. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des elfjährigen Jo Weismann, dem die Flucht aus einem Lager gelungen war.

Seit Februar 2010 ist in Tel Aviv das Museum des Yitzhak-Rabin-Zentrums für die Öffentlichkeit zugänglich. Verknüpft mit dem Lebensweg des am 4. November 1995 ermordeten Politikers wird den Besuchern eine umfassende Dokumentation der Geschichte des Staates Israel geboten. Aus der persönlichen Umgebung des Friedensnobelpreisträgers ist auch sein Arbeitszimmer zu sehen, das so in das Museum überführt wurde, wie er es am Abend seiner Ermordung verlassen hatte. Vgl.:
www.rabincenter.org.il/english/museum/pages/the%20israeli%20museum%20at%20the%20yitzhak%20rabin%20center.aspx

Unter der Leitung von Archäologen der Hebräischen Universität ist in Jerusalem ein Abschnitt einer Stadtmauer aus dem 10. Jh. v. Chr. freigelegt worden, die möglicherweise von König Salomon errichtet wurde. Das Mauerstück befindet sich in dem als „Ophel“ bekannten Areal zwischen der Davidstadt und der südlichen Begrenzung des Tempelbergs. Das Teilstück (70 Meter lang und 6 Meter hoch), so die Ausgrabungsleiterin Dr. Eilat Mazar, „zeugt von einer herrschaftlichen Präsenz. Ihre Stärke und Bauform deuten auf ein großes technisches Niveau hin. Ein Vergleich dieses jüngsten Fundes mit Stadtmauern und Toren aus der Zeit des Ersten Tempels sowie Tonscherben vor Ort versetzen uns in die Lage, mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen zu können, dass es sich bei der Mauer um jene handelt, die König Salomon in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts v. Chr. in Jerusalem errichtet hat.“ Weitere Informationen:
www.huji.ac.il/cgi-bin/dovrut/dovrut_search_eng.pl?mesge126691593732688760

Nach einer zweijährigen Umbauzeit ist das Jüdische Museum im Londoner Stadtteil Camden wieder geöffnet. Besuchern wird auf zwei Etagen jüdisches Leben „zum Greifen“ nahe gebracht, angefangen von den ersten jüdischen Einwanderern, die 1066 mit den Normannen aus Frankreich gekommen waren. Das Museum widmet sich u. a. den Themen: Britische Jüdische Geschichte, Immigration, Holocaust und jüdische Glaubenswelt. Eine am 25. Juni 2010 beginnende Wechselausstellung zeigt illuminierte Manuskripte aus der Vatikanischen Bibliothek und aus den bedeutendsten britischen Sammlungen (The Bodleian Library, The British Library, the Library of Lambeth Palace and the John Rylands Library). 1995 war das Jüdische Museum (gegründet 1932) mit dem „Museum of Jewish Life“, das sich speziell mit der Geschichte der jüdischen Einwanderer im Osten Londons befasste, zusammengelegt worden.

Präsident Obama feierte auch in diesem Jahr – wie auch 2009 – im Weißen Haus den Pessach-Seder. Begonnen hat diese ungewöhnliche Tradition mit einer improvisierten Seder-Feier seiner jüdischen Mitarbeiter während des Wahlkampfes 2008, zu der Obama zufällig dazustieß. Der traditionelle Wunsch am Ende der Feier – „Nächstes Jahr in Jerusalem“ – wurde erweitert auf „Nächstes Jahr im Weißen Haus“. Angespornt durch den Wahlerfolg wurde die Seder-Feier zur Tradition.



top