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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 17 / 2010 Heft 1

Ende Juni 2009 fand im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt die Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust (Holocaust Era Assets Conference) statt. In der Abschlusserklärung („Theresienstadt-Erklärung“) vom 30. Juni 2009 wurden Normen für die Rückerstattung privater und gemeinschaftlicher Vermögensbestände festgesetzt und erstmals die Frage erörtert, mit Eigentum ohne Erben umzugehen, und dies in Zusammenhang mit der Notwendigkeit, sich um das Wohlergehen der überlebenden Holocaust-Opfer zu kümmern. Des Weiteren wurde auf der Konferenz die Gründung eines neuen Instituts in Theresienstadt, des „European Shoah Legacy Institute“, durch die tschechische Regierung unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union beschlossen.

Veranstaltet vom Düsseldorfer Justizministerium hat erstmals eine Gruppe von 25 Richtern und Staatsanwälten aus Nordrhein-Westfalen an einem Studienseminar in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilgenommen. Schwerpunkt war das Thema „Rassismus und Antisemitismus im Europa des 19. und 20. Jh.“. Einzelbeiträge befassten sich mit den Themen „Täter, Zuschauer, Retter“, „Der Holocaust und sein Einfluss auf den Einzelnen“ und „Die Welt nach 1945“. Im Rückblick erklärte Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter: „Die intensive Befassung mit dem Holocaust ist eine eminent wichtige Bereicherung und Sensibilisierung für die Teilnehmer, die in ihrer täglichen Arbeit mit staatlicher Autorität gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern auftreten.“

Die Internationale Schule für Holocaust- Studien (ISHS) der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bietet zum zweiten Mal einen Online-Kurs für Lehrerinnen und Lehrer an. Das diesjährige Thema lautet: Der Holocaust im Unterricht: Lernen über Dilemmata, Entscheidungen und Handlungsoptionen. Der deutschsprachige Kurs befasst sich mit der altersgerechten Vermittlung des Holocaust für die Jahrgangsstufen 4 bis 10. Gegründet wurde die ISHS im Jahre 1993. Eine ihrer Aufgaben ist die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien. Diese werden in verschiedenen Sprachen angeboten, sind speziell auf die jeweiligen Länder zugeschnitten und werden teils in Kooperation mit Absolventen der Seminare erarbeitet. Weitere Informationen unter:
http://www1.yadvashem.org/yv/en/education/languages/german/courses/index.asp

Die Israelische Altertumsbehörde (IAA) hat im Juli 2009 in der Stadt Lod eines der eindrucksvollsten antiken Mosaiken in Israel für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der 1700 Jahre alte Mosaikfußboden umfasst eine Fläche von etwa 180 Quadratmetern und enthält Detaildarstellungen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Pflanzen und Schiffen. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes, in dem der Mosaikfußboden gefunden wurde, ist unbekannt. Das Mosaik hatte bereits bei seiner Entdeckung (1996) großes öffentliches Interesse gefunden, wurde aber am Ende der Ausgrabung wieder zugeschüttet. Eine großzügige Spende hat es der IAA nun ermöglicht, am Fundort das „Lod Mosaic Archaeological Center“ zu gründen.

Hongkou, auch Klein-Wien genannt, ein unscheinbarer Stadtteil von Schanghai, einst der letzte Zufluchtsort für mehr als 20 000 Juden, soll abgerissen werden. Als zuletzt alle Länder den verfolgten Juden die Einreise verweigerten, war Schanghai der einzige Ort, der auch jene aufnahm, die weder Visum noch gültige Papiere hatten (vgl. FrRu 13[2006]126 f.). Der israelische Generalkonsul in Schanghai, Jackie Eldan, dessen Vorfahren bereits im 19. Jh. aus Bagdad nach Schanghai gezogen waren, versucht nun den Abbruch der für die jüdische Geschichte so bedeutungsvollen Gebäude zu verhindern: „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit. [...] Während Juden in den Gaskammern ausgelöscht wurden, hat Schanghai sein Tor geöffnet.“

Seit Mai 2009 erschließt der im Aargau neu eröffnete „Jüdische Kulturweg Endingen- Lengnau“ die baulichen Zeugnisse jüdischen Lebens der einstigen jüdischen Gemeinden im schweizerischen Surbtal. Die beiden Dörfer Lengnau und (Ober-)Endingen waren ab 1776 die einzigen Dörfer auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, in denen Juden sich dauerhaft niederlassen durften. Erste Einengungen ihres Lebensraumes wurden bereits Mitte des 14. Jh. erlassen. Um 1850 lebte etwa die Hälfte der ca. 3000 Juden der Schweiz in diesen beiden Dörfern. Als 1866 auch den Juden die Niederlassungsfreiheit gewährt wurde, begann der Wegzug der meisten Juden aus den Dörfern – nach Baden, Zürich oder ins Ausland (vgl. K.-D. Alicke, Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, 1119-1122, S. 52 f. i. d. Heft).

Mit dem Rabbiner-Spiro-Preis 2009 für Dr. Johannes Friedrich würdigt der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern den evangelischen Landesbischof von Bayern für seinen Einsatz für ein konstruktives und menschliches Miteinander zwischen Christen und Juden. Rabbiner David Spiro, ein Überlebender der Schoa, hatte sich nach 1945 intensiv für den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Bayern eingesetzt. Die feierliche Verleihung findet am 7. Dezember in der Münchner Residenz statt.

Marian Turski, Vorsitzender der Gesellschaft des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, hat am 30. Juni 2009 im Zentrum des ehemaligen Warschauer Gettos den Grundstein für den Bau des Museums der Geschichte der polnischen Juden gelegt. Turski, ein Überlebender des Gettos in Lodz, betont, dass es kein „Holocaust-Museum“ sein wird. Nach Jerzy Halberstadt, Direktor des Museum- Projektes, soll es auch kein „Jüdisches Museum“ sein, sondern eine „polnische öffentliche Institution“, die sichtbar macht, dass „polnische Geschichte nicht verständlich ist ohne das jüdische Element“.

Marek Edelmann, der letzte Kommandant des Warschauer Getto-Aufstands von 1943, ist am 2. Oktober 2009 verstorben. Das Getto für etwa 500 000 Juden aus Warschau und Umgebung wurde bereits im April 1940 festgelegt, im November 1940 wurde es abgeriegelt. Ab Juni 1942 wurden täglich Tausende Juden in die Vernichtungslager deportiert, am 22. Juli in einer Großaktion an die 400 000. Am 28. Juli wurde die Kampforganisation gegründet, der auch Marek Edelmann angehörte. Nach erneuten Massendeportationen ab Januar 1943 begann am 19. April 1943 der Kampf um das Getto (vgl. Julius H. Schoeps, Neues Lexikon des Judentums, 848). Am 10. Mai 1943 rettete sich Marek Edelmann mit anderen Kämpfern durch die Kanalisation in den nicht-jüdischen Teil Warschaus.



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