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Notizen Jahrgang 16 / 2009 Heft 2

Ungarische Holocaust-Überlebende und jüdische Überlebende der Blockade Leningrads erhalten eine Einmalzahlung, so das Ergebnis von Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Jewish Claims Conference. Die beiden großen jüdischen Opfergruppen waren bisher bei der Wiedergutmachung durch alle Raster gefallen. Etwa 6500 Überlebende der Besatzung Budapests durch Nazi-Deutschland, die in Ungarn geblieben sind, sollen je eine einmalige Zahlung von 1900 Euro bekommen. Etwa 200 000 ungarische Juden waren in Budapest verblieben, so Hans Riebsamen in der FAZ vom 20. August 2008, „weil die Vernichtungskapazitäten nicht ausreichten“. Einige tausend jüdische Überlebende der Blockade Leningrads durch die Wehrmacht in den Jahren 1941 bis 1944, die heute im Westen leben, sollen eine materielle Wiedergutmachung in Höhe von 2556 Euro erhalten.

Aaron Ciechanover, Nobelpreisträger der Chemie (2004) und Professor am Technion in Haifa, ist am 31. Oktober 2008 im Vatikan von Papst Benedikt XVI. in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden. Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften (Pontificia Academia Scientiarum) wurde 1603 gegründet und ist die älteste Wissenschaftsakademie weltweit. Die Mitglieder werden vom Papst persönlich ernannt. Prof. Ciechanover betonte bei seiner Ernennung die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Kirche und Wissenschaft, insbesondere bei moralischen und ethischen Fragestellungen, für die die Wissenschaft keine hinreichende Antwort habe. Selbst wenn nicht immer Einigkeit unter den Parteien herrsche, sei es von großer Bedeutung, immer im Dialog zu bleiben. Die Kirche hat nach Ciechanovers Meinung einen großen Einfluss, den sie nutzen könne, um Vorurteile abzuschaffen. Sie könne auch die Wissenschaft und deren Leistungen als Brücke zum Frieden und zur friedlichen Verständigung nutzen. Die Aufnahmefeier fand im Rahmen einer alle zwei Jahre durchgeführten Konferenz statt, diesmal unter dem Titel „Wissenschaftliche Einsichten in die Evolution des Universums und des Lebens“.

Der israelische Schriftsteller Amos Oz wurde als erster Israeli mit dem Heinrich-Heine-Preis ausgezeichnet. Die Verleihung fand am 13. Dezember 2008, dem 211. Geburtstag des Dichters, in Heines Heimatstadt Düsseldorf statt. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich im Sinne von Heinrich Heine für Menschenrechte, Völkerverständigung und Toleranz einsetzen. Amos Oz, so die Jury, setze sich in seinem Umfeld stets für die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Amos Oz wurde am 4. Mai 1939 in Jerusalem als Amos Klausener geboren. Die Bücher des international renommierten Schriftstellers sind bereits in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, drei seiner Romane auch ins Arabische. „Mein Michael“ erschien 1990 in Ägypten, „Sumchi“ wurde in Jordanien herausgegeben. Die Übersetzung des Romans „Eine Geschichte von Liebe und Finster- nis“ wurde von der Familie von George Khoury ermöglicht. George Khoury, ein arabisch-israelischer Student, war im Jahre 2004 in Jerusalem beim Joggen von einem arabischen Terroristen erschossen worden, weil er ihn „für einen Juden hielt“. Zu den bisherigen Trägern des alle zwei Jahre vergebenen Heinrich-Heine-Preises zählen Carl Zuckmayer, Walter Jens, Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek und der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der auch der Laudator für Amos Oz war.

Der international renommierte katholische Alttestamentler Prof. em. Dr. Erich Zenger wird bei der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit am 1. März 2009 in Hamburg mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Mit Erich Zenger wird ein Jahrzehnte lang in vorderster Reihe kontinuierlich und beharrlich wirkender Förderer des christlich-jüdischen Dialogs auf vielen Ebenen gewürdigt. Er hat im wissenschaftlichen Bereich – auch in Zusammenarbeit mit jüdischen Gelehrten – in Büchern und Kommentarreihen zum hebräischen Teil der Bibel weit über den katholischen Raum hinaus bleibende und zukunftsweisende Perspektiven eröffnet und kräftige Impulse gegeben.

Die Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern, den Kampf gegen Antisemitismus zu verstärken und jüdisches Leben in Deutschland weiter zu fördern. In dem Antrag vom 4. November 2008 stellt der Deutsche Bundestag fest: „[...] Grund zur Sorge gibt, dass Antisemitismus in allen Schichten der Bevölkerung zu finden ist. Oft geht er mit Antiamerikanismus und Antizionismus einher. Die Solidarität mit Israel ist ein unaufgebbarer Teil der deutschen Staatsräson. Wer an Demonstrationen teilnimmt, bei denen Israelfahnen verbrannt und antisemitische Parolen gerufen werden, ist kein Partner im Kampf gegen den Antisemitismus. Die Solidarisierung mit terroristischen und antisemitischen Gruppen wie der Hamas und der Hisbollah sprengt den Rahmen zulässiger Kritik an der israelischen Politik. Neue Formen des Antisemitismus treten zunehmend in der islamistischen Gedankenwelt auf. Dieser arabische und islamische Antisemitismus ist eine globale Gefahr. Erwähnt seien nur die Reden des iranischen Präsident Mahmoud Ahmadinedschad, der in diesen immer wieder die ‚Tilgung Israels von der Landkarte’ fordert. Antisemitismus ist aber kein auf den politischen Extremismus begrenztes Phänomen und muss konsequent und auf breiter Front von Staat und Zivilgesellschaft bekämpft und in seiner Verbreitung gehemmt werden.“

Das israelische Oberrabbinat hat Ende Januar 2009 seine offiziellen Beziehungen mit dem Vatikan auf unbestimmte Zeit abgebrochen. Ein für März 2009 vereinbartes Treffen in Rom mit der Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum wurde abgesagt. Um ein Jahrzehnte altes Zerwürfnis zwischen der katholischen Kirche und einer ultra-konservativen Abspaltung beizulegen, hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Bischöfen aufgehoben, die der Priesterbruderschaft Pius X. angehören. Einer der Bischöfe ist der Brite Richard Williamson, gegen den in Deutschland wegen Holocaust-Leugnung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Erst kürzlich hatte er im schwedischen Fernsehen die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis abgestritten.



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