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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 16 / 2009 Heft 1

Der Filmproduzent und Schoa-Überlebende Artur (Atze) Brauner ist am 1. August 2008 neunzig Jahre alt geworden. Geboren wurde er in Lodz als Sohn eines Holzgroßhändlers. Den Zweiten Weltkrieg überlebte er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern in der Sowjetunion. Von seinen Verwandten sind 49 in der Schoa umgekommen. In seinen fast dreihundert Filmen behandelte Brauner auch immer wieder das Thema der Judenverfolgung. 2003 verfilmte er das Massaker von Babij Jar, bei dem am 29./30. September 1941 von den deutschen Besatzern mehr als 33 000 Juden umgebracht wurden. Der Film Der letzte Zug schildert die Deportation von Berliner Juden im April 1943 vom Gleis 17 Bahnhof Berlin-Grunewald (vgl. FrRu 15[2008]267–269).

Die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer werden von israelischen und amerikanischen Wissenschaftlern digitalisiert. Unter den Experten, die der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) dabei behilflich sind, ist auch ein Mitarbeiter der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA. Die antiken Manuskripte, die beinahe die gesamte hebräische Bibel enthalten, sind mehr als 2000 Jahre alt. Sie gelten als einer der wichtigsten archäologischen Funde überhaupt. 1947 wurden sie zufällig von einem Beduinen entdeckt. Einige größere Auszüge der Rollen werden dauerhaft im Jerusalemer Israel-Museum ausgestellt. Die digitale Reproduktion der mehreren Tausend Fragmente wird etwa fünf Jahre dauern. Nach Abschluss der Arbeiten sollen sie der Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht werden (Haaretz, 27.08.08).

Das Ergebnis eines bemerkenswerten Schulprojekts ist die Themenkarte Jüdisches Leben im Kraichgau. Die Karte verzeichnet nahezu alle noch erhaltenen jüdischen Kulturdenkmäler zwischen Bruchsal und Bad Wimpfen, Lobenfeld und Bretten, von den die meisten jedoch nicht mehr ihrer ursprünglichen Funktion dienen. Aus Synagogen wurden Wohnhäuser oder Scheunen, die Ritualbäder sind verborgen in Kellern, Friedhöfe liegen versteckt im Wald. Ergänzt wird die Karte durch ein deutsch-englisches Begleitheft, in dem die einzelnen Kulturdenkmäler beschrieben und erklärt werden (Verlag arte faktum, Karlsruhe 2007, 56 Seiten). Das Begleitheft haben Schülerinnen und Schüler der Realschule Waibstadt, des Adolf-Schmitthenner- Gymnasiums Neckarbischofsheim, des Hartmanni-Gymnasiums Eppingen und des Wilhelmi-Gymnasiums Sinsheim sowie Studenten und Studentinnen der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg erarbeitet.

In Stuttgart gibt es seit dem 8. September 2008 wieder eine jüdische Grundschule. Sie ist die erste allgemeinbildende jüdische Schule in Baden-Württemberg seit 1949 und die achte jüdische Schule in der Bundesrepublik. Seit 1985 hat die Gemeinde bereits einen Kindergarten mit 40 Kindern und einen Hort für rund 15 Kinder. Rektor der neuen Schule und somit zuständig für die Bildungsinhalte ist Landesrabbiner Netanel Wurmser. Neben den üblichen Fächern werden auch Hebräisch und jüdische Kultur unterrichtet. Die Privatschule nimmt auch Kinder anderer Konfessionen auf. „Jedes Kind“, so Charlotte Knobloch, „verkörpert einen Brückenschlag zwischen Juden und Nichtjuden.“ 1933 lebten 4490 Juden in Stuttgart, 1952 waren es nur noch 512. Heute hat die jüdische Gemeinde in ganz Württemberg rund 3200 Mitglieder.

Falash Mura aus Äthiopien dürfen auch weiterhin nach Israel einwandern. Im August 2008 hatte die israelische Regierung gemeldet, dass die Zeit der groß angelegten offiziellen Einwanderung von Falash Mura aus Äthiopien vorüber sei. Entsprechend einer Nachricht vom 15. September 2008 wurde die Beschränkung wieder aufgehoben. Die staatliche Einwanderungskampagne begann mit der Operation Moses. Zwischen dem 21. November 1984 und dem 5. Januar 1985 kamen etwa 8000 äthiopische Juden (Beta Israel) und Falash Mura (christliche Äthiopier jüdischer Abstammung) aus Äthiopien bzw. aus Uganda, wohin sie geflüchtet waren, nach Israel. Die Operation Salomon (1991) brachte im Laufe von nur 36 Stunden 14 325 Beta Israel in 34 Flügen nach Israel. Insgesamt sind seither etwa 120 000 Personen nach Israel gekommen. Für die Legalisierung der christlichen Zuwanderer erhielt der damalige israelische Premierminister Menachem Begin vom sephardischen Oberrabbiner Ovadia Yosef die Erklärung, dass die Falash Mura Nachkommen der „zehn verschollenen Stämme Israels“ sind. Um jeden Zweifel zu beseitigen, mussten sie jedoch pro forma zum Judentum konvertieren.

Kronprinz Haakon von Norwegen hat am 16. September 2008 im Zentrum von Oslo das erste jüdische Museum Norwegens eröffnet. Seit 1921 befand sich in dem Gebäude in der Calmeyers gate 15b eine der zwei Synagogen Oslos. 1942 wurde sie von der nationalsozialistischen Regierung des besetzten Landes konfisziert und geschlossen. Das Museum behandelt die jüdische Geschichte Norwegens von der Mitte des 19. Jh. bis zur Gegenwart. Erst nachdem im Jahre 1851 – auf Betreiben des Dichters Henrik Wergeland – der „Judenparagraf“ von 1814 aus der Verfassung des Landes gestrichen wurde, konnte die jüdische Geschichte Norwegens beginnen. 1930 lebten etwa 850 Juden in der norwegischen Hauptstadt. Während des Zweiten Weltkrieges konnten sich einige nach Schweden retten, 767 Juden wurden deportiert, lediglich 26 von ihnen überlebten. Heute leben in Norwegen etwa 2000 Juden, die meisten von ihnen in Oslo.



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