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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 15 / 2008 Heft 4

Vor fünfzig Jahren wurde die Aktion Sühnezeichen – Friedensdienst in Israel gegründet. Unter dem Motto „Dem Hass eine Kraft entgegensetzen“ haben seit 1961 mehr als 1500 junge Menschen aus Deutschland in Israel freiwilligen sozialen Dienst geleistet: in Altenheimen, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen, in Einrichtungen für Behinderte, Kinder und Jugendliche und in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Einsatz (12 Monate) ist vor allem geprägt durch die intensiven Begegnungen mit Überlebenden der Schoa. Seit 2001 arbeiten auch israelische Jugendliche in Deutschland als Freiwillige in Gedenkstätten und sozialen Projekten. Neben Israel ist Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in 13 weiteren Ländern aktiv, deren Bevölkerung besonders unter dem Nationalsozialismus gelitten hat.

In Erinnerung an den am 21. Oktober 2007 verstorbenen Prof. Dr. Ernst Ludwig Ehrlich hat der Akademische Senat der Freien Universität Berlin die Errichtung des „Ernst- Ludwig-Ehrlich-Masterstudiengang, Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch Christlichen Beziehungen“ verabschiedet (Aufnahme ab WS 08/09 möglich). Ernst Ludwig Ehrlich, seit 1969 Mitarbeiter des „Freiburger Rundbrief“, war für seine außerordentlichen Verdienste in der Erforschung der jüdisch-christlichen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart und seinen wegweisenden Einsatz für die Versöhnung von Juden und Christen am 2. Juni 2003 die Ehrendoktorwürde der FU Berlin verliehen worden. Leiter des Masterstudienganges ist Univ.-Prof. Dr. Rainer Kampling, Seminar für Katholische Theologie der FU Berlin.

Am 26. April 2008 ist Yossi Harel, der Kommandant der Exodus, in Tel Aviv gestorben. Harel hat zwischen 1945 und 1948 die geheimen Schiffstransporte von etwa 24 000 jüdischen Flüchtlingen aus Europa nach Israel kommandiert. 1919 in Jerusalem geboren, schloss er sich im Alter von 15 Jahren der Hagana an. Neben den Schiffen Knesset Israel, Atzma’ut und Kibbutz Galuyot organisierte er auch die Fahrt des berühmten Flüchtlingsschiffes Exodus (bekannt durch den gleichnamigen Roman von Leon Uris), das im Juli 1947 mit 4500 Holocaust-Überlebenden an Bord von Frankreich aus in See stach und vor der Küste Israels von der britischen Besatzungsmacht nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Von Lübeck aus wurden die Flüchtlinge in die Lager Pöppendorf und Am Stau verbracht.

Der israelische Faschismusforscher Zeev Sternhell erhält den Israel-Preis für politische Wissenschaften. Sternhell, em. Professor für politische Wissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem, 1935 in Galizien geboren, hat den Holocaust in Polen überlebt. 1951 ist er von Frankreich aus nach Israel eingewandert. Israel ist für Sternhell nicht primär eine politische Angelegenheit, sondern eine „Rückkehr zum Leben als Menschen. Denn dort, im Getto, hat man die menschliche Grundlage in sich verloren. Die menschliche Identität. Man hörte überhaupt auf, menschlich zu sein. Man war kein Mensch. [...] Die reine Tatsache, dass diese Juden, die in die Gettos gingen, die man durch die Straßen jagte, die man tötete und schlachtete, nun aufstehen und sich einen Staat errichten. Ich betrachtete dies wirklich als ein Wunder, [...] ein historisches Ereignis von beinahe metaphysischer Dimension. [...] Erst da, als ich im Hafen von Haifa das Schiff „Artza“ verließ, hörte ich auf, das Objekt des Handelns anderer zu sein und wurde zu einem Subjekt. Erst dann wurde ich zu einem Menschen, der über sich selbst bestimmt und nicht von anderen abhängig ist.“

In Kreuzberg bei Altenahr ist am 1. Mai 2008 Philipp Freiherr von Boeselager (geb. am 6. September 1917), der letzte Verschwörer des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944, verstorben. Zusammen mit seinem Bruder Georg Freiherr von Boeselager und mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg (vgl. Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg, FrRu 13[2006]278 ff.) gehörte er zu dem innersten Kreise der Verschwörer. Von Boeselagers Aufgabe war, den besten (englischen) Sprengstoff zu besorgen. Sein Überleben verdankte er seinen Mitverschwörern, die selbst unter der Folter seinen Namen verschwiegen. Ein am 13. März 1943 geplanter Anschlag – Hitler sollte von Offizieren, zu denen auch Boeselager gehörte, erschossen werden – wurde in letzter Minute von Generalfeldmarschall Günther von Kluge abgesagt. Der zweite Versuch unmittelbar darauf – Hitlers Flugzeug sollte über Minsk explodieren – misslang, weil die Zünder der Bomben, die Boeselager besorgt hatte, von der Kälte eingefroren waren. Sein Motiv, Hitler zu töten, so Boeselager, war das Wissen, dass täglich Abertausende Juden ermordet wurden.

Irena Sendler (poln. Irena Sendlerowa) geb. Krzyz.anowska, die „Mutter der Holocaustkinder“ (vgl. FrRu 14[2007]221 f.), ist am 12. Mai 2008 in Warschau verstorben. Irena Sendler, geb. am 15. Februar 1910 in Otwock, Kongresspolen, hatte während der NS-Zeit als Krankenschwester für Epidemienkontrolle zusammen mit Helfern 2500 jüdische Kinder auf abenteuerlichen Wegen aus dem Warschauer Getto herausgeschmuggelt und sie in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern untergebracht. Die Namen der Kinder notierte sie auf Papierfetzen und hinterlegte sie in einem sicheren Versteck für eine eventuelle spätere Identifizierung und Familienzusammenführung. 1965 wurde Irena Sendler von Yad Vashem mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Die Universität Haifa, die jüngste der israelischen Universitäten, zeichnet sich nicht nur in den Bereichen Wissenschaft und Forschung aus. Sie ist auch eine multikulturelle Einrichtung, ein Ort, an dem Tausende von Juden und Arabern gemeinsam studieren. Das ist nicht immer einfach und auch oft spannungsreich, so Sonja Lahnstein-Kandel, Vorsitzende des Deutschen Förderkreises, aber es klappt. Im „Community Leadership- Programme“, vom Deutschen Förderkreis ins Leben gerufen und unterstützt, engagieren sich in diesem Jahr 22 jüdische und 22 arabische Studenten in sozialen Projekten für hilfsbedürftige Menschen und lernen dabei Wege für ein friedliches Miteinander zwischen Arabern und Juden.

Vom Friedhof des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt (Terezin) nördlich von Prag sind insgesamt 327 Bronzeschilder mit den Namen von Holocaust- Opfern gestohlen worden. Der Diebstahl ist wahrscheinlich eher geschäfts- als antisemitisch bedingt, so ein Sprecher der Gedenkstätte. Eine Ersetzung der kostbaren Schilder durch solche aus billigerem Material würde 64 000 Dollar kosten. Zwischen 1941 und 1945 kamen in Terezin rund 35 000 Menschen ums Leben. Über 150 000 wurden weiter zu den Todeslagern deportiert, vor allem nach Auschwitz.



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