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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 15 / 2008 Heft 2

Die von dem Kölner Prälaten Gustav Meinertz gerettete Torarolle ist wieder restauriert. Meinertz (1873–1959) hatte in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 aus der brennenden Synagoge in der Kölner Glockengasse eine Torarolle gerettet und bei sich zu Hause versteckt. Nur wenige Tage nach Kriegsende gab er sie der jüdischen Gemeinde zurück (vgl. FrRu 9[2002] 315). Aber die aus dem Jahre 1902 stammende Torarolle war durch den Brand beschädigt und konnte daher im Gottesdienst nicht mehr gebraucht werden. Eine Restaurierung schien lange als unmöglich. Erst dank der Anwendung neuester Techniken im Labor von Rabbiner Itzhak Steiner in Jerusalem gelang die Wiederherstellung. Die Kosten von 12 000 Euro übernahm der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Bei einer Gedenkveranstaltung am 9. November 2007 im jüdischen Gemeindezentrum in Köln- Ehrenfeld wurde die Restaurierung der Rolle mit der feierlichen Niederschrift der letzten Buchstaben abgeschlossen und die Rolle wieder ihrer liturgischen Bestimmung übergeben. „Es gibt bei uns eine zweitausend Jahre alte Prophezeiung“, so Rabbiner Steiner, „wonach die Buchstaben einer verbrannten Tora in den Himmel aufsteigen werden. Gott hat die Buchstaben im Himmel bewahrt, und heute hat Er sie uns zurückgegeben.“

Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung (am 14. Dezember 2005) wurde am 16. Dezember 2007 die neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde Bochum – Herne – Hattingen unter der Leitung von Rabbiner Dr. Henry Brandt, emeritierter Landesrabbiner von Westfalen-Lippe und Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, feierlich eingeweiht. Der Höhepunkt der Einweihung – die Einbringung der Torarollen – wurde von den Rabbinern Avichai Apel, Henry Brandt und Julien Chaim Soussan vorgenommen. Die alte Synagoge war in der Pogromnacht vom 9. November 1938 angezündet und zerstört worden. Heute zählt die jüdische Gemeinde in Bochum wieder 1200 Mitglieder, so viele wie vor der Schoa. Neben dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Grigory Rabinovich, und zahlreichen Gästen nahmen auch die Vorsitzende des Zentralrats der Juden Charlotte Knobloch, Bundestagspräsident Norbert Lammert und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an den Feierlichkeiten teil.

Den Rücktritt von Karl Kardinal Lehmann zum 18. Februar 2008 vom Vorsitz der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz hat der Zentralrat der Juden in Deutschland „mit großem Bedauern“ zur Kenntnis genommen. „Karl Kardinal Lehmann war über viele Jahre nicht nur ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Ansprechpartner für die Repräsentanten des Zentralrats“, so Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats. „Vielmehr entstanden über die jahrelange vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit tiefe menschliche Bindungen, die sich auch in politisch schwierigen Zeiten als tragfähig und belastbar erwiesen haben. [...] Auch wenn Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurücktritt, freuen wir uns, dass er uns in seiner Position als Bischof von Mainz weiterhin als engagierter Katholik, dessen Stimme nicht nur im Dialog der Religionen unverzichtbar ist, erhalten bleibt. Wir freuen uns auf die weitere erfolgreiche und partnerschaftliche Zusammenarbeit.“

Analog zum „Zug der Erinnerung“ (vgl. FrRu 15[2008]77 f.) wurde vom 26. Januar bis 11. Februar 2008 am Bahnhof Potsdamer Platz in Berlin die Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod – Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ gezeigt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Leid der deportierten jüdischen Kinder. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Centrum Judaicum, dem Deutschen Technikmuseum Berlin und der Journalistin Beate Klarsfeld, die bereits in Frankreich eine ähnliche Ausstellung auf Bahnhöfen gezeigt hatte. Nach Berlin soll sie in weiteren Orten in Deutschland zu sehen sein.

Mit dem Hermann-Maas-Preis 2008 (vgl. Jörg Thierfelder, Hermann Maas – Retter und Brückenbauer, in FrRu 14[2007]162– 172) wurde am 27. Januar 2008 das Projekt Likrat (Begegnung) der Jüdischen Hochschule in Heidelberg ausgezeichnet. Auf Initiative und unter der Leitung des Rektors der Hochschule Prof. Alfred Bodenheimer werden jüdische Jugendliche dazu ausgebildet, in Schulen zu gehen, um ihren Altersgenossen heute gelebtes Judentum vorzustellen. Dadurch soll deutlich werden, dass jüdisches Leben in Deutschland in unserer Zeit wieder neu möglich ist. Die Jugendlichen diskutieren auf Augenhöhe mit den Schülern über ihren Glauben und über ihr Leben als jüdische junge Leute in Deutschland. Es geht um einen neuen, natürlichen Versuch, das Judentum heute zu vermitteln und die Schoa nicht auszusparen, aber auch zu zeigen, dass junge Juden sich nicht nur in der Opferrolle sehen, sondern mit unverstellter Selbstverständlichkeit in Deutschland leben möchten und leben können. Dieses Projekt ist innovativ und verdient dieser großen Würdigung.

Anlässlich der Zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit am 2. März 2008 in Düsseldorf wird der 1927 im badischen Kippenheim geborene Unternehmer Stef Wertheimer aus Kfar Vradim, Galiläa, mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Mit seiner Vision, den Frieden im Nahen Osten nicht den Konferenztischen der Politiker zu überlassen, verkörpert Stef Wertheimer konkret das Jahresthema des Deutschen Koordinierungsrates: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“ (David Ben Gurion). Wertheimer hat mit seinem Metall verarbeitenden Betrieb ISCAR wesentlich zur Exportbilanz und Erfolgsgeschichte des Staates Israel beigetragen. Seinen Technologiepark Tefen sieht Wertheimer als „kapitalistischen Kibbuz“. Das Motto der von ihm begründeten Gartenstadt Kfar Vradim („Rosendorf“) mit Schule, Sportzentrum, Konzerthalle und „Offenem Museum“ ist „Lebensqualität“. Indem Israel beiträgt, mit der Sozialethik der Gemeinschaft und freiem Unternehmergeist solche „Friedensparks“ (Wertheimer) in Jordanien, Ägypten und der Türkei und auch in Palästina aufzubauen, übernimmt der jüdische Staat Verantwortung als Teil des östlichen Mittelmeerraumes. Stef Wertheimer aber will vor allem durch Arbeit dem Terrorismus entgegenwirken und Frieden und Sicherheit schaffen.

Die israelische Altertumsbehörde (IAA) hat neben dem Plaza-Hotel in Tiberias einen weiteren Teil des römischen Stadions aus dem 1. Jh. n. Chr. freigelegt, das in der Vita von Flavius Josephus erwähnt wird (Vita, 92). Das Stadion wurde für Athletik-Wettbewerbe und Pferderennen sowie als Versammlungsort genutzt. Unter anderem wurden nach einem blutigen Kampf zwischen Römern und jüdischen Widerständlern auf dem See Genezareth bei Migdal Tausende Juden im Jahr 67 n. Chr. festgenommen und in diesem Stadion versammelt. Ein Teil wurde hingerichtet und ein Teil als Sklaven verkauft. Weiterhin wurden Überreste aus der frühen moslemischen Periode freigelegt: Münzen, Glas, Tongefäße, Eisengeräte und erstaunliche Überreste eines Gebäudes aus der osmanischen Zeit.

Prinz Hassan bin Talal von Jordanien erhält am 4. März 2008 in Berlin den Abraham Geiger Preis 2008. Die Jury unter Vorsitz des (am 21. Oktober 2007 verstorbenen) jüdischen Religionsphilosophen Ernst Ludwig Ehrlich s. A. würdigte damit sein Eintreten für ökologische Nachhaltigkeit, Versöhnung und Dialog zwischen den Religionen. In der Begründung der Jury heißt es: „Die Ehrung von Prinz Hassan als langjährigem Präsidenten der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden und des Club of Rome würdigt seinen Mut, mit dem er für Pluralismus, Dialog der Kulturen und Verständigung zwischen Juden, Muslimen und Christen eintritt. Der Ausgleich zwischen islamischer und westlicher Welt ist ein bedeutendes Anliegen des Prinzen in einer Zeit des Auseinanderdriftens. Wo andere die Differenzen betonen, hebt Prinz Hassan die kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten hervor.“



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