Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 1075  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 14 / 2007 Heft 3

Anne Frank hätte gerettet werden können. Dies belegen erst kürzlich entdeckte Briefe von Anne Franks Vater im YIVO Institute for Jewish Research in New Jersey. Otto Frank bemühte sich monatelang, über seinen Studienfreund Nathan Straus Jr., Erbe der Kaufhauskette Macy’s in New York und Direktor des Wohnungsministeriums, für sich und seine Ehefrau Edith, die Töchter Anne und Margo und die Schwiegermutter Rosa Hollander ein Einreisevisum für die USA zu bekommen. „Du bist der einzige Mensch, den ich darum bitten kann. [...] Vielleicht erinnerst Du Dich, daß wir zwei Mädchen haben. Tue es für die Kinder“, flehte der Vater. Ob der Antrag an Straus, an den Forderungen der US-Konsulate, an der antisemitisch gefärbten Einstellung des US-Außenministeriums oder an den amerikanischen Gesetzen scheiterte, ist bisher nicht klar. Der erste Brief ist vom 30. April 1941. Ab Juni 1941 wurden an deutsche Juden keine Visa mehr erteilt. Sie galten als Spione. Ein am 1. Dezember 1941 erteiltes Visum für Kuba wurde nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour zurückgezogen. Am 4. August 1944 wurde die Familie von der Gestapo aus ihrem Versteck in Amsterdam abgeholt. Anne Frank starb Ende Februar/Anfang März 1945 in Bergen-Belsen an Typhus.

Die Ohel Moishe Synagoge im Stadtbezirk Hongkou in Schanghai, dem Zufluchtsort vieler Juden während der NS-Zeit, soll ein Gedenkzentrum werden. Nachdem die japanische Besatzung den Armenstadtteil Hongkou 1943 zum Getto erklärt hatte, wurden alle Emigranten in diesen Stadtteil zwangsumgesiedelt (vgl. FrRu 13[2006]122–128). Schanghai war von den späten 1930er Jahren an einer der letzten Orte, in dem jüdische Flüchtlinge noch aufgenommen wurden. Insgesamt sollen von den frühen 1930er Jahren an bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu 30 000 Juden nach Schanghai geflüchtet sein, unter ihnen auch 5000 Österreicher, die in „Little Vienna“ die Schoa überlebten.

„Wir beobachten mit äußerster Besorgnis eine Zunahme von antisemitischen und rechtsextremistischen Taten in Deutschland“, so die Botschaft des Staates Israel in Berlin nach einem versuchten Brandanschlag auf den jüdischen Kindergarten Gan Israel in Berlin am 25. Februar 2007. Im Rahmen der Debatte über Antisemitismus hat Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin, Nichtjuden zu einem „Kippa-Test“ aufgefordert, um das „tägliche Bedrohungsgefühl“ eines in Deutschland lebenden Juden nachempfinden zu können. Seit 2002 werden Juden zunehmend auch von Türken und Arabern attackiert. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erwartet deshalb von der Bundesregierung klare Signale an radikale Muslime. Von den gemäßigten Muslimen fordert sie eine deutliche Abgrenzung von den Radikalen.

Unter den Juden in Europa wächst die Angst vor Antisemitismus, sagte der Pariser Erzbischof André Armand Vingt-Trois in einem Podiumsgespräch an der Universität Tel Aviv am 15. Februar 2007. Er sehe jedoch keine unmittelbare Gefahr für die jüdische Gemeinschaft in Europa. Die katholische Kirche stehe aber an der Seite der jüdischen Mitbürger. Er widersprach auch der Ansicht, daß die aktuelle Politik Israels den Antisemitismus auslöse: „Die Judenfeindlichkeit ist ein fremdenfeindliches Phänomen, das bis weit vor die Gründung des Staates Israel zurückreicht.“ Erzbischof Vingt-Trois begleitete 600 französische Heilig-Land-Pilger.

Bei einer feierlichen Zeremonie im Panthéon wurden am 18. Januar 2007 vom französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac 250 „Gerechte unter den Völkern“ mit einer Gedenktafel geehrt. Auch der anonymen Retter wurde gedacht. Insgesamt sind in Yad Vashem 2725 Franzosen als Gerechte eingetragen. Chirac hatte am 16. Juli 1995 bei einer Rede anläßlich des Gedenkens an die Opfer der großen Razzien am 16. und 17. Juli 1942 in Paris als erster französischer Staatspräsident eine Mitschuld des französischen Staates an der Judenverfolgung eingestanden und erstmals mit der bis dahin gültigen offiziellen Geschichtsschreibung gebrochen: „Ja, der kriminelle Wahn der Besatzer wurde von Franzosen, vom französischen Staat unterstützt [...]. Frankreich beging an diesem Tag Irreparables. Frankreich brach das Wort und lieferte seine Schützlinge den Peinigern aus.“

In Lublin ist die alte Synagoge ist wieder eröffnet worden (11. Februar 2007). Die Jeschiwa Chachmej war einst die wichtigste Rabbinerschule Europas. Im Mittelalter galt Lublin als „jüdisches Oxford“. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Polen 3,5 Millionen Juden, drei Millionen wurden unter der deutschen Besatzung ermordet. Heute zählt die jüdische Gemeinde von Lublin etwa 30 Mitglieder. Die Renovierungsarbeiten wurden ausschließlich von der jüdischen Gemeinde getragen.

Gelsenkirchen hat ein neues Gemeindezentrum und eine neue Synagoge. Das neue Gebäude befindet sich an der Stelle der 1885 eingeweihten Synagoge, die in der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstört worden war. Die Kosten für die neue Synagoge trugen zu jeweils einem Drittel Gemeinde, Kommune und Land. Die jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen hat derzeit rund 450 Mitglieder – vorwiegend aus den GUS Staaten.

Rabbiner in Deutschland trafen sich zum zweiten Mal offiziell mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche am 12. März 2007. Gemäß dem Motto der Woche der Brüderlichkeit – „Redet Wahrheit!“ – sprach Hubert Frankemölle in der Begrüßung die Äußerungen einiger katholischer Bischöfe bei ihrem Besuch in Israel an. Auf entsprechende Kritik von jüdischer Seite sprach Kardinal Lehmann öffentlich sein Bedauern aus über die unangemessenen Äußerungen und entschuldigte sich für diese bei den Rabbinern.

Der COMPASS-Infodienst (www.compass-infodienst.de) für christlich-jüdische und deutsch-israelische Tagesthemen ist ein täglicher Online-Newsletter zu aktuellen, kostenfreien Nachrichten, Reportagen und Hintergrundbeiträgen, die sich schwerpunktmäßig mit entsprechenden Themen beschäftigen: Israel, Nahost, Gedenken und Erinnern, Holocaust, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rechtsradikalismus, Rassismus, Christlich-jüdischer Dialog, jüdische und christliche Welt. Ergänzt wird das Angebot durch Online-Rezensionen einschlägiger Buch-Neuerscheinungen sowie aktuelle Fernseh-Tips.



top