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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 14 / 2007 Heft 1

Current Dialogue, die Zeitschrift des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf (ÖRK), erscheint seit August 2006 auch in deutscher Sprache. Die 1989 gegründete Zeitschrift bietet Berichte und Dokumentationen über wichtige Konferenzen und Tagungen zur Thematik des Interreligiösen Dialogs. Der Herausgeber der Zeitschrift Dr. Hans Ucko ist Programmreferent für christlich-jüdische Beziehungen im ÖRK und u. a. auch Berater des internationalen „Interfaith Centre“ in Oxford. 

Leben und Wirken des ehemaligen Rektors der österreichischen Nationalkirche Santa Maria dell’ Anima, Bischof Alois Hudal (1885–1963), stand im Mittelpunkt eines Symposions am 6. und 7. Oktober in Rom. Es fand aus Anlaß der Öffnung des in der Anima befindlichen Hudal-Archivs statt und wurde gemeinsam mit dem Österreichischen Historischen Institut veranstaltet. Unter den Teilnehmern war der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, Prof. Walter Brandmüller. Auskünfte: Österreichisches Historisches Institut Rom, Viale Bruno Buozzi 113, 00197 Roma, Tel. 0039/06/360 82 601.

In der neuen Dresdner Synagoge wurden am 14. September 2006 zum erstenmal seit der NS-Diktatur wieder Rabbiner ordiniert: Daniel Alter aus Deutschland, Tomas Kucera aus Tschechien und Malcom Mattitiani aus Südafrika. Die drei neuen Rabbiner sind Absolventen des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam. Der Direktor des Kollegs, Rabbiner Walter Homolka, sprach von einer „historischen Wegmarke auf dem Weg hin zu einer Renaissance des Judentums in Europa“. Rabbiner Walter Jacob, Präsident des Abraham Geiger Kollegs und Enkel des bedeutenden jüdischen Bibelkommentators Benno Jacob, dessen Familie in Deutschland fünfzehn Generationen von Rabbinern hervorgebracht hat, erinnerte sich: „Als wir 1939 auswanderten, glaubten wir nicht, daß jemals wieder jüdisches Leben in Deutschland entstehen würde. Mit Gottes Hilfe kam es doch dazu.“ Von den etwas mehr als hundert jüdischen Gemeinden in Deutschland hat nur etwa jede fünfte einen eigenen Rabbiner. Für die vielen kleinen und mittleren Gemeinden wird Homolka zufolge an einer personellen Alternative gearbeitet: der Ausbildung zum Kantor mit Fähigkeiten im Bereich der Religionslehre, der Gottesdienstgestaltung und der Gemeindeorganisation.

Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Nordhausen-Krinderode, Thüringen) hat am 10. September 2006 eine neue Dauerausstellung eröffnet, die die Geschichte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora dokumentiert. In ihrem Mittelpunkt stehen zwei Einzelschicksale: Dora Birnbaum, ein Opfer, und Walter Schriel, ein Täter. Birnbaum arbeitete als Häftling in den Unterkünften der SS in Nordhausen, Schriel überwachte als Geologe die Bauarbeiten für die unterirdischen Rüstungsfabriken des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora. Das ursprünglich als Außenlager des KZ Buchenwald angelegte Lager wurde eigens zum Zweck der Rüstungsproduktion – der Montage von „V-Waffen“ – eingerichtet und stand in enger Verbindung mit der Rüstungsfabrik „Mittelwerk“. Neue Erkenntnisse zeigen, daß Mittelbau-Dora, bislang immer als Raketen-KZ bezeichnet, kein fertiges Raketen-KZ war, sondern ein Bau- KZ. 80 % der Häftlinge wurden zum Ausschachten neuer Stollen eingesetzt. Dabei fielen von 1943–1945 10 000 Menschen aus 30 Nationen der „Vernichtung durch Arbeit“ zum Opfer.

Die ungarische Ordensschwester Sara Salkaházi (1899–1944) wurde 1944 wegen ihres Einsatzes für die Juden hingerichtet. Papst Benedikt XVI. hat sie deswegen am 17. September 2006 seliggesprochen. 1899 in Kósice (Slowakei) geboren, gehörte Sara Salkaházi (ursprünglich Sarolta Schalkhaz) seit 1929 der Gemeinschaft der Schwestern des Sozialen Dienstes an. Sie wirkte unter anderem als Lehrerin sowie in der Betreuung von Armen, von jungen Frauen und Arbeiterinnen. Nach der Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen und dem Beginn der Deportationen der Juden im März 1944 beteiligte sie sich mit ihrer Gemeinschaft tatkräftig an der Rettung der Verfolgten. Etwa 1000 Juden konnten so gerettet werden, rund 100 verdanken ihr persönlich das Leben. Schwester Sara wurde denunziert und am 27. Dezember 1944 gemeinsam mit fünf anderen Frauen in Budapest von bewaffneten „Pfeilkreuzlern“ (ungarischen Nazis) festgenommen. Die sechs Frauen wurden noch am gleichen Abend erschossen und in die Donau geworfen.

Clara Ambrus-Baer (in Budapest geboren) wurde am 18. Aug. 2006 vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Als 1944 die deutschen Truppen in Budapest einmarschierten, versteckten Ambrus-Baer und ihre Familie schutzsuchende Juden in ihrem Haus und in ihrer leerstehenden Textilfabrik, und retteten dadurch mindestens 50 Juden das Leben. „Ich wollte nie ein Lob für das, was ich getan habe. Ich fand es normal, daß jemand Menschenleben rettet.“ Clara Ambrus- Baer (81) war damals gerade 19 Jahre alt. Nach dem Krieg gingen Clara und ihr Ehemann Julian in die Schweiz, wo sie sich mit Oskar Schindlers Bruder anfreundeten. Heute lebt das Ehepaar Ambrus-Baer in Buffalo, USA.

Ebenfalls aufgenommen in die Reihe der „Gerechten unter den Völkern“ wurden die katholischen Pfarrer August Ruf (1869–1944) und Pfarrer Eugen Weiler (1900–1992) aus dem Erzbistum Freiburg. Beide hatten sich für die Rettung der Jüdin Katharina Lasker-Meyer eingesetzt. Um der drohenden Deportation zu entgehen, hatte sie sich zunächst in Berlin versteckt, später im Schwarzwald und in der Nähe der Schweizer Grenze – in der Hoffnung, sich in die Schweiz retten zu können. In Singen wandte sich Katharina Lasker- Meyer an den dortigen Stadtpfarrer August Ruf. Dieser machte sie mit seinem früheren Vikar Eugen Weiler bekannt, der sie über die Grenze in die Schweiz in Sicherheit brachte. Durch die Indiskretion eines schweizerischen Grenzbeamten wurde die Gestapo informiert, worauf beide Priester umgehend inhaftiert wurden. August Ruf verstarb im Gefängnis. Eugen Weiler blieb bis Kriegsende im KZ Dachau. Als ehrendes Andenken an alle in Dachau inhaftierten Priester veröffentlichte Pfarrer Weiler den Nachlaß von Pfarrer Emil Thoma (Erlebnisberichte samt einem minutiösen Verzeichnis aller in Dachau inhaftierten Priester) in der umfangreichen Dokumentation „Die Geistlichen in Dachau“.



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