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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 13 / 2006 Heft 4

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, wurde am 7. Juni 2006 in Frankfurt als neue Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Als 1938 in Deutschland die Synagogen brannten, war sie erst sechs Jahre alt. Den Naziterror überlebte Charlotte Knobloch bei einem früheren Dienstmädchen der Familie, das das Kind Charlotte als ihre uneheliche Tochter ausgab. Charlotte Knoblochs Mutter, die zum Judentum übergetreten war, ließ sich scheiden, um der Verfolgung zu entgehen. Ihren Vater traf Charlotte Knobloch nach dem Krieg in München wieder. Die neue Präsidentin des Zentralrats der Juden will den Dialog mit den christlichen Kirchen fortsetzen und auch den Islam in den Dialog einbinden.

Das Bundeskabinett in Berlin hat am 28. Juni 2006 der Öffnung des Archivs des Internationalen Suchdienstes für die Opfer der NS-Diktatur in Bad Arolsen zu Forschungszwecken zugestimmt. Das Archiv beherbergt rund 50 Millionen Dokumente zu 17,5 Millionen Verfolgten des NS-Regimes. Bisher war der Datenbestand nur direkten Angehörigen der Opfer zugänglich.

Die Bevölkerung Israels beläuft sich derzeit auf 7 026 000 Einwohner. Im letzten Jahr sind 21 000 Neueinwanderer nach Israel gekommen, davon 9300 aus der ehemaligen Sowjetunion, ca. 3000 aus Äthiopien, 2500 aus Frankreich und 2000 aus den USA. Die arabische Bevölkerung beläuft sich auf 1 387 000 Einwohner (20 % der Gesamtbevölkerung).

Im „Beth Hatfuzoth“ (Museum der Diaspora) an der Universität Tel Aviv wurde am 5. April 2006 eine Multimedia Datengrundlage über jüdische Gemeinden in Österreich eröffnet. Die neue ständige Ausstellung zeigt geschichtliche Hintergründe, Biographien von berühmten Österreichern jüdischer Abstammung, Photographien, musikalische Tonbandaufnahmen, Videobänder und Landkarten. Das Projekt ist das Resultat der Zusammenarbeit zwischen dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus und des Beth Hatfuzoth anläßlich des 50. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Österreich.

An der Karl-Franzens-Universität in Graz startet im Herbst 2007 erstmals im deutschsprachigen Raum ein Joint-Degree-Masterprogramm für „Jüdische Studien“. Das neue „Centrum für Jüdische Studien“ (CJS) steht in enger Kooperation mit der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Nach vier Semestern kann der Titel „Master of Arts“ erlangt werden. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium. Das erste Semester mit dem Erlernen der neuhebräischen Sprache muß in Heidelberg absolviert werden.

Die französische Ausstellung „11 000 jüdische Kinder mit der Reichsbahn in den Tod“ dokumentiert mit über 150 Schwarzweiß-Fotos die Schicksale von Kindern aus Deutschland und Österreich, die nach Frankreich geflohen waren und von dort dann deportiert wurden. In Frankreich war die von Beate und Serge Klarsfeld erstellte Ausstellung auf 18 Bahnhöfen zu sehen, in Deutschland bislang nur in Karlsruhe. Für die Reichsbahn waren die Todesfahrten – mit vier Pfennig pro Kilometer – ein lukratives Geschäft.

In der Schweiz hat erstmals ein Parlament ein Amtsjahr mit einer Feier in einer Synagoge (Synagoge an der Löwenstraße in Zürich) begonnen. Regierungsrat Markus Notter sprach von einem Meilenstein auf dem für die Juden mühevollen Weg zur Gleichberechtigung. ICZ-Präsident Harry Berg bezeichnete diesen historischen Anlaß für die Juden als „weltweit einmalig“. Er habe nicht nur für die Zürcher Juden symbolhafte Bedeutung, sondern auch für die ganze Schweiz und für Minderheiten in der ganzen Welt. Mit dem Priestersegen wurden die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in den Kantonsrat entlassen.

Einen Rat der Religionen haben Juden, Christen und Muslime in Bern gegründet. Der Rat soll vor allem auch dem Bund als Ansprechpartner dienen. Thomas Wipf, Präsident des Rates der Schweizerischen evangelischen Kirchen (SEK), betonte, daß gerade die drei abrahamischen Religionen eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung des religiösen Friedens tragen. Der Rat will sich vor allem mit aktuellen religions- und gesellschaftspolitischen Fragen befassen und auch den Bundesbehörden als Ansprechpartner beratend zur Verfügung stehen, so Kurt Koch, Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz.

Nach einer Wartezeit von fast sechzig Jahren wurde in Genf am 22. Juni 2006 die israelische Organisation „Magen David Adom“ (Roter Davidstern) als Partnerorganisation der internationalen Konferenz des Roten Kreuzes aufgenommen. Gleichzeitig wurde auch der „Palästinensische Rote Halbmond“ aufgenommen. Beide Sanitätsdienste hatten im Dezember ein Übereinkommen zur gegenseitigen Anerkennung unterzeichnet. Bedingung für die Aufnahme der israelischen Organisation war ein neues, von religiösen, nationalen und kulturellen Assoziationen freies Emblem. Der Rote Davidstern war vor allem in den arabischen Ländern auf Ablehnung gestoßen. Das neue israelische Emblem ist ein roter Kristall auf weißem Hintergrund. In die Mitte des Kristalls darf Israel den Davidstern einfügen.



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