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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 13 / 2006 Heft 3

Die Nationalsozialisten hatten mit arabischer Hilfe die Ermordung der etwa 500 000 nach Palästina geflohenen europäischen Juden geplant. Dies haben Recherchen der Historiker Klaus- Michael Mallmann und Martin Cüppers von der Ludwigsburger Zentralstelle zur Fahndung nach NS-Verbrechen ergeben. Der Studie „Deutsche, Juden, Völkermord“ (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt) zufolge stand ab Sommer 1942 in Athen ein Einsatzkommando bereit, das Erwin Rommels Afrika-Korps unterstellt war. Die Niederlage Rommels gegen die britische Armee in der Schlacht von El-Alamein hat möglicherweise den geplanten Massenmord verhindert. Als Leiter des Nahost- Kommandos zur „Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina“ war SS-Obersturmbannführer Walther Rauff ernannt, der bereits in der Sowjetunion und in Serbien mit Gas gemordet hatte. Direkter Mittelsmann des Mordkommandos war der Mufti von Jerusalem, Amin el-Husseini, ein Verwandter des späteren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat.

Am 6. Dezember 2005 wurden von Yad Vashem 85 Österreicher mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Holocaust retteten. Dem Wiener Ehepaar Danuta und Ewald Kleisinger, das bereits seit 1966 zu den „Gerechten unter den Völkern“ zählt, wurde die besondere Würdigung der „Erinnerungsstaatsbürgerschaft“ verliehen. Das Paar hatte im Zweiten Weltkrieg in Warschau das Leben mehrerer Juden gerettet. Ewald Kleisinger ist bereits verstorben, seiner Frau Danuta wurde die Ehrung bei einem Festakt im Jüdischen Gemeindezentrum in Wien vom israelischen Botschafter Dan Aschbel überreicht.

Der Vatikan hat Anfang April 2006 die Bischöfe zu „entschiedenerem und gründlichem Vorgehen“ gegen den Rundfunksender Radio Maryja aufgefordert. Der Vatikan drückte darin seine Beunruhigung über die Aktivitäten des von dem Ordenspriester Pater Tadeusz Rydzyk geleiteten Senders aus, der den „deutschen Papst“ Benedikt XVI. als dafür verantwortlich bezeichnete, daß der Sender des Antisemitismus bezichtigt wird. Im März 2006 hatte der Radio- Maryja-Sprecher Stanislaw Michalkiewicz Juden auf abfällige Weise beschuldigt, von der Regierung in Warschau Geld als Entschädigung für Enteignungen im Zweiten Weltkrieg zu erpressen. Durch die Forderungen sei „Polen international gedemütigt worden“. Der Sender wurde dafür auch vom staatlichen Rat für Medienethik gerügt.

Der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving ist am 20. Februar 2006 in Wien zu drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Irving hatte sich zu Beginn der Verhandlung zwar „schuldig“ bekannt und betont, daß ihm „all die unschuldi gen Opfer, die im Holocaust gestorben sind“, leid tun, er bezweifle jedoch „Einzelheiten“. Staatsanwalt Michael Klackl warf Irving aber vor, sein Schuldbekenntnis sei „bloß ein Lippenbekenntnis aus prozeßtaktischen Gründen“. Noch vor einem Jahr ist Irving bei einer internationalen Konferenz von Holocaustleugnern aufgetreten. Nach der Urteilsverkündung erklärte Irving in einem Interview, es sei „absolut falsch“, daß im Dritten Reich „ein Programm gegen die Juden“ existiert habe, und es gäbe „keinen Beweis für eine organisierte Massenvernichtung“. Die österreichische Justiz hat Irving inzwischen per richterlichem Beschluß jeglichen Kontakt mit Journalisten untersagt.



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