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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 13 / 2006 Heft 1

Mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“, den die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verleiht, sind am 15. September 2005 dreizehn Helferund Retter posthum ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer Gedenkstunde in der Botschaft des Staates Israel in Berlinüberreichte der Gesandte des Staates Israel Ilan Mor den Angehörigen der Geehrten die Yad Vashem-Medaillen und -Urkunden.
Die deutschstämmige Helene Holzmann lebte zur Zeit der Okkupation Litauens mit ihrem jüdischen Mann Max und den beiden Töchtern Maria und Margarete in Kaunas. Gleich zu Beginn der Kriegshandlungen wurden Max Holzmann als Jude und bald darauf die Tochter Maria wegen Zugehörigkeit zur kommunistischen Jugend verhaftet und kurze Zeit später ermordet. Trotzdem fand Helene Holzmann die Kraft und den Mut, sowohl Juden als auch anderen Verfolgten zu Hilfe zu kommen. Sie und ihre Freundinnen, die Schwestern Lidija Goluboviene und Natalija Fugaleviciute, unterhielten eine Art Rettungsgemeinschaft, der noch weitere Helferinnen angehörten, die bereits als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt wurden. Zahlreiche jüdische Menschen verdanken diesen mutigen Frauen ihr Überleben. Die „Bund“-Mitglieder Fritz und Maria Briel, Emilie Busch, Hanni Ganzer, Hedwig Gehrke, Meta Kamp-Steinmann, Karin Morgenstern, Änne Schmitz und Grete Ströter haben der verfolgten Jüdin Marianne Strauss-Ellen bogen das Leben gerettet.
Der rumänische Diplomat Constantin Karadja war von 1931 bis 1941 Generalkonsul mit Amtssitz in Berlin und von 1941 bis 1944 Leiter der Konsularabteilung im rumänischen Außenministerium. Seinem fast anderthalb Jahrzehnte langen Einsatz auf diplomatischer Ebene ist es zu verdanken, daß Tausende von Juden mit rumänischer Staatsbürgerschaft dem Zugriff ihrer NS-Verfolger entzogen wurden. Insgesamt konnten durch den Einsatz von Constantin Karadja mehr als 51 000 Juden vor der Deportation nach Auschwitz gerettet werden. Seine Enkelin, Frau Irina Manescu, lebt mit ihrer Familie in Deutschland.

Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (www.zdk.de) hat am 16. März 2005 die Erklärung „Juden und Christen in Deutschland. Verantwortete Zeitgenossenschaft in einer pluralen Gesellschaft“ verabschiedet. Die Grundlage der Arbeit des Gesprächskreises ist die 1979 veröffentlichte Erklärung „Theologische Schwerpunkte des christlich- jüdischen Gesprächs“. Bezeichnend für die fruchtbare Arbeit des Gesprächskreises ist der Titel des ersten Kapitels der neuen Erklärung: „Christen und Juden sind nicht mehr dieselben.“ Nach einer offenen Stellungnahme zu kritischen Themen schließt die Erklärung mit der Feststellung, Juden und Christen sind „gemeinsam berufen, Segen für die Welt zu sein“.

Mit der unabhängigen Studie „Fußball unterm Hakenkreuz“ hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erstmals seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) in Deutschland aufgearbeitet. Die Studie wurde am 13. Sept. 2005 vorgestellt. „Sie verdeutlicht die enge Verflechtung zwischen Sport, Politik und Kommerz in der Zeit des Nationalsozialismus“, so Nils Havemann, der zusammen mit Klaus Hildebrand vom DFB beauftragt worden war, die Geschichte des Verbandes im Dritten Reich zu erforschen. Die Recherchen in mehr als 40 inund ausländischen Archiven haben ergeben, „daß der DFB – wie andere Großorganisationen auch – im Ansehnlichen wie im Unansehnlichen, im Guten wie im Bösen untrennbar in die nationalsozialistische Diktatur verwoben war“.

Die Juden des österreichischen Bundeslandes Niederösterreich haben wieder ein religiöses, kulturelles und soziales Zentrum. Im Rahmen der feierlichen Neu-Einweihung der Synagoge in Baden bei Wien am 15. Sept. 2005 übertrug Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg die Torarollen aus dem provisorischen Bethaus in die Synagoge. Vor 1938 war Baden mit 2400 Mitgliedern die drittgrößte jüdische Kultusgemeinde Österreichs. Der ursprüngliche Sakralbau war in den Jahren 1872/73 errichtet worden. Während der Reichspogromnacht wurde die gesamte Einrichtung zerstört. Der Bau wurde dann enteignet und der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV) zur Verfügung gestellt. Nach 1945 diente der Gebäudekomplex der russischen Besatzung als Materiallager. 1952 wurde der Besitz an die Israelitische Kultusgemeinde Wien als Rechtsnachfolgerin der Badener Jüdischen Gemeinde und der Stadtgemeinde Baden zurückgegeben. 1963 adaptierten die wenigen zurückgekehrten Badener Juden ein Nebengebäude als provisorisches Bethaus. Thomas Schärf, Präsident der jüdischen Gemeinde Baden, sieht in der neu eingeweihten Synagoge „ein Mahnmal für die während der NS-Zeit enteigneten, vertriebenen und ermordeten Mitlieder der einst drittgrößten jüdischen Gemeinde Österreichs“.

Vom 30. Oktober bis 1. November 2005 fand am „Center for the Study of Christianity“ der Hebräischen Universität Jerusalem in Zusammenarbeit mit der katholischen „John XXIII Foundation for Religious Studies“ in Bologna eine Internationale Konferenz anläßlich des 40. Jahrestages der Konzilserklärung Nostra aetate (1965) statt. Die Konferenz widmete sich den Ursprüngen und Auswirkungen von Nostra aetate, dem derzeitigen Stand der Forschung und einer kritischen Würdigung der katholisch-jüdischen Beziehungen der letzten 40 Jahre. Neben Teilnehmern aus Israel, Deutschland, Frankreich, Belgien, Rußland und aus den Vereinigten Staaten nahmen auch Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und Rabbiner David Rosen, Präsident des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Konsultationen (IJCIC), an der Konferenz teil.

Der Jerusalemer Schriftsteller Aharon Appelfeld ist am 6. Oktober 2005 in Israel mit dem „Ordre des Arts et des Lettres“ und am 2. Dezember 2005 mit dem Nelly- Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet worden. In Frankreich war Appelfelds „Geschichte eines [seines] Lebens“ (vgl. S. 49 ff. i. d. Heft) bereits im November 2004 als bestes ausländisches Werk mit dem „Prix Médicis“ ausgezeichnet worden.

„Bis zu 98 Prozent der Synagogen und jüdischen Gebetshäuser Polens sind wegen ihres schlechten baulichen Zustands nicht nutzbar“, so Joachim Russek, Direktor des Zentrums Jüdischer Kultur in Krakau. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Polen die größte jüdische Gemeinde Europas. Die Hälfte der sechs Millionen Opfer der Schoa waren polnische Juden. Im alten jüdischen Stadtteil Kazimierz in Krakau befanden sich vor dem Zweiten Weltkrieg sieben Synagogen und 300 Gebetshäuser, Talmudschulen und andere religiöse Einrichtungen. Heute gibt es in Krakau nur noch in zwei Synagogen religiöses Leben.

König Abdullah von Jordanien traf sich mit einer Gruppe von Rabbinern. Das Treffen am 21. September 2005 in New York wurde als ein weiterer Schritt in Richtung Versöhnung und Dialog gewertet. Als Geschenk wurde dem König eine Tora überreicht. Das Treffen war vom „Zentrum für Religionen, Diplomatie und Konfliktlösungen“ initiiert worden, einer akademischen Organisation, deren Ziel es ist, durch den Einsatz religiöser Werte und durch Kontakte zwischen religiösen Führern Gewalt und Terror in der Welt zu verringern.

Die israelische Nachrichten-Website „Walla“ veröffentlichte am 20. September 2005 eine amerikanische Meinungsumfrage über die Einstellung zu Juden. Befragt wurden 17 000 Personen in 17 Staaten weltweit. Die Studie ergab, daß 85 % der Niederländer Sympathie gegenüber Juden empfinden, 11 % gaben eine negative Einstellung gegenüber Juden zu. Unter den Franzosen bekannten sich 82 % zu einer positiven und 16 % zu einer negativen Einstellung. Nach Kanada und Großbritannien kamen die USA mit 77 % nur auf den fünften Platz in der Sympathiescala; 7 % der Amerikaner sagten, daß sie Juden nicht mögen. In Polen empfinden nur 54 % Sympathie für Juden, 27 % Antipathie. In der Türkei hegen nur 18 % Sympathie für Juden, 60 % hassen sie. In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Staat, gaben 13 % eine positive Einstellung an, 76 % stehen Juden feindlich gegenüber. In Jordanien erklärten sich 100 % als Feinde der Juden, im Libanon 99 %.



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