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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 12 / 2005 Heft 4

Die Innenministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland hat gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Union progressiver Juden einen neuen Zuwanderungskompromiß nach strengeren Kriterien vereinbart. Berechtigt sind alle, die im Sinne ehemaliger sowjetischer Vorschriften Juden sind und von mindestens einem jüdischen Elternteil abstammen, sowie deren Ehegatten und minderjährigen Kinder. Die Antragsteller müssen ausreichende Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachweisen. Anträge, die bis zum 1. Juli 2001 gestellt wurden, werden nach der alten Regelung entschieden. Für Opfer des Nationalsozialismus gilt eine generelle Härtefallklausel. Die Anträge werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg bearbeitet. Dieses erstellt eine „Sozialprognose“. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland prüft die Aufnahmefähigkeit der Antragsteller in eine jüdische Gemeinde. Von den etwa 200 000, die seit 1991 nach der alten Regelung eingewandert sind, haben sich nur etwa 80 000 einer jüdischen Gemeinde angeschlossen.

Zum ersten Mal seit 40 Jahren sind in der Wüste Juda wieder Teile einer Schriftrolle aus der Zeit von Bar Kochba (135 n. Chr.) gefunden worden. Das gab die israelische Antikenbehörde bekannt. Die Pergamentstücke wurden schon vor etwa einem Jahr in der Gegend des Nahal Arugot von Raubgräbern entdeckt und vor vier Monaten von Prof. Hanan Eshel, Archäologe der Bar Ilan Universität, käuflich erworben. Die Fragmente enthalten Verse über das Laubhüttenfest (Sukkot) aus Levitikus 23 und einen Abschnitt aus Levitikus 24.

Der Generalkonsul der Republik Türkei, Ahmet Akarcay, plädiert für gemeinsame Versöhnungsgebete von Christen, Muslimen und Juden. Anlaß war der Besuch von Adelheid Lehmann, Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V. in Essen, und von Clemens Thoma, Luzern, im Generalkonsulat Essen am 2. Mai 2005. Vor seiner bevorstehenden Rückkehr in die Türkei möchte der Generalkonsul diesen Vorschlag auch dem Bischof von Essen, Felix Genn, vorlegen. Es sei unverzichtbar, daß diese gemeinsamen Versöhnungsgebete von christlichen, muslimischen und jüdischen Würdenträgern überlegt und geleitet werden, so daß sich viele Gläubige zum friedenschaffenden Beten eingeladen fühlen. Die zusammenführenden Gemeinschaftsgebete sollen abwechselnd in katholischen und protestantischen Kirchen sowie in Moscheen und Synagogen stattfinden. Lehmann und Thoma versprachen, sich für diesen ökumenischen Impuls einzusetzen.

Am 12. Juli 2005 wurde in der Knesset in Israel eine Briefmarke in Erinnerung an Papst Johannes Paul II. mit einem feierlichen Akt der Öffentlichkeit übergeben. Die Briefmarke zeigt den am 2. April 2005 verstorbenen Papst, als er am 26. März 2000 nach jüdischem Brauch an der Klagemauer ein Gebet hinterlegte. Das Gebet war eine Bitte um Vergebung für alle antisemitischen Haltungen und Ausschreitungen, deren sich Katholiken an Juden schuldig gemacht haben. Die Briefmarke ist umrahmt – auf hebräisch und englisch – mit den Worten des Papstes: „Möge Friede das Geschenk Gottes für das Land sein, das er für sich erwählt hat. Schalom.“ Als Dank für die Herausgabe der Briefmarke hat Papst Benedikt XVI. die israelische Kommunikationsministerin Dalia Itzik zu einer Privataudienz in den Vatikan eingeladen.

Rabbiner Walter Jacob wurde mit einem päpstlichen Ehrentitel ausgezeichnet. Der Präsident des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam wurde am 18. Juni 2005 von Bischof Donald Wuehrl in Pittsburgh in den Stand eines Kommandeurs des Päpstlichen Gregoriusordens erhoben. Anlaß für die Auszeichnung des ehemaligen Augsburgers, der sich um das jüdisch-katholische Gespräch verdient gemacht hat, waren sein 75. Geburtstag sowie das Goldene Jubiläum seiner Ordination zum Rabbiner. Der Gregoriusorden wurde 1831von Papst Gregor XVI. gestiftet. Die Ernennung war noch von Papst Johannes Paul II. bestätigt worden.

König Abdallah II. von Jordanien erhielt den „Toleranz“-Preis 2005 des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Der Preis, ein kunstvoll gearbeiteter Schofar, wurde dem König am 21. Juni 2005 von Rabbiner Marvin Hier, dem Gründer des Wiesenthal- Zentrums, in der jordanischen Hauptstadt Amman übergeben. Gewürdigt wurde der Einsatz von König Abdallah II. gegen Terrorismus, Antisemitismus und Extremismus. Seine Bemühungen, vor allem seine „Amman-Botschaft“, in der er sich an die schweigende islamische Mehrheit wandte, die „im Namen des Islam verübte Gewalt und Terrorismus ablehnt“, sind für den Friedensprozeß im Nahen Osten von entscheidender Bedeutung. Sein verstorbener Vater, König Hussein von Jordanien, und Königin Nur waren 1995 im Wiesenthal- Museum der Toleranz in Los Angeles ebenfalls mit dem Preis geehrt worden.

Die Europäische Union hat zum ersten Mal eine offizielle und detaillierte Definition des Begriffs „Antisemitismus“ erstellt. Die Definition legt fest, daß die Leugnung des Existenzrechtes Israels als Ausdruck der selbständigen Definition des jüdischen Volkes sowie Aufrufe zur Tötung von Juden als antisemitische Taten gelten. Auch die Leugnung des Holocausts, die Beschuldigung des jüdischen Volks, den Holocaust erfunden zu haben oder sein Ausmaß zu übertreiben, ebenso wie die Beschuldigung der Juden, Israel oder dem globalen Judentum treuer zu sein als den Staaten, in denen sie leben, werden als „Antisemitismus“ bezeichnet. Mit dieser Erklärung bestätigt die Europäische Union, daß Terroranschläge gegen jüdische Zivilisten – in Israel und weltweit – im Antisemitismus begründet liegen. Erstellt wurde die Definition vom European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia (EUMC, http://eumc.eu.int) in Wien.



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