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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 12 / 2005 Heft 2

In München/Theresienhöhe wurde am 19. November 2004 eine Ben-Chorin-Straße benannt. Die kleine Zusatztafel ergänzt: „Schalom Ben-Chorin (geb. 1913 in München / gestorben 1999 in Jerusalem) Schriftsteller und Religionsphilosoph“. Ehrengast bei der Enthüllung des neuen Straßenschildes war die Witwe des Geehrten, Avital Ben-Chorin. Schalom Ben-Chorin war einer der frühen Wegbereiter des christlich-jüdischen Dialogs. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Trilogie Bruder Jesus (1967), Paulus (1980) und Mirjam (1971). Seiner Geburtsstadt München hatte er mit dem Buch Jugend an der Isar (vgl. FrRu 9[2002]288 f.) ein Denkmal gesetzt.

Mit einem Festakt im Saarbrücker Schloß am 10. Oktober 2004 hat die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS) ihr 50jähriges Bestehen gefeiert. Die noch lebenden Gründungsmitglieder wurden mit der „Friedrich- Schlomo-Rülf-Medaille“ der saarländischen Gesellschaft ausgezeichnet. Friedrich-Schlomo Rülf war von 1929 bis 1935 in Saarbrücken als Rabbiner tätig und hatte vor der Saar-Abstimmung eine lebhafte internationale politische Aktivität im Widerstand gegen das Dritte Reich entfaltet. Höhepunkt des Festaktes war die Welt-Uraufführung von „Gescharim“ (Brücken), eines Duos für zwei Violinen des 1927 in Saarbrücken geborenen israelischen Komponisten Tzvi Avni, der das Stück seinen „Freunden im Saarland“ widmete. Das Duo wurde meisterhaft dargeboten von Gesine Kolb und dem in Saarbrücken lehrenden israelischen Geiger Joshua Epstein. Die Uraufführung galt dem Gedenken an den im Jahre 2002 in Pakistan ermordeten jüdischen Journalisten Daniel Pearl.

Die Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum feierte am 22. Oktober 2004 den 30. Jahrestag ihrer Gründung durch Papst Paul VI. Aus diesem Anlaß eröffneten Kardinal Walter Kasper und Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni Mitte Oktober 2004 an der Päpstlichen Universität Gregoriana eine christlich-jüdische Vorlesungsreihe. Bei der Eröffnungsfeier würdigten Oberrabbiner Di Segni und Kardinal Kasper die Gründung der vatikanischen „Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum“ als Ausdruck des Fortschritts im Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum. Di Segni mahnte aber auch, beim Dialog die Wahrheitsfrage nicht auszuklammern und auch die Risiken zu sehen, die sich aus den „asymmetrischen“ Beziehungen zwischen beiden Religionsgemeinschaften ergäben. Die Vorlesungsreihe untersucht in 14 Vorträgen den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen den beiden Religionen. Die Reihe wurde organisiert vom Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien.

Der Vatikan und das Oberrabbinat von Israel haben den "heiligen Charakter Jerusalems für alle Kinder Abrahams" anerkannt und Maßnahmen für dessen Respektierung gefordert. „Wir sind nicht Feinde, sondern unmißverständlich Partner bei der Formulierung wesentlicher moralischer Werte für das Überleben und das Wohlergehen der Menschheit“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung, die zum Abschluß eines dreitägigen Treffens der ständigen Dialogkommission zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Oberrabbinat in Grottaferrata bei Rom verabschiedet wurde (Oktober 2004). Alle zuständigen Autoritäten sind aufgerufen, den „heiligen Charakter“ Jerusalems zu respektieren und „Handlungen zu verhindern, die das Empfinden der religiösen Gemeinschaften verletzen, die in Jerusalem ihren Sitz haben und Jerusalem verehren“.

Bernhard Lichtenberg (1875-1943) ist von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem postum der Titel eines „Gerechten unter den Völkern“ verliehen worden. Lichtenberg, Dompropst an der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale, hatte sich als Leiter des „Hilfswerks beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“ für verfolgte Juden eingesetzt. Als er in sein öffentliches Abendgebet in der Kathedrale auch die „bedrängten Juden“ einschloß, wurde er denunziert und zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Er starb auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau am 5. November 1943. 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. 

Ebenfalls mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde Herbert Herden (Flossenbürg, 4. Nov. 2004). Herbert Herden, der von 1939 bis 1944 in Krakau als Polizist dienstverpflichtet war, hielt verfolgte Juden in seiner Wohnung versteckt. Anderen ermöglichte er die Flucht durch seine Kontakte zu Widerstandsgruppen. 1944 wurde er denunziert und in das KZ Dachau gebracht. „Ich handelte als Christ. Es war für mich eine aus dem Glauben resultierende Verpflichtung, Menschen zu helfen.“

Die deutsche Rabbinerkonferenz hat sich in zwei autonome und gleichberechtigte Flügel aufgeteilt: die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) und die (liberale) Allgemeine Rabbinerkonferenz (ARK). Der Beschluß erfolgte – nach langen Auseinandersetzungen – im Dezember 2004. Beide Richtungen organisieren ihr eigenes unabhängiges Rabbinatsgericht (Bet Din). Außerdem wählt jede Gruppe einen dreiköpfigen Vorstand, der wiederum im Vorstand der Deutschen Rabbinerkonferenz vertreten ist. Zum Zentralrat der Juden in Deutschland zählen sich z. Z. achtzig – mehrheitlich orthodox geprägte – jüdische Gemeinden mit rd. 100 000 Mitgliedern. Der „Union progressiver Juden“ gehören fünfzehn Gemeinden mit etwa 3000 Mitgliedern an.

Am 1. Januar 2005 trat ein neues Einwanderungsgesetz für Juden aus Ländern der früheren Sowjetunion in Kraft. Begründet wird die Maßnahme mit der „mangelnden Bereitschaft mancher jüdischer Zuwanderer zur Integration“. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums kamen seit 1991 etwa 190 000 Juden nach Deutschland. Laut Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sind seit 1989 80 000 osteuropäische Juden eingewandert. Spiegel sieht „keinen Grund für eine Neuregelung und Begrenzung der jüdischen Zuwanderung“.

Am 18. Januar 2005 starb in Düsseldorf P. Dr. Willehad Eckert OP, langjähriger Mitarbeiter und Konsultor des Freiburger Rundbriefs. Im nächsten Heft werden wir seine großen Verdienste für das christlichjüdische Gespräch ausführlich würdigen.



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