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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 11 / 2004 Heft 3

Rabbiner des orthodoxen Judentums haben erstmals zu einem jüdisch-christlichen Treffen eingeladen. Die Begegnung fand Anfang Februar 2004 im Museum of Jewish Heritage in New York statt. Laut Information des Pariser Erzbischofs, Kardinal Jean-Marie Lustiger, sei ursprünglich nur eine „kleine informelle Begegnung“ geplant gewesen, aus der schließlich ein großes christlich-jüdisches Treffen mit rund sechzig Teilnehmern wurde. Das zweitägige Treffen stand zwar unter dem Thema „Was ist das wichtigste Gebot?“, aber theologische Diskussionen wurden vermieden. „Es ging darum, einander freundschaftlich zu begegnen“ (Rabbiner Adin Steinsaltz, Israel), sich kennenzulernen und Beziehungen aufzubauen. Unter den jüdischen Teilnehmern waren u. a. der frühere aschkenasische Großrabbiner Israel Meir Lau (Israel), der Kanzler der Yeshiva University Rabbiner Norman Lamm (New York), Rabbiner Henry I. Sobel (Brasilien), Rabbiner Yaakov Dov Bleich (Ukraine) und der Vorsitzende des World Jewish Congress Israel Singer. Die katholi sche Seite wurde u. a. vertreten von den Kardinälen Jean-Marie Lustiger (Paris), Theodore McCarrick (Washington), Francis Eugene George (Chicago), Christoph Schönborn (Wien), Ivan Dias (Bombay) und Alexandro do Nascimento (São Paulo de Luanda).

Eine der ersten Antragstellerinnen im Rehabilitationsverfahren der Schweiz für Flüchtlingshelfer zur Nazizeit ist die Genfer Jüdin Aimée Stitelmann (vgl. FrRu 11[2004]121). Stitelmann war am 11. Juli 1945 in Genf im Alter von 20 Jahren von der Militärjustiz zu 20 Tagen Gefängnis, abzüglich 18 Tage Untersuchungshaft, verurteilt worden. Stitelmann hatte im Laufe von drei Jahren 15 Kinder, meist Waisen, illegal in die Schweiz gebracht und bei Familien untergebracht. In ihrem Rehabilitationsantrag verlangt sie, daß die Aufhebung des Urteils von 1945 in den großen Genfer Zeitungen veröffentlicht wird. Für 26 weitere Personen hat die Paul Grüninger Stiftung ein Sammelgesuch eingereicht. Gesuche können von den Verurteilten selber oder von den Angehörigen eines verstorbenen Verurteilten eingereicht werden. Berechtigt sind auch in der Schweiz ansässige schweizerische Organisationen, die sich dem Schutz der Menschenrechte oder der Aufarbeitung der Schweizer Geschichte zur Nazizeit widmen. Die schriftlichen und eigenhändig unterschriebenen Gesuche sind vor dem 31. Dezember 2008 einzureichen, in begründeten Ausnahmefällen bis spätestens Ende 2011. Dem Begehren beizulegen ist eine Kopie des Strafurteils oder der Hinweis, wo dieses zu finden ist. Das Verfahren ist kostenlos.

Die Internetseite www.israel.org des israelischen Außenministeriums hat ein neues Gesicht. Im Januar 1994 ins World Wide Web gestellt, war die Webseite der israelischen Regierung die erste Webseite weltweit eines Außenministeriums. Die Seite enthält über 22 000 Dokumente. Der Link Our Bookmarks gibt ausführliche Informationen über Israel in verschiedenen Sprachen. Die neue Webseite wird auch eine integrierte Zeittafel enthalten, die die Geschichte des Staates Israel mit den dazugehörigen Ereignissen und Dokumenten visuell ansprechend und übersichtlich darstellt.

Das Philanthropin gehört wieder der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Am 9. Februar 2004 hat die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth in einem symbolischen Akt den Besitz an die Jüdische Gemeinde zurückgegeben. Im Jahr 1804 im Frankfurter Getto von Mayer Amschel Rothschild gegründet, war die auch von Christen besuchte Schule dem liberalen jüdischen Geist von Moses Mendelssohn und der Pädagogik von Pestalozzi verpflichtet. In ihrer Blütezeit war sie als die größte deutsche jüdische Schule berühmt. 1942 wurde das „Philanthropin“ von den Nationalsozialisten geschlossen. Nach dem Krieg an die Jüdische Gemeinde zurückgegeben, veräußerte der damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ignatz Bubis, das Gebäude, um mit dem Erlös ein Gemeindezentrum zu errichten. Nach einem gründlichen Umbau soll wieder eine Ganztagsschule erstehen.

Im Rahmen der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit 2004 wurde der israelische Dirigent Daniel Barenboim mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Barenboim, der auch Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper Berlin ist, erhielt die Auszeichnung unter anderem für seinen Beitrag zur Versöhnung zwischen Juden und Arabern. Berühmt wurde Barenboim vor allem mit dem Musikworkshop „West-östlicher Diwan“, in dem junge talentierte israelische und palästinensische Musiker zusammen an verschiedenen Orten musizieren. Gegründet hat Barenboim diese Initiative gemeinsam mit dem palästinensischen Schriftsteller und Literaturkritiker Edward Said (1935-2003). Israel ehrte das Friedensengagement des Musikers um die Aussöhnung zwischen Israelis und Arabern und seinen Einsatz für den israelisch-palästinensischen Dialog mit dem Haviva-Reik-Friedenspreis 2003. Der Haviva-Reik-Friedenspreis wurde 1994 von der Givat Haviva Educational Foundation, USA, und dem israelischen Friedens- und Bildungszentrum Givat Haviva im Gedenken an die jüdische Widerstandskämpferin Haviva Reik ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich verliehen. Der Preis soll Menschen ehren, die mit ihrer Arbeit dafür eintreten, die politischen, kulturellen und religiösen Auseinandersetzungen im Nahen Osten im Dialog auszutragen und Toleranz und die Achtung vor den Menschenrechten zu fördern. Givat Haviva, eines der größten, ältesten und führenden Institute, die sich in Israel für jüdisch-arabische Verständigung einsetzen, wurde 2001 von der UNESCO mit dem Preis für Friedenserziehung ausgezeichnet.



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