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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 10 / 2003 Heft 4

Seit 1. Juni 2003 ist Prof. Dr. Joseph Sievers Direktor des „Kardinal-Bea-Zentrums für jüdische Studien“ an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Joseph Sievers (geb. 1948 in Recklinghausen) ist Professor am Pontifical Biblical Institute in Rom für jüdische Geschichte und Literatur des Hellenismus. Ziel des neuen Instituts ist, Theologen für den fachgerechten Dialog mit jüdischen Gesprächspartnern vorzubereiten. Die jüdischen Traditionen und die jüdischen Glaubensüberzeugungen sollen als Wurzeln der christlichen Kirchen, der christlichen Theologie und Verkündigung gedeutet und verstanden werden. Dem Institut angegliedert wurden auch die Aktivitäten des einstigen renommierten Jerusalemer Instituts für judaistische Studien Ratisbonne sowie die bisher von den Sionsschwestern in Rom geleitete „SIDIC Jewish- Christian Resource Library“ und der SIDIC Dokumentationsdienst (vgl. FrRu 9[2002]318 und FrRu 10[2003]236).

Im Basler „Kellertheater“ (ehemals Kohlenkeller eines Patrizierhauses, heute Keller des englischen Seminars) fand am 3. April 2003 die Uraufführung des Bühnenstückes „Schoa“ nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm von Claude Lanzmann (1985) statt. Im Film erzählen KZ-Überlebende und Täter des NS-Regimes ihre Geschichte. Ein Mann, der in Auschwitz im Krematorium arbeitete, erinnert sich, wie seine Verwandten in die ,Dusche‘ getrieben wurden. Ein Unterscharführer erklärt anhand des Lageplans von Treblinka die grausame Systematik eines KZs. Theaterregisseur Pierre Massaux hat das Bühnenstück als Zweipersonenstück konzipiert. In der Bühnenfassung interpretierten Nathalie Huber und Otto Edelmann – schlicht im Ton, aber intensiv in der Wirkung – in Monologen und Dialogen die Figuren des Dokumentarfilmes.

Die Arbeitsgruppe „Christlich-Jüdischer Dialog des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin“ hat eine Arbeitshilfe zum Pogromgedenken am 9. November erarbeitet. Die praktische Handreichung, ursprünglich für das Jahr 2002 zusammengestellt, bietet – nach historischen Hintergrundinformationen – bestens ausgearbeitete Anregungen für christliche Gedenkfeiern. Anfragen können an den Diözesanrat gerichtet werden.

Der Emil-Fackenheim-Preis für Toleranz und Verständigung, gestiftet von der Jüdischen Gemeinde zu Halle/Saale, ehrt das Lebenswerk und die Persönlichkeit des 1916 in Halle geborenen jüdischen Religionsphilosophen und Theologen Prof. Emil Ludwig Fackenheim. Verliehen wird der Preis jährlich am 9. November, dem Tag der Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938, an Personen oder Organisationen, „deren öffentliches Wirken in hervorragender Weise im Sinne der von Fackenheim verkörperten Werte gekennzeichnet ist“. Emil Fackenheim war am Tag der Pogromnacht verhaftet worden. Im Frühjahr 1939 wurde er wieder entlassen und ausgewiesen. Über Aberdeen, Hamilton und Toronto gelangte er schließlich nach Jerusalem, wo er heute lebt (vgl. FrRu 10[2003]99-105). Sechzig Jahre nach seiner Ausweisung erhielt Emil Fackenheim die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Auf Anregung des Roncalli-Komitees der „International Raoul Wallenberg Foundation“ hat die Argentinische Post eine Postkarte in Erinnerung an Angelo Roncalli (Papst Johannes XXIII.) herausgegeben. Als Apostolischer Nuntius hatte er 1944 in Istanbul ein Netz zur Rettung von Juden und anderen von den Nationalsozialisten Verfolgten aufgebaut und Tausenden das Leben gerettet. Damit steht Roncalli in der Reihe von Rettern aus Diplomatenkreisen wie Raoul Wallenberg, Sekretär der Schwedischen Gesandtschaft in Budapest (9. Juli 1944 bis 17. Januar 1945), dem Portugiesen Aristides de Sousa Mendes, 1940 Generalkonsul in Bordeaux, und Hiram (Harry) Bingham, 1939-1941 US-Vizekonsul in Marseilles.

Im Keller der Warschauer Allerheiligenkirche, in der sich am 27. Mai 2001 rund 50 Bischöfe unter Leitung des Primas versammelt hatten, um in einem Bußgottesdienst der im Zweiten Weltkrieg in Jedwabne ermordeten jüdischen Mitbürger zu gedenken (vgl. FrRu 8[2001]288 f.), befindet sich eine antisemitische Buchhandlung. Aufgedeckt wurde die Tatsache von der damals 18jähriger Abiturientin Zuzanna Radzik. Sie wandte sich in dieser Angelegenheit persönlich an den Ortspfarrer und an das Erzbischöfliche Ordinariat. Sie sammelte 200 Unterschriften und schrieb an Primas Jozéf Glemp mit der Bitte, die antisemitischen Aktivitäten in den Kellern der Allerheiligenkirche zu unterbinden. Doch alle Initiativen blieben ergebnislos. Schließlich berichtete sie in der katholische Krakauer Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“ (Piwnice wciaz gnij „Die Keller faulen weiter“, 13[2003]5) über den Skandal. Daß es sich bei den in der „Katholischen Buchhandlung“ vertriebenen Büchern tatsächlich um antijüdische Hetze handelt zeigen Auszüge aus dem vertriebenen Material. Henryk Pajk z. B. attackiert den Gnesener Metropoliten und herausragenden Vertreter des christlich-jüdischen Dialogs, Erzbischof Henryk Muszy´nski. Der Autor wirft ihm vor, „im Verein mit einer Gruppe in Soutanen gekleideter Juden sowie mit Vertretern der jüdischen Freimaurerloge B’nai B’rith gegen das Karmeliterinnenkloster in Auschwitz und gegen die auf dem Kiesplatz errichteten Kreuze intrigiert zu haben“. Stanislaw Wysocki schreibt in einem 2002 erschienenen Buch: „Unter dem Motto von Reformen und Öffnung kommt es zu einer allmählichen Judaisierung der Kirche. Durch die Pforte in dieser Öffnung dringen die Juden ein - gleich auf der Stufe der Hierarchie oder in kirchlich-wissenschaftlichen Positionen, und sie verkünden falsche Losungen, welche die Kirche der Synagoge unterordnen sollen.“ Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft gegen die Buchhandlung wegen öffentlicher Aufforderung zum Haß ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. (Theo Mechtenberg)

Daß jeder Jude einen Baum in Israel pflanzt, war der Wunsch von Ilan Ramon, Israels erstem Astronauten, anläßlich eines Fernsehinterviews aus dem All. Zum Jahrestag des Starts der Columbia wären dann vom Weltraum aus in Israel 13 Millionen neue Bäume zu sehen. Der jüdische Nationalfonds KKL kam diesem Wunsch sofort nach und begann am 23. Januar mit der Pflanzung der ersten Bäume. Viele Menschen aus aller Welt schlossen sich dieser Idee an. Nach dem Absturz der Columbia am 1. Februar 2003 hat der KKL beschlossen, alle Pflanzungen in diesem Jahr im Namen von Ilan Ramon und der Columbia- Crew vorzunehmen.

Von Erhard Roy Wiehn (Hg.) sind im Hartung-Gorre Verlag Konstanz wieder eine Reihe jüdischer Lebenserinnerungen erschienen, in denen Überlebende aus der NS-Zeit die Odyssee ihrer Flucht und Rettung beschreiben: Margit Bartfeld Feller, Am östlichen Fenster. Gesammelte Geschichten aus Czernowitz und aus der sibirischen Verbannung; Schlomo Graber, Schlajme. Von Ungarn durch Auschwitz-Birkenau, Fünfteichen und Görlitz nach Israel. Jüdische Familiengeschichte 1859-2001; Heinz J. Hermann, Mein Kampf gegen die Endlösung. Tschechisch- jüdische Schicksale 1921-1948; Evelyn Pike Rubin, Ghetto Schanghai. Von Breslau nach Schanghai und Amerika. Erinnerungen eines jüdischen Mädchens; Mosche Robert Fischl, Wiener – Jude – Israeli. Jüdische Familiengeschichte in Österreich und Israel 1928-1964; Manfred Mosche Gerson, Ein Leben im 20. Jahrhundert. Von Westpreußen nach Israel; Zev Milo, Im Satellitenstaat Kroatien. Eine Odyssee des Überlebens 1941-1945; Sassona Dachlika, „Volksfeinde“. Von Czernowitz durch Sibirien nach Israel; Haya Meiri-Minerbi, Juden in Kesmark. Jüdisches Leben und Leiden in der Slowakei; Jacques Zwieback, Der Todeszug von Iasi 1941. Ein Überlebender des größten Pogroms in Rumänien erinnert sich.



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