Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 1055  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 10 / 2003 Heft 3

Vertreter des Vatikans und des israelischen Oberrabbinats haben bei einem Treffen in Grottaferrata bei Rom (23. bis 27. Februar 2003) eine gemeinsamen Erklärung herausgegeben. Die Schwerpunkte der Erklärung befaßten sich mit der „Heiligkeit des Lebens“ und dem „Wert der Familie“. Terrorismus ist „eine Entweihung der Religion [...], ein Widerspruch zum Glauben an Gott, den Schöpfer des Menschen [...]“. Nach dem Scheitern der gemeinsamen Geschichtskommission (vgl. S. 162 i. d. H.) haben sich die Vertreter beider Gruppen erneut zum Dialog bekannt. „Wir haben anerkannt, daß Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit die Basis für unseren weiteren Dialog sein müssen, wobei wir unsere verschiedenen religiösen Identitäten achten. Wir führen einen Dialog als Glaubende, die gemeinsame geistliche Wurzeln und ein gemeinsames Erbe haben. Dialog ist ein Wert in sich selbst und schließt jegliche Bekehrungsabsichten aus.“

Joschka Fischer, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, erhielt am 9. März 2003 die Buber-Rosenzweig-Medaille 2003 im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in Münster für seine Nahost-Friedensmission und für sein Eintreten für den Dialog zwischen Juden und Nichtjuden. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betonte Fischers Unparteilichkeit in seinen Vermittlungsversuchen im israelisch-palästinensischen Konflikt. In seinen Bemühungen für Israel und die Palästinenser habe er sich den philosophischen Ansatz Martin Bubers zu eigen gemacht, mit dem „Du“, mit dem „Anderen“, dem „Gegenüber“ in Dialog zu treten, den „Gesprächspartner in seiner gesamten Wesenheit wahrzunehmen und als solches anzunehmen“. Fischer faßte seinen Dank zusammen in dem Versprechen, sich zu dem zu bekennen, wofür die Auszeichnung steht: Für den Dialog, für die Versöhnung zwischen Juden und Christen in Deutschland und in der Welt und für Solidarität und Freundschaft mit dem Staat Israel.

Das renommierte Jerusalemer Institut für judaistische Studien Ratisbonne wurde geschlossen bzw. dem „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom angegliedert. Die Beteiligten sehen darin den Ausstieg des Vatikans aus der christlich-jüdischen Forschungsarbeit in Jerusalem. Israelische Medien werteten die Schließung als politischen Affront gegen Israel und als ein Zugeständnis an lokale pro-arabische Kirchenkräfte. 1873 von P. Marie-Alphonse Ratisbonne als Missionszentrum gegründet, wandelte sich Ratisbonne bald zu einem der ersten Orte des Dialogs mit dem Judentum. Der Einfluß von Ratisbonne machte sich frühzeitig im Denken der katholischen Kirche Frankreichs und in ihrem Interesse für Judaistik und für die Kultur des Judentums bemerkbar. 1998 übergab die Ordensgemeinschaft das Institut aus finanziellen Gründen dem Vatikan.

Die Teilnehmer einer viertägigen Konferenz an der Hebräischen Universität in Jerusalem im Februar 2003 zum Thema „Antisemitismus und Voreingenommenheit in der zeitgenössischen Berichterstattung“ haben festgestellt, Israel wird in seinem Kampf gegen den palästinensischen Terrorismus mit doppelten moralischen und mit doppelten journalistischen Standards gemessen. Dr. Judith Elizur vertrat die These, daß Israel nur so lange Verständnis in der westlichen Welt genoß, wie es für schwach gehalten wurde und in das traditionelle christliche Bild der Juden paßte. Dieses Bild habe sich mit dem Libanonkrieg 1982 geändert. Israel werde mit höheren moralischen Maßstäben gemessen als seine Gegner. Außerdem sehe sich Israel einer zunehmenden Dämonisierung in den Medien ausgesetzt, die bereits eine alarmierende Stufe erreicht habe. (Newsletter der Israelischen Botschaft in Berlin, 24.02.2003.)

Organe eines jüdischen Terroropfers retten das Leben arabischer Kinder. Am 5. März 2003 kamen bei einem arabischen Selbstmordattentat auf einen Bus der Linie 37 in Haifa 15 Menschen ums Leben. Drei Tage später erlag der 20jährige Anatali Birokov seinen Verletzungen. Herz, Leber und Nieren wurden von der Familie des Opfers zur Transplantation für arabische Kinder freigegeben. „Wir danken Euch von ganzem Herzen. Das ist wirklich Frieden, und nur damit läßt sich Frieden machen“, sagte ein Vertreter der beiden arabischen Familien. Irena Birokov, die Mutter des Toten, sagte: „Wir sind alle Menschen und die Hauptsache ist, daß Anatali Leben gerettet hat.“

Die israelische Friedensschule Neve Shalom/ Wahat as-Salam, gegründet von Bruno Hussar OP (1911-1996), erhielt am 2. April 2003 den diesjährigen Friedenspreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Damit wird die Friedensschule Neve Shalom/Wahat as-Salam für ihren Einsatz für die jüdisch-arabische Verständigung geehrt. Jüdisch-arabische Teams der Friedensschule haben Modelle zur Konfliktlösung erarbeitet, die mittlerweile auch in anderen Konfliktregionen, wie z. B. in Irland und im ehemaligen Jugoslawien, eingesetzt werden. Preisträger des Friedenspreises 2001 war das Arab Jewish Cultural Center Beit Hagefen in Haifa für das Projekt Young Leadership.

Henrike und Hagen Meyer und Lenka Fehrenbach, Freiburg/Br., haben mit einer Webseite über Gertrud Luckner beim 2. Jugendwettbewerb der Konrad-Adenauer- Stiftung „Denktag im Internet“ einen Preis gewonnen. „Durch die intensive Beschäftigung mit Gertrud Luckners Leben wurde uns klar, wie bedeutend Frau Luckner für viele Menschen war und ist. Denn sie hat vorgelebt, was auch heute von großer Bedeutung ist: Die Akzeptanz der Menschen untereinander, die bedingungslose Hilfe, die sie während Deutschlands dunkelsten Stunden allen Verfolgten, egal welcher Überzeugung und Religion, zukommen ließ.“ Im Vorwort heißt es: „Gertud Luckner, die dem Nationalsozialismus trotzte, indem sie Verfolgten half zu überleben, [...] war nicht nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Für viele Menschen war sie ein Licht im Dunkel der Barbarei.“ Die Arbeit ist einzusehen unter: www.denktag.de/denktag2002/34„GertrudLuckner/start.htlm.

Am 29. März 2003 wurde im Martin-Buber-Haus in Heppenheim eine philosophische Sektion der Martin-Buber-Gesellschaft gegründet. Als Sektionsleiter wurden Harald Düppe und Hans-Joachim Werner gewählt. Unterstützt werden sie von Titus Möllenbeck, dem Leiter des Hauses am Maiberg in Heppenheim; dort sollen die Tagungen künftig stattfinden. Das Thema des nächsten Treffens (12. bis 14. März 2004) ist „Urdistanz und Beziehung“, ein philosophischer Schlüsseltext Bubers. Weitere Themen in Planung sind die Bedeutung Bubers für eine Philosophie des Gesprächs, die Orientierungsfunktion seines ethischen Denkens und die Beziehungen Bubers zu anderen Philosophen. Informationen unter: Hans-Joachim.Werner@web.de.



top