Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 1047  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 9/2002 Heft 4

Vom 10. Juni bis 10. Juli 2002 war in Berlin die internationale Poster-Freilichtausstellung "coexistence" des Jerusalemer "Museum on the Seam" (Museum für Dialog, Verständigung und Koexistenz, vgl. FrRu 9[2002]17) zu sehen. Das Museum initiierte die Poster-Wanderausstellung unter seinem Kurator und künstlerischen Leiter Raphie Etgar vor einem Jahr mit einem Gestaltungswettbewerb zum Thema „Koexistenz“, an dem Grafikkünstler aus aller Welt teilgenommen haben. Eine internationale Jury wählte 26 Arbeiten aus. Die Bilder wurden für eine nahezu 500 Meter lange Ausstellung auf ein Format von 3 mal 5 Meter vergrößert und gehen seit ihrer ersten Präsentation entlang der Jerusalemer Stadtmauer (Mai 2001) um die Welt. Finanziert wurde das Projekt über die Jerusalem Foundation und von der deutschen Verlegerfamilie von Holtzbrinck, die das Museum on the Seam seit 1979 unterstützt. Die Berliner Kunstakademie hat vier neue Poster beigesteuert. Die nächsten europäischen Stationen der Ausstellung sind Kopenhagen, Zürich, Amsterdam und Paris.

Zum 60. Todestag von Edith Stein lud das Zentrum für Dialog und Gebet Oswiêcim zu Besinnungstagen für deutsche und polnische Studenten ein: „In einer Zeit, in der Europa seine Einheit und gleichzeitig die Wurzeln dieser Einheit sucht, wenden wir uns der Patronin Europas zu, die in ihrem Leben und Sterben die Dramatik des vergangenen Jahrhunderts vergegenwärtigt. Das Leben von Edith Stein war geprägt von mutiger Suche nach Wahrheit, engagierter Teilnahme am intellektuellen und kulturellen Ringen um das wahre Menschenbild, tiefem Glauben an die christliche Botschaft vom Kreuz als Quelle der Hoffnung und ungebrochener Liebe zu den Menschen, zur Kirche und zum jüdischen Volk, mit dessen Schicksal sie sich ganz vereinte bis zum Tod in Auschwitz.“

Die bisher von den Sionsschwestern in Rom  geleitete „SIDIC Jewish-Christian Resource Library” und der SIDIC Dokumentationsdienst wird ab Herbst 2002 an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom transferiert. Der Transfer geht einher mit der Gründung eines neuen Instituts an der Universität Gregoriana zum Studium von Religionen und Kulturen, einschließlich eines „Kardinal Bea Zentrums für Judaistische Studien”, an dem in Zukunft in Judaistik auch promoviert werden kann.

„Jüdisches Leben in Osteuropa“, eine Fotoausstellung der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ des Diakonischen Werkes der EKD in Stuttgart, dokumentiert auf 34 Farbfotos neues jüdisches Leben in Kiew, St. Petersburg und Budapest. Anfang des 20. Jh. lebten in Mittel- und Osteuropa mehr als sieben Millionen Juden. Nur wenige entkamen dem Holocaust. Inzwischen wird dieses neu erwachte jüdische Leben bereits wieder angefeindet und bedroht. Auch darauf soll die Ausstellung hinweisen und zum Nachdenken anregen. Ein Beiheft mit Informationen über jüdische Geschichte und jüdischen Alltag eignet sich auch für den Einsatz im Religionsunterricht, in Gemeindegruppen und für den jüdisch-christlichen Dialog. Die Fotos können über das Diakonische Werk kostenlos ausgeliehen werden (Tel. 0711/9021-652, Fax: 0711/7977502, E-mail: vertrieb@diakonie.de).

Die jüdische Gemeinde in Ulm hat seit Anfang Mai 2002 wieder ein eigenes Gemeindezentrum. Die älteste Datierung der Juden in Ulm ist aus dem Jahr 1238. Eine Synagoge wird 1353 urkundlich belegt. Das „Tanzhaus” war vermutlich bereits beim Pogrom 1348/49 zerstört worden (vgl. „Der Juden Tanzhaus im Mittelalter“, FrRu 4[1997]97). Nur vier Ulmer Juden überlebten die Schoa, 112 fielen ihr zum Opfer. Die heutigen Gemeindemitglieder kommen zu 98 % aus den GUS-Staaten. “Wir dürfen nie vergessen und verschweigen, was Bürger in Ulm anderen Bürgern angetan haben”, so Oberbürgermeister Ivo Gönner.

In Stockholm wurde Anfang Mai 2002 ein zweites Denkmal in Erinnerung an Raoul Wallenberg enthüllt: eine Bronzeskulptur in der Form eines Aktenkoffers, gestaltet von der Künstlerin Ulla Kraitz. Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg hatte durch die Ausstellung von Pässen Tausenden von ungarischen Juden das Leben gerettet. Das Denkmal steht in den Überresten von Wallenbergs Geburtshaus, das 1930 niederbrannte. Vor zwei Jahren war Wallenberg zum Ehrenbürger Israels ernannt worden (vgl. FrRu 8[2001[79 f.).

Mit dem Projekt „Verlorene Nachbarn” – dem Namen ein Gesicht geben – sucht das Jüdische Museum in Prag Dokumente und Fotos von einstigen tschechischen Juden. Der Museumsdirektor Leo Pavlat setzt vor allem auf die Erinnerungen der nichtjüdischen Nachbarn. Von den knapp 120 000 tschechischen Juden sind 80 000 umgekommen. Ihre Namen stehen an einer Innenmauer der Pinkas Synagoge in Prag geschrieben. Nach der kommunistischen Übernahme 1948 flohen weitere 18 000. Heute zählt die jüdische Gemeinde etwa 3500 Mitglieder.

  


top