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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 9/2002 Heft 3

Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat – zum erstenmal in Zusammenarbeit von Juden und Christen – eine Broschüre über Auschwitz herausgegeben (Kath. Bibelwerk Stuttgart). Intendiert ist das Buch vor allem als Begleitband für Auschwitzbesucher, aber auch als Arbeitsbuch in Schule und Gemeinde.

Auf Initiative des ehemaligen Nationalrates François Loeb lancierte der Vorstand der Gesellschaft Schweiz-Israel, Sektion Bern, unter dem Namen „Pax Mamma“ einen Tisch der Mütter. Es sei endlich Zeit, daß die Mütter das Heft in die Hand nehmen und weiteres Blutvergießen in Israel und Palästina verhindert werde. Als Vorlage diente das Beispiel von Müttern in Rußland, Argentinien und im Kosovo, die für eine friedliche Zukunft gekämpft haben. Zur Mitarbeit aufgerufen wurden alle dem Frieden und den Menschenrechten verpflichteten Organisationen sowie Frauenorganisationen und Kirchengemeinden. „Zünden wir gemeinsam in dunkler Sturmesnacht Kerzen an – eine wird brennen bleiben und andere zum Hoffnungslicht-Entzünden ermuntern!“

In Polen haben der Polnische Rat für Christen und Juden sowie der Rat von Katholiken und Muslimen einen gemeinsamen „Aufruf zur Mitverantwortung“ für das Heilige Land veröffentlicht (11. April 2002). Im Vorwort heißt es: „Wir – polnische Christen, Juden und Muslime, die am interreligiösen Dialog teilnehmen – sind von den Entwicklungen des Konfliktes im Heiligen Land erschüttert. Uns schmerzt das Leid von jedem Attentatsopfer, von jedem Opfer militärischer Aktionen, von jedem Juden und Palästinenser, Christen und Moslem, der in Angst und Ungewißheit der Zukunft lebt.“ Mit Bezug auf den in der Erklärung von Alexandria festgelegten Gewaltverzicht schließt die polnische Erklärung: „Wir unterstützen diesen Aufruf als [...] Bewohner eines Landes, in dem sich Auschwitz befindet, ein Ort, der zeigt, zu welch Bösem wir Menschen fähig sind, ein Ort, der schreit: ,Laßt den Haß nicht wachsen!’“

In Zusammenhang mit den zahlreichen pro-palästinensischen Demonstrationen in Deutschland veröffentlichten Vertreter der in Deutschland lebenden Palästinenser einen „Aufruf an unsere jüdischen Mitbürger“. Darin wird betont, daß sie den Kampf in Palästina unterstützen, der Kampf aber nicht gegen die in Deutschland lebenden Juden gerichtet sei. „Setzen Sie unsere Solidarität mit unserem Volk nicht gleich mit Antisemitismus und einem Angriff gegen Juden in Deutschland. Wir, die in Deutschland lebenden  Palästinenser, wissen sehr wohl um das unaussprechliche, beispiellose Leid der Juden in der deutschen Geschichte. Wir kämpfen auch gegen den Antisemitismus. Auch wir sind Semiten. Wir sind gegen Angriffe auf religiöse Einrichtungen wie z. B. religiöse Einrichtungen in Frankreich. Wir werden unserseits alles unternehmen, daß es nicht zu solch schändlichen Vorfällen in Deutschland kommt.“

Zu den zahlreichen humanitären Hilfseinsätzen, von denen die Öffentlichkeit keine Notiz nimmt, zählt die Ermöglichung der Knochenmarkstransplantation im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem an dem siebenjährigen Palästinenser Mahmoud Atya aus Ramallah. Nachdem weder der Vater noch die Mutter in Frage kamen, arrangierte Yael Bossem-Levy, Sprecherin der Hadassah Medical Organization, zusammen mit der israelischen Armee den Transport des 13jährigen Bruders Omar in das israelische Krankenhaus.

Der „German Jewish History Award 2002“ wurde am 27. Januar 2002, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, im Berliner Abgeordnetenhaus  an sechs Personen verliehen, die „in ihren Lebenskreisen die Erinnerung an die jüdischen Menschen wach halten“. Sie alle haben „wichtige und bewegende Beiträge dazu geleistet, jüdische Geschichte und Geschicke dem drohenden Vergessen zu entreißen“. Einer der Preisträger, Günter Boll aus Neuenburg, war im Elsaß rein zufällig Zeuge, als wertvolle rituelle Gebrauchsgegenstände „entsorgt“ werden sollten. Seither hat er sich intensiv mit der Geschichte jüdischen Lebens am Oberrhein befaßt mit dem Ziel, daß die jüdisch- christliche Vergangenheit als eine gemeinsame von Christen und Juden verstanden wird. Die weiteren Preisträger sind: Olaf Dietzel, Vacha; Monica Kingreen, Windecken; Josef Motschmann, Staffelstein; Heinrich Schreiner, Mainz; Gisela Bunge, Gardelegen.

Am 30. Januar 2002 wurden – nach sechs Jahren Verhandlungen – in Wilna, Litauen, an Rabbiner Michael Melchior und den Oberrabbiner Israel Lau aus Jerusalem unter anderem 31 vollständige Torarollen und 70 Teilrollen zurückerstattet. Insgesamt wurden 309 Teilstücke überreicht, die die Nationalsozialisten onfisziert hatten. Die Bestände waren seit 50 Jahren in der St. George Kirche gelagert. Manche der Rollen sind über zweihundert Jahre alt. Die Rückgabe wurde erst durch ein Gesetz (2001) ermöglicht, das die Torarollen von weiteren geraubten jüdischen Wertgegenständen trennt.

In der dreiteiligen Sendereihe „Raubzug gegen die Juden“ berichtet das Hessische Fernsehen über die systematische Ausplünderung der Juden in Hessen. Ermöglicht wurde die Dokumentation durch die Öffnung der Finanzakten der Wirtschaft. Die Autoren, Henning Burk und Dietrich Wagner, zeigen das perfide Zusammenspiel zwischen den offiziellen Stellen und der Bevölkerung während der NS-Zeit. Allein aus Frankfurt sind 10 000 Versteigerungsprotokolle erhalten. Gezeigt wird die Serie anläßlich der Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945“ des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks im Frankfurter Funkhaus (28. Mai bis 28. Juni 2002).

Im Zentrum von Würzburg wurde am 25. April 2002 eine Gedenktafel in Erinnerung an den israelischen Lyriker Jehuda Amichai (1924–2000) enthüllt (vgl. FrRu 8[2002]76 f.). An der Stelle seines Geburtshauses befindet sich jetzt das Städtische Amtsgebäude (Augustinerstraße 9). 1981 ehrte ihn seine Geburtsstadt mit dem Kulturpreis der Stadt Würzburg. Die Gedenktafel geht auf eine von der Stadt Würzburg unterstützte Initiative der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken e. V. zurück. Die rund 400 Mitglieder der Gesellschaft gehören auch zu den maßgeblichen Förderern von Shalom Europa, dem Neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum in Würzburg (vgl. FrRu 8[2001]194–197). Amichai wurde der weltweit bekannteste Lyriker Israels. Mit der prägenden Kraft seiner Sprache hat er einen bedeutenden Beitrag zum Selbstverständnis der neuen hebräischen Nationalliteratur geleistet.  Aber auch die Erinnerung an Würzburg hat in seinem Werk immer
wieder angeklungen.

Überlebende erzählen das Schicksal der Juden der Tschechoslowakei in einer Reihe weiterer Veröffentlichungen im Hartung-Gorre Verlag Konstanz: Harold Saunders, Zeugnis geben, Jüdische Schicksale in der Slowakei 1938–1945; Peter Erben, Auf eigenen Spuren, Jüdische Schicksale aus der Tschechoslowakei; Helena Srubar, Eine schreckliche Zeit, Tschechisch-Jüdische Überlebensgeschichten 1939–1945; Rachel Bernheim-Friedmann, Ohrringe im Keller, Von Transkarpatien durch Auschwitz-Birkenau nach Israel.



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