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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 9/2002 Heft 1

Jüdisches Museum Berlin: Bereits am 24. Januar 1999 war der leere Bau des Jüdischen Museums in Berlin eröffnet worden (vgl. FrRu 6[1999]227-228). Am 9. September 2001 fand die offzielle Eröffnung des mit fast 4000 Exponaten bestückten Musuems statt. Für die Öfentlichkeit ist es seit dem 11. Sept. zugänglich. In seiner Vielfalt soll das Museum nicht an die Schoa erinnern, sondern an die zweitausendjährige Geschichte der Juden in Deutschland lebendig werden lassen.

Ebenfalls der Geschichte der Juden gewidmet ist das am 23. September 2001 in Halberstadt eröffnete Behrend-Lehmann-Museum für jüdische Geschichte und Kultur. Behrend (Issachar) Lehmann (1661-1730) war Hofjude und Finanzier des Saxenkönigs August II. (1670-1733). Das Museum gehört zur Moses-Mendelssohn-Akademie Halberstadt. Bis 1930 war Halberstadt Zentrum des deutschen orthodoxen Judentums. Heute hat Halberstadt keine jüdischen Bürgen mehr.

Während seiner Reise nach Kasachstan und Armenien (22. bis 27. September 2001) besuchte Papst Johannes Paul II. auch das Tzitzernagaberd-Denkmal in Eriwan, die Erinnerungsstätte an den Genozid an den Armeniern. Nach einer früheren Welle (1995/1896) waren zwischen 1914 und 1922 über eine Million Armenier dem türkischen Völkermord zum Opfer gefallen (LThK 1, Freiburg 1993, 1002). In seinem Gebet sagte der Papst u. a.:

„Herr, höre die Klage, die von diesem Ort aufsteigt, die Stimme der Toten aus dem Abrund des ,Metz Yeghérn’, den Schrei des unschuldigen Blutes, das schreit wie das Blut Abels, wie Rachel, die um ihre Kinder weint, die nicht mehr sind [...]. Tief bedrückt durch die schreckliche Gewalt, Notizen die dem armenischen Volk angetan wurde, fragen wir uns bestürzt, wie es möglich ist, daß die Welt noch so unmenschliche Verirrungen erfahren muß.”

Vor dem Besuch des Papstes war eine Gedenktafel für Papst Benedikt XV. (1854-1922 angebracht worden, der schon 1915 seine Stimme erhoben hatte zum Schutz des „schwer bedrängten armenischen Volkes, das an den Rand der Vernichtung gebracht wurde”.

Das Gedenken an Babij Jar (vgl. FrRu 8[2000]318) war Thema einer Veranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde in München am 20. September 2001. Mitveranstalter war der Verein „Phönix aus der Asche”, gegründet von Getto- und KZ-Überlebenden aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach Jürgen Zarusky vom Institut für Zeitgeschichte wußte man im Ausland bereit im Oktober 1941 über das Massaker Bescheid. Das heutige Gefahrenpotential vor Augen mahnte Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch: „Babij Jar fordert uns auf, wachsam zu bleiben, dem Antisemitismus und Rechtsextremismus die Stirn zu bieten.”

Emilie Schindler, die Witwe von Oskar Schindler, starb am 5. Oktober 2001 in Berlin im Alter von 93 Jahren. Immer nur im Schatten ihres Mannes gesehen, war ihre bedeutende Rolle in den in „Schindlers Liste” verfilmten Ereignissen zwischen 1939 und 1945 kaum zur Kenntnis genommen worden. Bekannt wurde sie erst als sie gegen die Stuttgarter Zeitung wegen der Rechte für Briefe, Dokumente und Fotos, die in einem Koffer Oskar Schindlers, der 1999 gefunden worden war, prozessierte und verlor. Der Koffer an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegeben worden.

Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche will ihr Verhältnis zum Judentum auf neue Grundlagen stellen. „Der Antijudaismus ist weder bei uns noch weltweit gebannt, und wir haben daran ursächlich teil“, heißt es in einer von der Synode in Rendburg verabschiedeten Erklärung. Die Zeit sei reif, „unser Verhältnis zum Judentum neu zu bestimmen.“ Die Kirche sei durch antijüdische Auslegungen der Bibel und durch eine entsprechende Verkündigung und Lehre „mitverantwortlich und mitschuldig an der Jahrhunderte langen Geschichte der Juden im Abendland, ihrer Entrechtung und Verfolgung, die in der fast vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums, der Schoa, gipfelte“, so die Erklärung. Es gelte, das Judentum verzerrende Denkmuster zu überwinden und falsche Auslegungen biblischer Texte zu revidieren. Christliche Verkündigung und Lehre dürften nicht dem Antisemitismus Vorschub leisten.
„Allen Versuchen, die darauf zielen, Juden von ihrer Religion abzubringen“, müsse widersprochen werden. Wichtig sei, „die Verschiedenheit der beiden religiösen Traditionen ebenso zu achten, wie wir uns über die
wiederentdeckte Nähe freuen“, unterstrich die Synode (KNA).



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