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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 8/2001 Heft 4

Vor 60 Jahren, am 14. Mai 1941, wurde der 25jährige schweizerische katholische Theologiestudent Maurice Bavaud (geb. 1916) von Hitlers Schergen enthauptet. Er hatte im „Führer“ eine Gefahr für die Menschheit, für die katholische Kirche und die Schweiz gesehen, konnte aber sein für den 9. November 1938 geplantes Attentat auf Hitler nicht ausführen. Weil er kein Geld für eine Fahrkarte hatte, wurde er drei Tage später in der Bahn auf dem Weg zurück in die Schweiz verhaftet, die Munition gefunden und sein Plan bekannt. Die Schweizer Auslandspolitik versagte beim Prozeß gegen Bavaud jämmerlich. In der Nacht vor seiner Hinrichtung schrieb Maurice Bavaud an seine Eltern, es sei ganz unerträglich, auf die Hinrichtung zu warten „ohne die Hoffnung auf einen Gott, der die Guten belohnt und die Schlechten bestraft. Ich sterbe im Schoße der katholischen Kirche. Mit Christus verzeihe ich alles, was es zu verzeihen gibt. Mein Herz empfindet nicht mehr den geringsten Groll gegen irgendwen.”

Rabbiner Leon Klenicki hat sich nach 27 Jahren im Dienste der Anti-Defamation League (ADL) mit dem 31.12.2000 von seinen Aufgaben zurückgezogen. Er will aber weiterhin Aushilfsdienste in der ADL leisten und als Lehrer und Journalist im Dienste der jüdisch-christlichen Verständigung tätig bleiben. Der 1930 in Argentinien geborene Leon Klenicki erhielt seine philosophische und historische Ausbildung in Buenos Aires. 1959 kam er in die USA und studierte Judaistik am Hebrew Union College in Cincinnati. Mit einer These über die mystische Sprache des christlichen Mystikers Johannes vom Kreuz (1542–1591) erlangte er das Bakkalaureat. Nach seiner Ordination zum Rabbiner kehrte er 1967 nach Buenos Aires zurück und wurde Direktor des lateinamerikanischen Instituts der „World Union for Progressive Judaism”. Er gründete dort die Zeitschrift Teschuwa. Seine zahlreichen Vorträge brachten ihm die Bezeichnung „jüdischer Reformer des Christentums” ein. Klenickis Hauptanliegen sind die Aufarbeitung des Holocausts, der Abbau des Antisemitismus, die Erklärung der jüdischen Liturgie und des jüdischen Schrifttums, besonders der jüdischen Mystik.

Re’ut (Freundschaft) ist der Name einer außergewöhnliche Schule in Jerusalem. Von Aryeh Geiger gegründet und geleitet sucht diese Schule einen Weg zwischen den streng religiösen und den säkularen Schulen in Israel. Pluralismus und Toleranz stehen im Zentrum. Das Curriculum umfaßt ungewöhnliche Unterrichtsfächer wie Friedenserziehung und Konfliktbewältigung, Dialog der Religionen, Begegnung der Kulturen, Führungsmanagement und Kunst als Brücke zur Koexistenz. „Re’ut” setzt auch Zeichen im sozialen Engagement. Die Schülerinnen und Schüler unterhalten und betreiben u. a. eine Suppenküche und pflegen den Kontakt zu palästinensischen Schulen. Der Kerngedanke dieser Schule heißt: Erziehung ist ein entscheidender  Faktor auf dem Weg zu Frieden und Verständigung. (Immanuel Jacobs)

Das neue Koordinierungszentrum für den deutschisraelischen Jugendaustausch hat seine Arbeit in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) begonnen. Die Gründung geht zurück auf eine Anregung von Bundespräsident Johanns Rau vor der Knesset (vgl. FrRu 7[200]197–200). Das Koordinierungszentrum will den seit 40 Jahren bestehenden Jugendaustausch weiter entwickeln und Kontakte zwischen deutschen und israelischen Jugendlichen fördern. Die Gegenstelle in Israel wird demnächst seine Arbeit aufnehmen.

Dem am 15. Sept. 2000 verstorbenen Religionswissenschaftler David Flusser war am 23./24. Mai 2001 ein internationales Symposium in Jerusalem (Tantur und Ratisbonne) gewidmet. Der Titel war Ausdruck der Lebensaufgabe Flussers: Erneuerer und Anführer neutestamentlicher Studien. Organisiert wurde die Tagung von Marcel Dubois und Petra Heldt. Referenten waren u. a. Schmuel Safrai (Jerusalem), Brad Young (USA) und Martin Majer (Deutschland. Alle Referenten und Teilnehmer hatten Flusser persönlich gekannt. Auch die Witwe Channa Flusser und sein Sohn Jochanan beteiligten sich.

Prinz Hassan von Jordanien ist mit der Ehrendoktorwürde der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen ausgezeichnet worden. Prinz Hassan hat durch zahlreiche Initiativen und Publikationen zur Förderung des Dialogs zwischen Judentum, Christentum und Islam beigetragen.

Die Reise von Papst Johannes Paul II. in die Ukraine (23. bis 27. Juni 2001) stand unter dem Leitmotiv „Verzeihung erbitten und gewähren”. Am 25. Juni besuchte der Papst in Begleitung von Oberrabbiner Yaakov Dov Bleich das Denkmal für die ermordeten Juden von Babi Jar bei Kiew. 1941 hatten Einsatzgruppen der SS und der Sicherheitspolizei innerhalb von 72 Stunden 33 761 Juden erschossen. Sie waren mit Plakaten aufgerufen worden, sich zwecks „Umsiedlung” zu melden. Im Laufe von zwei Jahren wurden 150 000 Juden und Tausende von Nichtjuden exekutiert. In einem Gespräch mit dem Papst bat Rabbiner Bleich, daß die katholische Kirche aus ihren Archiven die Namen jener jüdischen Kinder bekanntgibt, die zu ihrem Schutz von katholischen Familien aufgenommen worden waren. Nach Rabbiner Bleich leben in Polen und in der West-Ukraine tausende von Katholiken, die als Juden geboren wurden.

Das Jerusalemer „Center For Monitoring The Impact Of Peace“ hat nach einer Studie von 140 Exemplaren auf die antisemitischen Inhalte in palästinensischen Schulbüchern aufmerksam gemacht und Zitate vorgestellt: „Die Juden sind Feinde der Propheten und Gläubigen” (Religionsbuch für die 4. Klasse); „In allen Zeiten hat die Menschheit unter dem Joch des Rassismus gelitten, weil Satan die Taten der Juden verschönert hat ... So ein Volk sind die Juden ...” (Religionsbuch für die 8. Klasse); „Der Schüler muß lernen, daß der Zionismus eine rassistische und aggressive Bewegung ist. Die rassistische Überlegenheit ist der Kern des Faschismus” (Leitfaden für Geschichtslehrer); „Aus dem Blickwinkel der Zionisten waren die Verfolgungen der Juden nützlich und wünschenswert und sind es auch heute.”(Leitfaden für Geschichtslehrer); „Das endgültige Resultat ist der Sieg der Moslems über die Juden” (Arabisches Lehrbuch für die 5. Klasse). Nach Berichten der größten finnischen Tageszeitung „Helsingin Sanomat” am 28. April 2001 haben Finnland, Holland und Irland von 1999 bis 2001 die Erstellung dieser Bücher mit ca. 10 Mio. DM unterstützt. Keijo Ruokoranta vom finnischen Außenministerium erklärte: „Es ist schwierig für uns, die Bücher zu zensieren, aber wenn es erneut vorkommt, werden wir unseren Vertrag annullieren.”

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat den evangelischen Pfarrer Wilhelm Mensching aus Petzen (Niedersachsen) posthum geehrt. Er hatte unter Lebensgefahr die Jüdin Ruth Lilienthal ein Jahr lang versteckt gehalten. Ebenfalls posthum in die Reihe der „Gerechten unter den Völkern” aufgenommen wurde der Altertumswissenschaftler Prof. Dr. Dr. Konrat F. Ziegler für die Hilfe und den Schutz, den er jüdischen Menschen geboten hatte. Er hatte u. a. seit Anfang 1945 seinen jüdischen Kollegen bei sich versteckt.



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