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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 8/2001 Heft 3

Kardinal Walter Kasper ist am 3. März 2001 von Papst Johannes Paul II. zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt worden und tritt damit die Nachfolge von Kardinal Edward Idris Cassidy an. Als besondere Aufgabe neben der Ökumene mit den christlichen Kirchen bezeichnet Kasper den Ausbau der Kontakte zum Judentum. Bei einem Gespräch mit Prof. Clemens Thoma, Msgr. Dr. Alwin Renker und Prälat Dr. Hüssler am 24. April 2001 in Rom bekräftigte der Kardinal sein Interesse am Freiburger Rundbrief und an dessen Zielsetzung.

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges tagte in Deutschland eine europäische Rabbinerkonferenz (München, 1. bis 4. März 2001). Dreizehn Länder waren von 31 Rabbinern vertreten. Die Konferenz wurde als ein Zeichen fortschreitender Normalisierung der Beziehungen gewertet. Auf der Tagesordnung standen u. a. Probleme in den GUS-Ländern, in Deutschland und Spanien sowie Beratungen über die künftige Rabbinerausbildung.

Das Institut für jüdische Studien in Basel veranstaltete am 2. April 2001 ein Symposion anläßlich des 80. Geburtstages von Ernst Ludwig Ehrlich (vgl. FrRu 8[2001]120–126). Mitveranstalter waren die Israelitischen Gemeinde Basel, die Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft, B’nai B‘rith Basel und B’nai B’rith Europa. In der Eröffnungsworten hob Ekkehard Stegemann Ernst Ludwig Ehrlichs Talent zur Brüderlichkeit und zum Dialog hervor. Erich Zenger, Münster, zeigte anhand einer Exegese von Psalm 119 wie Unkenntnis des Judentums zu Falschinterpretationen biblischer Texte führt. Der Genfer Religionsphilosoph Jean Halpérin referierte über die Bedeutung von Verantwortung, Frieden und Gerechtigkeit im Judentum. Bundesjustizminister a. D. und ehemaliger SPD-Vorsitzender Hans-Jochen Vogel, München, gab einen ausführlichen Abriß über die Entwicklung der politischen Verständigung zwischen Deutschen und Juden nach der Schoa. Edna Brocke, Essen, und Ekkehard Stegemann behandelten kurz die im September 2000 veröffentlichte jüdische Stellungnahme zu Christen und Christentum Dabru emet (vgl. FrRu 8[2001]114–117). Brocke kritisierte das Dokument und forderte, das christlich-jüdische Gespräch solle auch die jeweiligen Differenzen kennen und ertragen. Ernst Ludwig Ehrlich sprach sich im Schlußwort für fundierte Kenntnis der Religion des Gesprächspartners aus. Grundlage für respektvolle Begegnung sei eine biblische Ethik, die Menschen – gleich welcher Religion – in Frieden und Liebe miteinander leben läßt.

Im Hartung-Gorre Verlag, Konstanz, sind in den letzten Jahren Berichte über das Schicksal der Juden vor allem in den osteuropäischen Ländern erschienen: Klára Rajk, Den Kampfgeist nie verloren. Jüdische Schicksale in Ungarn 1910–1999; Andrei Voinea, Sanduhr aus Stein. Jüdische Zwangsarbeiter in Rumänien 1940–1944; Solomon Atamuk, Juden in Litauen. Ein geschichtlicher Überblick; Argit Bartfeld-Feller, Wie aus ganz anderen Welten. Erinnerungen an Czernowitz und die sibirische Verbannung; Bernhard und Laura Horowitz, Stimmen der Nacht. Gedichte aus der Deportation in Transnistrien 1941–1944. Die Erzählungen spiegeln auch die Schwierigkeiten eines Neubeginns sowie die persönliche Verfassung der  Autoren im Rückblick auf das Geschehene.

Der österreichische Koordinierungsausschuß für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat ein Arbeitsheft für den christlich-jüdischen Dialog herausgegeben mit dem Titel „Ihr Heiden freut euch mit seinem Volk!“ Die Beiträge behandeln grundlegende Fragen und geben Impulse für Religionsunterricht, Gemeindearbeit und Gesprächsrunden. Ergänzende Literaturhinweise bieten Anregungen für Bibliotheken und Studium. Die Publikation entstand im Anschluß an eine Artikelserie in den katholischen Kirchenzeitungen von Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich. Erstmals in Österreich wurden auf diesem Weg weit gestreute Impulse zu einer erneuerten Beziehung der Christenheit zum Judentum gesetzt. Das Heft (32 Seiten) ist zu bestellen im Christlich-jüdischen Informationszentrum Wien, Gentzgasse 14/5/1, A 1180 Wien, Telefon & Fax 0043/1/4797376, EMail: info@christenundjuden.org.

Prof. Eveline Goodman-Thau (66), im Herbst 2000 vom orthodoxen Rabbiner Jonathan Chapman, Jerusalem, zur Rabbinerin geweiht, trat Anfang März 2001 in Wien die Rabbinatstelle der Liberalen Gemeinde „Or-Chadasch” an. Die Religionsphilosophin, Rabbinerin und Feministin aus Jerusalem, mit Wurzeln in Wien, ist durch ihre Publikationen zu Themen der Religionsphilosophie und durch ihre Gastprofessur an der Harvard University bekannt geworden.

In Gengenbacher wurde am 28. Januar 2001 die Hermann-Maas-Medaille des Jahres 2000 an Dr. Edna Brocke, Leiterin der Gedenkstätte „Alte Synagoge Essen“ und Lehrbeauftragte an der Ruhr-Universität Bochum, verliehen. Mit der Verleihung würdigt die evangelische Kirchengemeinde Gengenbach alle zwei Jahre das Wirken von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die sich im Sinne von Hermann Maas um Verständigung und Versöhnung bemühen. Pfarrer Wolfgang Schmidt betonte, daß die Preisverleihung an eine Jüdin auch ein Bekenntnis der evangelischen Kirche zu ihren Wurzeln im Judentum sei. Brocke ist sowohl beim Deutschen Evangelischen Kirchentag als auch im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken engagiert.

Die evangelische Theologin Hildegard König aus Saarlouis wurde am 18. März 2001 von der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes mit der Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille ausgezeichnet. Schlomo Rülf (1896–1976) war, nach Amtszeitenin Hamburg und Bamberg, von 1929 bis 1934 Rabbiner in Saarbrücken. 1935 emigrierte er nach Palästina. Professor Herbert Jochum würdigte in der Laudatio die von Hildegard König geleistete Versöhnungs- und Erinnerungsarbeit, darunter den Aufbau eines christlichjüdischen Forums, das über die Grenzen des Saarlandes hinaus Aufmerksamkeit fand.

Der in England geborene bisherige Direktor der Anti-Defamation League (ADL) in Israel und Spezialist für interreligiösen Dialog, Rabbiner David Rosen, Jerusalem, hat beim American Jewish Committee (AJC) die Nachfolge von Rabbiner A. James Rudin angetreten. Rudin ist im Juni 2000 vom AJC zurückgetreten, wird aber weiterhin als Berater fungieren. Rabbi David Rosen hat in Israel eine orthodoxrabbinische  Ordination erhalten. 1975–1979 war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Südafrika, wo er das Inter-Faith-Forum, dem Juden, Christen und Muslime angehören, gründete. 1979–1985 war er Oberrabbiner in Irland, wo er den Irischen Rat der Christen und Juden gründete. 1988 wurde er Direktor der Interfaith Beziehungen der ADL in Israel. Seit 1995 ist er Präsident der Weltkonferenz über Religion und Frieden (WCRP). 1998 wurde er zum jüdischen Präsidenten der IJCIC (International Jewish Committee for Interreligious Consultations) gewählt, einer Dachorganisation für 30 nationale Gruppen, die sich dem jüdisch-christlichen Gespräch widmen.



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