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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 8/2001 Heft 1

Bei der Generalversammlung des Internationalen Rates der Christen und Juden(ICCJ) in Sevilla (Juli 2000) wurde der österreichische Koordinierungsausschuß für christlich-jüdische Zusammenarbeit als neues ICCJ-Mitglied aufgenommen. Im ICCJ sind nun 34 Organisationen aus 31 Ländern zusammengeschlossen. Von Österreich aus wolle man sich besonders um Kon-takte nach Slowenien und Kroatien bemühen, wo derzeit noch keine christlich-jüdischen Dialoginitiativen bestehen.

Bei der Tagung des jüdischen Weltkongresses in Jerusalem (Mai 2000) gab es keine einzige kritische Stimme zur Heilig-Land-Reise von Papst Johannes Paul II. Laut Gerhart Riegner wurde volle Anerkennung ausgedrückt. Die beim Besuch des Papstes in Yad Vashem gehaltenen Reden sind von der Gedenkstätte in einer Broschüre herausgegeben worden. Im Vorwort beschreibt Szewach Weiss, Vorsitzender des Direktoriums von Yad Vashem, den Besuch als „dramatisch, mitreißend und tief, gleichzeitig still und doch aufsehenerregend”.

Die Lutherische Kirche in Schweden untersucht z. Z. an Hand des innerkirchlichen Dialogdokumentes „Die Wege Gottes” ihre Beziehung zum Judentum und zum jüdischen Volk. Die entsprechende Kommission wurde 1995 gegründet. Als erstes Resultat wurden aus offiziellen Gebetstexten und Liedern antijüdische Aussagen entfernt. Die jüdischen Gemeinden in Schweden haben die Bemühungen begrüßt. In Schweden leben etwa 20 000 Juden. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sind viele Juden in das neutrale Schweden geflohen. Während des Kalten Krieges war Schweden Zufluchtsort für Juden aus den osteuropäischen Ländern.

Am 5. Aug. 2000 starb in Mannheim Sr. Theodolinde Katzenmaier, die wegen ihres Einsatzes mit Gertrud Luckner für die verfolgte jüdische Bevölkerung ebenfalls von 1943 bis zur Befreiung 1945 im KZ Ravensbrück war (vgl. S. 53 i. d. H.). Ihre Erfahrungen hat sie in der Autobiographie „Vom KZ ins Kloster”, St. Ottilien 1996, festgehalten. Bis ins hohe Alter erzählte sie in Schulen über den Holocaust. „Ich rede solange ich kann ... weil diese Zeit so dämonisch gewesen ist ... und weil sich so etwas nie wiederholen darf.” Ebenfalls im August 2000 verstarb die jüdische Autorin Lotte Paepcke (vgl. FrRu 5[1998]317).

Für ihre Bemühungen um ein besseres Verständnis des Judentums unter den Christen wurde Ruth Lapide, Witwe des 1997 verstorbenen Religionswissenschaftlers Pinchas Lapide, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch würdigte besonders ihren Einsatz für den Abbau antijüdischer Vorurteile.

Der Schwedische Diplomat Per Anger wurde am 18. Sept. 2000 in Stockholm zum Ehrenbürger des Staates Israel ernannt. Bereits 1983 war er in die Zahl der „Gerechten unter den Völkern” aufgenommen worden. Zu den bedeutendsten Abschnitten seiner diplomatischen Laufbahn zählt seine Stationierung 1942 als Gesandtschaftssekretär in Budapest, vor allem die sechs Monate mit Raoul Wallenberg bis zu dessen Verhaftung am 17. Januar 1945. Mittels interimistischer Reisepässe und Schutzbriefe konnten über 100 000 Juden gerettet werden. Später hat sich Per Anger für die Nachforschungen nach dem noch immer ungeklärten Schicksal von Raoul Wallenberg eingesetzt.

Dem Gedenken an Christen, die sich unter Lebensgefahr für die Rettung von Hunderttausenden von Juden eingesetzt haben, diente eine internationale Israel-Konferenz der Stiftung Santa Catarina im Juli 2000 in Travale/Toscana unter dem Titel „Ihr habt viele gerettet – Juden in der Toscana”. Über das Geschick der Juden Italiens während des Zweiten Weltkrieges referierten Don Giovanni, bischöflicher Ökumene-Beauftragter, Roberto Salvadore, Professor für jüdische Geschichte in Arezzo u. a. Lucio Pardi, Präsident der jüdischen Gemeinde von Bologna, schilderte seine eigene Rettung durch eine christliche Familie.

Prinz Hassan von Jordanien nahm am 12. Sept. 2000 als Vertreter der religiösen Führer der Weltfriedenskonferenz an der Eröffnung einer Synagoge in Auschwitz teil. Die Eröffnung der Synagoge zeige, daß der Tod nicht das Ende sei, sagte er. „Auf das Überleben kommt das Wiederbeleben.“ Ebenfalls eröffnet wurde ein Kulturzentrum, in dem das Leben der in Auschwitz inhaftierten Juden bis zu ihrem Abtransport in die Gaskammern dokumentiert wird. Jüdische Vertreter sehen in der Eröffnung der Synagoge eine weitere Annäherung zwischen Juden und Polen.

Die Frage „Ist Edith Stein eine Gestalt der Versöhnung oder der Entzweiung im katholisch-jüdischen Dialog?” stand im Mittelpunkt einer Lesung aus dem Buch „Edith Stein – meine Tante. Das jüdische Erbe einer katholischen Heiligen, von und mit Susanne Batzdorff, Nichte von Edith Stein, in Freiburg/Brsg. am 7. Sept. 2000. „Für uns Juden”, so S. Batzdorff, „ist es schmerzlich, daß sie sich gerade 1933, als es galt, zusammenzuhalten, vom Judentum abwandte. Darum kann sie eigentlich keine Gestalt der Versöhnung sein.” Die Rolle von Edith Stein war auch das Thema des Streitgesprächs „Heilig statt habilitiert” an der Freiburger Universität am 13. Okt. 2000. Es diskutierten Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz, Dresden, Prof. em. Hugo Ott, Freiburg, und Michael Linssen vom Internationalen Edith-Stein-Institut Würzburg.

Am 25. November 2000 feiert das Hedwig-Dransfeld-Haus sein 75jähriges Bestehen. Die Bildungseinrichtung steht unter dem Motto „Begegnung und Versöhnung“. Von besonderer Bedeutung sind die jährlichen Bibelwochen mit Juden und Christen aus vielen Ländern Europas, Israel und Ägypten. Am 27. Juli 1975 wurde dort der Verein „Freunde von Neve Shalom/Wahat al-Salam e. V.“ zur Unterstützung der friedenspädagogischen Arbeit von Neve Shalom in Israel begründet. 

Im Saarland wird zum ersten mal in der Nachkriegszeit wieder jüdischer Religionsunterricht erteilt. Seit Beginn des neuen Schuljahrs erhalten 115 jüdische Kinder aus allen Schulformen an einem zentralen Ort zwei Wochenstunden Religion.



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